Rabenmutter 2.0

Rabenmutter 2.0: Läuse? Ach, wen juckts!

Als ich klein war, hatten meine Schwester und ich so oft Läuse, dass ich ein mittelschweres Läuse-Trauma davongetragen habe. Nicht zuletzt deshalb, weil meine Mutter irgendwann kapituliert und uns beiden eine wenig fesche Kurzhaarfrisur (googlet mal Topfschnitt 😀 ) verpasst hat. Außerdem war es jedes mal ein Heiden-Akt, die Mistviecher wieder loszuwerden: Uns wurden gefühlt 1.000 mal mit brennendem Shampoo die Haare gewaschen, meine Mutter desinfizierte den kompletten Hausstand, wusch alles und fror im Notfall ein, was die Waschmaschine nicht überlebt hätte. Meine liebsten Stofftiere wanderten in die Tiefkühltruhe und waren tagelang nicht kuschelbar für mich. Es war furchtbar. Und soooo langwierig! Seit dem HASSE ich diese winzigen Plagegeister mehr als alles andere … und fange aus tiefverwurzelter Angst vor einem erneuten Befall schon an mich zu kratzen, wenn jemand das Ungeziefer auch nur in einem Nebensatz erwähnt (da kann man sich vorstellen, wie es mich gerade juckt, während ich das hier schreibe – boah, es schüttelt mich!) ABER: Die Mausemaus geht nun schon ein Jahr in die Kita und da dort im Prinzip dauerhaft ein Schild aushängt, das gerade Läuse rumgehen, MUSS ich jetzt endlich mal lernen, dass Läuse zwar immernoch eklig sind … aber heutzutage eigentlich fast schneller und leichter erfolgreich zu bekämpfen sind, als dieser nervige Dauer-Schnupfen, den Kita-Kinder von Oktober bis Mai wie eine Art Rotz-Accessoire spazieren tragen. VORAUSGESETZT man kümmert sich richtig darum UND alle Beteiligten ziehen an einem Strang!

Es ist gerade mal ein paar Wochen her, da schrieb eine Mutter in die Kindergarten-WhatsApp-Gruppe, dass sie bei ihrer Tochter einen Tag zuvor Läuse entdeckt hätte, dem Problem aber natürlich direkt mit einem entsprechendem Shampoo aus der Apotheke tatkräftig zu Leibe gerückt wäre. Meine Reaktion: AHHHHHH, oh Gott, oh Gott, oh Gott, EKELHAFT! Ich checkte die Mausemaus sofort mit drei verschiedenen Nissenkämmen und einer Lupe mit Licht, während ich das TÖTUNGS-Shampoo bereits im Anschlag hielt (jepp, ich werde leicht panisch – ich sag’s ja: mittelschweres Läuse-Trauma 😀 ). Die Reaktion der meisten anderen Mütter: Beinahe flächendeckendes Schweigen. Nur 4 von 22 meldeten sich überhaupt zu Wort und schrieben in die Gruppe, dass sie die Köpfe ihrer Kinder untersucht oder einfach gleich ein Shampoo aufgetragen hätten. Mehr nicht. Krass, fand ich. Aber irgendwie auch nachvollziehbar. Denn Läuse sind echt kein schönes Thema und welche zu haben noch viel weniger. Sofort fühlt man sich dreckig und denkt, es wird nun bös über einen getuschelt, über mangelnde Hygiene gesprochen oder sogar plötzlich Abstand gehalten. Und dem ist ja dann auch meist wirklich so! Nur … ist dieses Verhalten heute noch zeitgemäß? Ich meine, wir haben 2017. Wie schlimm ist diese ganze Läuse-Nummer denn eigentlich TATSÄCHLICH noch?

Weil ICH das Thema so scheußlich finde, aber trotzdem keine Lust mehr habe, Läusen so viel Macht über mich und mein Wohlbefinden zu geben (schließlich werde ich ihnen dank Kita- und Schulzeit in den nächsten Jahren noch seeeeeehr oft begegnen) habe ich mich dazu mal schlau gemacht … und als erstes die Kinderärztin meines Vertrauens (selbst Mama von drei Kindern im „Läuse-Gefahr-Alter“) ausgequetscht 😀 . Also:

Was sagt die Kinderärztin zum Thema Läuse?

