Rabenmutter 2.0

Früher hui, heute pfui – oder umgekehrt?

Man kann es nicht oft genug sagen: Mit der Geburt eines Kindes ändert sich alles. ALLES! Manches wird schlechter – wie zum Beispiel die Festigkeit des mütterlichen Hinterns (oder auch, wie bei mir, der ganzen Mami ;) ), die Badezimmer-Situation (zumindest, wenn man eigentlich Wert auf ein bisschen Privatsphäre legt) und die Wohnungsgestaltung (außer, es gehörte schon immer zum Einrichtungsstil, dass irgendwo eine pinke Rutsche steht und wirklich ÜBERALL Lego liegt). Manches wird aber auch besser: Gemeinsames Familien-Kuscheln morgens im Bett, das Wissen, WIRKLICH absolut tief und innige um meiner selbst willen geliebt zu werden und dieses unschlagbar großartige Gefühl, Mama genannt zu werden, sind nur drei der Veränderungen, die ich persönlich gegen nichts auf der Welt mehr eintauschen würde.

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Das meiste im Leben jedoch wird durch die Geburt eines Kindes nicht besser oder schlechter … es wird einfach nur ANDERS. Und das bezieht sich nicht mal ausschließlich auf die überall immer wieder erwähnten Prioritäten, das Denken und Fühlen der Eltern sowie die allgemeine Lebensplanung, sondern auch – eigentlich ganz schnöde und unspektakulär – auf DINGE, die früher einmal einen speziellen Wert oder einen besonderen Nutzen hatten, vielleicht sogar ein Stück weit ein Spiegel der eigenen Persönlichkeit waren, die heute jedoch ganz anders belegt sind.

So ein Quatsch, hätte ich vor 3 Jahren gesagt. Aber heute … ;)

HANDTASCHE

Boah, hab ich meine Handtasche früher geliebt! Sie war mein ein und alles, meine Geheimnisträgerin, meine Freundin, mein liebstes Accessoire. Und weil sie so wichtig für mich war, habe ich mein Herz auch nie leichtfertig verschenkt und blieb „der aktuellen Einen“ treu (jaaaaa, ich lebte in monogamen Handtaschen-Beziehungen :D ) bis sie wirklich und wahrhaftig in die ewigen Jagdgründe einziehen musste.
Die letzte mit viel Herz ausgewählte Handtasche erstand ich vor drei Jahren, als ich bereits mit der kleinen Madam ordentlich schwanger war und feststellte, dass meine Körperhaltung und der Bauch eine Veränderung in Sachen Transportmittel für … tja, für ALLES brauchte. Meine damals eigentlich aktuelle Lieblings-Tasche war mir plötzlich zu schwer und unbequem. Daher entschied ich mich erstmals für eine recht kleine Variante, mit der ich bis zur Geburt des Babys echt glücklich war. Dann stellte sich allerdings heraus: Selbst eine kleine Handtasche war nicht besonders kompatibel mit meinem neuen Leben als Mutter. Sie baumelte ständig störend irgendwo rum – während ich mich über den Kinderwagen beugte, das Baby rausnehmen oder reinlegen wollte, es im Tragetuch oder auf dem Arm hatte, etwas ein- oder auspacken musste (was man ja mit Kind durchaus alle 3,5 Minuten macht). Noch dazu konnte die ursprünglich heißgeliebte Handtasche so gar nicht mit der schrecklich praktischen Wickeltasche konkurrieren. Und selbst wenn der Kinderwagen mit der Wickeltasche mal zu Hause blieb bzw. bleibt (mittlerweile ist die Mausemaus ja schon groß) wandert meine Hand dann eher zum Rucksack (ein Utensil, dass ich nach der Schulzeit eigentlich aus meinem Leben verbannt hatte) da dieser einfach mehr Platz für den ganzen Kram bietet, den man als Mutter mit einem Kind im Spielplatz-Alter UNBEDINGT dabei haben muss; allein die standartmäßig mitgeführte Snack-Palette benötigt ja theoretisch schon einen Kleintransporter.
Nein, meine Handtasche hat es gerade nicht leicht mit mir. Sie staubt vor sich hin, während ich manchmal sogar so tief sinke, mir lieber ein HÜFTTÄSCHEN für die Wertsachen umzuhängen, als ihr mal einen Ausflug nach draußen zu gönnen. Hätte nie gedacht, dass es mal soweit kommt … schockierend!

