Schwangerschaftstagebuch

Schwangerschaftstagebuch: 31. und 32. SSW

So langsam drehen sich meine Gedanken immer öfter um das Thema Geburt. Was muss ich noch vorbereiten? Was kann ich planen? Was muss ich einfach abwarten? Wird es so sein wie beim ersten Mal? Wird es ganz anders? Wer steht neben mir, wenn das Krümelchen das Licht der Welt erblickt? So unfassbar viele offene Fragen, die ich nicht wirklich sicher klären kann, obwohl ich wohl nichts mehr liebe, als Situationen unter Kontrolle zu wissen – unter MEINER Kontrolle, versteht sich 😉 . Bei einer Geburt ist das allerdings unmöglich. Man kann natürlich ein bisschen rumplanen … aber wer die Nummer schon mal erlebt hat, der weiß, es kommt doch meistens anders, als man vorher dachte bzw. wollte. Um so besser, dass ich wenigstens schon ein paar, ganz kleine Dinge mit Sicherheit sagen kann. Zum Beispiel, wo meine dicken Socken sein werden, wenn ich entbinde 😀 .

Schwangerschaftswoche: 31
Anzeichen / Beschwerden: Ich SCHWITZE! Ich hatte wirklich beinahe vergessen, wie irre ich schwitze, wenn ich schwanger bin. Normalerweise bin ich eher so der Typ, der bei einem Kamelritt durch die Wüste noch schnell ein Strick-Jäckchen überwirft, weil der Wind ja nun doch mal etwas frischer werden könnte. Schwanger hingegen lege ich ab ca. 23 Grad ein Verhalten an den Tag, dass eine Verwandtschaft zu Schneemännern vermuten lässt – ich zerfließe regelrecht! Und überraschenderweise hebt das meine Stimmung kein bisschen. Im Gegenteil. Ich bin unleidlich, leicht reizbar und motzig. Ein Hochgenuss also für Mann und Kind 😀 .
Gewicht: 79 Kilo . So, damit wäre ich also bereits bei 18 Extra-Kilos … vielleicht sollte ich langsam Wetten annehmen, ob ich es bis zur Geburt wieder auf 28 Zusatz-Kilos schaffe oder sogar darüber hinaus gehe (ich persönlich rechne ja mit letzterem). Laut meiner App liege ich jedenfalls schon mal läppische 6 Kilo über dem für mich „normalen“ Schwangerschaftsgewicht – dabei geht’s ja jetzt erst richtig los mit dem Zunehmen. Puhhhh, das kann ja noch heiter werden.
Bauchumfang: 105,5 cm. Der Bauch ist schön, keine Frage. Er ist kugelrund und prall und sorgt dafür, dass meine Oberschenkel unter ihm nur noch halb so mopsig wirken. Ich creme morgens, öle abends und dazwischen schwitze ich die Haut schön weich und dehnbar 😀 . Der Sommer hat auch Vorteile … wenn man sich einreden kann, dass starkes Schwitzen gegen Schwangerschaftsstreifen hilft (falls es dazu schon positive Studien gibt – her damit 😉 )!
Aktuelle Leibspeise: Tatsächlich in erster Linie Obst. Es ist gerade so heiß und schwül in Köln, dass mir sogar Milch- bzw. Schokoladeneis zu „schwer“ vorkommt und ich sogar bei dieser Erfrischung eher zu einer fruchtigen Variante greife. Natürlich packe ich trotzdem Sahne oben drauf. Und zwar nicht zu knapp. Aber ohne wäre ja auch echt albern 😉 . Grundsätzlich stehen aber vor allem Melonen, Nektarien und Trauben auf meinem Speiseplan. Und Tomaten-Mozzarella-Salat. Könnte also schlimmer sein.

IRRE! Ich bin schon in der 31. SSW … wirklich unfassbar, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn man es erst einmal über die ersten, extrem angstbehafteten 12 Wochen hinaus geschafft hat. Tatsächlich bin ich mittlerweile ziemlich entspannt – zumindest was die Angst vor einer späten Fehlgeburt angeht. Klar, ich schaffe es nicht, die Geschichten zu vergessen, die mir erzählt wurden … von den armen Müttern, die ihre Babys noch im 9. Monat verloren. Aber ich denke nicht mehr ständig daran. Vielleicht, weil ich dank der Energie der kleinen Madam in Kombination mit meiner wachsenden Erschöpfung einfach nicht mehr so viel Kraft und Zeit für Sorgen habe. Vielleicht aber auch, weil der Krümel wirklich so dermaßen aktiv unterwegs ist, dass ich ihn nur sehr selten NICHT spüre. Nachts kommt es manchmal vor, dass er weiterschläft, obwohl ich auf dem Klo war und etwas länger brauche, um eine neue, gemütliche Liegeposition zu finden. Aber wenn ich dann leicht über den Bauch streichle, räkelt er sich in mir und ich schlafe beruhigt wieder ein.

