Rabenmutter 2.0 Top 15

Rabenmutter 2.0: A little bit mehr Respekt

Ich gebe es schrecklich ungern zu, aber wenn mir eine Mutter mit einem Baby in des Krümels Alter erzählt: „Ich möchte definitiv kein weiteres Kind – mir genügt eines!“, dann liegt es mir auf der Zunge zu sagen: „Warte erst einmal ab. Dein Floh ist noch so klein … das kann sich noch ändern.“ Glücklicherweise schaffe ich es meistens, diesen Kommentar da zu lassen, wo er ist (nämlich auf der Zunge), ihn aber nicht auszuspucken. Denn: Wie doof ist das denn? Und nervig! Und überheblich! Wieso habe ich überhaupt dieses fragwürdige Bedürfnis, so etwas (bewertendes) zu sagen? Kann ich nicht einfach akzeptieren, dass diese Frau offenbar eine INDIVIDUELLE Entscheidung getroffen hat – für SICH! Das hat doch mit MIR und meiner Entscheidung für ein zweites Kind rein gar nichts zu tun! Wieso gehe ich trotzdem instinktiv davon aus, dass es sich um eine Floskel handelt, die Aussage nicht durchdacht ist und vor allem … nicht endgültig ernst gemeint sein kann? Wieso schließe ich von mir auf (die) andere und denke, dass sie IHRE Meinung noch ändern wird, nur weil ICH es klasse finde, zwei Kinder zu haben. Ist doch total bescheuert!

Noch viel schlimmer ist es sogar, wenn das von einer anderen Mutter angesprochene Thema ganz dringend immenses Feingefühl verlangt, weil es eine Herzensangelegenheit ist, die ihr wirklich schlimme Sorgen bereitet und über die es ihr ganz arg schwer fällt zu sprechen … zum Beispiel, dass sie (manchmal) unglücklich ist in ihrer Mama-Rolle, irgendwie nicht so richtig „ankommt“ in ihrem neuen Leben, sich einsam fühlt mit ihren Ängsten und sich deshalb möglicherweise sogar hin und wieder fragt, ob das Kinderkriegen vielleicht gar nicht das richtige für sie war. Wieso um Himmelswillen ist mein erster Reaktions-Impuls dann, etwas völlig bedeppertes, unangemessenes vom Stapel zu lassen wie: „Ach, ist doch normal. Wir sind alle mal unzufrieden mit der Mutti-Gesamtsituation … wenn wir bis zum Ellenbogen mit Babyscheiße vollgeschmiert sind und dem dazu passenden Schwall Milchkotze auch nicht so ganz ausweichen konnten! *kicher, kicher*“ VOLL! KACKE!
Gut, dass ich meistens noch rechtzeitig Zugriff auf mein verpenntes Still-Demenz-Hirn erlange, um den Ernst der Situation doch noch zu erfassen und schnell mal die Fresse zu halten. Zumindest so lange, bis mir etwas Passenderes eingefallen ist, als mittelmäßige Scherzchen und dilettantisch zusammengeschusterte Lösungs-Ansätze für Probleme, die eben mehr verlangen als das.

Zu meiner Entschuldigung sei gesagt: Wenn ich es mal nicht stoppen kann, was so im Affekt aus mir rausblubbern will, gut durchdachte Entscheidungen „belächle“ oder ECHTE Sorgen nicht direkt als solche erkenne, ist das weder böse, ignorant, noch unsensibel gemeint – es ist einfach nur ein Griff ins Klo meinerseits. UND ein Zeichen dafür, dass ich es mir oft zu leicht mache, indem ich von mir auf andere schließe, anstatt richtig zuzuhören und aufgeschlossen zu sein, für Alternativen zu MEINEN Entscheidungen und Gefühlen. Blöd ist halt, dass leider nicht nur ich mich manchmal so unsensibel daneben benehme, sondern schrecklich viele Mamis (und natürlich auch Nicht-Mamis 😉 ) und dass das eine sehr, sehr unschöne Folge hat: Jene Mütter, die nicht der gängigen „Norm“ entsprechen, die eben KEIN zweites Kind wollen (obwohl alle Freunde, Verwandte und Nachbarn sogar bereits am dritten schrauben) oder nicht die Möglichkeit haben, die durchaus manchmal heftigen Tücken des Mama-Daseins mit Ironie und Sarkasmus bewaffnet wegzulachen, weil sie MEHR als bloß müde und gestresst sind … können ihre Gedanken nicht wirklich ehrlich mit uns teilen. Sie bleiben allein damit, OBWOHL sie neben uns auf dem Spielplatz sitzen, fühlen sich unzugehörig und unverstanden.

