Leser-Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Isabell erzählt

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt einen Geburtsbericht schreiben soll…
Die Geburt unserer Tochter war kein schönes Erlebnis.
Die Tatsache aber, dass sie geboren ist und wie toll sie sich entwickelt ist ein vollkommenes Wunder und macht uns überglücklich.
Deshalb habe ich mich doch dafür entschieden. Um Mut zu machen. Und um zu ermutigen, achtsam zu sein.
Ich habe einige Zeit gebraucht, alles zu verarbeiten und mir letztlich auch professionelle Hilfe genommen, was ich nur empfehlen kann, wenn es euch ähnlich ergangen ist.
Unsere Maus ist ein absolutes Wunschkind und wir haben uns riesig über die Schwangerschaft gefreut. Irgendwie hatte ich so ein Gefühl, dass sie später kommen würde, als errechnet. Super Körpergefühl, kann ich da nur sagen 😉
Der Termin sollte der 22.09.2016 sein. Die Schwangerschaft verlief in den ersten Monaten völlig unkompliziert und so machte ich mir wenig Sorgen, als ich Anfang Juli 2016 plötzlich starke Wassereinlagerungen bekam. Logisch dachte ich, wird ja auch heiß gerade.
In der 29. SSW hatte ich einen regulären Vorsorgetermin bei meiner Gynäkologin. Und die wurde plötzlich ziemlich unruhig. Sehr unruhig um genau zu sein. Da stimmt was nicht, sagte sie. Ihr Blutdruck und Ihre Eiweisausscheidungen sind zu hoch, ihr Baby ist zu klein. Ich schreibe Sie krank und Sie stellen sich bitte sofort in einer Klinik vor.
Es war, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Plötzlich war die Rede von Kaiserschnitt, Frühgeburt, Medikamenten. Verdacht auf Präeklampsie/Schwangerschaftsvergiftung. Mit 29. Ohne irgendeiner Risikogruppe anzugehören. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutet, wusste nicht einmal, was ich in die Krankenhaustasche einpacken sollte, hatte ich Krankenhäuser doch bisher nur als Besucherin von innen gesehen und die Geburt erschien mir noch in weiter Ferne.
Es folgten drei aufreibende Wochen voller Angst und Ungewissheit, in denen das Blutdruckgerät mein größter Feind und unser wichtigster Vertrauter zugleich wurde.
In der 31. SSW wurde ich stationär in das nächstgelegene Krankenhaus aufgenommen. CTG, Doppler-Ultraschall, Blutdruckkontrolle, Blut- und Urinentnahme mehrfach am Tag inklusive. Man versuchte noch, mich auf blutdrucksenkende Mittel einzustellen, worauf unser Baby jedoch mit Herztonabfällen reagierte. Also wurde uns die Lungenreifungsspritze verabreicht und ich wurde per Krankentransport in die Uniklinik verlegt. Dort bekam ich auch noch vorzeitige Wehen.
Nachdem ich weitere Medikamente verabreicht bekommen hatte und die Lungenreife des Babys am 29.07. abends um 23:00 abgeschlossen war, machten die Ärzte uns Mut, dass wir die Schwangerschaft sicher noch mindestens zwei Wochen würden halten können. Mein Mann machte sich völlig erschöpft auf den Heimweg und ich schlief – mindestens ebenso erschöpft – endlich ein.
Bis um 00:30. Da wurde ich wieder geweckt. Die Oberärztin stand vor meinem Bett und sagte, man werde nun einen Kaiserschnitt machen. Völlig verwirrt und schlaftrunken war meine erste Frage: „Bei wem?“ und die Zweite: „Wann?“. Die Antworten lauteten: „Jetzt! Bei Ihnen!“ Während ich versuchte mich zu orientieren und das Gehörte auch zu verstehen rief ich zitternd meinen Mann an.
Für weitere Aufklärung und Unterschriften fehlte die Zeit. Mein persönlicher Albtraum schien Realität zu werden.
Kurz darauf betrat mein Mann den Kreißsaal und sagte: „Ich freue mich, jetzt holen sie unsere Tochter auf die Welt“. Seine Worte waren mein Anker. Endlich beruhigte ich mich ein wenig und begann zu verstehen, was da gerade passierte.
Gefühlte zwei Minuten später lag ich im OP. Unser größtes Glück war ein absolut fähiger und feinfühliger Anästhesist. Dieser legte auf unseren Wunsch hin eine Spinalanästhesie (ohne dass ich auch nur den leisesten Schmerz spürte) und redete beruhigend auf mich ein.
Die Ärztin sprach davon, dass es gleich ein wenig drücken werde. Ich dachte also mein Bauch werde abgetastet. Kurz darauf war ein leises quieken zu hören. Aha. Ein Gerät dachte ich. Da sagte mein Mann: „Hast du sie gehört?“ Ich fragte: „Wen?“ Er schaute mich ganz irritiert an und sagte: „Na unsere Tochter!“ Ich spürte nichts, dachte, man hätte mich noch gar nicht aufgeschnitten!
Da war sie also, unsere kleine Kämpferin, 1455g leicht und 45cm klein – 1:45 in Schwangerschaftswoche 32+2.
Die kleine Maus kam sofort in die Hände der Kinderärzte und mein Mann durfte mit in den Nebenraum zur ersten Untersuchung. Es war höchste Zeit. Die Kleine hatte bereits grünes Fruchtwasser geschluckt.
Bei aller Dramatik zählt heute nur eines: Unser gesundes Baby! Es war, als hätte unsere Kleine sofort gewusst, wo sie ist und was zu tun ist. Sie musste nur wenige Stunden beatmet werden. Dank unseres aufmerksamen Anästhesisten wurde sie mir, nachdem der Kaiserschnitt vernäht war, sogar kurz auf den Bauch gelegt. Nach vier kräftezehrenden Wochen Intensiv- und Frühgeborenenstation, die uns wie eine Ewigkeit erschienen, wurde sie endlich  zu uns nach Hause entlassen.
Seither entwickelt sie sich völlig altersgerecht, ist unglaublich lebensfroh und unser allergrößtes Glück.
Diesen spannenden Bericht über die Geburt ihr kleinen Helena hat Isabell geschrieben. 🙂
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