Rabenmutter 2.0

Küssen verboten!

Kinder sind einfach zauberhaft – egal, wie alt sie sind. Aber vor allem Babys lösen in uns den ständigen Wunsch aus, sie zu knuddeln, zu knutschen, ihre winzigen Näschen anzustupsen und (wenn keiner hinsieht) möglicherweise sogar mal eben schnell ein klitzkleines Stückchen aus ihren herrlich speckigen Beinchen rauszubeißen ;) :D . Herrje, es ist wirklich schwer, diesem Gefühl Herr zu werden und den Mini-Nachwuchs mal „in Ruhe“ spielen oder schlafen (Boah, dann ist es ja erst recht schwer, sie nicht anzugrabbeln, weil SCHLAFENDE Babys ja nun wirklich das aller, aller, ALLER niedlichste auf der Welt sind!) zu lassen. Sogar den kleinen Michelin-Männchen und -Mädchen selbst geht’s nicht anders: Auch sie tatschen die ganze Zeit an sich herum, schließlich ist dieser Körper neu und muss entdeckt werden. Allerdings sind die Arme, Beine, Füße, Haare, Augen und Nasen von anderen Babys (oder großen Geschwistern oder Eltern oder Haustieren ;) ) nicht weniger interessant als die eigenen – die Kleinen haben also wirklich VIEl zu tun :D :D :D. Wahrscheinlich ganz besonders aufregend ist diese Entdeckungsreise, weil unsere Wonneproppen (noch) keine körperlichen Grenzen kennen. Sie fassen alles und jeden an … wo, wann und wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Denn sie müssen erst noch lernen, dass man EIGENTLICH nicht jedem x-beliebigen Menschen einen Finger in die Nase stecken, ins Auge pieken oder einen seeeeehr feuchten Sabber-Kuss aufdrücken darf (und sollte). Weil es aber bei ihnen so waaaaahnsinnig schnuckelig ist, beschwert sich eben nur sehr selten jemand ;) .

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Unter Erwachsenen gelten aber natürlich andere Regeln. Niemals würde ein Erwachsener im Vorbeigehen einem Fremden über die Haare streichen, ihn in die Wange kneifen oder ihm auf den Hintern klopfen. Denn das gäbe Ärger. Mächtigen Ärger! Sogar eine Anzeige wegen Belästigung wäre drin. Aber in jedem Fall würde es heißen: DAS MACHT MAN EINFACH NICHT, DU ARSCH! Solch ein Verhalten ist schließlich übergriffig, frech, respektlos und eigentlich sogar eklig, schließlich weiß man bei Unbekannten nicht, ob sie sich nach dem Gang aufs Klo die Hände waschen, möglicherweise ständig in der Nase bohren oder gerade krank und somit ansteckend sind! Nein, SOWAS würde ein Erwachsener nicht machen, außer … das fremde Gegenüber ist ein Kind.

Kinder scheinen in dieser Hinsicht eine Art Sonderstatus „zu genießen“, bei dem die ansonsten gängigen Benimm-Regeln, was das Berühren unbekannter Individuen angeht, nicht unbedingt für alle zu gelten scheinen. Ich bin überzeugt, JEDE Mutter kennt die Situation, dass ihr Baby oder Kleinkind im Supermarkt, auf der Straße oder auf dem Spielplatz ganz plötzlich und unvermittelt von einer fremden Person angefasst, kurz gestreichelt, manchmal sogar geküsst wird. Das ist sicher nie böse gemeint, sondern eher ein Ausdruck der Bewunderung für die Zauberhaftigkeit des jeweiligen Babys. Trotzdem schwillt den meisten Mamis in diesen Momenten ganz flott die Krempe – und ich denke, zu recht! Denn warum sollten für Babys und Kleinkinder andere Regeln gelten als für Erwachsene? Wieso sollte es ihnen besser gefallen als uns, wenn Fremde ihnen ins Gesicht fassen oder ihre Händchen festhalten, während sie ihnen einen unerwünschten Kuss aufdrücken?

