Rabenmutter 2.0

Rabenmutter 2.0: Im Kinder-Klamotten-Chaos

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, wie ich vor drei Jahren – damals auch hochschwanger – die ersten, winzig kleinen Bodys und Strampler für mein bald zur Welt kommendes Töchterchen auf die Wäscheleine hing. Jedes einzelne Stück hielt ich hoch und stieß einen Seufzer der Rührung (ja, ja, totaler Hormon-Over-Load 😉 ) aus, bevor ich es liebevoll und beinahe übertrieben sorgfältig neben das vorangegangene Miniatur-Kleidungsstück drapierte. Im Anfall von Mutti-Vorfreude-Wahn fotografierte ich sogar diesen ersten, vollbepackten Baby-Klamotten-Ständer, um das Bild meinem Mann zu schicken … er sollte schließlich auch ein paar „Awwwww’s“ und „Ohhhhhh’s“ ausstoßen dürfen (zumindest schriftlich für mich – dass er das wohl eher nicht vor seinen Arbeitskollegen machen würde, ahnte ich durchaus bereits beim Absenden meiner Nachricht) und mir damit das Gefühl nehmen, dass nur ICH hier gerade völlig im Pre-Elternschafts-Modus durchdrehte. Machte er auch brav – ich weiß schon, warum ich ihn geheiratet habe 😉 .

Dieser Awwwww-Tick, der mich bei jedem noch so scheußlichen Strampler ergriff, wenn er denn nur klein genug war, ebbte erst nach der Geburt ab. Dann allerdings ziemlich abrupt. Denn ich musste erkennen, dass die zuckersüße Winzigkeit von Babyklamöttchen einen gravierenden Nachteil hatte: die zuckersüße Winzigkeit. Und das hat zur Folge, dass gefühlt ungefähr 300 Strampler, 200 Bodys sowie mindestens 1.000 Miniatur-Söckchen in eine handelsübliche Wäschetrommel passen. Gleichzeitig. Und (oh Überraschung!) diese unzähligen süßen, komplett mit Pupu und Milchkotze eingesauten Kleinst-Bekleidungen wandern nicht nur IN die Maschine, sondern sie kommen auch alle gemeinsam wieder raus und wollen dann zum Trocknen alle einzeln auf die Wäscheleine gehängt werden (außer, man hat einen Trockner … logisch). Jetzt allerdings nicht mehr nur EINMAL eine Maschinenfüllung im Monat, sondern eher 5-10 Portionen pro Woche und das – wenn man Pech hat – konstant unter Gebrüll eines Babys, dass Hunger hat oder Durst oder nicht schlafen will oder einfach SOFORT wieder auf Mamas Arm, weil es Warten im Allgemeinen für eine durchtriebene und verachtenswerte Idee des Teufels hält. Und schwupps ist das, was vor der Geburt noch so derbe herzerwärmend war, dass ich mit dicker Plauze beinahe den Wäscheständer in Rost und Boden geheult hätte, plötzlich nur noch eines: eine sehr, sehr zeitaufwändige und wenig amüsante Beschäftigung. Ergo: MEGA NERVIG!
(Lustigerweise finde ich das Aufhängen von Säuglingskleidung jetzt gerade – trotz meines Wissens um die nahende Zukunft – wieder total zauberhaft. Das scheint der Beweis zu sein: Ich bin kaum lernfähig 😀 )

Das gleichermaßen Gute und Schlechte an der Sprößlings-Garderobe ist aber ja, dass die Zwerge schnell wachsen und ihre Klamotten dadurch flott größer werden. Damit wird zumindest das Wäsche aufhängen wieder etwas weniger ätzend, auch wenn es die Wäscheberge nicht reduziert. Ich bin auch nach beinahe drei Jahren als Mutter immernoch mehr als beeindruckt davon, wie umfassend und rasant sich Kinder einsauen können … sogar mit Lebensmitteln und Dingen, denen man diese „Macht“ gar nicht zugetraut hätte.

Zudem gibt es natürlich noch viel mehr Baustellen, die sich in Sachen Kinderkleidung auftun können. Aktuell beschäftigen mich vor allem die folgenden beiden:

ERSTENS: DIE KLEINE MADAM KANN ALLES ALLEINE!

