Rabenmutter 2.0

Nabelbruch-OP? Och nö, da hab ich doch keine Zeit für!

Der Krümel war ungefähr 10 Monate alt, ca. 9,5 Kilo schwer und ein klassischen Kaugummi-Baby (klebt ständig an der Mami wie festgetackert) als ich – vorerst noch nett lächelnd – einem Chirurgen ein etwas fragwürdig aussehendes Muttermal auf meinem Bauch präsentierte, dass er laut meines Hausarztes besser entfernen sollte. „Och, dass ist ja ganz klein. Ich gehe davon aus, dass es nicht bösartig verändert ist, nehme es aber natürlich trotzdem raus“, sagte er, schob aber schon während ich eigentlich gerade noch aufatmete, furztrocken hinterher: „Und wie sieht es mit Ihrem Nabelbruch aus? Der verursacht Ihnen keine Beschwerden?“
„Mein bitte was?“ fragte ich verdutzt und starte auf meinen Bauch.
„Sie haben einen Nabelbruch. Ist Ihnen das nicht aufgefallen? Da drückt sich doch schon Fettgewebe raus?“
„Ey, ich hab voll abgenommen, Sie Arsch!“, wollte ich kontern, verkniff es mir aber gerade noch und beschränkte mich stattdessen darauf, weiter wie ein Volltrottel aus der Wäsche zu gucken. Natürlich hatte ich bemerkt, dass mein Nabel nach der zweiten Schwangerschaft irgendwie nicht in seinen alten Zustand zurück gefunden hatte. Vorher war er immer glatt nach innen gewölbt, jetzt kam er raus. Allerdings hatte ich mir das so erklärt, dass er ja nun bereits zweimal von einem durchaus großen Babybauch nach außen gesprengt worden war und vielleicht diesmal einfach nicht mehr zurück KONNTE. Ich nahm es hin als eine dieser Veränderungen, die eine Schwangerschaft am Körper eben zurück lässt. Und mal ehrlich: Wen juckt es schon, ob der Nabel nun nach außen oder innen gewölbt ist?! Da fand und finde ich die „Neu-Gestaltung“ meiner Brüste und meines Hinterns schon deutlich beeindruckender!
„Fühlen Sie doch mal mit der Fingerspitze hinein. Spüren Sie das kleine Loch dahinter?“
„Ja, dass hatte ich aber schon immer … nur war es früher kleiner … oh!“ Zack, da fiel der Groschen bei mir. Einen sehr kleinen Nabelbruch hatte ich wahrscheinlich von Geburt an gehabt – wie sehr viele Menschen – nur dass er nun größer geworden war … wohl aufgedehnt durch den kleinen Mann auf meinem Arm.
„Wir sollten den Bruch besser jetzt verschließen, bevor er deutlich größer wird, sich womöglich eine Darmschlinge nach außen drückt, starke Schmerzen entstehen und Sie sich in einer Not-OP wiederfinden“, sprach der Herr in weiß weiter und zeichnete damit ein Bild für mich, auf dass ich ja nur mit einem beherzten OCH NÖÖÖÖÖÖ! reagieren konnte.

„Hm, ich habe zwei Kinder. Eins davon ist sehr klein, wie Sie sehen. Ich trage ihn also ständig herum. Und mein Mann arbeitet Vollzeit. Wie lange wäre ich denn nicht ganz fit?“
„Der Eingriff an sich erfolgt ambulant. Und weil der Bruch noch so klein ist, muss ich kein Netz einsetzen, sondern nähe die Faszien nur mit 2-3 Stichen wieder zusammen. Trotzdem werden Sie einige Zeit Schmerzen haben und sollten 2-3 Wochen nicht mehr als 5 Kilo heben. Etwas schonen müssten Sie sich wohl so um die 3 Monate. 100% ausgeheilt ist dann alles nach einem Jahr.“
Am liebsten hätte ich laut gelacht. „Das muss schneller gehen“, sagte diesmal ich furztrocken, „als Mama hat man für sowas keine Zeit!“