Obwohl sich meine Sorgen um mein ungeborenes Kind also deutlich reduziert haben, war ich doch aufgeregt, als der nächste Termin bei der Gynäkologin anstand. Da war es auch gar nicht so hilfreich, dass die Arzthelferin unendlich lange brauchte, um für das erste (offizielle) CTG der Schwangerschaft den Herzschlag zu finden. Wobei … richtig Angst bekam ich nicht, weil ich den Krümel spüren konnte, während sie vergeblich suchte. Der junge Mann hatte sowas von keinen Bock auf CTG, dass die arme Frau fast verzweifelte. Nach mehr als 5 Minuten fand sie zwar das schnelle Klopfen, aber kaum hatte sie alles eingerichtet und den Raum verlassen, drehte sich der kleine Monsieur weg und ließ das Gerät ins Leere laufen. Die Arme musste immer wieder anrücken und nachjustieren. Es war wirklich erbärmlich 😀 . Meine Ärztin war trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis. Und das ist ja das Wichtigste. Auch die Untersuchung ergab keinerlei Auffälligkeiten, so dass wir entspannt zum Ultraschall wechseln konnten. Ich freute mich ziemlich darauf, endlich mal wieder einen Blick auf mein Baby werfen zu dürfen und hatte – damit sie ihren Enkel auch schon mal begutachten könne – neben der Mausemaus auch meine Mutter dabei. Leider jedoch zeigte sich das Krümelchen beim Ultraschall so kooperativ wie schon beim CTG … nämlich null. Die Arme blieben vor dem Gesicht und der Rest des Babys rotierte so sehr, dass es schon echt schwer war, ihn ordentlich zu vermessen. „Also ich erkenne da gar nichts“, sagte meine Mutter enttäuscht. „Aaaaaaber ich … jetzt hab ich ihn“, antwortete die Ärztin. „Ihr Baby ist aktuell ca. 39 cm lang und ungefähr 1,560 Gramm schwer. Damit ist er ganz im Norm-Bereich.“ GOTTSEIDANK, dachte ich sofort, denn in meinem Umfeld waren gerade zwei Säuglinge geschlüpft, die deutlich mehr als 4 Kilo auf die Waage brachten. Da diese beiden aber auch schon lange vor der Geburt größer als das „Standart-Baby“ geschätzt wurden, ließ ich jetzt einfach mal die Hoffnung zu, dass ich kein 4,7 Kilo Kind in die Welt hinaus pressen müsste.

Das Thema Geburt beschäftigt mich jetzt aber allgemein immer intensiver – nicht nur, weil ich etwas Schiss habe, dass der Krümel deutlich größer ausfällt als die Mausmaus (und die war schon nicht zierlich), sondern auch, weil ich so viel über sehr schnelle Zweit-Geburten höre. In meinem Umfeld habe ich keine einzige Mutter, die für den zweiten Spross länger als maximal fünf Stunden gebraucht hat – von der ersten, kaum wahrzunehmenden Wehe bis zum Durchtrennen der Nabelschnur. Und die meisten dieser Frauen haben für die großen Geschwister deutlich mehr Zeit als ich bei Runde Nummer 1 im Kreissaal verbracht. Natürlich habe ich eigentlich nichts dagegen, wenn die Geburt sich nicht endlos hinzieht und im Prinzip einfach „fluppt“, aber … ich hab da ja so einen Plan:

