Schwangerschaftstagebuch
Schwangerschaftstagebuch

Schwangerschaftstagebuch: 17. und 18. SSW

Mit großen Schritten steuere ich bereits auf die Halbzeit zu. Eigentlich kaum zu glauben, wie schnell das alles geht … wenn es denn erstmal richtig losgeht. Und das tut es mittlerweile. Der Bauch wächst, die (Emotions-Chaos-)Tränen fließen und ich schlafe immer schlechter. Außerdem drehen sich meine Gedanken nicht mehr länger ausschließlich um die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt, sondern durchaus auch mal um das, was nach der HOFFENTLICH bis ganz zum Ende ausgetragenen Schwangerschaft passiert. Und wie sollte es anders sein: Das macht mir natürlich auch Angst ;) . Himmel, ich bin so ein Jammerlappen und Weichei! Ich hoffe doch sehr, dass wird nach der Geburt wieder etwas besser. Zumindest ein bisschen. Das wär schön. Auch für meinen von mir schlimm gebeutelten Ehegatten :D .

Schwangerschaftswoche: 17
Anzeichen / Beschwerden: Ich denke, es geht jetzt richtig los mit dem Mutterbandziehen. Zumindest verspüre ich nun doch öfter ein fast unangenehmes Ziehen und Zwicken in den Leisten. Kann ich aber mit leben. Auf jeden Fall besser als damit, dass meine „harte“ Mutti-hält-alles-aus-Fassade bröckelt und ich plötzlich ständig losheulen will. Und nicht nur in wirklich emotionalen Momenten (wie die, in denen ich dem aktuellen Merci-Werbespot ausgesetzt bin), sondern auch in solchen, in denen ich sonst nicht mal mit der Wimper zucke – z.B. wenn die kleine Madam sich morgens zum 150sten Mal die Hausschuhe auszieht, obwohl der Fußboden viel zu kalt ist zum barfußlaufen und sie mich damit zwingt, schon auf leeren Magen zu schimpfen und ihr ständig die Schühchen wieder anzuziehen. NORMALERWEISE heule ich wegen so etwas natürlich nicht in meinen Schwangerschaftstee. Tja, normalerweise …
Gewicht: 68 Kilo. Na spitze, ich habe 1,5 Kilo in einer Woche zugenommen. Ich fasse es nicht. Es liegt wirklich hauptsächlich am Abendessen (eventuell auch an zu viel Pasta … aber das würde ich niemals laut aussprechen ;) ). Ich versuche es jetzt mal mit verschiedenen Alternativen zum Brot. Vielleicht geht ja NUR Fleisch. Oder NUR Salat. Oder NUR Quark. NUR Obst fällt schon allein deshalb flach, weil ich abends was Herzhaftes brauche. Und weil ich – ehrlich gesagt – von Obst Hunger bekomme. Genauso wie von Rohkost. Beides also eher Kontraproduktiv. Schade. Sehr schade.
Bauchumfang: 92,5 cm. Aha, diese Woche haben sich Gewicht und Umfang zusammengerottet und treten im Team gegen mich an – 1,5 Kilo und gleichzeitig auch 1,5 cm mehr Umfang. Fein. Ok. SCHÖN! Macht doch! Ich halte das aus! Zumindest das mit dem Umfang – da geht’s ja ums Krümelchen. Warum allerdings mein Arsch da dermaßen mitziehen muss, ist mir schleierhaft!