Liebe Frau Dr. Pfeiffer, dass Thema Läuse ist ja eher so … bähhh. Und zwar so sehr, dass eigentlich niemand darüber reden mag (weil allein DAS schon Juckreiz auslöst), geschweige denn freiwillig zugibt, wenn die Plagegeister als Untermieter auf dem Kopf des eigenen Nachwuchse eingezogen sind. Aber ist es – vom Pfui-Bah-Faktor mal abgesehen – heute eigentlich noch notwendig, in Panik zu verfallen, wenn’s um die kleinen Mistviecher geht?

Liebe Frau Neckar, in Panik verfallen muss man natürlich nicht, aber den Läusen/ Nissen sollten umgehend mit geeigneten Mitteln zu Leibe gerückt werden. Als Mutter von drei Kindern und Kinderärztin kenne ich mich mit dem Thema aus zwei verschiedenen Perspektiven leider bestens aus. Mindestens zweimal pro Jahr entlause ich die komplette Familien – einschließlich mir selbst und verschiedenen Aupairmädchen mit hüftlangen Haaren.

Mir ist ganz wichtig zu sagen, dass ein Läusebefall definitiv NICHT mit mangelnder Hygiene im Zusammenhang steht und ganz sicher nichts ist, wofür man sich schämen müsste! Läuse wandern von Kopf zu Kopf, egal ob die Haare fettig oder frischgewaschen sind.

Wie sollte man sich denn am besten verhalten bzw. was sollte man tun, wenn sich das Kind plötzlich öfter als normal am Kopf kratzt und man Sorge hat, Läuse könnten der diabolische Auslöser dafür sein? Ist dieser Trick mit der Haarspülung als erste Kontrollinstanz, ob es wirklich Läuse sind, echt brauchbar? 

Wenn das Kind sich am Kopf juckt, dann sollte man nach Nissen/Läusen schauen und ggf. zum Kinderarzt gehen, damit die Läuse sicher ausgeschlossen werden. Eine Haarspülung mit anschließendem Durchkämmen reicht definitiv nicht aus!
Wird eine Läusebefall festgestellt, dann sollte auf jeden Fall ein geeignetes Mittel aus der Apotheke verwendet werden. Hausmittelchen reichen nicht aus! Und GANZ WICHTIG: Nach 8–10 Tagen (je nach Präparat) muss eine zweite Behandlung erfolgen, um sicher zu gehen, dass man alle Läuse/Nissen erwischt. Auch sollte die ganze Familie behandelt werden, damit es nicht zu Wiederansteckung kommt.

Von den Haaren mal abgesehen: Was muss Mutti (oder Vati) alles noch waschen, desinfizieren, einfrieren oder wegschmeißen, um sich selbst wieder ein Gefühl von Läuse-Freiheit zu schenken?

Die Bettwäsche sollte gewechselt und bei 60 ° gewaschen werden. Und – obwohl bei Reihenuntersuchungen in Grundschulen keine einzige Laus/Nisse in Mützen entdeckt wurde, während sie sich durchaus auf vielen Kinderköpfen tummelten – lautet die allgemeine Empfehlung auch heute noch, Stofftiere und Mützen zur Sicherheit für 48 Stunden in Müllsäcke zu verpacken. Wobei es tatsächlich äußert unwahrscheinlich ist, dass Läuse/Nissen darauf überleben, geschweige denn, dass sie sich überhaupt erst dorthin begeben, da Läuse die Kopfhaut normalerweise nicht verlassen – sie können nämlich nur 48 Stunden ohne Blut überleben.

Und wann dürfen die Kids wieder in die Kita gehen?

Wenn die Behandlung erfolgt ist, direkt am nächsten Tag. Es ist laut Gesundheitsamt auch keine kinderärztliche Kontrolle vor dem Kindergartenbesuch nötig. Viele Kindergärten und Schulen verlangen es aber dennoch.