Mein erster Impuls nach dieser sehr unerfreulichen Unterredung war, einfach nicht mehr hinzugehen. Es handelte sich bei diesem Arzt schließlich um einen Chirurgen und die schnippeln bekanntlich gern. Wahllos. Hauptsache, es legt sich einer hin. Ich war schon fast ein bisschen sauer. Warum hatte er mir diese Diagnose überhaupt gestellt? Ich hatte ihn nicht um seine Meinung zu meinem Bauchnabel gefragt!!! Jetzt fühlte ich mich unsicher mit meinem eigenen Körper. „Fliegen Sie besser in kein Urlaubsland mehr, in dem Sie eine Not-OP besonders unerfreulich fänden!“ hatte er mir noch geraten. Schönen Dank auch!!! Not-OP ist ja mal genau das, was man als Mama so gar nicht gebrauchen kann. Ausfallen ist immer beschissen. Aber SPONTAN länger auszufallen wäre ein totales Desaster!!! Egal in welchem Land!

Ok, dachte ich. Noch ist der Bruch klein und der Göttergatte hat zwei Wochen Urlaub übrig. Wir könnten die Nummer „kontrolliert“ durchziehen und hoffen, dass ich einfach voll schnell wieder fit bin, weil es eben früh gemacht wurde. ODER wir warten ab, gehen auf Risiko und spielen auf Zeit … und Glück. Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, las ich in den nächsten Tagen viel im Internet (was man ja besser nicht machen sollte ;) ) und bekam folgendes heraus:

  • Ein Nabelbruch bei einem Erwachsenen korrigiert sich nicht von alleine.
  • Unbehandelt wird er größer. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht erst nach Jahren. Aber … er wird größer.
  • Die kleine Version ist schnell behoben.
  • Die meisten Kliniken schreiben in ihren Info-Blättchen zur Nabelbruch-OP, dass man danach nicht mehr als 10!!! Kilo heben bzw. tragen soll. Da wäre der Krümel vom Gewicht her ja noch drin. Knapp ;) . Es gibt aber auch welche, die von 5 oder 8 Kilo sprechen. Der meines Erachtens cleverste Hinweis einer Klinik an ihre Patienten lautete: Wenn es weh tut, ist es zu schwer!

Ich schloss daraus, dass der Chirurg nicht völlig im Unrecht (wenn auch vielleicht etwas übermotiviert) war und dass es doch sinnvoll wäre, die Nummer jetzt hinter mich zu bringen, eben einmal unseren Urlaub dafür zu opfern, aber dafür sicherzustellen, dass wir nicht irgendwann von einem größeren Problem überrascht würden. Und wenn das mit den 10 Kilo stimmen würde, dann könnte ich den Krümel ja sehr wahrscheinlich einigermaßen schnell wieder wie gewohnt in der Trage oder dem Tuch transportieren – eventuell bräuchte ich nur vorübergehend eine andere Bindetechnik, um keinen Druck durch einen Knoten auf dem Bauch zu haben. Ihn nach einer Bauch-OP einfach so auf dem Arm rumzuschleppen, erschien mir von vorneherein als schlechtere Idee, denn mit Baby auf der Hüpfte verändert man ja doch seine Körperhaltung eher unvorteilhaft und das wiederum würde sicher die dann gerade frisch zusammen-„gerafften“ Bauchmuskeln heftig und wahrscheinlich kontraproduktiv aktivieren.

Tatsächlich war die Frage, wann und wie ich mein (immer schwerer werdendes) Baby nach der Operation wieder tragen könnte, jene, die mich am meisten beschäftigte – nicht die potenziellen Schmerzen oder vielleicht sogar die Risiken, die jede Vollnarkose nun mal mit sich bringt. Nein, das Tragen bzw. das vorübergehende NICHT Tragen machte mir wirklich Sorgen. Erstens, weil ich (und das Baby auch) die Tragerei so liebe und zweitens, weil sie aktuell echt ein wichtiger Bestandteil meines bzw. unseres reibungslosen Tagesablaufes mit zwei Kindern ist: Der Krümel kann schlafen, wann immer er will, und ich bleibe trotzdem zeitlich und räumlich flexibel, um mich um die Bedürfnisse der Mausemaus zu kümmern. Super toll für alle Beteiligten. Das wollte ich mir jetzt nicht von einer doofen OP versauen lassen (dieses Recht gestehe ich nur den Kindern zu ;) )