Dieses Mal soll meine beste Freundin an meiner Seite stehen, sich von mir die Hand zerquetschen, anbrüllen und vollheulen lassen, denn mein Mann wird bei der kleinen Madam sein. Wir haben – bevor wir uns zu dieser Variante entschlossen – lange darüber nachgedacht, wie wir damit umgehen wollen (und können), dass wir nicht mehr nur zwei sondern drei sind, die sich während der Geburt gut und sicher aufgehoben fühlen müssen. Wir HABEN bereits ein Kind. Und es ist noch zu klein, um wirklich zu verstehen, was vor sich geht. Noch dazu ist es Fremdbetreuung eigentlich gar nicht gewöhnt … das wird erst mit der Kita kommen. UND wir haben eigentlich niemanden, der umgehend (auch nachts) abrufbar ist und sich ggf. viele Stunden (man weiß ja nie) um die Mausemaus kümmern könnte. Natürlich haben viele unserer Freunde Hilfe angeboten und gesagt, sie könnten Ella nehmen – aber in Wirklichkeit kann niemand rund um die Uhr. Alle haben schließlich ihr eigenes Leben voller Termine, gehen arbeiten, betreuen ihre Kinder, kümmern sich um kranke Verwandte oder fahren in den Urlaub. Die Unterbringung der kleinen Madam wäre damit eine total spontane, kaum planbare Veranstaltung … und das ist leider absolut nicht mein Ding. Es hat mich so nervös gemacht, nicht sicher zu wissen, wer sich um mein Kind kümmern würde, dass mein Mann und ich entschieden haben, dass es einfach ER sein wird. Denn dann kann ich tatsächlich völlig frei von Sorgen um meine kleine Tochter ins Krankenhaus fahren und unseren Sohn gebären – völlig egal, wie lang es dauert. SO kann ich entspannt an die Geburt herangehen. Und das ist ja schließlich das Allerwichtigste.

Aber: Meine Freundin, die ja nun dabei sein soll, um mich zu unterstützen und zu begleiten, wohnt nicht in Köln, sondern eine einstündige Autofahrt weit weg. Null Problemo … wenn ich zum Beispiel zwischen 22:00 und 4:00 Uhr morgens Wehen bekomme. Zu so ziemlich jeder anderen Tageszeit wird sie im Stau stehen – und zwar richtig! Zuletzt hat sie 2,5 Stunden gebraucht. Tja, jetzt mache ich mir keine Sorgen mehr um die kleine Madam, dafür aber um die Verkehrslage rund um meine Heimatstadt. Vom Regen in die Traufe, nennt man das wohl 😀 . Egal, das Krümelchen wird seinen Weg nach draußen in sein Leben – und das unsere – finden. Ob nun jemand meine Hand hält, den ich schon jahrelang kenne oder eine Hebamme, die ich bisher noch nicht getroffen habe. Und wenn ich mal ganz ehrlich bin: Bei Ellas Geburt war ich auch nicht besonders gesprächig oder zugänglich für liebevolle Nähe. Im Gegenteil … irgendwie war ich total abgelenkt 😉 .

PS: Mein Kater fehlt mir. Aber ich versuche, mich davon nicht auffressen zu lassen. Wir haben ein paar Bilder von ihm aufgehängt – auch eines in das Zimmer der Mausemaus, auf dem sie mit ihrem ersten, felligen Freund gemütlich im Schaukelstuhl schmust. Sie fragt immernoch häufig nach ihm und ich kann dann kaum meine Tränen zurück halten. Doch sie scheint zu akzeptieren, dass er fort ist … und gut damit zurecht zu kommen. Ich hingegen habe da mehr Schwierigkeiten. Manchmal „höre“ ich ihn den Flur entlang tapsen oder bilde mir ein, ihn aus dem Augenwinkel unerlaubt über den Esstisch laufen zu sehen. Ich weiß, dass ist normal – er war einfach so wahnsinnig lange Teil meines Lebens, dass mein Unterbewusstsein mir jetzt Streiche spielt. Ich muss eben Geduld haben. Irgendwann werde ich aufhören, mich nachts zu fragen, ob meine Entscheidung, ihn gehen zu lassen, wirklich richtig war und wie mein Kind akzeptieren, dass seine Zeit bei uns einfach abgelaufen war, dass man sich an die guten Zeiten erinnern muss und das es ihm nun – wo immer er auch ist – besser geht. Irgendwann …