Worüber ich aktuell wirklich sehr gerne und herzlich lache, sind die Verhaltens-Empfehlungen für Schwangere, die sich ja wirklich überall im Internet und in Zeitschriften stapeln: „Gönnen Sie sich täglich Ruhephase!“ lese ich da oft. Und: „Legen Sie öfter mal die Beine hoch!“ Gern genommen ist auch: „Versuchen Sie, Stress zu vermeiden!“ Oder: „Schlafen Sie ausreichend!“ In der Schwangerschaft mit der kleinen Madam fand ich diese Tipps absolut einleuchtend und habe sie so oft es mir irgendwie möglich war (und das war oft!), umgesetzt. Klar, wer gönnt sich nicht gerne Auszeiten, liegt rum, schläft viel und lehnt Streitereien mit den Worten ab: „Sorry, aber dieser Stress hier ist nicht gut für das Baby!“ Das macht riesig Freude und ja, es tut tatsächlich total gut!
Nur … was ist, wenn man nicht das erste Kind erwartet? Wenn man bereits Nachwuchs hat, der den ganzen Tag am Hosenbein hängt, bespaßt und – viel wichtiger – beschützt werden will und muss, während er die Welt im Sturm erobert? Dann ist es plötzlich extrem schwierig, sich von Stress fernzuhalten (ein Kleinkind im Trotzalter bietet mehr Stresspotenzial für Eltern als 10 Abitur-Klausuren in einer Stunde), sich auszuruhen (ich höre die Couch durchaus nach mir rufen, aber das Kind ist halt lauter) und nicht stundenlang rumzustehen, um die Krampfader-Gefahr und die Rückenschmerzen wenigstens ein bisschen in Grenzen zu halten (Sitzplätze auf Spielplätzen sind rar gesät – wobei man als Mutter von einem Kleinkind sowieso noch nicht besonders lange sitzen darf, ohne als Strafe dafür dann ins Krankenhaus zu müssen). Denn selbst wenn Mutti förmlich den Kopf unter dem Arm hat, möglicherweise sogar noch krank ist, brüllt der Zwerg nur weiter: „Los, Mama, NOCHMAL!“ Ist ja auch logisch. Und irgendwie richtig. Für das zukünftige große Geschwisterkind wird sich durch die Geburt des neuen Familienmitgliedes so viel ändern, dass es seine Monopol-Stellung so lange genießen sollte, wie es nur irgendwie kann. Was nicht heißt, dass es nicht vorbereitet werden muss. Finde ich jedenfalls. Wir haben der Mausemaus ziemlich sofort erzählt, dass wieder ein Baby in Mamas Bauch heranwächst, haben Bücher zum Thema gekauft und reden sehr oft mit ihr darüber. Wobei es zum Thema WANN UND WIE SOLLTE ES DAS GESCHWIEDERKIND ERFAHREN natürlich nicht weniger unterschiedliche Meinungen gibt, als zur Frage der RICHTIGEN Ernährung eines Kindes. Wie immer denke ich, jeder muss seinem Bauchgefühl folgen. Und meins sagte mir: Sei ehrlich. Sie muss wissen, warum ich im Moment manchmal abgelenkt bin, warum ich sie nicht mehr so viel rumtrage, warum mein Bauch dicker wird und was in recht naher Zukunft auf sie wartet. Natürlich ist es für ein Kleinkind kaum zu verstehen, dass allen Ernstes ein BABY in Mamas Bauch wächst. Ist ja selbst für uns Erwachsene eine völlig skurrile Vorstellung (für mich jedenfalls). Andererseits … für Kinder ist es so viel leichter als für uns verkopfte Erwachsene, an Wunder zu glauben. Da ist die Nummer mit dem Baby im Bauch wahrscheinlich gar nicht mal so abwegig ;) .

Auf jeden Fall merkt die kleine Madam, dass sich etwas ändern wird. Sie hängt wieder verstärkt an mir und will am liebsten nur getragen werden. Gerade letzteres versuche ich allerdings wirklich stark einzuschränken. Nach zwei Fehlgeburten ist es wahrscheinlich nur normal, dass man jede nur erdenkliche Gefahrenquelle vermeiden will. Ist aber nicht so einfach. Und nicht nur, weil die Mausemaus einfach auf den Arm will – und das auch noch braucht – sondern weil es natürlich auch neben Kuscheleinheiten oft notwendig ist, ihr Gewicht zu halten. Sie klettert und springt so gerne, braucht aber noch viel Unterstützung bzw. muss häufig von mir irgendwo hochgehoben werden. Ich schränke meinen Einsatz da ein so gut es geht … aber auf null setzten kann ich ihn nicht. Sowenig wie ich den Stress, den ihre häufigen Trotzanfälle auslösen, gänzlich vermeiden kann. Ich hoffe einfach, dass es bald besser wird – oder ich cooler. Und versuche mir Erholungsmomente zu gönnen. Diese Woche zum Beispiel war ich beim Friseur, weil ich dachte, dass mir das wirklich mal wieder gut tun würde. Ich nahm für Ella das iPad mit (ich weiß, pädagogisch nicht besonders wertvoll … aber dafür sehr effektiv ;) ) und ließ mir einigermaßen in Ruhe die Haare schneiden, während ich mich mit der Friseurin angeregt unterhielt. Vielleicht ein bisschen zu angeregt, denn sie geriet irgendwie in einen Scheren-Rausch und schnitt mehr ab, als ursprünglich geplant. Das Gute daran ist, ich habe etwas gelernt: Durch die deutlich kürzeren Haare kommt mein wachsendes Doppelkinn viel besser zur Geltung. ICH RASTE AUS!!!!