Mal davon abgesehen machte es mich olle Kontroll-Nudel die Wochen vor dem Eingriff einfach nervös, nicht zu wissen, was da auf mich zukäme. Die auch im nächsten Termin wiederholten Sätze des Chirurgen wie: „Sie werden durchaus richtig Schmerzen haben“ und: „Sie sollten danach wirklich ca. drei Wochen lang nichts Schweres heben oder tragen, sonst bricht die Naht wieder auf!!“ halfen mir da auch nicht, weil ich eben keine drei Wochen haben würde. Doof, fand ich das. Beunruhigend und doof! So doof sogar, dass ich wirklich, wirklich oft und lange mit dem Gedanken spielte, die ganze Sache wieder abzublasen und doch auf Risiko zu spielen. WIRKLICH lange! ;)

DER TAG DER OP

Am Montagmorgen brachte mein Mann die Mausemaus etwas früher als gewöhnlich in die Kita und sammelte dann mich – seine nervöse Gattin – mitsamt dem bereits wieder müdem Baby schnell ein, um pünktlich in der Praxis, in der die ambulante OP an meinem verunglückten Bauchnabel stattfinden sollte, auf der Matte zu stehen. Wir sollten um 9:40 Uhr da sein … und waren es NATÜRLICH bereits um 9:20 Uhr, weil ich in nervösem Zustand meist noch ein bisschen pünktlicher bin, als eh schon. Wir wurden auf die entsprechende Etage geschickt, nahmen im Wartebereich Platz und ich stillte den Krümel noch einmal kurz, um ihn so vollgetankt wie möglich an den Papa zum ersten Mama-freien Vormittag zu übergeben. Mir fiel diese Trennung sehr wahrscheinlich schwerer als dem Söhnchen (ich weiß, ich bin ne doofe Glucke), der schon wenige Minuten nach dem Aufbruch im Kinderwagen eingeschlafen war. Der kleine Wurm war aber auch echt platt und aufgeregt (die riechen ja doch, wenn irgendwas im Busch ist), sodass er einfach vergaß, den Kinderwagen zu blöd zum Schlafen zu finden ;) . Und ich wartete derweil allein im Wartezimmer weiter, was mich ziemlich unangenehm an meine letzte OP, die Ausschabung nach der Fehlgeburt, erinnerte.

Gegen 10:20 Uhr wurde ich aufgerufen und in einer kleinen Kabine von einer Krankenschwester mit einem Formular erwartet. Sie fragte ab, was man eben so abfragt, vor einer Vollnarkose … allerdings auch, was denn wohl bei mir gemacht würde. „Öhm, mein Nabelbruch soll behoben werden“, antwortete ich und schob hinterher: „Ich hoffe, SIE wissen das auch!“
„Ja, ja, klar, ich muss das nur fragen!“
Mittelmäßig begeistert nahm ich die weiteren Anweisungen entgegen – wo ich meine Kleidung hinhängen, was ich anziehen und desinfizieren sollte – und versuchte locker zu bleiben. Während ich mich anschließend umzog, kamen schon mal die Anästhesistin vorbei, fragte, ob ich denn sogar nachts wirklich noch stillen würde und reagierte auf mein Ja mit einem wenig motivierenden: „Uhhhhh, das wird weh tun!“
Toll, dachte ich, dass hilft mir jetzt sehr, mich zu entspannen. Vielleicht gehe ich besser einfach wieder. Mir war durchaus klar, dass nächtliches stillen mit einer Bauchwunde kein Zuckerschlecken würde, weil jede Bewegung unangenehm oder sogar schmerzhaft wäre … aber musste man mir das auch noch so dick aufs Brot schmieren? Half mir null!
„Haben Sie denn bereits ein Kreuz auf dem Bauch?“ fragte die Anästhesistin mit dem sonnigen Gemüt als nächstes.
„Äh, nein.“
„Wieso denn nicht?“
„Öhm, keine Ahnung? War es MEINE Aufgabe, da ein Kreuz hinzumalen?“
Sie murmelte irgendetwas unverständliches, zeichnete mir selbst gefühlt wahllos ein Kreuz unter den Nabel und bat mich dann auf die wacklige Liege, um mir einen Zugang zu legen und schon mal einen Tropf mit Wer-weiß-was plus leichtem Beruhigungsmittel anzuhängen.
„Es dauert noch ein paar Minuten, aber dann werden Sie abgeholt“, sagte sie, machte das Licht in der Kabine aus und ging. Die Tür ließ sie einen Spalt offen, so dass ich gut hören konnte, wie eine alte Dame sich von der Narkose die Seele aus dem Leib kotzte.
Ey, ich geh besser wieder, dachte ich erneut und ärgerte mich, dass mein Handy bereits unerreichbar in einem Kleidersack an der Wand hing.