Schwangerschaftswoche: 32
Anzeichen / Beschwerden: Mein Hauptproblem diese Woche sind ganz klar die geschwollenen Füße. Natürlich könnte ich etwas dagegen tun, indem ich mich morgens irgendwie (durch Zauberhand oder mit Hilfe von Hercules) in meine höchst attraktiven, schön dick gestrickten Kompressionsstrümpfe buxieren würde, aber … das mache ich nicht. Mal ehrlich: Bei ungefähr 35 Grad und einer Luftfeuchtigkeit, die nach einem Schlauchboot verlangt, sind Kompressionsstrümpfe wahrlich das allerletzte, was ich mir jetzt noch geben kann. Ich habe natürlich den größten Respekt vor all den Schwangeren, die das schaffen … die sich noch im Liegen, stark schwitzend und unter Zirkusverdächtigen Bewegungen an dem dicken Babybauch vorbei in diese unmenschlich engen Schläuche zwängen. Für mich jedoch ist hier echt eine (Leidens-)Grenze erreicht. Krampfadern hin, Besenreißer her – da sag ich höflich NEIN DANKE! Trotzdem bemühe ich mich täglich darum, meine Stempelchen etwas zu entlasten. Mal mit mehr, öfter mit weniger Erfolg 😉 .
Gewicht: 79,5 Kilo . Ok, also spätestens nächste Woche knacke ich die 80 Kilo-Marke. Und irgendetwas sagt mir schon jetzt: DAS WIRD MICH NICHT GLÜCKLICH MACHEN! „Du siehst toll aus … mach dich doch nicht so fertig wegen der paar Kilos“, sagt mein Mann mir ständig. Aber wenn ich dann mal über meinen Schatten hüpfe und antworte: „Es sind aber jetzt schon beinahe 19 Extra-Kilos!!!“ wird er irgendwie still 😉 . Solange ich den Bauch habe, fällt der Rest von meinem aktuell fülligeren Ich aber tatsächlich nicht so auf. Das ändert sich – soweit ich mich erinnere – aber durchaus, sobald der Krümel geschlüpft ist. Werde dann einfach alle Spiegel verhängen. Vielleicht hilft das 😀 .
Bauchumfang: 105,5 cm. Die Kugel scheint langsamer zu wachsen im Moment. Ich wurde sogar darauf angesprochen, ob ich am Bauch abgenommen hätte. In der 32. SSW? Öhhhh, nein. Eher unwahrscheinlich. Kann aber natürlich immer daran liegen, was ich gerade anhabe. Querstreifen zum Beispiel machen ja bekanntlich nicht so schlank. Da fragt man sich doch, wieso es so unsagbar viel Umstandsmode mit Querstreifen gibt? Echt jetzt, wer designt die Sachen eigentlich???
Aktuelle Leibspeise: Chips. Tja, da sind sie wieder. Ich esse vorher und nachher etwas Obst, um mich besser zu fühlen, aber Fakt ist: Jeden Tag, JEDEN Tag, findet ein Schüsselchen Chips (zumindest keine ganze Tüte 😉 ) irgendwie den Weg auf meinen kugelrunden Bauch und von da aus gelangt das „frittierte Gemüse“ ohne Umwege direkt auf meine Hüften. Mist. Naja, es war nur eine Frage der Zeit bis ich rückfällig werden würde. Die Überraschung hält sich also in Grenzen.

Processed with MOLDIV

Ich nöle ja schon länger gerne mal ein bisschen rum, aber jetzt lohnt es sich langsam ernsthaft, mal den Jammerlappen raushängen zu lassen. Es wird nämlich zunehmend (hahaha, sehr passendes Wort 😀 ) beschwerlich mit der Wampe. Zum Beispiel bin ich eigentlich ein großer Fan der Rasur … Beine, Achseln und was sonst noch Sinn macht. Allerdings merke ich, dass wohl bald eher Busch angesagt ist. Nicht unter den Armen natürlich, denn da werde ich ja wohl sogar bis zum Schluss drankommen (außer meine Brüste habe noch mehr vor, als mir lieb wäre 😉 ) Die Beine hingegen machen es mir jetzt schon ziemlich schwer – vor allem, wenn ich wie immer unter der Dusche rasieren will. Der winzige Raum gepaart mit meiner durch den Bauch eingeschränkten Gelenkigkeit führen immer öfter dazu, dass ich die Außenseiten der Unterschenkel nur noch mit der Klinge streife, jedoch kaum mehr Haare entferne. Ich will gar nicht wissen, zu welchem Ergebnis das in den nächsten Wochen führt. Da sollte ich es wohl besser einfach gleichmäßig zuwuchern lassen 😀 .

