(Leser-)Geburtsberichte

Desiree erzählt

Zwei Wochen ist es nun her, dass sich mein Leben gänzlich verändert hat. Und das auch noch gut zwei Wochen früher, als eigentlich erwartet… Denn der ET meiner kleinen Tochter wäre morgen gewesen und sie somit ein Januar 2018 Baby. Doch irgendwie hatte sie sich scheinbar einen anderen Geburtstermin in den Kopf gesetzt.

Die gesamte Woche vor der Geburt war ich damit beschäftigt, alles fertig zu bekommen. Die letzen Sachen wanderten in die Krankenhaustasche, das Bett wurde frisch bezogen, der Wickeltisch mit Windeln bestückt. Im Nachhinein vielleicht schon die ersten Anzeichen dessen, was mich am Wochenende erwarten sollte.

Samstag der 16.12.2017 fing eigentlich wie jeder andere Samstag bei uns an. Gemütlich frühstücken und dann gemeinsam Lebensmittel einkaufen. Wobei ich hier schon sehr schnell am Ende meiner Kräfte war. Daheim wurden dann nur noch Bauchfotos gemacht – wer weiß schon, wie lange man das noch schafft – und anschließend einfach im Bett rumgelümmelt, während mein Mann das Abendessen kochte. Die Lasagne roch fantastisch, doch ich konnte sie tatsächlich erst eine Woche später essen… denn genau als die Lasagne fertig aus dem Ofen kam, war er da – mein Blasensprung. Nie hätte ich damit gerechnet. Vor allem, weil eine Bekannte, die auf den Tag nach mir ausgerechnet war, bereits am Donnerstag ihren Sohn zur Welt brachte… Ich machte mich frisch und zog mich um, während mein Mann im Krankenhaus anrief. Ich hatte etwas Angst, dass wir abgewiesen werden, weil man bei uns so viele Gerüchte darüber hört, dass man durchaus häufiger mal wegen Überfüllung weggeschickt wird. Aber nein: wir sollten kommen. Also hatte ich meinen persönlichen “4 Hochzeiten und ein Todesfall”-Moment. Mit einem Strandhandtuch zwischen den Beinen lief ich “Scheiße, Scheiße, Scheiße” rufend zum Auto. Auf der 15 minütigen Fahrt ließ ich mir dann nochmal alles aus dem Geburtsvorbereitungskurs durch den Kopf gehen:

  • Wehen veratmen
  • Positionen zum Veratmen
  • es wird eine Hebamme dabei sein, die meinem Mann und mir hier hilft…

Erstaunlich ruhig war ich, als wir am Krankenhaus ankamen, der Storchenparkplatz wegen defekter Schranke nicht erreichbar war und mein Mann mich vor dem Haupteingang raus ließ und wir uns dann im Kreißsaal wieder sehen wollten. Ich will gar nicht wissen, was die anderen Menschen im Eingangsbereich über mich und mein Strandtuch dachten…

19:10 Uhr – blauer Kreißsaal

Ich wurde erstmal in einen Kreißsaal geführt und die Hebamme wollte schauen, ob es denn wirklich Fruchtwasser ist. Doch kaum stand ich auf meinem Handtuch, kam der nächste Schwall Fruchtwasser. Kein weiterer Test nötig. Erstmal umziehen und einen sexy AOK-Tanga (hört sich netter an als Netzhöschen) an. Dann ab ans CTG und Muttermundkontrolle. Keine Wehen zu sehen, Muttermund noch geschlossen. Dennoch wurde mir schonmal ein Zugang gelegt, schließlich muss in regelmäßigen Abständen mein Blut auf Entzündungswerte hin geprüft werden.

21:30 Uhr – 3-Bett Zimmer

Es hieß also abwarten, denn ohne Wehen und mit geschlossenem Muttermund kein Baby. Ich bekam ein Zimmer mit einer frisch gebackenen Mutter, die ihre Zwillinge per Kaiserschnitt bekommen hat. War ganz nett, aber irgendwie konnte ich nicht an schlafen denken. Entweder die Babys quäkten oder ich musste dann doch Wehen veratmen. In den Kreißsaal durfte ich erst wieder, wenn die deutlich stärker würden. Mein Mann fuhr erstmal nach Hause.
Die Wehen kamen plötzlich regelmäßig in 6 Minuten Abständen, ich hatte Angst und musste irgendwie da durch, ohne meinen Mann. Meine Bettnachbarin bot noch an, dass er doch einfach bei uns auf einem Stuhl nächtigen könnte. Ich schob das erstmal auf später, war aber froh über das Angebot. Erstmal wollte ich nochmal in den Kreißsaal. Bei regelmäßigen Wehen…

Ca. 23:30 Uhr – weißer Kreißsaal

Also ab ans CTG. Nun waren die schönen Kreißsäle schon voll, so dass man mich in den weißen brachte:

  • kein Fenster
  • laute, dröhnende Lüftung
  • kein vernünftiges Kreißbett

Hier lag ich nun bestimmt 45 Minuten gänzlich alleine. Keine Klingel in der Nähe, keine Hebamme, die einem durch die Wehen half. Kein Handyempfang. Irgendwie ging die Zeit doch rum, aber ich hatte echt Schmerzen. Doch der Muttermund hatte es gerade mal auf 2 cm geschafft. Also bekam ich ein paar Tabletten und wurde ins Bett geschickt. Noch oben auf dem Flur musste ich mich festhalten, um die Wehe zu veratmen. Alleine kam ich nicht zum Zimmer, so dass mir eine Schwester helfen musste. Hier rief ich meinen Mann direkt an und er machte sich auf den Weg zu mir.

