Rabenmutter 2.0

Beikost-Einführung never ends

Seit über einem Jahr sage ich folgendes: „Beim zweiten Kind lasse ich mich nicht stressen … von niemandem! Weder in Sachen Babyschlaf, noch in Punkto stillen und natürlich demzufolge auch nicht, wenn’s um die Aufnahme fester Nahrung geht. Ich bleibe locker! Ich bleibe entspannt! Egal wie lang es dauert! Denn ich weiß aus Erfahrung mit dem großen Töchterchen: Alle Kinder schlafen irgendwann durch – und essen richtig!“ Und EIGENTLICH bin ich immer noch der Meinung, dass ich mit dieser Einstellung völlig richtig liege, auch wenn ich dank der dauerhaft grässlichen Nächte oft aussehe wie der Tod auf Latschen und kaum geradeaus denken kann. Ich bin mir einfach darüber im Klaren, dass der Baby-Sohn nicht mit Absicht mies schläft und ganz besonders in aktiven Zahnungszeiten auch mit über 11 Kilo nur AUF der Mama zur Ruhe kommt. Das ICH dann nicht mehr pennen kann, ist … naja … mein Pech :D . Scheiß drauf, ich werde es überleben.
Was allerdings unsere andere ewig währende Baustelle angeht, die Nummer mit der Ernährung nämlich, schleicht sich bei mir langsam der Verdacht ein, dass hier eine Art Durchhalte-Contest zwischen mir und dem 16 Monate alten Bub läuft. Und ich befürchte, bei dem schneide ich aktuell gar nicht mal so richtig gut ab. ;)

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Ich stille noch. Und das gern. Von Anfang an war für mich klar, dass ich diese zweite Stillbeziehung nicht auf Biegen und Brechen beenden würde, da das Abstillen für die Tochter und mich damals recht schmerzlich und langwierig ausfiel (eben weil’s für uns, ganz individuell betrachtet, wahrscheinlich zu früh war, ich aber dachte, es müsse mit 13 Monaten endlich sein) und ich im Endeffekt „zur Strafe“ ewig lange nachts Flaschen zubereiten musste. Das würde ich diesmal gerne vermeiden und bin daher durchaus gewillt, die Stillerei noch beizubehalten, solange der Baby-Sohn es eben für sein persönliches Wohlbefinden benötigt. Allerdings beziehe ICH das mittlerweile eher nur noch auf die Nächte … also theoretisch zumindestens. Denn ER findet stillen auch tagsüber noch mehr als legitim. Genau genommen fordert er es sogar recht vehement ein – mit klopfen auf Mamas Dekolleté und gierigem Blick auf meine Brüste – völlig unabhängig davon, ob und was er gerade gegessen hat. Soll heißen: Selbst wenn er sich bereits eine ordentliche Portion Nudeln mit Tomatensoße reingepfiffen und dazu eine halbe Pulle Wasser geext hat, kommt er anschließen grinsend angedackelt und verlangt seinen „Nachtisch“. SO HABE ICH MIR DAS NICHT GEDACHT!!! ;)

Allerdings ist diese Situation eher die Seltenheit … also das er mit vollem Magen auch noch gestillt werden will, da er den aktuell von fester Nahrung maximal mittags hat. Denn zu jeder anderen Tageszeit verhält sich der Krümel wie ein hochnäsiger, schlecht gelaunter Restaurant-Kritiker, sobald ich ihm etwas zu essen anbiete: Er rümpft die Nase, bedenkt mich mit einem Blick der offenbar „Echt jetzt? DAS soll ich essen?“ heißen soll und winkt theatralisch ab. Und das gilt für alles außer:

  • Bratwurst (ist ja fast gar nicht fettig … und salzig)
  • Waffel (bisschen Zucker gefällig? )
  • Brokkoli (Gottseidank nimmt er EIN Gemüse!)
  • Spätzle mit Soße (zumindest die frischen)
  • Nudeln mit Soße (natürlich ausschließlich eine Sorte!)
  • Fruchtzwerge (jetzt auch nicht besonders gesund … außer man steht auf „kleine Steaks“ ;) )