Naja, vielleicht passt es ja auch gut zu den bereits erwähnten attraktiven Wassereinlagerungen, die sich so über den Tag vom Knie abwärts bis in meine Füße (Die im Allgemeinen immer hässlicher werden, hab ich das Gefühl. Könnte aber daran liegen, dass ich aus Gründen der Bebauchung die Fußpflege auf ein Minimum reduziert habe) ausbreiten. Abends versuche ich ja, die Beine hochzulegen, aber dadurch das die kleine Madam sehr gerne mal bis 21:30 Uhr wach ist, hält sich die Zeit, die ich „Feierabend“ nennen darf, ziemlich in Grenzen. Trotzdem … letztens habe ich gedacht, ich gönn mir jetzt mal noch ne halbe Stunde TV und dazu Kühlpacks auf den Beinen. Klang nach einem spitzenmäßigen Plan … bis ich feststellen musste, dass ich – wenn ich auf der Couch sitze und die Beine vor mir auf dem Tisch platziert habe – gar nicht mehr an meine Fußgelenke rankomme, um da die verkackten Packs draufzulegen. Ergo: Ich habe wie der allerletzte Trottel dagesessen und meine dicken Treter schnaufend mit Kühlmitteln BEWORFEN!!! Wäre mein Mann zugegen gewesen, hätte er mir sicher geholfen … NACHDEM er ein Video von meiner verzweifelten Wurf-Aktion gemacht hätte. War er aber leider nicht. Wirklich zu schade! 😉

Auch echt gut gefällt mir, dass ich mich kaum mehr bücken kann (und mag), mir aber im Prinzip ALLES runterfällt. Murphys Law eben. Nervt trotzdem. Ganz besonders, wenn mir ein und dasselbe Ding mehrfach runterpurzelt, weil’s mir irgendwie aus den Fingern gleitet, während ich mich aufrichte. Klingt, als würde ich auf den letzten Metern der Schwangerschaft zu einem Vollidioten … oder einer Figur aus einem alten Charly Chaplin-Film. Vielleicht ist das aber auch der Anfang dieses Karpaltunnel-Syndroms, mit dem ich mir schon in der ersten Schwangerschaft die letzten Wochen verfeinert habe. Wobei ich noch kein Taubheitsgefühl in den Fingern habe – sie schwellen bisher einfach nur im Laufe des Tages so weit an, dass ich den Ehering kaum mehr abbekomme. Ich hab ihn mir jetzt einfach um den Hals gehängt … höre also jetzt auf den Spitznamen „Ringträger“ und stapfe am Wochenende mit zwei Kumpels barfuß los zu einem lodernden Berg 😀 .

Ich bin nicht sicher, ob es an diesen ganzen „Kleinigkeiten“, die meinen immer stärker in Mitleidenschaft gezogenen, ollen Körper belasten, liegt oder am unbeständigen Sommer-Wetter (entweder es ist scheißheiß oder herbstlich frisch garniert mit ordentlich Regen – dazwischen gibt’s nix), an der Trotzphase des Kleinkindes an meinem Rockzipfel oder an den vielen schlechten Scherzen (sorry, Schatz, aber ist leider so 😉 ) meines ständig in Lycra gekleideten Rennradfahrer-Ehemanns … aber mein Nervenkostüm weist erste Schwachstellen auf. Ich raste immer schneller aus, fange an zu heulen, sobald sich auch nur eine Diskussion andeutet, werde lauter als angebracht, wenn die kleine Madam mal wieder Knetgummi in die Couch einmassiert hat, neige zur Ungeduld (na gut – Ungeduld ist eigentlich mein zweiter Vorname, das zählt also nicht) und/oder bin öfter mies drauf wegen nichts. Ich bin ziemlich sicher, dass es vor drei Jahren ähnlich war – nur das ich damals mehr Zeit für mich hatte und Nerv-Faktoren im Notfall schlicht aus dem Weg gehen konnte. Das geht diesmal nicht. Diesmal fühle ich mich manchmal beinahe ein bisschen ausgeliefert, weil ich eben nicht mal eben aus dem für mich emotionalen Krisengebiet abtreten kann, um einfach nur ein paar Stunden (oder Tage) den Kopf in den Sand zu stecken, mich ein bisschen zu bemitleiden, weil alles so schrecklich anstrengend ist, mir ein bis zwei schnulzige Filme reinzuziehen, mich dann zu langweilen und deshalb wieder aufzustehen, um weiterzumachen. Wenn man bereits Mama ist, beschränken sich diese Ich-sammel-mich-mal-und-schöpfe-neue-Kraft-Zeiten auf … einen Klogang bei (wenn man ganz arg Glück hat) geschlossener Badezimmertür. Da laufen die Akkus irgendwann am Limit. Tja, sagt einem irgendwie vorher auch keiner, dass dieses „die zweite Schwangerschaft läuft nur so nebenher“ SO gemeint ist. Aaaaaaber … ist ja nicht mehr lang. Zumindest was den Teil mit den körperlichen Einschränkungen angeht. Der Tag der Geburt rückt schließlich immer näher … und zwar gefühlt immer schneller. Deshalb habe ich mich jetzt auch bereits dazu hinreißen lassen, wenigstens schon mal eine Liste anzulegen (ich liebe Listen ja sehr 😀 ) mit all dem Prüll, der in meine Kliniktasche bzw. in meine KliniktascheN soll. Denn ich packe tatsächlich wieder zwei: eine für den Kreißsaal und eine für den Aufenthalt. Nicht nur, weil das auf den üblichen Mami-Info-Seiten exakt so empfohlen wird, sondern vor allem, weil ich das echt für ziemlich einleuchtend und sinnvoll halte. Wobei ich mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern kann, beim letzten Mal irgendetwas aus meiner Kreissaaltasche ausgepackt bzw. benutzt zu haben. Weder die dicken Socken, noch den Labello oder eine Musik-CD. Ich hatte auch keines meiner mitgebrachten Shirts während der Geburt an, sondern so ein adrettes Hemdchen, dass den Hintern freigibt (wahrscheinlich wegen der PDA, die ich bekommen musste, um den Kaiserschnitt abzuwenden; sicher weiß ich es nicht mehr) . Dennoch packe ich wieder zwei. Weil’s mir das Gefühl gibt, gut vorbereitet zu sein, auf dieses spektakuläre Event, dass sich ansonsten beinahe komplett meiner Kontrolle entzieht. Ich weiß nicht, WANN es losgeht; ich weiß nicht, WIE LANGE es dauert; ich weiß nicht, OB meine Freundin es rechtzeitig zu mir schafft; ich weiß nicht, WELCHE Hebamme an meiner Seite stehen wird; ich weiß nicht, ob alles GUT GEHT. Aber WAS ich weiß, ist … in welchem Fach meiner kleinen Kreissaaltasche meine dicken Socken verstaut sind. Immerhin etwas 😉 .