Was mit zweieinhalb bzw. fast drei ganz normal und richtig ist, nämlich die tiefverwurzelte Grundüberzeugung eines Kleinkindes, jetzt schon voll groß zu sein und daher wirklich ALLES alleine zu können (zumindest bis das Gegenteil bewiesen wurde 😉 ), kann für Mama und Papa schon mal zu einer echten Geduldsprobe werden. Wie zum Beispiel das alleine Klamotten aussuchen und anziehen am Morgen … wenn die Zeit knapp ist und alle schon etwas angenervt sind vom … tja, äh, knapp sein. Zu sagen: „Süße, wir sind total spät dran, soll ich dir nicht ausnahmsweise mal helfen?“ ist aber leider keine Option. Erstens, weil es für ein donnerndes, mit Tränen angereichertes NEEEEEEIIIIIN aus dem Kindermund sorgt und zweitens, weil’s halt echt gemein ist. Die kleinen Mäuse wollen so gerne selbstständig werden. Und sollen sie ja auch! Wer mag schon seine 15jährigen Teenies morgens noch in die Unterhose frösseln und „Füßchen“ der Größe 39–45 in bunte Socken stopfen? Eben. Niemand. Deshalb MÜSSEN sie es ja lernen. Aber trotzdem … morgens RAUBT ES MIR DEN LETZTEN NERV! Boah! Ich bin jetzt aber natürlich auch nicht die Geduld in Person. Schwanger sogar noch weniger als sonst. Da kostet es mich schon mal meine komplette Energie, neben der kleinen Madam auszuharren, während sie eine halbe Stunde lang versucht, eine vermaledeite Socke anzuziehen, falsch herum in ihr Kleid schlüpft oder beidbeinig in einem Hosenbein stecken bleibt. Ich versuche dann oft so sanft wie möglich helfend einzugreifen, um wenigstens zu vermeiden, dass sie umfällt … oder ich vor unterdrückter Ungeduld in ihren Bettpfosten beiße. Fakt ist aber leider: Ich bin mega mies darin! Es ist mir absolut unbegreiflich, wie andere Mütter und Väter das aushalten, wo sie die Ruhe hernehmen, sich dieses allmorgendliche Spielchen in voller Länge reinzuziehen, ohne zumindest mal kurz in ein Kissen zu brüllen, und ihre Kinder dann auch noch vorbildlich tiefenentspannt UND einigermaßen pünktlich in der Kita abzuladen. Krasse Leute sind das! Ich frage mich dann: Nehmen die Drogen? Und wenn ja, welche? Kann ich die auch haben??? Ne, ernsthaft! Ich beneide es total, wenn Menschen so dermaßen die Ruhe weg haben. Ich wär auch gerne so. Stattdessen bin ich … ich 😉 . Naja, dafür tangiert es mich weniger, wenn die Mausemaus sich selber ein ganz grässliches Outfit aussucht. Wenn ich es ihr anziehen darf und mir das die Nummer mit den Socken an den Händen und die Leggins auf dem Kopf erspart – bitteschön! Dann geht sie eben wie Nachbars Lumpi vor die Tür. Wir leben in Köln. Hier kann jeder anziehen, was er mag … interessiert kein Schwein 😀 .

ZWEITENS: DAS KRÜMELCHEN WIRD EIN JUNGE!