Nach ca. 15 Minuten kam eine Schwester zu mir. „Wieso ist denn das Licht aus?“ fragte sie und knipste es wieder an. Von ihr wurde ich zum ersten Mal gefragt, wie es mir ginge und ob alles in Ordnung sei. Leider würde sich meine OP noch etwas verzögern, weil die vorangehende länger als erwartet dauerte, erklärte sie. Auf meine Bitte hin kramte sie mir dann mein Handy nochmal raus, damit ich meinen Mann anrufen und ihm Bescheid geben könnte. „Er soll sich ja keine Sorgen machen“, sagte sie. Das fand ich echt nett. Auch, dass sie mir die einzige Einzelkabine zum Wachwerden bunkern wollte, damit sie den Göttergatten und das Baby reinschleusen könnte, falls der Krümel irgendwann nicht mehr auf die Mama warten wollte, erleichterte mich. Der Rest meiner Situation irgendwie gar nicht. Immer wieder überlegte ich, ob ich nicht doch besser noch ein bisschen mit dem Nabelbruch rumlaufen sollte, als mir das hier jetzt anzutun. Was, wenn ich den Krümel ganz lange nicht heben und tragen könnte? Was, wenn etwas schief ginge? Was, wenn ich hier nicht mehr lebend rauskäme?!? (Jaha…Pessimismus kann ich :D)

„So, es geht los!“ rief mir eine Schwester zu und zog die wackelnde Liege, auf der ich lag, mit einer Kollegin zusammen aus der Mini-Kabine. Keine der beiden nahm Blickkontakt mit mir auf … oder schaffte eine Kurve, ohne irgendwo anzuecken. In der Tür zum OP kamen sie dann gar nicht mehr weiter, weil sie sich irgendwo verklemmt hatten. So hatte ich Zeit, mich in dem kleinen OP, der wie eine medizinische Rumpelkammer wirkte, umzusehen. Oh Kacke, wo bin ich hier nur gelandet??? schoss es mir durch das Hirn und wieder wäre ich am liebsten aufgestanden und gegangen. Aber da tauchte der mir bekannte Chirurg plötzlich auf, begrüßte mich, gab der Anästhesistin ein Zeichen und ich wurde endlich „abgeschossen“!

Als ich wieder zu mir kam, hatte ich nur ganz leichte Schmerzen und fühlte mich ansonsten prima. Narkosemedikamente vertrage ich offenbar gut … zumindest besser als die alte Dame vor mir. Die nette Schwester reichte mir einen Becher Wasser und ein Bonbon, rief meinen Mann schon mal an, um zu sagen, dass es mir gut ginge und kam in den folgenden 20 Minuten immer mal wieder zu mir, um nach mir zu sehen. Auch Anästhesistin und Chirurg kamen mal vorbei, erzählten, dass der Bruch zwar bereits größer als vermutete gewesen war, aber dennoch ohne Netzeinsatz zu schließen gewesen sei. Man gab mit einen Termin zur Kontrolle einige Tage später, wiederholte noch einmal, dass ich NICHT schwer heben sollte und entließ mich um 13 Uhr in die Obhut meines Mannes. Zack, stand ich frisch operiert und noch etwas zugedröhnt auf der Straße mitten in Köln. Verrückt, dachte ich, ECHT verrückt.