Dabei ist es doch so: Wenn wir ganz ehrlich sind, denkt doch so ziemlich jede Mehr-Kind-Mama hin und wieder: „Oh man, warum habe ich mir die ganze Chose hier denn NOCHMAL angetan!“ (OHNE die eigene Entscheidung aber tatsächlich zu bereuen) und jede Ein-Kind-Mama: „Och, ja, es hat auch Vorteile, wenn man zwei hat!“ (OHNE die eigene Entscheidung aber tatsächlich zu bereuen). Wie spektakulär großartig wäre es wohl, wenn wir sowas nicht nur denken, sondern auch SAGEN könnten, OHNE das uns sofort ein Strick draus gedreht wird?!
Und wie toll wäre es, wenn Mütter, die mit ihrem Mama-Dasein hadern, sich ihrem „Kinderwagen-Rudel“ offen anvertrauen könnten und daraufhin nur in den Arm genommen würden – ohne komisch angeschaut, belächelt oder gar verteufelt zu werden?! MEGA SUPER TOLL, wäre das!

Klar, wir können alle nicht aus unserer Haut. Was wir nicht kennen, macht uns nervös. Gerade in der Mutti-Dimension, wo ja eh schon Hinz und Kunz was an uns auszusetzen hat. Aber im Grunde ist unser Umgang untereinander doch dieselbe Nummer wie die mit unseren Kindern. Auch bei ihnen vergleichen wir alles wie die Irren und versuchen auf Teufel-komm-raus EINE für alle gültige Linie zu finden, damit wir beruhigt sind und uns selbst sagen können: Mein Weg ist der richtige, weil den ja alle gehen (die Lemminge lassen grüßen 😀 ). Allerdings haben wir bei den Kids in den letzten Jahren schon ein bisschen dazugelernt und aktivieren – sobald unser Nachwuchs aus der Rolle fällt, nicht durchschläft wie die anderen (angeblich), den Brei nicht isst wie die anderen (oder Stückchen), den Nuckie nicht abgibt wie die anderen (die Schnullerfee ist doch ne Diebin!) oder das Seepferdchen mit drei noch nicht hat wie die anderen (Angeber!) – unser liebstes Mutti-Mantra: Jedes Kind ist anders! Puhhh, genau, stimmt ja … dann geht’s wieder 😉 . Sollte das nicht auch für uns Mamis gelten? Dürfen wir denn nicht auch alle anders sein? So wie vorher, als wir noch kinderlose Erwachsene waren, denen ihre Individualität so wahnsinnig wichtig war? Wieso wollen wir uns jetzt plötzlich alle über einen Kamm scheren und uns gegenseitig in Entscheidungen und Gefühle hineinreden? Natürlich nur in Sachen Mutterschaft, Familienplanung und Kindererziehung. Was wir anziehen mögen und welche Farbe unser Auto hat, dürfen wir auch MIT Kindern an der Hand noch selbst entscheiden … SELBSTverständlich 😀 .

Ich habe mir das alles übrigens nicht ausgedacht. Ich habe E-Mails von LÄCHELN UND WINKEN-Leserinnen bekommen, die mich darum baten, mir über diese Themen mal Gedanken zu machen. Und das war sehr gut, wie ich jetzt finde. Deshalb werde ich mich in Zukunft bemühen, achtsamer zu sein, aufgeschlossener zu reagieren, einfach etwas mehr Respekt zu zeigen und auch wenn’s um die Mütter – also ausnahmsweise NICHT um die Kinder – geht, öfter mal die Schnauze zu halten, um erst einmal richtig zuhören zu können. Aller Anfang ist … klein 😉 .

 

Übrigens: Ich freu mich immer, wenn ihr meine Texte (zum Beispiel via Facebook) teilt 😀 :-* 

PLEASE SHARE:

Comments

comments

One thought on “Rabenmutter 2.0: A little bit mehr Respekt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.