01:00 Uhr – weißer Kreißsaal

Wieder im Kreißsaal des Grauens, aber diesmal nicht ganz allein. Mein Mann versuchte mich durch die Wehen zu bringen, gab mir zu Essen (was ich nicht runter bekam) und zu trinken. Hebammen sahen wir nur, wenn es ums CTG kontrollieren ging oder Blut abgenommen werden musste. In den nächsten Stunden wurden die Wehen so stark, dass ich mitpressen wollte. Da die Klingel nicht funktionierte, ging mein Mann die Hebamme suchen. Wie so oft in den nächsten Stunden kam ich hier genau zur Übergabe an meine ersten Grenzen. Also warten und LAUT veratmen. Sehr laut.

9:30 Uhr – grüner Kreißsaal
Endlich durften wir umziehen. Ich hatte schon Halsschmerzen, erste Entzündungswerte stiegen in meinem Blut an, die Wehen wurden immer schlimmer und schlimmer, doch der Muttermund hatte es gerade mal auf 3 cm gebracht. Dennoch bekam ich die PDA, weil ich nicht mehr konnte, nicht geschlafen hatte und Kraft brauchte. Damit begann mein persönlicher Teufelskreis:

  • starke Schmerzen
  • PDA
  • Wehen setzen aus
  • Wehentropf
  • PDA ist innerhalb von Sekunden weg
  • starke Schmerzen und keiner da, der die PDA erneuern kann

Ich nehme hier schonmal vorweg, dass sich dieses Spiel bis tatsächlich 21:20 Uhr so wiederholte.  Und das alles mit Hebammen, die nur für das CTG etc. sporadisch kurz reinschauten.

ca. 16:00 Uhr waren wir bei 4cm Muttermund ich wollte nicht mehr und ich konnte nicht mehr, ließ mich aber weiterhin vertrösten. Lassen sie uns 2h warten und dann schauen,… Ich ließ mir hier versichern, dass ich nicht nochmal 45 Minuten warten muss, wenn ich eine neue Ration der PDA wollte. Das hätte ich mir schenken können.

21:00 Uhr, die PDA war weg, wieder einmal alle in der Übergabe. Ich schrie, wollte mitpressen, wusste aber, dass ich das nicht durfte. Schließlich fand ich mich mit Hebamme (wollte unbedingt eine natürliche Geburt, hat aber selber kein Kind und will auch keins), Stationsärztin und Oberärztin in meinem Kreißsaal. Alle untersuchten meinen Muttermund, drückten und sagten dann den Begriff, der für mich das Unwort des Jahres wurde: Wulst. Niemand will hören, dass da eine Wulst am Muttermund ist, die man ja ggf. beim Pressen auf Seite schieben kann. Das war es und ich schaltete komplett ab. Ich konnte nicht mehr und wollte nur noch einen Kaiserschnitt und meine Tochter bei mir haben.

Um 21:50 Uhr war es soweit und unsere Kleine erblickte am Sonntag, 17.12.2017 das Licht der Welt.

Das war sicherlich nicht die Geburt, die ich mir gewünscht hatte. Und die Tage im Krankenhaus waren auch alles andere als ideal, warf man mir doch vor, ich lasse mein Kind verhungern, zwang uns bei zu füttern statt auf den Milcheinschuss zu warten. Und dazu kam dann noch eine Neugeborenen-Gelbsucht, so dass die Kleine zwei Tage unter der Blaulichtlampe lag – erst 4h Lampe / 1h bei uns, dann 4h Lampe / 4h bei uns.

Verunsichert und mit einer Milchpumpe im Gepäck verließen wir also das Krankenhaus und ich konnte den nächsten Morgen kaum abwarten. Mit meiner Nachsorgehebamme hatte ich vorher schon lange telefoniert, speziell auch über das Thema Stillen und meine Erfahrungen im Krankenhaus. Heute sind wir eine gute Woche daheim, meine Kleine trinkt ausschließlich von der Brust (und das seit den ersten Minuten mit meiner Hebamme), wir sind wieder auf Geburtsgewicht und lernen uns langsam immer besser kennen.

Ich bin stolz auf meine kleine Tochter, dass sie sich so schnell wieder an meine Brust gewöhnt hat. Und wahnsinnig dankbar, dass ich eine so tolle Hebamme habe, die mir von der ersten Sekunde an Mut gemacht hat und uns wirklich toll unterstützt und auf meine Ängste perfekt reagiert.

Diesen spannenden Geburtsbericht schrieb Desiree ganz kurz nach der Kaiserschnitt-Geburt ihres ersten Kindes :)

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