Bis ca. 16:30 Uhr fand ich das Schmerzaufkommen ok. Ich hatte Ibuprofen mitbekommen, aber noch nicht gebraucht. Nun aber warf ich die erste Tablette ein und war super froh, dass ich auch privat eine Anästhesistin kenne, die mir mehrfach versicherte, dass sowohl die Narkose als auch Ibuprofen für den ja ständig noch gestillten werden wollenden Krümel ungefährlich seinen, weil so gut wie nichts davon in der Muttermilch lande. GOTT SEI DANK! Denn nachts brauchte ich mehr davon. Tatsächlich war stillen müssen nach dieser OP voll beschissen (die schlecht gelaunte Anästhesistin behielt also recht). Jede Bewegung im Liegen schmerzte und die Nummer wurde nur noch verschlimmert dadurch, dass das Baby SEINE Ängste um die Mama (oder was auch immer) damit kompensierte, alle 1–1,5 Stunden wach zu werden und an die Brust zu wollen. Ergo: Die Nacht war die Hölle. Schon um 1 Uhr wäre ich am liebsten wieder aufgestanden, weil es so ätzend war, dass ich am liebsten nur noch geheult hätte. Es war eine ganz beschissene Idee, die OP JETZT zu machen, wo ich noch stille … GANZ BESCHISSEN!!! dachte ich immer wieder … und schlief darüber ein ;) .

TAG 1 NACH OP

So gegen 6 Uhr entschied der Krümel, dass jetzt Schluss wäre mit dieser grässlichen Nacht – und ich war seiner Meinung, denn ich hatte echt keinen Bock mehr auf Liegen. Die Schmerzen waren im Stehen zwar erträglicher, aber so richtig fluffig bewegen konnte ich mich trotzdem nicht. Während der Mann die Kinder fertig machte und für Frühstück sorgte, schlich ich wie eine missmutige Seniorin umher, um wenigstens meinen Kreißlauf in Schwung zu bringen, wenn schon der Rest von mir von Elan so weit entfernt war, wie der Süd- vom Nordpol. Ich HASSE es ja eh, mich unnütz zu fühlen. Aber NOCH mehr hasste ich es, mein Baby nicht hochnehmen zu können, wenn es vor mir auf dem Boden saß und seine kleinen Ärmchen nach mir ausstreckte. Ich hätte heulen können … die ganze Zeit. Half aber ja nicht. Stattdessen „senkten“ wir mich auf Baby-Höhe ab, indem wir mir ein „Krankenlager“ in Form einer Matratze und Kissen auf der Spielmatte im Wohnzimmer einrichteten. So kam der Krümel jederzeit an die Mama ran und ich konnte sogar kurz mit ihm allein bleiben – zum Beispiel wenn der Mann die Mausemaus in die Kita bringen musste.

Da mir nach der OP ein Duschpflaster auf der Wunde verpasst worden war, gönnte ich mir gegen Mittag (als ich sicher war, ich würde dabei nicht aus den Latschenkippen) einen Ausflug unter fließend Wasser, um wenigstens mal den Krankenhaus-bzw. Praxis-Geruch abzuwaschen. Das bewirkte zwar keine Wunder, aber ein bisschen besser ging es mir danach tatsächlich. Schlapp und jammerlappig fühlte ich mich dennoch. Ich bemitleidete mich selbst etwas mehr als vielleicht notwendig UND machte mich völlig Gaga, indem ich mir ausmalte, was in den nächsten Wochen alles schwierig bis unmöglich für mich werden könnte: Was wäre, wenn ich nicht schnell genug genesen würde und den Krümel nach Ablauf der zwei Urlaubswochen des Mannes nicht heben könnte? Was wäre, wenn die Mausemaus auf einem Klettergerüst festhinge, ich sie aber nicht herunter holen dürfte? Wie sollte ich mit dem Kinderwagen Stufen hochkommen … in unserem Hausflur oder an der Kita? Was sollte ich tun, wenn die Mausemaus draußen einen ihrer berühmten Trotz-Tobsuchts-Anfälle bekäme, denen ich normalerweise körperlich natürlich gewachsen bin, nun aber für viele Wochen NICHT!

Ergebnis: Immer wieder fragte ich mich, ob ich nicht besser hätte warten sollen mit dieser vermaledeiten Operation. Aber wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Fahrradkette … rückgängig machen konnte ich meine Entscheidung pro OP ja nicht mehr ;) .