Als die Mausemaus noch ganz klein war, fand ich mich überraschend oft in solchen Situationen wieder. Überraschend vor allem deshalb, weil ich sie nicht kommen sah. Ich achtete noch nicht auf die „Signale“ (kurzer Blickkontakt mit der Mutter und übermäßig freundliches Lächeln), die z. B. alte Damen aussenden, kurz bevor sie die Hand nach einem, ihnen unbekannten Baby ausstrecken. Und irgendwann ärgerte mich dieses doch recht häufige Antatschen meines Kindes so dermaßen, dass mir einmal der Kragen platze und ich eine alte Dame mitten auf der Straße regelrecht anfauchte, dass sie ihre Pfoten gefälligst von MEINEM Nachwuchs lassen sollte. Sie reagierte ebenfalls sehr aggressiv, was denn mein Problem wäre und brüllte mir entgegen, dass es doch ihr RECHT wäre, „süße Kindchen“ anzufassen! Und da war ich baff … denn dieses RECHT haben meiner Meinung nach maximal die Eltern, aber NIEMALS fremde Menschen auf der Straße!

Trotzdem: Auch wenn der (Mutter-)Instinkt in solchen Situationen nicht selten VERLANGT, übergriffigen Vollidioten direkt mit Schmackes auf die Finger zu hauen, sorgt so eine Reaktion schnell mal für mehr Stunk als zwingend notwendig (wie bei mir und der doofen Omma). Aber was kann man als Mutter alternativ machen, um das eigene Kind vor nicht ins Baby-Gesichtchen gehörenden Griffeln zu beschützen?

Ich selbst nutze mittlerweile zwei Techniken:

1. Ich mache auf super erwachsen und taff

Potenziellen Grabbelfingern begegne ich ernst, aber lächelnd mit:„Ich möchte wirklich nicht unhöflich erscheinen, denn ich weiß, Sie meinen es nicht böse … aber ich mag es nicht, wenn Fremde mein Baby anfassen. Das müssen Sie weder verstehen, noch gutheißen, ABER Sie müssen es akzeptieren.“ Die eine oder andere Oma schnaubt dann eventuell nochmal verächtlich (früher waren die Mütter nicht so biestig!), bevor sie sich abwendet, doch anfassen würde sie mein Kind dennoch nicht mehr.

2. Ich lüge (mein Favorit ;) )

Sobald sich eine fremde Hand dem Näschen des Krümelchens nähert, stoppe ich sie, lege ein betroffenes Gesicht auf und flüstere: „Mein Kleiner hat leider gerade einen ziemlich fiesen, hochgradig ansteckenden Magen-Darm-Infekt. Eigentlich sollte ich gar nicht mit ihm hier sein … aber ich musste dringend mal raus / einkaufen / zum Arzt – das verstehen Sie sicher! Entschuldigen Sie uns.“ Da wird garantiert kein zweiter Angrabbel-Versuch gestartet! :D

Und was kann man tun, wenn jemand entrüstet kund tut:

„Boah, bleib halt mal locker, ich klau dein Kind doch nicht!“

In diesem speziellen, extra-ätzenden Fall darf man meiner Meinung nach selbst mal eben kurz die Grenze überschreiten, demjenigen „zart“ über die Wange streichen und mit übertriebener Mutti-Stimme säuseln: „Oh nein, mein Schatz, DAS würde ich niemals von dir denken!“ Mit ziemlicher Sicherheit wird sich diese Person dann zum letzten Mal einem Baby genähert haben, ohne VORHER die Mutter oder den Vater um Berührungs-Erlaubnis zu bitten. :D

