Rabenmutter 2.0

Rabenmutter 2.0: Kita-Eingewöhnung … nix für schwache Nerven!

Ich halte mich nicht für ein Weichei. Also grundsätzlich jedenfalls nicht. Eher sogar im Gegenteil. Ich habe schon viele unschöne Situationen tapfer gemeistert (wenn auch nicht freiwillig), bin ruhig geblieben, als andere bereits ausflippt sind und habe einen kühlen Kopf bewahrt, obwohl das Chaos förmlich zu explodieren schien. Deshalb würde ich mich durchaus als taffe Person beschreiben. Außer … es geht um mein Kind. Wenn’s um die Mausemaus geht, dann BIN ich ein Weichei, ein Jammerlappen, eine Heulsuse. Dabei bin ich nicht mal eine Helikopter-Mum, die ihr Kind keine Sekunde aus den Augen lässt und wirklich alles kontrollieren will. Aber die Liebe zu meiner Tochter ist ganz klar meine Achillesferse (selbst gebacken … na klasse 😉 ). Geht es ihr schlecht, geht es mir schlecht. Ist sie nicht da, vermisse ich sie, als wäre ein Teil von mir fort. Die Bindung ist – irgendwie auch nach drei Jahren noch überraschend für mich – irre stark; viel stärker sogar, als ich es je für möglich gehalten hätte. Im positiven, wie im negativen Sinne. Denn so sehr, wie ich sie vergöttere, so sehr treibt mich das Kind auch in den Wahnsinn … sie trifft einfach immer den richtigen Nerv, um mich beinahe zum Mama-Hulk mutieren zu lassen. Ich würde daher sagen: Ich bin ne janz normale Muddi 😀 .

Und nun stehen wir vor der ersten großen Hürde, die wir zusammen nehmen müssen und die unsere Beziehung bzw. unser gemeinsames Leben enorm verändern wird: die Kita-Eingewöhnung. Wir sind – gemessen an der aktuell in Deutschland gängigen Norm – mächtig spät dran mit diesem Schritt, schließlich wird die kleine Madam im Oktober schon drei Jahre alt. Aber mein Mann und ich entschieden eben schon vor ihrer Geburt, dass ich drei Jahre „nur“ Mama sein würde (wir hatten glücklicherweise auch die Möglichkeiten, das durchzuziehen) und bis kurz nach ihrem zweiten Geburtstag habe ich diesen Weg auch nicht bereut. Dann begann die Trotzphase und … naja, anderes Thema 😀 .

Aber jetzt. Jetzt ist es soweit. Jetzt zieht mein kleines, große Mädchen hinaus in die große weite Welt. Das erste mal allein; ohne die Mama an der Hand – oder zumindest in Sichtweite – zu haben.
Ach … schnüff … ich bin so stolz auf sie, weil sie schon so eigenständig ist und immer so unerschrocken auf alles Neue zu geht. Eigentlich. Uneigentlich mache ich mir bereits seit Wochen vor Angst in die Hose. Denn nicht nur für sie ist die Kita-Eingewöhnung ein großer Schritt. Auch für mich. ICH muss sie gehen lassen. Und wie gesagt: Im Bezug auf mein Kind bin ich leider … EIN MEGA, STÄNDIG ROTZ UND WASSER HEULENDES WEICHEI!!!!

Zu meiner Verteidigung: Die Schwangerschaftshormone helfen mir gerade kein Stück dabei, eine taffe Frau zu sein. Im Gegenteil sogar! Ständig hab ich wegen jedem Scheiß „Pipi in die Augen“. Kack-Hormone sind das!!!

Kita-Eingewöhnung: Woche 1

MONTAG:

Na dann, los geht’s. Ich habe gestern Abend meine Tasche Kita-tauglich gepackt (Belohnungs-Gummibärchen für Ella, Taschentücher für mich 😉 ), bin viel zu früh aufgewacht und daher schon um 6 Uhr morgens duschen gegangen (hat aber auch nicht gegen die Augenringe geholfen), habe der Mausemaus ihr erstes Kita-Brot geschmiert und in ihre neue Box gepackt, mir selbst mal eben drei!!! Scheiben Brot reingedreht (eine Kombination aus Panik- und Schwangerschaftshunger), meinem Mann den traurigen Hundeblick beim Frühstück ebenso verboten wie mich ständig in den Arm zu nehmen und etwas zu sagen wie: „Ach, sie ist so schnell groß geworden, unsere kleine Mausemaus!“ (wie soll man denn dabei trockenen Auges den Morgen überstehen???) und bin rechtzeitig an der Bahnhaltestelle gelandet. Denn: Ab jetzt müssen die kleine Madam und ich jeden Morgen eine Strecke von ungefähr 40 Minuten (in einer abwechslungsreichen Mischung aus Fußmarsch und Bahnfahrt) bewältigen. Wir haben zwar durchaus auch eine Kita ungefähr 50 Meter von unserer Haustür entfernt, die wir natürlich vor ca. 2,5 Jahren als Wunscheinrichtung bei der Stadt Köln angegeben haben, doch bekommen haben wir einen Platz in einem anderen Stadtteil (die Kita-Platz-Vergabe in unserer geliebten Stadt läuft etwas holprig … und man muss wirklich sehr dankbar sein, wenn man überhaupt einen Platz bekommt). Aber im Gegensatz zu mir liebt die Mausemaus Bahnfahren wie Sau, so dass wenigstens eine voll begeistert von diesem neuen Ritual ist.

In der Kita angekommen erfahre ich als erstes, dass eine Erzieherin in der Kita gekündigt hat, daher ein Wechsel stattfand und nun in unserer Gruppe eine fehlt und die verblieben von einer „Aushilfs-Erzieherin“ unterstützt wird, bis eine neue eingestellt werden kann. Finde ich … medium-geil. Schließlich soll mein Kind hier Bezugspersonen vorfinden, die ihr bleiben; über die Eingewöhnung hinaus! Ich kann aber nichts machen. Ich kann sagen, dass mir das nicht gefällt, aber ändern kann hier niemand etwas daran. Ärgerlich. Frustrierend. Ätzend für den Start. Aber … ist halt so.
Und die kleine Madam? Die zieht einfach los und lässt ihre Mami zurück. Ohne sich umzudrehen. Sie räumt alle Regale aus, setzt sich selbstbewusst zu den großen Mädchen an den Tisch, erzählt irgendwas in ihrem speziellen Kauderwelsch über das nicht ganz so schöne Wetter und kommt nur einmal zu mir, um sich bei den Sandalen helfen zu lassen, die sie wieder anziehen soll, als es raus in den Spiel-Hof geht.
Ich trage es mit Fassung, unterhalte mich mit der anderen Mami, die heute ebenfalls die Eingewöhnung startet und deshalb neben mir auf einem dieser winzigen, für Erwachsene echt unglaublich unbequemen Stühlchen ihren Hinter balanciert.

Nach insgesamt anderthalb Stunden Aufenthalt empfiehlt die Erzieherin, unsere Kinder einzusammeln und nach Hause zu gehen. „Für den ersten Tag reicht das an neuen Eindrücken. Sie sollen ja nicht völlig Reizüberflutet werden!“, erklärt sie. Ella ist anderer Meinung. Sie will MEHR Reize. Vor allem will sie die Schaufel nicht hier lassen. Um das zu verdeutlichen, schmeißt sie sich auf den Boden, brüllt und strampelt (ach ja, die Trotzphase … ich liebe es!) und kann nur mit vereinten Kräften vom Gelände transportiert werden. Inwieweit das pädagogisch sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen. Aber wird schon in Ordnung sein. Denke ich. Wenigstens musste ICH nicht heulen. Ergo: Die Belohnungs-Gummibärchen gehen heute an (TROMMELWIRBEL) die Mama 😀 .

DIENSTAG:

Ein Traum in Tüten: Es regnet in Strömen und die dazu passenden 15 Grad lassen mich beinahe vergessen, dass August ist. Das macht den Weg zur Kita noch ein bisschen grauenvoller für mich müde, ziemlich schwangere Mutti. Die Mausemaus findet das natürlich nur halb so schlimm und springt erst einmal mit Schmackes in eine Pfütze. Top. Ich gönne ihr den Spaß, würde es aber dennoch ganz gerne einigermaßen trocken in den Kindergarten schaffen.

