Rabenmutter 2.0

Rabenmutter 2.0: Roadtrip with a Kleinkind

Familie „Ausflugs-Versager“ wagt etwas total irres: einen Kurz-Urlaub in Belgien mit Meer-Kontakt. Wenig überraschend, weil eigentlich total logisch: Zum Urlaubsauftakt bin ich direkt mal fett krank mit ordentlich Husten und Rotznase. Warum auch nicht?! Mit Kopf- und Gliederschmerzen macht es schließlich gleich doppelt so viel Spaß, den gesamten Hausstand (für 5 Tage mit Kleinkind am Meer muss man ja wirklich ALLES mitnehmen) in einen Kombi zu packen und mit einem ebenfalls erkälteten Mäuschen eine ca. vierstündige Autofahrt zu starten. Wobei ich natürlich übertreibe … mein Mann meint jedenfalls, es wäre noch Platz. Wir könnten also DOCH den Puppenwagen mitnehmen! Juchuuuu!? Oder nicht? Ne, den „vergessen“ wir einfach mal – Mutti braucht mal Urlaub von dem Teufelsding ?.

FensterGrundsätzlich hat der Mann aber recht: Es scheint noch Platz zu sein – man kann nämlich noch aus dem Beifahrerfenster sehen. Krass!!! Kurz überlege ich … aber nein, der Staubsauger bleibt echt zuhause! DAS wär ja nun wirklich übertrieben 😉 .

13:00 Uhr:
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Exakt wie von mir vorhergesagt (und angestrebt) schwingen wir unsere Hintern um Punkt 13 Uhr in die Karre und rollen Richtung Autobahn. Neben der Vorfreude, endlich mal wieder das Meer zu sehen, ist allerdings Übelkeit das dominierende Gefühl bei mir. Nicht nur, dass ich schon jetzt kotzen könnte, wenn ich daran denke, die gefühlten 15 Tonnen Prüll, die wir gerade eingeladen haben, wieder auspacken und WASCHEN zu müssen, sondern auch, weil die kleine Madam gar kein sooo großer Fan vom Autofahren ist. Eine Stunde geht noch gerade so. Aber darüber hinaus wird’s erfahrungsgemäß etwas unschön. Verständlich natürlich, schließlich hat das Kind Beine, die bewegt und Arme, die herumgewirbelt werden wollen. Aber zu Fuß – mit der Mausemaus an der Hand – würden wir wohl so an die zehn Jahre für die Strecke nach Belgien brauchen. Ist also keine Option 😉 .

Stattdessen bin ich „bewaffnet“ angetreten: Mit Büchern, Hörspiel, Puppe, Puzzel, Snacks und – für den Fall eines Stimmungs-Armageddons – einem iPad mit Sesamstraße und Findus. (Danke an alle FB-Fans, die mir Tipps gegeben haben!!!)

Zudem sind wir unbeabsichtigt um 6:00 Uhr in der MEGA-FRÜH aufgestanden und das Kind ist jetzt entsprechend extreme-übermüdet. Genau genommen ist sie sogar dem Koma nahe! Bin gespannt, wie lange der Auto-Mittagsschlaf (im Bett zwischen 1,5 und 2 Std) dann dauert. Tippe auf 30 Minuten. Bin Pessimist. Und kenne mein Gör.

Schläft13:30 Uhr:
Kind pennt! Yeahhh 😀

14:00 Uhr:
Kind wach. Verdammt.

14:10 ­– 14:25 Uhr:
Wir beginnen den Kleinkind-Unterhaltungs-Marathon mit einem umfangreichen Apfel-Massaker! Leider hatte ich alle Hände voll zu tun, den Auto-Innenraum vor der totalen Zerstörung durch Obst zu bewahren und konnte dadurch keine Fotos machen. Aber: Solche Bilder sollte sowieso niemand sehen müssen. Es war schrecklich! Und klebrig … sowas von KLEBRIG!!!