Dieser Text ist ebenfalls erschienen bei eltern.de

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8 thoughts on “Schwangerschaftstagebuch: 31. und 32. SSW

  1. Wahnsinn, daß man sich vor der zweiten Geburt, zumindest bei engem Altersabstand, eigentlich die meisten Gedanken ums „große“ Kind macht. Bei uns war es ähnlich, die Schwester noch nicht wirklich eingewöhnt und eigentlich immer nur mit uns zusammen, irgendwie war sie bis zuletzt meine größte Sorge. Da wird man wenigstens nicht so nervös die Geburt an sich betreffend. Auf jeden Fall verlaufen zweite Geburten oft leichter, weil Dein Körper und Du schon wissen, was sie machen müssen. Tja und die Geburt ist eigentlich noch die letzte große Überraschung im Leben, sie es positiv. Alles alles kann heute geplant und gesteuert werden, die Geburt nicht (insofern eine natürliche Geburt möglich ist). Ich habe das Warten darauf eigentlich sehr genossen, dein Kind sucht sich selbst den Zeitpunkt aus und entscheidet, wann es sichtbar in Euer Leben tritt 🙂

    1. Ja, es ist doch echt einiges anders, beim zweiten Mal. Ich bin gespannt, wie die Geburt dann tatsächlich wird…und wie die Mausemaus den kleinen Bruder findet ?

  2. Ich hab letztens auch darüber gestaunt, daß es jetzt tatsächlich schon auf den Endspurt zugeht bei Dir. Zu gut erinner ich mich noch an die angstvollen, ersten Wochen, als ich Deinen Blog erst kennenlernte.

    Ich hab auch null, null aus der Kreissaaltasche entnommen. War auch nicht so viel Zeit. Der Papa hatte noch ein Verpflegungsköfferchen dabei mit allen möglichen Leckereien, Riegeln, Nüssen etc. (was auch praktisch war, weil sie uns nach der Geburt vergessen hatten und ich kein Frühstück mehr bekam (und auch sonst nix bis zum Mittag). Nur, Wasser hatten wir nicht genug -und ich hatte so schlimmen Durst. Also, einpacken! 😉

  3. Die haben uns auch im Warteraum vor dem Kreißsaal vergessen, aber das ist eine andere Geschichte und hängt möglicherweise damit zusammen, daß am Tag vorher 16 Kinder zur Welt kamen und zu unserer Zeit mind. 5 (bei 4 Kreißsälen)… 😉

    1. Oh man, dass ist krass. Ich hoffe, wenn der Krümel kommt, entbindet sonst einfach gerade keiner … was in einer Großstadt allerdings ein eher unrealistischer Wunsch ist 😀

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