Durch das fiese Wetter bedingt bleiben die Kinder heute drinnen und spielen an den kleinen Tischen mit Knetgummi, basteln etwas oder malen bunte Bilder für ihre Mamis. Die kleine Madam beeindruckt die Erzieherinnen damit, wie viel Chaos sie in wenigen Minuten verursachen kann und zwingt die Damen dazu, ihr ständig hinterher zu rennen und zu erklären, dass hier immer erst ein Spielzeug wieder weggeräumt wird, bevor ein anderes ausgepackt werden darf. Ach, schön … so gemein das klingt, aber ich genieße das sehr, denn normalerweise ist das mein Spruch und ich renne hinter ihr her. Heute darf ich stattdessen einfach mal sitzen bleiben und beobachten, wie mein Kind jemand anderen ignoriert. Traumhaft! Und sehr entspannend 😉 .

Ehrlich gesagt, finde ich die Eingewöhnung bisher echt easy. Es ist weder für die Mausemaus noch für mich schmerzhaft, niemand heult und dadurch, dass es jetzt regnet, muss ich nicht mal draußen rumstehen und mein Töchterchen kann sich richtig in den für sie neuen Räumlichkeiten akklimatisieren. Läuft, würde ich sagen.
Wie gestern verabschieden wir uns nach anderthalb Stunden, fahren heim, gehen noch eben einkaufen und verbringen den Rest des Tages mit unseren ganz normalen Abläufen.

MITTWOCH:

Wir grooven uns zu Hause langsam ein, was das neue Morgen-Ritual angeht. Ich hüpfe schnell unter die Dusche, während mein Mann in einer Art Wachkoma (er ist nicht so der Frühaufsteher 😀 ) unser Kind anzieht und schon mal die Kaffee-Maschine startet (nicht für mich leider – ich übergebe mich schwanger sehr verlässlich von Kaffee). Da ich bereits abends alles packe, was ich so brauchen könnte, muss ich mich morgens tatsächlich nur noch darum kümmern, einigermaßen fit zu werden und mich selbst mit ca. einem Pfund geschmierter Brote zu versorgen. Die kleine Madam hat meine Liebe zum Frühstück bisher noch nicht für sich entdeckt. Sie beißt hier und da mal von meinem Brot ab, ihr ein eigenes vorzusetzen habe ich aber aufgegeben. Lohnt nicht. Vielleicht ändert sich das ja noch irgendwann. Ansonsten isst sie halt mit den anderen Kindern in der Kita … oder danach … oder wer weiß wann. Das Thema Essen steht bei uns auf so wackeligen Beinen wie das Thema Schlafen. Ich hab’s aber aufgegeben, ihr reinzureden. Kinder essen, wenn sie Hunger haben und schlafen, wenn sie müde sind. Alternativen gibt’s da nicht … zumindest nicht bei meinen „Engelchen“ 😉 .

„Heute wollen wir mal versuchen, dass sie rausgehen und Ella alleine hierbleibt“, erklärt mir die Erzieherin, als ich meinen kleinen Wirbelwind Punkt 9 Uhr in den Kita-Räumlichkeiten loslasse, um Unheil in der Puppenküche zu stiften. Ok, denke ich, jetzt geht’s also ans Eingemachte. Eine halbe Stunde später gibt mir die Frau, die plötzlich ein Teil des Lebens meiner Tochter ist, ein Zeichen, dass ich mich aus dem Staub machen soll. Heimlich. Ohne meinem Kind zu sagen, dass ich gehe, aber gleich wiederkomme, um sie abzuholen. Wieder frage ich mich, ob das so in Ordnung ist, füge mich jedoch, weil sie gerade wirklich ins Spiel vertieft ist und ich absolut sicher bin, dass sie mich nicht losziehen lassen würde, wenn ich ihr Bescheid gäbe. Also wende ich mich einfach zur Tür und gehe hinaus. Die andere Mami ebenso. Wir setzen uns für 30 Minuten in den Eingangsbereich der Einrichtung, quatschen und behalten dabei wachsam die Uhr im Auge. Wobei … ich ganz klar mehr als die andere Frau. Für sie ist es die dritte Eingewöhnung. Sie ist also bereits ein alter Hase und nicht so nervös wie ich es bin. „Alles ist gut, Anke“, versucht sie mich zu beruhigen, „niemand schreit.“ Sie lächelt mich an. Ich nicke: „Klar, weiß ich. Die Mausemaus macht das super!“ Und ich auch, hänge ich in Gedanken an, schließlich sind wird bereits bei Tag 3 angekommen und ich habe noch null mal geheult! Ich platze fast vor stolz – aufs Kind, aber auch auf mich selbst.