In einer deutlich schwieriger zu händelnden Grauzone leben meiner Meinung nach „Bekannte“ – also Leute, die man einigermaßen regelmäßig sieht, aber nicht als Freunde bezeichnen würde. Nachbarn zum Beispiel oder den Kiosk-Verkäufer, bei dem man sich jeden Tag seine Kaugummis holt. Zu denen will man natürlich nicht super unhöflich sein, womöglich mag man sie sogar recht gern … doch ihnen deshalb gleich sein frisches Baby in den Arm legen, möchte man vielleicht dennoch nicht. Ich persönlich finde, dass man sich als Mutter in diesem Fall weder schämen noch rechtfertigen muss, wenn man darauf keinen Bock hat. Es sollte doch wirklich uns selbst überlassen sein, wie viel oder wenig körperliche Nähe zu Menschen außerhalb unseres engsten Kreises wir für unsere Mini-Kinder akzeptabel finden – und zwar unabhängig davon, wie andere Mütter und Väter, die Schwiegereltern oder die pädagogische Fachkraft hinter der Brötchentheke es mit IHREN eigenen Sprößlingen handhaben oder gehandhabt haben. Wir sind eben auch in diesem Punkt alle verschieden: Manchen Mamis macht es gar nichts aus, ja, sie freuen sich sogar, wenn ihr Baby viel im Mittelpunkt steht und auch gerne von „Bewunderern“ angefasst wird. Andere hingegen empfinden es sogar schon als störend, wenn eigentlich enge Freunde den Säugling ohne Vorankündigung bzw. Erlaubnis an sich nehmen (Mir z. B. erging es bei beiden Kindern – ab ca. 5–7 Tage nach der Geburt – so, dass die Geburts- und Stillhormon-Schwemme es mir beinahe unmöglich machte, mein Baby jemand anderem als meinem Mann in den Arm zu legen. Das besserte sich dann jedes mal erst wieder, als die Hormone sich eingependelt hatten.) Jede Version sollte meines Erachtens erlaubt sein … denn es unsere ganz INDIVIDUELLE, rein mit dem HERZEN getroffene Entscheidung. Und mal ehrlich: Ist es denn wirklich zu viel verlangt, eine Mutter zu fragen: „Darf ich?“ BEVOR man seine Hände nach einem Kind, das nicht dem eigenen Uterus entsprungen ist, ausstreckt? Nö, oder? Eben! Sehe ich auch so ;) .

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15 Kommentare für “Küssen verboten!

  1. Finde ich auch ganz schlimm. Bei unsrem ersten Hund hatte ich schon mit sowas Probleme, den süßen Welpen musste auch ständig wer anfassen. Und dann kam noch ein süßes Baby irgendwann. Ganz ekelhaft finde ich es, wenn meine Schwiegermutter sie “kneift” und knutschen will und unsere Tochter dann immer Schinken nennt. Und man sagt es immer wieder, dass man das doch unterlassen soll.
    Könnte ich jedesmal aus der Haut fahren!

  2. Danke für den Beitrag Anke! Mein Kleiner (19 Monate) findet das auch immer ganz schrecklich! Hatten erst diese Woche wieder so ein Erlebnis: Stehen wartend vor der Arztpraxis, Kind seit 3 Tagen Fieber und wir alle ohnehin schon völlig fertig. Kommt eine fremde Dame vorbei (hat dort die Anlage aufgeräumt) und fängt übers Wetter zu plaudern an. Und zack – ich konnte gar nicht so schnell schauen – hat sie das Kind in meinem Arm von oben bis unten angegrapscht. Ich sagte ihr ganz höflich und freundlich dass sie aufpassen soll weil er eine hoch ansteckende Virusinfektion hat (was ja in dem Fall sogar stimmte). Sie hat trotzdem nicht aufgehört!!! Ich hätte ihr in dem Moment wirklich gern eine bescheuert… ? ☹