SCHUHE

Die Intensität der Veränderungen in Sachen Schuhwerk ist natürlich abhängig davon, welcher Schuh-Typ man VOR dem ersten Baby war. Frauen, die vor der Mutterschaft gerne zarte Leder-Pumps trugen, trifft es sicher viel härter als jemanden wie mich, der eigentlich mit einer eher hartgesottenen Truppe – bestehend aus Chucks, Docs und Biker-Boots – gar nicht mal soooo viel ändern muss. Wobei ich die Umstellung auf RICHTIGE Turnschuhe – zum besseren Ertragen der beinahe täglichen 10 Kilometer-Märsche mit der Baby-Madam – schon recht unangenehm für mein Stil-Bewusstsein (falls man das bei mir überhaupt so nennen darf :D ) fand, weil ich einfach nicht der Sneaker-Typ bin. Auch die Feststellung, dass weiße Chucks für eine Mami ein völliger Fehlgriff sind, dafür aber ein bis zwei Paar Gummistiefel durchaus zur Grundausstattung gehören sollten, hat mir nicht direkt ein seliges Lächeln entlockt. Und ich habe lange und laut über den unterirdisch miesen Vorschlag meines Ehegatten gelacht, mir doch einfach so sandfarbene Bundeswehrstiefel zuzulegen … mittlerweile jedoch denke ich oft ernsthaft darüber nach, während ich mal wieder sinnlos versuche, die Nähte meiner schwarzen Leder-Boots vom tiefsitzenden Sandstaub zu befreien, um sie am nächsten Tag gezwungenermaßen doch wieder komplett einzusauen. Ich hasse es, wenn mein Mann recht hat!

HANDYSCHALEN

Ich gestehe, ich habe früher mit Verachtung auf jene herabgesehen, die ihr scheiß-teures Smartphone mit einer oftmals billigen oder schlimmer noch „witzigen“ Handyschale verschandelten. „So etwas kauf ich nie im Leben“, tönte ich, weil ich die Dinger wirklich ALLE grässlich fand.
Heute … sehe ich das anders. Denn HEUTE habe ich eine zweieinhalbjährige Tochter, die sich ständig mein Telefon schnappt, damit Fotos machen oder ein Spiel darauf spielen will (natürlich schäme ich mich sehr dafür ;) ). „Halt es gut fest, Mausemaus!“ sage ich jedes Mal. Und sie antwortet dann grinsend: „Ja, ja, passe auf!“
Oft geht alles glatt. Sonst würde sie es auch nicht mehr von mir bekommen. Aber manchmal … da höre ich nach einem sehr unschön und kostspielig klingendem Aufprall so ein unschuldiges: „Ups, isse runterplumst!“ von meinem Töchterchen. Und dann, DANN freue ich mich, dass mein Telefon seit geraumer Zeit warm und sicher eingepackt ist … in eine grässliche Handyschale. Sie ist echt nicht schön. Sie war nicht teuer. Und sie verschandelt mein scheiß-teures Smartphone auf jeden Fall. Aber vor allem, beschützt sie es.
Es scheint, auch für ein Handy gilt irgendwann: Aussehen ist nicht alles ;) .

FERNSEHER

Vor der Geburt der kleinen Madam war ich ein praktizierender TV-Junkie. Schon zum Frühstück habe ich die Glotze angeknipst, irgendwelchen Schwachsinn absorbiert und im Prinzip nach der Arbeit nahtlos da weitergemacht, wobei mich der Job am Morgen „störte“: beim Fernsehen. Meine Spezialität waren hirnlose Sitcoms, schnulzige Filme und so ziemlich alles, was sich in die Rubrik Science Ficton einordnen ließ. Ich LIEBTE es, meine Freizeit auf der Couch zu vergammeln – vorzugsweise mit meinem zukünftigen Göttergatten an meiner Seite sowie einem bunten Potpourri an ungesundem Fastfood auf dem Schoß – und mein Hirn in diesen trägen, wabernden TV-Überdosis-Zustand zu versetzen. Ach, es war wirklich schön!
Heute jedoch, sieht das etwas anders aus. Den großen Fernseher habe ich zuletzt angemacht, da steckte die mini-kleine Madam noch im Tragebuch und ich STAND wippend (in pädagogisch wertvollem Abstand) davor, um wenigstens mal einen halben Film zu sehen. Da das recht unkomfortabel für mich war, habe ich mich damals höflich und um Verzeihung bittend auf unbestimmte Zeit von meinem bis dato besten Freund verabschiedet. Und unsere Beziehung liegt bis heute auf Eis. Denn die Mausemaus blieb schließlich extrem lange eine so schlechte Schläferin, dass es für mich erst seit vielleicht 8 Monaten einen Feierabend auf der Couch gibt. Der ist allerdings kurz, da sie jetzt zwar schläft, aber damit erst mega spät startet – wenn ich viel Glück habe so gegen halb zehn. Ich will dann kurze Zeit später eigentlich auch ins Bett, so das es sich meist nicht lohnt, eine Folge, geschweige denn einen Film zu starten. Ergo: Heute weiß ich kaum mehr, wie unsere Fernbedienung funktioniert (waren die Teile immer schon so kompliziert???) Wenn ich überhaupt Zeit finde, etwas zu gucken, dann auf dem Rechner oder dem Tablet, wo ich Pause drücken kann, wann ich will (nach ca. einer halben Stunde, weil ich dann ins Koma falle ;) ).
Wie gut, dass ich früher so viel ferngesehen habe – als hätte ich geahnt, dass dieses „Hobby“ nur von begrenzter Dauer sein würde :D .