Schwangerschaftswoche: 18
Anzeichen / Beschwerden: Ich habe eigentlich bereits mehrfach gelesen, dass die Schmerzen in der Brust irgendwann etwas zurückgehen. DAS schein bei mir allerdings nicht der Fall zu sein. Ich hoffe sehr, dass bedeutet nicht, meine Brüste wachsen einfach immer weiter (AHHHHHH!!!!).
Ebenfalls amüsant: Das Krümelchen liegt jetzt öfter auch mal gemütlich in meiner Blase rum. Dann schaffe ich es gerade mal von zu Hause bis zur ersten Eisdiele – was in der Innenstadt echt nicht weit ist. Gut, dass es im Sommer direkt neben unserem Lieblingsspielplatz einen Biergarten mit Toilette gibt. Sonst müsste ich mir für die Nachmittage eine Windel von der kleinen Madam borgen ;) .
Gewicht: 69 Kilo. Tja, meine ganzen Alternativ-Ideen zur abendlichen Mutti-Ernährung scheinen nicht zu fruchten. Ich habe mir schon wieder ein neues Kilo in nur einer Woche draufgepackt. Und das belastet mich (also nicht nur physisch ;) ). Dabei hatte ich mir so fest vorgenommen, mich zumindest wegen meiner sehr wahrscheinlich wieder üppigen Gewichtszunahme nicht mehr so bekloppt zu machen, wie in der ersten Schwangerschaft, weil ich ja diesmal weiß, dass es auch wieder weggeht. Nur … funktioniert es irgendwie nicht. Ich schaue in den Spiegel und fürchte mich schon jetzt vor dem Hintern, den ich in drei Monaten sehen werde .
Bauchumfang: 95,5 cm. Hoppla … was soll das denn? Was will dieses Kind mit dem ganzen Platz? Will es Gäste einladen oder eine Bar eröffnen? Oh man, echt jetzt: Ich kann mich Bauchtechnisch durchaus mit Schwangeren im 7. Monat messen, dabei bin doch erst in der 18. SSW! Wo soll das denn enden???

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Ich versuche mir wenigstens morgens (wenn die Mausemaus NOCH schläft, ich aber schon wach bin, weil ich aufs Klo musste) und abends (wenn die Mausemaus SCHON schläft … wobei „schon“ wohl nicht ganz das richtige Wort ist, da Madam ja im Prinzip nie vor 21:30 Uhr pennt) etwas Zeit für das Krümelchen zu nehmen. Dann liege ich im Bett und lausche in mich hinein, während ich versuche, mit den Händen einen zarten Tritt zu ertasten. Klappt leider noch nicht immer, aber immer öfter. Die Vorderwandplazenta dient dem Mini-Baby echt als ausgezeichnetes Schutzschild vor Muttis Pieke-Angriffen. Sehr schade. Ella habe ich in dieser Woche schon sehr viel deutlicher und regelmäßiger gespürt als das Krümelchen. Möglicherweise war die kleine Madam aber auch einfach von Anfang an aktiver … wer weiß das schon. Die Schwangerschafts-Demenz löscht ja so einiges, an das man sich eigentlich erinnern möchte.