Nach Ablauf der vereinbarten Zeit gehe ich zurück in die Bären-Gruppe, sammle die kleine Madam ein und wir verlassen umgehend den Kindergarten. Die Erzieherin hatte mir vorab nämlich erklärt, dass die Kinder so am besten lernen: Wenn Mama kommt, dann geht’s nach Hause. DAS finde ich tatsächlich mal einleuchtend und sinnvoll. So waren wir heute nur insgesamt eine Stunde im Kindergarten … doch trotzdem war’s für mein Töchterchen offenbar ein echt heftiges Event, so ganz alleine bei all den fremden Kindern zu bleiben. Obwohl es eigentlich nur kurz war. Sie ist während der Rückfahrt total aufgedreht und fällt zur Mittagsschlafzeit ins Koma als hätte sie heute Nacht gar nicht geschlafen. Verrückt. Es ist eben tatsächlich ein großer Schritt.

DONNERSTAG:

Heute soll es anders laufen: Der Plan sieht so aus, dass wir Mamis nicht erst mit unseren Zwergen „ankommen“ (also etwas bei ihnen bleiben), sondern sie sofort abgeben und dann für eine Stunde den Raum verlassen. Da Kinder im Prinzip ähnliche Qualitäten aufweisen wie Hunde, riechen sie ja förmlich, wenn etwas faul ist. In diesem Fall: Beide Kids spüren schon beim Betreten der Bären-Räumlichkeiten, dass die Mamis gehen werden, klammern sich daher an uns und fangen an zu wimmern. Es ist grauenvoll. Alles in mir schreit: „Nimm dein Baby und renn!“ Ist aber natürlich keine Option. Ich ahne, dass ich heute wohl keine Gummibärchen bekomme und kann zudem leider nicht verhindern, dass mein Puls sich beschleunigt und sich ein Kloß in meinem Hals bildet.
„So, Ella, du kommst jetzt mal zu mir und wir gehen was spielen“, sagt die Erzieherin und streckt die Arme nach der kleinen Madam aus. „Die Mama geht kurz raus, kommt dich aber gleich wieder abholen. Sie wird nicht lange weg sein!“ Die Mausemaus beginnt, hysterisch zu schreien, haltlos zu weinen und schlingt Arme und Beine schraubstockähnlich um meinen Körper. Ich kann vor lauter unterdrückter Tränen (sie soll ja eigentlich nicht mitbekommen, dass es für mich auch sau schwer ist, damit sie nicht das Gefühl hat, dass hier etwas falsch läuft) nicht mehr sprechen, gebe ihr daher nur noch schnell einen Kuss und lasse zu, dass diese mir eigentlich noch völlig fremde Person mir mein Kind aus den Armen reißt. Ich war möglicherweise noch nie so weit weg davon, eine taffe, erwachsene Frau von … äh, reden wir nicht drüber … zu sein, wie in diesem Moment. Als die Tür zur Gruppe sich hinter mir schließt, weine ich einfach drauf los und habe das Gefühl, meine Kleine ganz schrecklich im Stich zu lassen. Einfach eine ganz, ganz scheußliche Situation. Die andere Mutter nimmt mich kurz in den Arm und schiebt mich dann die Treppe hinunter. „Alles ist gut, Anke, wirklich. Sie wird sich gleich beruhigen und dann spielen. Ganz sicher!“ Ich hoffe, dass sie Recht hat. Wobei ein kleiner Teil von mir sich auch das Gegenteil wünscht … dass mein kleines Mädchen so dringend ihre Mama haben will, dass die Damen aufgeben und mich holen. Ist natürlich totaler Schwachsinn, so etwas zu denken. Aber für mich ist es eben auch eine Eingewöhnung oder besser gesagt, eine ABgewöhnung von der 24 Stunden-Bindung. Es ist sicher richtig so, denke ich. Sie ist fast drei. Es ist an der Zeit, dass wir das hier machen. Sie braucht das. Und ich auch. Trotzdem ist es schwer.