Zugegeben: Das ist nicht nichts, ABER ist auch nicht wirklich ausreichend, um irgendwie eine halbwegs ausgewogene Ernährung hinzubekommen. Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, da sollte langsam etwas mehr gehen. Zum Beispiel Brot. Ich würde meinem Kind liebend gerne morgens ein Brot anbieten. Vielleicht mit etwas Butter oder Käse oder auch Wurst. Lehnt er aber harsch wedelnd ab, knabbert maximal ein wenig an seiner viel zu süßen Waffel, die ich ihm aus Verzweiflung reiche und beschränkt sich lieber darauf, mir NACH dem Frühstück wie ein Bar-Gast auf die „Theke“ zu klopfen. Dass er dabei nicht „SERVICE“ ruft, liegt sicher bloß daran, dass seine sprachliche Entwicklung BISHER nicht weit genug fortgeschritten ist :D .

Vielleicht mache ich mir gerade ja auch zu viel Stress … also das Gegenteil von dem, was ich mir vorgenommen habe. Aber ich muss eben gestehen, dass ich manchmal mit etwas Neid in die von Banane, Leberwurst, Eintöpfen oder Gemüse-Matsch verschmierten Gesichter der mit uns befreundeten, sich im selben Alter wie der Krümel befindenden kleinen Fressmaschinen blicke und mir wirklich wünsche, der junge Mann auf meinem Schoß würde so ein bisschen mehr Interesse an fester Nahrung und ABWECHSLUNG zeigen, als er es eben tut. Möglicherweise ist das falsch. Möglicherweise sollte ich mich eher freuen, dass er wenigstens Brokkoli zu sich nimmt UND hoch motiviert Besteck benutzt, um die wenigen Lebensmittel, die seinem Gusto entsprechen, mehr oder minder fachgerecht zum Mund zu führen. Möglicherweise hat hier wieder nur einer ein Problem mit der Situation … nämlich ich, weil ich zu viel auf die Teller der anderen Kinder linse, diese zu viel mit meinem vergleiche und mich so tatsächlich doch wieder genau auf dieselbe Art stressen lasse, wie damals bei der Mausemaus. MANNO … genau das wollte ich doch vermeiden! Ich bin offenbar nicht ganz so lernfähig, wie ich gehofft hatte ;) .

Naja, ich werde mich jetzt mal locker machen und durchatmen. Ich werde dem Krümelchen weiterhin die Banane und den Apfel (den zerkaut er wenigstens, bevor er ihn mir in die Hand rotzt) und das Butterbrot und die Gemüsesuppe anbieten … und es dann tapfer, ohne zu heulen, wieder an mich nehmen oder einfach an die große Schwester weiterleiten. Ich werde mich in Geduld üben – und die anderen Kinder eben anders sein lassen. Es geht dem Krümel ja gut! Es fehlt ihm an nichts. Und mir geht’s eigentlich auch gut damit … wenigstens solange er noch nicht SERVICE ruft ;) :D .

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11 Kommentare für “Beikost-Einführung never ends

  1. Danke für diesen tollen Beitrag! Wir haben auch einen kleinen Restaurantkritiker zuhause (18 Monate alt), der gerne mal (für ihn) neue Lebensmittel anleckt und dann das Gesicht verzieht. Komischerweise scheint er in der Kita nicht ganz so wählerisch zu sein… Auch wir stillen noch nachts und ich spreche gar nicht mehr darüber, weil man inzwischen von (fast) allen Seiten schief angeguckt wird. Deswegen finde ich deine Blogparade auch großartig!!!