TAG 2 NACH OP

Ich bin wirklich sehr, sehr schlecht im Kranksein. Ich gehe mir selber unglaublich schnell auf den Nerv, bin extrem ungeduldig was die Genesung angeht und teile diese Nerv-Faktoren bzw. mein unleidlich sein deswegen schrecklich gerne mit meinem Umfeld ;) . Allerdings gab ich mir diesmal ernsthaft Mühe, einigermaßen entspannt und tatsächlich mal mehr auf dem Arsch sitzen zu bleiben, anstatt mich unter Druck zu setzen, RASANT schnell wieder fit zu werden. Ist ja erfahrungsgemäß oft kontraproduktiv, wenn man sich NICHT schont, obwohl alle Ärzte dazu raten. Die Androhung des Chirurgen, dass die frische Naht wieder aufgehen könnte, wenn ich mich übernähme, und er dann in einer erneuten OP doch noch ein Netz einsetzen müsste, motivierten mich, vorsichtig zu sein … und das Krümelchen WIRKLICH nicht sofort wieder hochzuheben.

Trotzdem drohte mir bereits jetzt die Decke auf den Kopf zu fallen UND ich bekam Rückenschmerzen von der ungewohnten Rumhängerei. Also schlurfte ich mittags gemeinsam mit meinem Mann zum Baby-Kurs ganz in der Nähe, um mal rauszukommen und mich ein bisschen zu bewegen. Und siehe da: DAS half! Nicht nur die Rückenschmerzen wurden ziemlich sofort deutlich weniger, sondern auch die Wundschmerzen im Bauch. Mehr Bewegung tat also gut … wunderbar, ganz in meinem Sinne ;) .

Der Mann hielt sich übrigens derweil für seine Verhältnisse recht tapfer. Obwohl er grundsätzlich alles, was mit Haushaltsführung zu tun hat ganz unemanzipiert (aber dafür ehrlich) zum Kotzen findet, und es zudem jetzt als überraschend stressig empfand, sich mehr oder minder allein um zwei Kinder zu kümmern … hatte er noch nicht einmal geweint. Ich war mächtig stolz auf ihn :D :D :D !

TAG 3 NACH OP

Eigentlich wirklich total krass, aber am Morgen des dritten Tages nach der OP stand ich (während der Göttergatte die Kids in die Klamotten „überredete“) in der Küche und bereitete das Frühstück für meine Familie vor. Natürlich ganz langsam und mit Bedacht, aber eben doch schon wieder selbst! Der Schmerzpegel war echt plötzlich zackig gesunken, so dass ich absolut nicht das Gefühl hatte, noch länger GAR NICHTS tun zu können.

Entsprechend guter Dinge war ich dann auch während des ersten Kontroll-Termins in der Arzt-Praxis, was der Chirurg direkt mal falsch deutete. „Sie haben doch sicher auch schon wieder ihr Baby rumgetragen, oder?“ warf er mir vor und schien mir nicht so ganz zu glauben, als ich verneinte. „Ich mag sehr ungeduldig sein, aber ich bin kein Trottel … ich will ja nicht sofort wieder auf ihrem OP-Tisch landen!“ schob ich deshalb hinterher … und meinte es absolut ernst. Allerdings war meine Schonzeit ja sehr begrenzt und ich hatte ziemlich Schiss davor, die frische Naht mit einer doofen Bewegung, einem heftigen Huster oder dem Fangen eines vom Klettergerüst stürzenden Kleinkindes wieder zu sprengen. Deshalb wollte ich, dass der gute Mann mir eine Bauchbandage verschrieb … um mich sicherer zu fühlen und den ganzen Kladderadatsch etwas zu schützen.

„Eine Bandage kann nicht verhindern, dass die Naht wieder aufgeht, sorgt allerdings dafür, dass ihre Bauch- und Rückenmuskulatur degeneriert. Deshalb können Sie mir ruhig glauben: Auf Kongressen zum Thema Hernien und deren Behandlung spricht NIEMAND über Bandagen!“
Ist mir Schnurz-egal, über was auf diesen Kongressen gesprochen wird, dachte ich, ICH muss in 10 Tagen wieder mit meinen beiden Kindern alleine klarkommen können, ohne dass ich mir vor Angst in die Hose mache. GESAGT habe ich allerdings: „Sehen Sie, es ist ganz einfach: Als Mama kann ich ein paar Situps und etwas Rückentraining deutlich einfacher in meinen Alltag integrieren, als einen Krankenhausaufenthalt und ein erneuter Ausfall für mehrere Wochen. Abgesehen davon: Haben Sie schon mal mit Schwung Baby-Extremitäten in eine frische Bauchwunde geballert bekommen? Ich bin ja ein Laie, aber vom Gefühl her würde ich sagen, dass das nicht so gut ist!“
Letzteres ließ er endlich als Begründung gelten und stellte mir das gewünschte Rezept aus. Yeah! ;) Und mit der stützenden und schützenden Wirkung dieses ultra attraktiven Kleidungsstück ausgestattet, ging es mir umgehend noch viel besser! GEWONNEN! :D