Nach nur 10 Minuten hat sich die Mausemaus beruhigt; ich höre sie jedenfalls nicht mehr weinen. So kann auch ich mich fangen und mich wieder wie eine normale, nicht völlig jammerlappige Frau benehmen. Und nach einer Stunde hole ich ein Kind ab, das mir lachend in die Arme fliegt und vor stolz, dass sie alleine geblieben ist, hinaus geht wie John Wayne persönlich. SIE hat sich die Gummibärchen heute echt verdient!

FREITAG:

„Ich will heute zu Hause bleiben“, sagt die Mausemaus direkt nach dem Wachwerden und mein Herz macht schon leise Knack-Geräusche. „Aber Süße, die anderen Kinder freuen sich auf dich und wollen wieder mit dir spielen“, antworte ich und streiche ihr übers noch wuschelige Haar. Lieber hätte ich gesagt, dass ich auch zu Hause bleiben will. Und das sie mir schrecklich fehlt, wenn ich sie dort abgebe und das ich mir in die Hose mache vor Angst, wenn ich daran denke, dass es nächste Woche schon deutlich länger sein wird als ein popeliges Stündchen. Aber wem würde ich damit helfen? Niemandem. Ich muss ihr vermitteln, dass die Kita toll und richtig für sie ist. Das ist Teil meines Jobs als Mama – sie auch dabei zu unterstützen, sich sicher und vertrauensvoll von mir zu lösen. Zumindest ein kleines bisschen. Sie ist ja noch klein und wir reden hier nicht von einem mehrmonatigem Aufenthalt in einem anderen Land (was ich niemals erlauben werde, ich Glucken-Mutter 😀 ), sondern vom Kindergarten. Also … ziehe ich mein Kind an und begegne ihren Tränen tapfer mit Küssen und Lächeln. Puhhhh, schwer finde ich das trotzdem ganz dolle!!!

Sie bleibt dabei, nicht in die Kita zu wollen. Während des Frühstücks, während des Anziehens, während des kompletten Weges zur Einrichtung. Aber sie macht Jammer-Pausen zwischendurch, in denen sie mir etwas erzählt, das Bahnfahren abfeiert als wäre es das größte Highlight aller Zeiten und sogar ein bisschen was von ihrem Butterbrot knabbert. Auch die Treppe hoch zur Bären-Gruppe nimmt sie ohne Tränen, wenn auch nicht glücklich oder motiviert. Aber wenigstens muss ich sie nicht schreiend und um sich tretend hochtragen, so wie die Mutter des kleinen Pauls es machen muss, der heute offenbar auch ein enormes Tief hat.

Doch vor dem Gruppenraum angelangt, fließen auch bei meinem Kind wieder die Tränen. Sehr heftig sogar. Ihr ganzes Körperchen zittert, sie klammert sich an mich und fleht darum, dass ich sie wieder mitnehme und nicht alleine lasse. Das leise Knacken von heute morgen manifestiert sich in meiner Brust zu einem ausgewachsenen Bruch-Geräusch – mein Mutti-Herz droht zu zerbersten. Die Kindergärtnerin streckt die Arme nach meiner Tochter aus und ich lasse zu, dass sie sie mir entreißt. Sprechen kann ich gerade leider nicht, also stehle ich mich wieder mit einem Kuss aus der Situation und ergreife die Flucht, um hinter der nächsten Ecke ein Ströphchen zu flennen und mich wie die mieseste Rabenmutter aller Zeiten zu fühlen. Ich bleibe so lange dort stehen, bis ich sicher bin, dass meine kleine Madam über den Berg ist und ihre Tränen getrocknet wurden. Dann setze ich mich unten in den Mami-Eingewöhnungs-Bereich und warte die Zeit ab, bis ich die Mausemaus wieder abholen soll/darf. Zwischenzeitlich kommt eine der beiden Erzieherinnen kurz zu mir, um mir zu sagen, wie schnell Ella aufhört zu weinen, wie toll sie sich integriert und klar kommt, und das wir daher ab Montag durchaus schon auf 3 Stunden gehen könnten. „Prima“, sagte ich … meine es aber nicht wirklich so.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir die ganze Nummer mit der Eingewöhnung viel einfacher vorgestellt habe. Vor allem für mich. Schließlich fand ich es die letzten Monate wirklich mega anstrengend mit meiner kleinen Trotz-Queen, habe immer häufiger daran gedacht, wie schön es doch wäre, endlich mal wieder ein wenig Zeit für mich zu haben, die geschwollenen Beine hochzulegen und vielleicht sogar ein Buch zu lesen, bevor Terrorkind Nummer 2 das Licht der Welt erblickt. Doch jetzt kriege ich förmlich zuviel, wenn jemand in meiner Gegenwart das böse A-Wort sagt (Abnabelung) und ich daran denke, wie viel Zeit ich in Zukunft ohne die Mausemaus verbringen werde. Ich habe sogar Alpträume davon, sie zu verlieren … im Supermarkt oder auf dem Spielplatz oder – ganz schlimm – so richtig durch einen Unfall. Verrückt, wie sehr so ein Mami-Herz den viel pragmatischeren Kopf übertrumpfen kann und wie schwer es dadurch sein kann, seinem Nachwuchs die Freiheiten zuzugestehen, die er braucht und verdient. Ach ja … ich werde wohl in den nächsten Wochen sehr selten die Belohnungs-Gummibärchen bekommen – aber die kleine, starke, taffe Madam dafür sicher ganz oft. Und das macht mich – trotz meiner ganz persönlichen Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung – unfassbar stolz auf mein kleines Mädchen <3 .