Als letztes würde ich sehr gerne noch wissen: Gibt es Möglichkeiten, einen Befall zu vermeiden oder zumindest dafür zu sorgen, dass so ein Kinderkopf für Läuse unattraktiver wird? 

Theoretisch schon. Wie schon gesagt, die Laus unterscheidet nicht zwischen gepflegtem und ungepflegtem Kopf. Meinem Sohn Yul habe ich nach der dritten Kopflausrunde in drei Monaten eine Baumwollmütze auf den Kopf gesetzt, die er auch im Kindergarten tragen sollte. Das würde natürlich eine Übertragung verhindern, aber was glauben Sie, wie lange die auf dem Kopf blieb….

Hahaha, ja, die Mausemaus würde sich die Mütze natürlich auch ziemlich sofort vom Kopf ziehen. Schade, ich hatte jetzt ein bisschen auf ein „Zaubermittelchen“ gehofft 😉 . Trotzdem: VIELEN DANK das Sie sich die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet haben!

Also:

SO grässlich wie früher, ist diese Läusenummer also echt nicht mehr. Die Bettwäsche einmal heißer als gewöhnlich und allen Familienmitgliedern die Haare mit einem „Special“-Produkt zu waschen, finde ich jetzt nicht besonders schlimm. Zugegeben: Das die Stofftiere immernoch in Tüten verpackt werden sollen, würde bei der kleinen Madam nicht gerade die Stimmung heben, aber vielleicht ist dieses Wissen ein guter Anlass dafür, mal die Anzahl der Bettgefährten zu überdenken … aktuell habe ich manchmal Sorge, mein Kind unter dem ganzen Plüsch nicht mehr wiederzufinden 😀 .
Ich denke fast, ich kann in Zukunft etwas lockerer mit dem Thema umgehen und eventuell sogar irgendwann diesen bekloppten Drang ablegen, mich sofort am Kopf zu kratzen, wenn jemand das Wort „Läuse“ in der Nähe meines Gehörganges auch nur haucht. Ich werde ja auch niemals alleine dastehe mit dem Problem. Die anderen Kita-Eltern sitzen ja mit mir im Krabbel-Boot … UND die Erzieher. Wobei die es meiner Meinung nach doch noch etwas härter trifft als uns Eltern, wenn mal wieder das Läuseschild an der Info-Tafel hängt. Denn:

Was passiert eigentlich in (städtischen) Kindertageseinrichtungen, wenn Läuse „einfallen“?

Um diese Frage zu klären, habe ich mit einer netten Dame der Fachberatung des Amtes für Kinder, Jugend und Familie in Köln telefoniert. Die hat’s mir erklärt 😀 .