  3. Ich finde das mit dem durchs Gesicht streichen wirklich gut, habe ich öfter probiert. Mit Erfolg ?
    Zum Thema Verwandtschaft kann ich nur sagen dass ich da auch eingreife und sage dass ich nicht möchte dass das Kind von jedem angegrabbelt wird. Schwer fiel es mir bei der uroma meines Mannes, die eh ein gespanntes Verhältnis zur Familie hat. Sie war erst enttäuscht dass ich sie das Kind nur kurz und im mir passenden Moment halten ließ, sie wollte es mir direkt an der Tür aus der Hand reißen. Ich habe aber nach mehrstündiger Autofahrt erst gewickelt und gestillt und ihr das auch klar sagen müssen sonst hätte sie mir alles aus der Hand genommen. Das war keine wohlfühlsituation für mich könnt ihr euch denken ?
    Überraschend war das nächste Telefonat mit ihr: sie erzählte meinen Mann was er für eine tolle Frau hätte die sich so gut um ihr Kind kümmert. Und seitdem respektiert sie meine Grenzen und wir haben ein recht herzliches Verhältnis… Als einzige in der Familie die ihr mal die Stirn geboten hat.
    Daran habe ich gemerkt dass man es nie allen recht machen kann, auf seinen Bauch hören soll und es manchmal doch anders kommt als man denkt

  4. Du schreibst mir so aus der Seele. Erst neulich beim 60. Geburtstag der Tante hatten wir ähnliches. Meine Maus (knapp 2 1/2) auf dem Arm der Oma und um uns herum gefühlt 100 Verwandte. Immer wieder die Frage “Und wer bist du?” und schon wurde die Hand ausgestreckt Richtung Kopf, Nase, Wange etc. Meine Maus hat sich nur an Omas Schulter gedrückt und keinen Mucks gemacht. Es war ihr sichtlich unangenehm. Ich wusste nicht, wie ich passend reagieren sollte. Verwandtschaft, vor allem, wenn sie etwas weiter ist, ist da echt ein Minenfeld! Und das Fest hatte ja gerade erst angefangen! Ich hätte sie am liebsten aus der Situation genommen, wollte aber vor allem der stolzen Oma nicht weh tun. Hab sie dann gefragt, ob alles ok ist, um ihr anzubieten, zu mir zu kommen. Hat sie aber nicht angenommen, daher dachte ich es wäre ok für sie, vlt reagier ich auch nur über. Aber diesen Anblick werd ich trotzdem nicht los! Was soll man da tun?

    1. Puhhh, ganz schwierig! Ich glaube, eigentlich hast du schon ganz richtig reagiert indem du sie gefragt hast, ob alles ok ist. Vielleicht könntest du beim nächsten Mal noch vorsichtig an Omas “Beschützerinstinkt” appellieren…so dass sie auch im Blick hat, ob die Enkelin sich wohlfühlt. Entferntere Verwandte “in Schach” halten ist echt schwierig … die meinen es ja echt alle gut und merken einfach nur nicht, dass das Kind sich überfahren fühlt ?

  5. Eigentlich stelle ich mich immer ganz schnell vor mein Kind oder hab den Kinderwagen umgedreht. Aber wenn es dann doch mal eine fremde Hand schafft mein Kind zu streicheln, dann kann ich nicht anders und muss einfach die dazugehörige Person streicheln. Und sag auch was nettes wie z.B Och du bist aber eine knuffige alte Dame. Die gucken dann immer erst ganz schön blöd, aber 4 von 5 fangen dann an zu lachen und geben mir Recht.

  6. Stimme Dir voll und ganz zu. Oft bin ich auch erstaunt, wie übergriffig manche Menschen (ältere Damen) sind. Und was Du mit der Krawall-Oma da erlebt hast, krass! Definitiv sollte man vorher fragen, ob man darf, aber die meisten lernen das wohl nicht mehr. “Der schnappt” finde ich gut. Habe aber auch schon darüber nachgedacht, zurückzustreicheln/Backenkneifen o.ä.

  7. Mein Lieblingskomentar – erfolgreich ausprobiert – bei in den Kinderwagen grabbelnden Omas “Vorsicht, der schnappt!” und dazu Pokerface. Kaum zu glauben, wie schnell die Finger raus waren.