Leser-Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Jasmin erzählt

Erstaunlicherweise kann ich mich an die Geburt unseres ersten Sohnes vor drei Jahren nur noch schemenhaft erinnern. Es war einfach lange und anstrengend, kein Wunder bei 39 cm Kopfumfang! Deshalb möchte ich lieber von der Geburt unseres zweiten Sohnes berichten.
Der errechnete ET war der 14.12.16. Bei der Vorstellung im Krankenhaus wurde gesagt, dass es wohl ein großes /schweres Kind wird und man eher nicht bis zehn Tage nach ET mit der Einleitung warten würde. „Ja ich hoffe doch, da ist nämlich Heiligabend, den möchte ich zu Hause feiern!“  Zudem hatte es bei der Einleitung beim ersten fast zwei Tage gedauert bis mal was passierte, darauf hatte ich ja so gar keine Lust. Ich habe also alles versucht, damit Nummer zwei pünktlich kommt. Etliche Heublumendampfbäder und Zitronenverbene-Ingwer-Zimt-Nelken Tees später, wurde ich am 13.12. so gegen 5 / 6 Uhr wach mit einem unangenehmen Ziehen im Rücken. „Aber nein, ich bin doch noch müde“ ging es mir durch den Kopf. Ich dachte eh noch das sind mal wieder Senkwehen. Aber es war so nervig, dass ich nicht mehr einschlafen konnte. Also dann doch raus und erst mal unter die Dusche. Beine rasieren ist schließlich wichtig 😀 Unter der warmen Dusche wurden die Schmerzen stärker, da war mir klar „Es geht los“.  Gegen 7 habe ich dann meinen Mann geweckt: „Ich glaube du gehst heute nicht auf die Arbeit“.   Nachdem er dann auch mal verstanden hatte, dass es tatsächlich los geht, hat er sich aus dem Bett bewegt. Unser „Großer“ wurde um 9 Uhr von meiner Mutter abgeholt, da war ich schon ordentlich am schnauben, so etwa alle 5 Minuten kam eine Wehe. Um 10 Uhr waren wir am Krankenhaus. Da wir keinen Parkplatz gefunden haben, hat mein Mann mich so nah es ging raus gelassen und hat sich auf die Suche begeben. Mein Wehen veratmen mitten auf der Weg sah bestimmt amüsant aus. Dann ging es erst mal ans CTG. Eine gefühlte Ewigkeit, wenn man da auf dieser Untersuchungspritsche liegt und schon ständig Wehen hat. Das „Bleiben sie locker und lassen sie es zu“  hätte sich die vorbei schauende Hebamme  genauso sparen können wie mein Mann die Aussage „Naja schauen wir mal ob das heute noch kommt“. Äh danke! Sehr motivierend. Da war die andere Hebamme, die nach der ersten Untersuchung 5cm MuMu festgestellt hat und meinte „Das schaffen wir noch in meiner Frühschicht“, doch mehr Ansporn. Ich durfte direkt in den Kreißsaal, mein Mann sollte alleine zur Anmeldung gehen. Da ich es gerne wollte , bereitete die Hebamme einen Geburtshocker vor, sagte aber, dass ich da wirklich nur zur eigentlichen Austreibungsphase drauf darf. Ich musste eh die Wehen im Stehen veratmen, die anwesende Ärztin konnte durch festen Druck auf den unteren Rücken etwas Erleichterung verschaffen. Gerne hätte ich auch etwas Schmerzmittel über den Tropf gehabt, aber trotz Versuchen an vier Stellen war kein Zugang möglich, da ich wohl zu wenig getrunken hatte. Die Ärztin meinte noch, sie überlegt sich was, aber als ich sie das nächste Mal sah, war ich schon nahezu dabei mein Kind raus zu pressen. Also musste es auch ohne gehen. Wann genau die Fruchtblase platzte weiß ich gar nicht mehr, ich war schon voll im Geburts Modus ohne Zeit und Raum. Der Druck nach unten wuchs und ich kniete mich auf das Kreißsaalbett. Hinter dem hoch geklappten Kopfteil stand mein Mann und ich konnte während der Wehen seine Hände drücken. Irgendwie ging alles Schlag auf Schlag, kaum ein durchatmen möglich. Kurz der Gedanke „Warum zur Hölle wolltest du das noch mal?“  und schon ging es ans Pressen. „Jetzt dürften sie auf den Hocker!“  „Ich bewege mich nirgends mehr hin!“. Da ich bei der Geburtsplanung angegeben hatte, dass alles mit mir genau abgesprochen werden soll, sagte die Hebamme nach einiger Zeit , dass wir leider nicht um einen Schnitt herum kommen. Ja ich wusste was sie meinte. Schon mehrfach war mein Kind kurz vor dem Ausgang, der Moment in dem man denkt „ich mag nicht mehr“  und mehrfach war es wieder weit zurück gerutscht. Es war natürlich angenehm, wenn der Druck nach ließ, aber es musste ja auch mal weiter gehen. Am Rande bekam ich mit, dass ein kleiner Schnitt gemacht wurde, aber selbst dadurch ging es nicht weiter. Es wurde weiter geschnitten und bei der nächsten Wehe war mein Kind komplett da. 12:19 Uhr. Ja, das hatten wir wirklich in der Frühschicht noch geschafft! Da ich bis dahin (bewusst)  das Geschlecht noch nicht wusste, brachte ich nur ein „was ist es denn?“  raus. „Schauen Sie doch selbst nach“  animierte mich für Hebamme freundlich und ich fischte nach hinten (ich war ja noch auf den Knien) nach meinem Kind. „Ach war ja klar, noch ein Junge“ und dann wurde ausgiebig gekuschelt!
Diese Geburt war echt toll. Natürlich nicht schmerzfrei, aber ich wusste irgendwie was ich zu tun habe und bin viel besser mit allem klar gekommen. Ja also wenn ich so genau darüber nachdenke, das könnte ich ja vielleicht doch noch ein drittes Mal…

Diesen schönen Bericht über die Geburt ihres zweiten Kindes hat Jasmin geschrieben 🙂

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