Wenn klar ist: Der kleine Horst und/oder die kleine Beate hat sich leider „Haustiere“ zugelegt, MUSS die Kitaleitung nach Infektionsschutzgesetz Paragraph § 34 den Läusebefall dem zuständigen Gesundheitsamt melden – natürlich anonym, also ohne den Namen des Kindes oder der Familie zu nennen. Dann wird besagtes Schild an die Tür gepinnt, damit alle Eltern, die ihren Nachwuchs in die Tagesstätte bringen, wissen, dass am Abend besser mal der Nissenkamm geschwungen und die Lupe ausgepackt wird. Und während wir Mamis und Papis die Haare unsere Kinder kämmen und selbst im schlimmsten Fall – neben der Nummer mit dem Haare waschen – „nur noch“ das Bett frisch beziehen und (wenn wir eben sehr sicher gehen wollen) Teddys eintüten müssen, geht’s in der Kita richtig rund. Denn das Robert Koch Institut empfiehlt für Gemeinschaftseinrichtungen IMMERNOCH sicherheitshalber so ziemlich alles heiß zu waschen, was irgendwie geht (inklusive Sofa-Bezüge). Was nicht so gut auf Wasser und Seife reagiert, muss für mindestens drei Tage in Plastiktüten eingepackt werden (z.B. all die tollen Kostüme aus der Rollenspielecke). Und dann müssen noch alle Kämme, Bürsten, Haarspangen usw., die zum Friseur-Spielen vor Ort sind, extra gründlich gereinigt werden.
Aber warum die ganze Arbeit, wenn doch heute eigentlich klar ist, dass die Mistviecher gar nicht so lange ohne Kinderkopf als Drive-in überleben können? Warum müssen die Kitas so viel mehr tun, als wir in unseren eigenen vier Wänden, um Läuse wieder loszuwerden? Tja, die Begründung ist denkbar (unspektakulär) einfach: Weil dort ALLES deutlich höher frequentiert wird, als im privaten Haushalt und deshalb PROPHYLAKTISCH ein riesen Aufwand betrieben wird, sobald auch nur ein Kind bestätigt Läuse hat bzw. (nach dem Waschgang) HATTE, um die potenzielle Ansteckungsgefahr für alle anderen Kita-Gänger, aber natürlich auch für das Fachpersonal, so gut es eben möglich ist, einzudämmen.
Boah, Spaß ist anders. Ich verstehe nach diesem Telefonat deutlich besser, warum die Erzieherin der Mausemaus auf meine lapidar vorgetragenen Frage: „Na, wie läuft’s an der Läuse-Front?“ eher so gänzlich ohne Schmunzler reagierte 😉 . Vor allem, weil unter uns Eltern oftmals vergessen wird: Das Personal in den Kitas ist UNSERER Motivation, schnell und gewissenhaft zu handeln, wenn’s um Läuse geht, förmlich ausgeliefert. Sie können uns nur BITTEN, die Köpfe unsere Kinder zu kontrollieren (selbst nachsehen, dürfen sie heutzutage nur noch dann, wenn die Eltern das vorab schriftlich erlaubt haben) und hoffen, dass wir nicht nur einmal, sondern ZWEImal die Haare waschen.

Fazit:

Fakt ist, die ganze Läuse-Kiste ist heutzutage nur noch halb so schlimm. Eigentlich. Uneigentlich ist das Hauptproblem, dass es sich immernoch um ein Tabuthema handelt, viele bei einer Läuse-„Infektion“ ihrem Umfeld lieber gar nichts sagen und dann auch noch – weil sie es auch vor sich selbst lieber verdrängen – die zweite Waschung nach 8–10 Tagen einfach vergessen. Würden wir umdenken und offener darüber sprechen, weil dieses lächerliche Stigma zum angeblichen Hygiene-Defizit bei Läusebefall in die Mülltonne gewandert ist, DANN wäre das Thema schnell gar nicht mehr so mega gruselig und viel leichter in den Griff zu bekommen. Ich für meinen Teil werde versuchen, etwas lockerer dranzugehen … und der kleinen Madam ein paar VOLL SCHÖNE Baumwoll-Mützen organisieren. Ein Versuch ist es wert 😉 .

PS: So ein kleines bisschen variieren die Läuse-to-does natürlich von Stadt zu Stadt, deshalb schadet es nicht, bei Interesse im eigenen Bürger- oder Kinder-, Jugend und Familien-Amt nachzufragen. ODER online nachzulesen wie die Aufgaben- und Pflichten-Verteilung von Eltern, Einrichtung und Gesundheitsamt (IfSG) bei einem Läusebefall aussehen. Zum Beispiel auf kindergesundheit-info.de.

 

Übrigens: Ich freu mich immer, wenn ihr meine Texte (zum Beispiel via Facebook) teilt 😀 :-* 

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4 thoughts on “Rabenmutter 2.0: Läuse? Ach, wen juckts!

  1. Erinnere mich, dass meine Au-Pair-Kids mal Läuse hatten, damals lernte ich schon, dass den Läusen gewaschene oder ungewaschene Haare völlig Schnuppe sind.
    Bis jetzt hatten wir Glück und hatten noch keine. Aber das ist schon echt igitt und mir juckts jetzt auch überall…

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