KÜCHE

Ich gestehe: Ich bin ein Küchen-Honk. Schon immer gewesen. Und ich hab nie Probleme damit gehabt. Meine Parade-Disziplin in diesem Umfeld war und ist bis heute … das Öffnen der Kühlschranktür ;) . Alles andere beherrsche ich nur mehr schlecht als recht. Klar, ich weiß grundsätzlich schon, wie der Herd inkl. Backofen funktioniert. Ich nutze dieses Wissen nur nicht gern. Lieber drücke ich als Maximalaufwand bei der Herstellung von etwas Essbaren den Knopf an der Mikrowelle. Alles andere in diesem Raum wische ich einfach nur regelmäßig ab (wenn überall Katzenhaare drauf liegen, ist das ja schon fies). So war es zumindest, bis die Mausemaus nicht mehr allein durch Milch glücklich zu machen war. Plötzlich musste ich die Küche als das sehen, was sie eigentlich ist: Den Ort, in dem man Essen zubereitet. Also richtig! Nicht nur indem man den Deckel einer Pappschale abzieht, sondern so RICHTIG … mit Gemüse waschen und schneiden, Fleisch braten und würzen, Töpfe und Pfannen benutzen (und nachher spülen! Grausam!). Die Umstellung war hart. Nein, sie IST hart. Ich befinde mich immernoch in diesem Lernprozess. Muss jeden Tag aufs Neue über meinen Schatten springen, um für mein Kind etwas „zu zaubern“, dass genießbar UND gesund ist – also einigermaßen wenigstens. (Aber machen wir uns nichts vor: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. ICH bin der beste Beweis dafür!) Das Einzige, was mich aktuell noch davor bewahrt, mich ERNSTHAFT mit dem Thema Kochen auseinanderzusetzen, entsprechende Bücher zu wälzen und wichtig Post-its reinzukleben, ist, dass mein Kind in Sachen Futter absolut nach mir kommt. Sie ist kein Gourmet. Sie mag fast nichts. Und wenn ich sie ließe, dann würde sie sich ausschließlich von Salami-Würstchen und Gummibärchen ernähren. Mach ich natürlich nicht. Aber ich sehe es als Chance. Wir können gemeinsam kochen lernen, gemeinsam probieren – und gemeinsam alles in den Müll schmeißen und aus Verzweiflung Salzstangen essen :D .

Ach, eigentlich sind Kinder einfach nur spitzenklasse! Ja, sie verändern viel. Aber wenn man genau hinschaut, dann verändern sie nichts, dass nicht sowieso wert gewesen wäre, verändert zu werden. Und so gesehen … wird dann eben doch das meiste einfach nur besser durch die Geburt eines Kindes :) .

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6 Kommentare für “Früher hui, heute pfui – oder umgekehrt?

  1. Sitze grad gammelnd vor dem Fernseher, mit Pad in der Hand, Füße auf dem Tisch und habe wieder sehr geschmunzelt und gelacht über diesen herrlichen Artikel.
    Ist jetzt echt gemein von mir das zu schreiben, ich weiß :-D nicht schlagen * Kopf einzieh…..
    aber du kannst das auch bald wieder machen, so ca. 20 Jahre + oder so ist doch nicht mehr lange
    und geht rasend schnell vorbei versprochen :-)

    Lg und ein schönes Wochende für euch
    Aurelia

  2. Hallo,

    Konmt mir das doch alles bekannt vor.
    Würde soooo gerne mal wieder nen ganzen Tag mit meinem Mann auf dem Sofa liegen, Junkfood in mich rein stopfen und einen Serienmarathon hinlegen. Am besten natürlich bei richtigem Schmuddelwetter…

    Aber wie du sagst, im Prinzip hab ich so viele vor dem Teil gegammelt und gemampft, da kann man auch mal ne Weile drauf verzichten :-)

  3. Ich habe neulich von meinem Freund eine sauteure, sauschöne Handtasche geschenkt bekommen, die ich mir auch sehnlichst gewünscht hatte.
    Ende vom Lied: das Kind denkt, es hätte einen Anspruch auf diese Tasche. Wenn ich sie MAL umhänge, nur um im Spiegel aufs Neue festzustellen, wie unglaublich toll sie ist, kommt das Kind angeflitzt, zetert schon von Weitem und entreißt mir – wie es überzeugt zu sein scheint – IHRE Handtasche.
    Ich musste die Tasche notgedrungen ganz oben im Schrank verstecken.
    Hoffentlich ist sie in 18 Jahren noch modern…

    1. Oh nein, du Arme!!!! Aber exakt so gehts mir auch mit meiner Lieblingstasche, wenn ich sie dann doch mal entstaube und für kurze Strecken nutzen möchte. Ella brüllt und will sie haben. Manchmal klappts aber, dass sie alternativ eine von meinen anderen “akzeptiert” … wenn ich vorher Gummibärchen reinpacke :D