  2. Och mensch. Ich kenne diese Situation von der anderen Seite der Geschichte.
    Ich bin eine mama deren Kinder (jetzt 2 1/2 und 1 jahr) viel zu früh die Nase voll von milchbar hatten und lieber all die Leckereien aßen die es so auf tischen von mama und papa gab.
    Vorab – gestillt habe ich nie es gab nur Fläschchen. Der große hat mit 16 wochen brav nach plan angefangen mit der beikost und innerhalb 1 Woche alle Fläschchen, ausser die am Morgen, ersetzt. Wie bitte? Und wo ist mein baby? Mein süßes kleines milchverschmiertes, bäuerchen machendes krümelchen? Ich war soo neidisch auf all die mamas die abends zum einschlafen kuschelnd die Flasche geben konnten (stillen ist nicht mein thema daher nur dieser Vergleich). Ich habe haferbrei gekocht und das kind , das ja natürlich auch nicht im hochstohl, demnach auch nicht ruhig saß, versucht unfallfrei zu füttern. Alle fanden es soo putzig wie er reingehauen hat und mich angemeckert hat wenn der löffel doch mal nicht schnell genug kam. Und mama? Mamas herz blutete… kinder brauchen milch, keine kuhmilch im 1. Jahr… aber was soll man machen wenn das kind seine milch wehement verweigert?? Richtig man gibt dem kind was es möchte und fühlt sich hundeelend.
    Beim kleinen Mann ging es zum glück etwas lamgsamer hier wurde die aller letzte Flasche nicht mit 7 sondern 8 Monaten zubereitet.. aber immer noch viel zu früh!

    Freu dich lieber dass dein sohn noch so viel von seiner mama möchte. Wenn es aufhört vermisst man es umsomehr ;-)
    Klar ist es (wenn das kind isst und keine Flasche mehr braucht) einfacher wenn man unterwegs ist.. aber nur weil es leichter ist ist es auf gar keinen fall schöner!! Ich hätte meine “babys” wirklich sehr gerne länger gehabt als nur diese kurze zeit…

    Und obendrein … sch$#@ auf die anderen… jede familie hat ihr eigenes Tempo. Kein Kind ist vergleichbar. Wie du selbst sagst :essen werden sie alle irgendwann.. genau wie trocken werden, schlafen, sprechen …sich entwickeln!

  3. Junior mampft zwar auch einiges zusammen, sieht aber trotzdem nicht ein, den Quell aller (Baby-)Freuden deshalb versiegen zu lassen. Er krabbelt mir auf den Schoß und beginnt, herzhaft an meinem Ausschnitt zu ziehen – etwas, worum ihn der Gatte ehrlich beneidet.
    Eigentlich wollte ich ihn mit einem Jahr wenn überhaupt nur noch nachts stillen, aber ich fürchte, das hat er gemerkt….

  4. Oh, das klingt sooo vertraut (Schlaf und Essen). Kinder, die oft ein halbes Jahr jünger waren, haben morgens zwei Brote gegessen und ich war schon schon mit 3 Bissen “zufrieden”. Er ist selbst heute mit 2,5 Jahren kein super Esser, dank aber über 2 Jahren Stillzeit ein propperes Kerlchen 😆.
    Im Sommer kommt Nummer 2 und ja, ich bin auch noch in der Phase, dass ich mich dieses Mal nicht stresse bzw. stressen lasse…..

  5. Also vergleichen ist ja nie gut… aber wenn schon dann kannst du es mit uns tun 😉 Meiner ist mit 15 Monaten am liebsten Fruchtzwerge oder Obstquetscher. Außerdem hat er einen sechsten Sinn für Schokolade… egal wie gut sie versteckt ist oder heimlich von den anderen Familienmitgliedern gegessen wird. Alles was frisch ist oder gesunder Nahrung gleicht wird sofort wieder ausgespuckt.
    Bei mir ists kein klopfen aufs Dekoltee sondern ein Forschers ziehen am T-Shirt und ein beherzter Grapscher…
    langer Rede kurzer Sinn: ihr seid nicht allein 😉