TAG 6 NACH OP

Es geht mir viel, viel besser! Schmerzmittel brauche ich bereits seit Tagen nicht mehr. Ich bewege mich wieder fast normal. Und ich habe schon richtige „Ausflüge“ zum Einkaufen ohne ernstzunehmende Ermüdungserscheinungen bewerkstelligt. Trotzdem – und da bin ich wirklich stolz drauf, weil ich ja sonst doch eher dazu neige, ärztliche Ratschläge beinahe komplett zu ignorieren und mein eigenes Diagnose-Süppchen zu kochen (was meinen Mann immer total sauer macht, weil er eben nicht versteht, dass jahrelanges Grey’s Anatomy schauen, förmlich einer medizinischen Ausbildung gleichkommt ;) :D ) – hebe ich nichts was schwerer ist als unsere Wurstdose. Die Mausemaus versteht das schon sehr gut und hat nur ein bisschen Schwierigkeiten, sich vorzustellen, was ich denn wohl genau mit „Ich kann dich drei MONATE nicht hochheben!“ meine. Muss sie aber ja auch nicht. Hauptsache, sie begreift es jeden Tag aufs Neue <3 . Der Krümel jedoch leidet sichtlich und wirft mir von Papas Arm aus Blicke zu, die wahrscheinlich sowas wie: „Hab ich was falsch gemacht? Warum magst du mich nicht mehr auf den Arm nehmen?“ bedeuten. Ich leide mit ihm. Es fehlt mir sehr, ihn einfach schnell hoch- und mitzunehmen. Aber dieses seitlich auf der Hüfte tragen verkneife ich mir echt so lange es möglich ist. Da hab ich nämlich definitiv kein sicheres Gefühl bei. Der Trage hingegen blinzle ich bereits wieder verschwörerisch zu ;) .

TAG 8 NACH OP

Alle Pflaster wurden entfernt und ich konnte mir meinen neuen Bauchnabel morgens nach dem Duschen zum ersten Mal richtig anschauen. Hm … tja … schön war anders. Von meinem ehemals niedlichen Nabel war nun offenbar nichts mehr übrig. Er sah aus wie der Zipfel einer frischen Bratwurst vom Metzger. Mir gingen auch noch schlimmere Vergleiche durch den Kopf, aber ich hielt es für besser, vorerst einfach ein neues Pflaster drüber zu kleben (damit nichts scheuern konnte) und zu hoffen, dass sich der neue Look meiner Körpermitte noch etwas verbessern würde.

Und dann wagte ich es: Ich legte erst die Bauchbandage und dann mein Tragesystem an, kniete mich auf den Boden und streckte die Arme nach dem Krümel aus, der sofort den Turbo einlegte, um auf die Mama zu klettern. Noch am Boden setzte ich mein Söhnchen in die Trage und zog alles wie gewohnt fest. Keine Schmerzen, kein Ziehen, alles gefühlt top! Also stand ich auf. Ganz langsam und mit geradem Rücken, OHNE meine Bauchmuskeln anzuspannen. Ich hatte extra tags zuvor den Chirurgen nochmal gefragt, ob ich es merken würde, wenn ich eine FALSCHE Bewegung machen und die Naht gefährden würde. „Im Moment definitiv “, hatte er gesagt, „weil die Naht bzw. Wunde noch frisch ist.“ Aaaaaalso … wenn es sich gut anfühlt, IST es gut, dachte ich daher und freute mir gepflegt ein Loch in die Kiste, dass wenigstens das schon wieder möglich war. Ebenso wie der Krümel, der sein Köpfchen direkt kuschelig in meinem Dekolleté platzierte. Und auch wenn ich mich – zur Sicherheit – erst ganz langsam wieder in Richtung unseres normalen Tagesablaufes bewegen wollte und einige Aktionen noch weiterhin aussparen müsste, war ich sehr, sehr, SEHR froh, dass die ganze Nummer dann doch so schnell fast gänzlich überstanden war. Puhhhh, Glück gehabt ;) .