Wir freuen uns so sehr, dass wir das Glück haben, schon bald ein zweites Kind in unserer Familie begrüßen zu dürfen … ein Geschwisterchen für unsere kleine Madam … ein weiteres Bündelchen WIR, dass alles noch einmal auf den Kopf stellen und uns als Mama und Papa von ZWEI Sprösslingen vor ganz neue Herausforderungen stellen wird. Wir freuen uns wirklich ein Faustgroßes Loch in die Kiste – erst recht, weil wir ja im letzten Jahr die beiden Fehlgeburten verschmerzen mussten und dadurch diese erneute Schwangerschaft womöglich noch ein bisschen mehr würdigen, als es jedes Paar in „freudiger Erwartung“ ohnehin schon tut. Und dann erfuhren wir ja auch recht früh, dass wir diesmal einen Jungen bekommen. Einen kleinen Prinzen. Einen Monsieur zu unserer Madam. Einen Bruder für Ella. Alles wird anders. Wird es aber ja natürlich ganz unabhängig vom Geschlecht des Babys, weil zwei Kinder nun mal doppelt so viele sind wie eines und jedes Würmchen zudem direkt mit seinem individuellen Charakter auch mit ganz individuellen Bedürfnissen ins Leben plumpst. Wir haben also aktuell eigentlich keinen blassen Schimmer, welche Veränderungen uns erwarten, wie sich unsere Familie entwickelt und was das Krümelchen für Überraschungen für uns bereit hält. Das Einzige, was wir bereits wissen ist: Wir brauchen ganz viele neue Klamotten, denn bisher leben wir dank der kleinen Madam in einer Art pinkfarbenen Barbie-Welt. Wobei es gemein ist, IHR die Verantwortung für die hauptsächliche Farbgebung ihres Kleiderschrank-Inhaltes zu geben … schließlich suchen wir als Eltern (zumindest noch) den Kram aus, den sie trägt. Und der war und ist ganz, ganz, GANZ oft rosa, pink, lila, mit Streublümchen dekoriert oder mit Puffärmelchen ausgestattet. Zugegeben: Wir haben uns da etwas gehen und eventuell mehr als normal in diesen Sog aus Mädchen-Rüschen-Feen-und-Glitzer-Kram ziehen lassen. Aber die Sachen sind nun mal soooooo niedlich!!! Da ist es schwer zu wiederstehen. Für uns jedenfalls.

Andere Eltern fahren ja nun schon bereits seit einiger Zeit die gerade sehr angesagte Schiene der „Gender neutralen Bekleidung“ … gerne gepaart mit Gender neutralem Namen und Gender neutralen Baby-Gesamtausstattung wie Raum-, Kinderwagen- oder Spielzeugfarben. Ich verstehe auch durchaus den Grundgedanken dahinter. Es ist halt einfach nur nicht meins. Und ich ganz persönlich habe eben auch nicht das Gefühl, dass ich meine Mausemaus schon in ein Rollenbild presse, nur weil sie ein Blümchenkleid trägt. Sie spielt für ihre Leben gerne Fußball (keinen Dunst von wem sie das hat!), lacht wie ein betrunkener Seeräuber (da hoffe ich sehr, dass gibt sich noch bis zur Pubertät 😀 ) und macht bei ihren Freunden null Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen (DAS finde ich toll!) Aber … wie gesagt … ich verstehe, wenn andere Eltern es anders sehen und machen. Muss ja jeder selber wissen 😉 .

Nun stehen wir also vor diesem Dilemma, dass wir im Prinzip in Baby- und Kinderklamotten ersaufen, der Krümel jedoch nichts anzuziehen haben wird (hahaha, schon jetzt ganz die Mama! 😀 ) Wenigstens ist unser Kinderwagen in einem „feschen“ Grau gehalten – der wird also nicht für Verwirrung sorgen. Alles andere … tja … kann ich dann mal langsam in einen Second-Hand-Laden tragen oder verschenken und mich dann daran machen, eine komplette Jungs-Garderobe anzuschaffen. Ach, was solls. Eigentlich freue ich mich sogar ein bisschen, noch einmal Baby-Klamotten zu shoppen, bei Freunden in Kisten zu wühlen und zur Geburt ein paar neue „Schmuck“-Stücke in Blau oder Grün zu erhalten. Es könnte wirklich schlimmer sein 😉 .

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2 thoughts on “Rabenmutter 2.0: Im Kinder-Klamotten-Chaos

  1. Wir haben hier ein ähnliches Problem 🙂 Und obwohl die Maus von Anfang an neutrale bzw. weitergeschenkte Kleidung trug (teilweise nur von Jungs) , steh ich nun da und denk: auweia, wenn das Krümel doch ein Junge wird, hab ich nichts anzuziehen. Das nächste Problem ist ja gleich die Jahreszeit – Maus ist eine Augustausgabe, also hab ich keine warmen Hosen in Größe 56….also kaum. Junior 2 wird ein Dezemberkind…ich muss dringend shoppen gehen :O

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