Fotos14:30 – 14:34 Uhr:
Da dachte ich doch echt, mit diesem putzigen Familie & Freunde Fotoalbum würde ich mein Töchterchen voll krass lange bespaßen können… Tja, falsch. Noch lächerlicher als mein übertriebener Glaube an meine eigene Cleverness in Sachen Kind-ablenken war nur meine Idee, ich könne doch parallel ein bisschen häkeln und mich mit meinem Mann unterhalten. Echt jetzt … manchmal hab ich Vorstellungen … zum Schreien 😀 .

14:45 – 14:55 Uhr:
Ritter Rost, das hochgerühmte Kinder-Musical, finden leider alle im Auto sitzenden Mitreisenden grässlich. Bei meinem Mann und mir liegts daran, dass wir Musicals einfach grundsätzlich doof finden und Ella scheint noch zu klein. Oder sie hat den fragwürdigen Musikgeschmack ihrer Eltern geerbt. Alles ist möglich. Nur nicht, diese CD weiterzuhören. Sorry, Herr Rost!

Stifte14:55 – 15:00 Uhr:
Also schnell die nächste Attraktion zücken, um die Stimmungslage des Kindes nicht weiter Richtung AUSRASTEN zu treiben: Ich reiche Wachsmalstifte in einem Zippbeutel, die man hervorragend ein- und auspacken kann. Normalerweise eine Beschäftigung, der das Töchterchen gefühlt stundenlang frönen mag. Aber heute – wo es wichtig wäre, dass sie sich mal mit irgendetwas länger als 3 Minuten beschäftigt – natürlich NICHT!
(Langsam spüre ich Panik aufsteigen)

15:05 – 15:15 Uhr:
Ok, ich fahre jetzt das schwere Geschütz auf, um keine Stimmungs-Eskalation auf den letzten Metern vor dem ersehnten Zwischenstopp zu riskieren. Ich bringe das iPad in seiner Kopfstützen-Station an und starte eine Folge „Findus“! Erste Reaktion der kleinen Madam: Boahhh!!! Und Mama und Papa so: Puhhhh! Doch die Erleichterung währt nur kurz, denn die Mausemaus ist einfach nur noch müde und genervt … da hilft auch kein lustiger Kater mehr! Unnötig zu erwähnen, dass das der IDEALE Zeitpunkt ist, um in einen Stau zu fahren. ARGHHHHH!!! Und als wäre das nicht genug, hat uns der Navi in Sachen Rastplatz verarscht. Ergo: Wir brauchen schnell eine Alternative, um den Ella-Super-Gau noch zu entschärfen …

15:40 – 17:19 Uhr:
Wir sind die schlechtesten Eltern aller Zeiten!!! Wir bieten unserem Kind nicht etwa ein Stückchen Rasen und Sauerstoff, um sich die Beine zu vetreten und die Lungen mit frischer Luft (an einer Autobahn-Raststätte) zu füllen – NEEEEINNN, denn wir finden keine! WAS wir finden ist … ein Flughafen. Oh man, wir kommen in die Eltern-Hölle!

Die Highlights, die wir unserem Kind heute als Pausen-Unterhaltung bieten:
Rolltreppe und Kofferwagen fahren sowie Fastfood essen (mein Herz blutet so sehr, mein kleines, gesundes Mädchen in dieser widerwärtigen Umgebung mit diesem Dreck auf dem Teller … äh, der Serviette zu sehen. Noch dazu in einem fettigen Hochstuhl. Doch am schlimmsten ist: Sie liebt es 🙁 ).

17:20 Uhr:
Sooooo, weiter geht’s! Meeeeega motiviert, die letzten Kilometer ohne heulen und motzen (das gilt für alle!) zu schaffen, steigen wir ins Auto und lassen den Flughafen hinter uns.
Zack: Wieder im Stau. NEEEEEEIIIIIN!

Waffel17:23 Uhr:
Ach, scheiß drauf! Der Tag ist eh verloren, wenn’s um gesunde Ernährung geht! Gibt’s eben auch noch Waffeln als Nachtisch (Mutti braucht das jetzt!!!). Und nochmal 5 motz-freie Minuten gewonnen!!! Bäm!