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Comments

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8 thoughts on “Rabenmutter 2.0: Kita-Eingewöhnung … nix für schwache Nerven!

  1. Liebe Anke,
    auch wenn diese Thematik noch lichtjahre von mir entfernt ist (jedenfalls was das abgeben in fremde Hände angeht) fühle ich mich jetzt schon ganz auf Deiner Seite. Ich werde ganz bestimmt ganz genauso denken und mich auch genauso fühlen. Und es tut jetzt schon gut sich damit nicht alleine zu fühlen. Herzlichen Dank auch für Deine Berichte in diesem Blog! 🙂
    P.S: leider kann ich nicht zu Deiner Lesung am Freitag kommen weil ich mir da noch einmal einen Kinderfreien „Spaßabend“ gönne, aber beim nächsten Mal bin ich definitiv dabei!!
    Ganz liebe Grüße, Annica

  2. Oh du sprichst mir aus dem Herzen.
    Wir fangen nächste Woche an, aber Maus ist erst zwei.
    Ich hab beim Lesen schon geheult. Das kann ja was werden mit mir/uns.
    Als wenn Mütter es toll finden, wenn jemand sagt, das Kind macht das ganz toll, wenn es sich gerade noch an dir festgekrallt hat.
    Aber du machst mir Mut, wie ich es überstehen kann.

  3. Hallo Anke, mal wieder eine Gemeinsamkeit zwischen uns – ist ja nicht zu fassen! Meine bald 3 werdende Maus war zwar schon in einer Krippe aber seit Anfang August starten wir die Eingewöhnung in eine neue Kita (aufgrund Umzug) und heute hat sie sich – wie von dir beschrieben – an mir festgeklammert und geweint, geweint, geweint 🙁 und ich bin irgendwann einfach gegangen 🙁 habe mich gefühlt wie die letzte schlimme Rabenmutter… Und bin dann natürlich auch nicht trockenen Auges aus dem Gebäude gekommen. Ich würde sagen dass die Hormone alles noch verschlimmern …
    Ich drücke uns die Daumen, dass Mäuse und Mamas sich bald an die neue Situation gewöhnen!!

  4. Ich kenne das von meiner Maus. Sie ist mit 1 Jahr zur Tagesmutter gekommen, die Eingewöhnung hat zwar der Papa gemacht, aber die Zeit danach musste ich sie hinbringen. Das bitterliche weinen und an mir fest Klammern war grausam. Als sie sich eingewöhnt hat konnte sie mich garnicht schnell genug los werden. Nächste Woche kommt sie in den Kindergarten, bin mal gespannt wie sie das mit Papa zusammen meistert.
    Muss dazu noch sagen das ich schon nach den 8 Wochen Mutterschutz wieder voll arbeiten gegangen bin. Das war auch hart ?

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