 

Übrigens: Ich freu mich immer, wenn ihr meine Texte (zum Beispiel via Facebook) teilt :D :-* 

11 thoughts on “Nabelbruch-OP? Och nö, da hab ich doch keine Zeit für!

  1. Hallo,
    Ich habe meine OP wegen Nabelbruch morgen und mega Angst. Es ist zwar generell nicht meine Erste OP oder Vollnarkose. Aber die Welt tickt anders als Mama :/
    Ich mach mir echt einen Kopf, ob alles gutgeht. Die Zeit nach der OP blende ich noch aus. Meine Kleine ist 16 Monate und hängt momentan nur an mir. Keine Ahnung wie das werden soll….

  2. Vielen lieben Dank für diesen tollen Bericht! Ich habe meine Nabelbruch OP kommende Woche und schon mächtig Bammel vor der Vollnarkose und der Zeit danach. Ist die Narbe denn sehr groß? Ich habe nur einen kleinen Nabelbruch aber dienÄrzte werden ein Netz einsetzen da laut Ihnen das Rückfallrisiko geringer ist – sie haben mir erklärt dass ich eine “Smiley”-Narbe haben werde unterhalb des Nabels – was ich aber eher weniger zum Lachen finde…

    Liebe Grüße,
    Mia

    1. Sehr gute Entscheidung mit dem Netz. Ich wünschte, dass wäre bei mir auch direkt gemacht worden.
      Die Narbe es bei mir ja im Nabel, aber immer noch zu sehen. Toll finde ich das nicht, aber eine Alternative gab es ja nicht ;)
      Ich drücke dir die Daumen für die OP und hoffe, du hast die Möglichkeit, dich ein bisschen zu schonen! 😘

  3. Toll, hab doch auch nen Nabelbruch…wo findet man als Kassenpatient eigentlich einen Arzt, der einen nicht innerhalb von 1,8 Minuten wieder aus seiner Tür hat und einem mal vernünftig was erklärt und bespricht??? Ja, mag ja aus Sicht des Chirurgen eher eine Lappalie sein, aber im Ernst, ich habe echt Panik vor einer Vollnarkose und Ärzte haben ja heute grundsätzlich keine Zeit mehr, mal auf ne Patientenakte zu gucken. Ich wurde echt gefragt, ob ich denn nun noch schwanger sei oder wieder werden wolle…NEIN, stimmt nicht! Ich wurde in der dritten Person gefragt!!! Sagt mal, und da wundern sich die Weißkittel, dass man sich im Netz informiert???? DA kriegt man wenigstens Infos ohne Zeitdruck!!!!!

    Rutscht gut, Ihr Lieben!!!

  4. Ganz gespannt alles gelesen… heul bin mit 3.zwerg schwanger (18.woe) u es wurde ein Nabelbruch festgestellt ?? jetzt bin ich auf deinen tollen Beitrag gestoßen u mach mich in die Hose ? vor der op der Schmerzen der Alltag hilfeeeeeee soll ich gleich nach der Geburt die op machen bin ja quasi im Krankenhaus schon … Glg margit

    1. ERSTMAL genießt du deine Schwangerschaft ? Und danach lässt du einen Profi beurteilen, wie eilig die OP ist. Bei mir war der Bruch leider in einer eher gefährlichen Größe … vielleicht ist es bei dir anders und er kann warten. Gibts durchaus! Also: Abwarten ???

  5. Weiterhin gute Besserung!!! Ich erinnere mich, dass meine Hebamme nach der Entbindung meinte “sieht aus wie ein Nabelbruch…” und tröste mich, dass beim letzten 2-Jahres-Check-up weder die Hausärztin noch ihr Assi was gesagt haben…man kann so was als Mutti einfach nicht gebrauchen und das schnallt irgendwie keiner, warum muss man eigentlich IMMER NOCH erklären, dass man 24/7 arbeitet??? Und Kinder keine Krankschreibung entgegennehmen????

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