Jedenfalls finde ich diese Momente der „Zweisamkeit in einem Körper“ wirklich zauberhaft. Und nicht nur, weil sie so selten sind, sondern auch, weil ich all das immernoch so wahnsinnig beeindruckend finde. Die Vorstellung, dass das Würmchen mittlerweile schon wie ein richtiges Baby aussieht – nur eben ganz klein – ist irre. Und auch, dass mein Körper das nach dem ganzen Scheiß im letzten Jahr noch einmal alles so hinbekommt, lässt mich echt staunen. Es ist wirklich ein Wunder! Morgens empfinde ich das fast noch etwas stärker als abends (dann ist alles so aufgebläht), weil ich richtig die Gebärmutter und ihre aktuellen Ausmaße ertasten kann – beinahe wie einen Fremdkörper, obwohl es ja das absolute Gegenteil ist. Ach, ich bin wirklich gerne schwanger. Auch wenn ich viel rummotze und klage, von Ängsten geplagt werde und mit diesen vermaledeiten Kilos so wahnsinnig hadere. Ich liebe es trotz allem, ein neues Leben in mir zu tragen.

Meine besagten Ängste splitten sich mittlerweile in zwei Richtungen. Die eine ist immer noch die, dass ich das Krümelchen auch jetzt noch verlieren könnte. Dem ist es natürlich wenig zuträglich, dass ich gerade bei Facebook so oft über Geschichten von Fehl- und Totgeburten stolpere. Und sie dann auch noch lese. Warum mache ich das bloß? Ich verkrafte das auf jeden Fall, denke ich vorher, heule dann aber logischerweise Rotz und Wasser und habe anschließend Alpträume. Grundsätzlich finde ich halt, dass all diese grauenvoll traurigen und herzzerreißenden Geschichten gelesen werden MÜSSEN … schließlich wurden sie zu diesem Zweck geschrieben und wollen nun auch Gehör finden. Nur bin ich eventuell gerade jetzt nicht in der emotionalen Verfassung, diese beängstigenden Erfahrungen anderer Frauen zu verarbeiten. Mein Gott, ich heule schließlich schon wegen ausgezogenen Pantoffeln und falsch geliefertem Essen! Kein Wunder, dass der Wasserhahn sofort angeht, wenn es um den Verlust eines Kindes geht. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Ich kann aktuell nicht mal meinen eigenen Artikel über die Fehlgeburt im letzten Jahr lesen. DA wage ich mich nicht ran. So clever bin ich dann doch. Gedanken kann man – zumindest im wachen Zustand – eben besser ignorieren als geschrieben Worte. Geht mir jedenfalls so.

Die andere Angst, die mich immer öfter befällt, ist eigentlich positiver, weil sie auf der Annahme basiert, dass ich mein Baby nicht verlieren, sondern im Herbst zur Welt bringen werde. Wobei es nicht um die Geburt geht (davor habe ich irgendwie keine Angst – wird schon noch mal klappen), sondern eher um das DANACH. Denn: Wie soll ich das alles denn bloß mit ZWEI Kindern schaffen??? Wie soll ich ZWEI Kinder abends alleine fertig machen und ins Bett bringen (mein Mann arbeitet meist zu lange, um bei dieser Tages-Highlight-Nummer etwas zu übernehmen)? Wie soll ich den unterschiedlichen, aber dennoch immer wichtigen Bedürfnissen von ZWEI Kindern gerecht werden? Wie soll ich ZWEI Kinder gleichermaßen lieben? Geht das ÜBERHAUPT? Verdoppelt sich die Liebe WIRKLICH?
Ja, diese Gedanken wären durchaus auch schon vor einigen Monaten, also so ca. zwei Wochen VOR dem positiven Schwangerschaftstest angebracht gewesen. Und sie waren auch da. Nur nicht so massiv … irgendwie. Und ich konnte sie besser ignorieren. Vielleicht ist es auch einfach so eine Typ-Sache: Erst mache ich mir so ziemlich wegen allem ins Hemd und dann geht’s doch irgendwie. Ich bin eben ein sonniges Gemüt :D .

Dieser Text ist – in Auszügen – ebenfalls erschienen auf eltern.de

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