17:35 – 18:05 Uhr:
Gottseidank! Völlig fertig schläft die kleine Madam nochmal ein. (Und das trotz der halben Tonne Zucker in den Waffeln. Soll der nicht eigentlich „belebend“ wirken … gerade bei Kindern?) Naja, wen juckt’s! Hauptsache, sie verpennt diese Stau-Nummer!

GONG! Halbe Stunde rum, Kind wieder wach!

18:07 Uhr:
Mutti hat keine Lust mehr! Mutti ist laaaaangweilig!!! Mutti muss Pippi! Mutti! Will! AUSSTEIGEN!!! WUÄÄÄÄÄ!!! (Ich bin ja soooo ein gutes Vorbild 😉 )

18:08 Uhr:
Ich reiche dem Kind ein Obst-Gemüse-Quetschi. Besser als Waffel und Pommes allemal.

Geld18:12 Uhr:
Na gut … es hilft alles nichts. Ich muss es tun: Ich opfere mein Portemonnaie. Ich hasse das eigentlich, weil Geld ja nun wirklich extrem dreckig ist. Aber ich habe alle anderen Ideen, Nahrungsmittel und Ablenkungsmaßnahmen bereits verpulvert. Und wir sind immernoch unterwegs. Also … „Money, Money, Money, it’s a rich Ellas World.“

18:16 Uhr:
Ich hab einen Luftballon gefunden! Mega!!! Vielleicht bin ich doch nicht die schlechteste Mutter aller Zeiten!!!? Das Problem ist nur: Das Kind hat jetzt mein Geld. Ein einzelner Luftballon interessiert sie nicht mehr. Sie kann sich schließlich 100 kaufen. Clevere Kinder sind doch echt zum k*****!

18:45 Uhr:
Das Portemonnaie gewinnt definitiv als langlebigstes Autospielzeug. Gut, 10 Euro finde ich nicht mehr und ich musste unserer beider Hände hart desinfizieren, aber das war’s wert!

18:50 Uhr:
„Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ YEAHHHHH, der HAMMER! Wir haben es geschafft und niemand hat geheult … also länger als 5 Minuten … ich bin so stolz auf mich, äh, Ella 😀 . (Zurück würde ich aber gerne beamen – würde da wohl bitte mal schnell jemand ermöglichen?! BITTE!)

PS: Überraschenderweise hatte NIEMAND bis zum Rückreise-Tag das Beamen erfunden (obwohl ich bitte gesagt habe!!! FRECHHEIT! 😀 ). Und dennoch war die Rückfahrt  soooo viel entspannter als die Hinfahrt, denn die kleine Madam hat – ganz entgegen ihrer Natur – beinahe 2 Stunden am Stück im Auto geschlafen!!! Allerdings war der Grund weder ein Wunder, noch ein super Trick, den ich weiterempfehlen kann: Ein Magen-Darm-Infekt, der uns den letzten Urlaubstag und die dazugehörige Nacht „versüßte“, hatte dem armen Mäuschen einfach sämtliche Kräfte geraubt. Gar nicht schön, aber so etwas gehört ja schon fast zu einem guten Familienurlaub dazu … und alle Beteiligten sind mittlerweile auch wieder gesund. UND ich habe etwas gelernt:  ZUVIEL eingepackt gibt es bei einem Urlaub mit Kleinkind nicht. NIEMALS! 😉

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3 thoughts on “Rabenmutter 2.0: Roadtrip with a Kleinkind

  1. Liege -innerlich lauthals lachend- unterm Tisch (Kind nach PEKiP völlig weggetreten, wär ja schön blöde jetzt Lärm zu verursachen…). Jawoll, kenn ich: „Siehste Schatz, gut, dass wir den zweiten Fläschchenwärmer doch noch eingepackt haben.“ als auch: „Oh mein Gott, ich geb ihm Lasagne…hoffentlich gucken jetzt keine anderen Eltern!!!!“

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