Im Juli gab es keine Geschwister-Chroniken, weil am Anfang des Monats meine Mutter gestorben ist. Und wie soll ich sagen: Ich hatte einfach keine Kraft zu schreiben. Mein Fokus lag woanders und ich weiß, ihr alle habt das verstanden. Ich werde sicher auch irgendwann mal mehr dazu schreiben, aber hier geht’s jetzt, wie immer, hauptsächlich um die Kids.
SÖHNCHEN-STATUS:
9 JAHRE, 11 Monate
Wir haben etwas für uns Bahnbrechendes herausgefunden. Wenn der kleine Floh vorne sitzen kann – natürlich auf einem gesicherten Sitz – dann hat er tatsächlich keine Probleme mehr mit dem Autofahren. So viele aus der Community hatten mir das empfohlen, aber ich wollte es nicht zu früh machen, wollte, dass er wirklich groß genug ist dafür. Und jetzt geht’s. Wir haben eine Tour von 6 STUNDEN (wegen Stau) geschafft! Er war gelangweilt und irgendwann schlecht gelaunt, aber ihm war nicht schlecht! DAS eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten und der kleine Floh ist stolz wie Bolle auf sich selbst, dass DAS jetzt klappt.
Für drei Übernachtungen in den Niederlanden haben wir diese Fahrt dann also gemacht und er fand es … naja … wie immer. :D Er ist schon gerne mal woanders, aber er schläft nicht gerne woanders (ganz die Mama). Er bleibt dann leider viel drinnen, aber wir lassen ihn. Nicht jeder Mensch reist gerne, nicht jeder Mensch ist gerne weg von Zuhause. Deshalb werden wir wohl bei Kurz-Urlauben bleiben. Aber immerhin können wir jetzt gemeinsam fahren. Das ist so viel wert. Auch kostengünstiger, ehrlich gesagt.
Davon abgesehen freut er sich schon auf seinen Geburtstag. Seinen 10. Unglaublich. Wann ist das denn passiert? Ich fasse es nicht, ABER ich habe tatsächlich schon so gut wie alles geplant – das gabs noch nie. :D
TOCHTER-STATUS:
12 JAHRE, 10 Monate
Die Tochter hat mich fast. Ich glaube, es fehlen ihr maximal noch 2 Zentimeter, dann ist sie so groß wie ich. Sie kann meine Klamotten tragen (was sie auch macht) und meine Schuhe (was sie auch macht). Letzteres ist aber, denke ich, zeitlich begrenzt, weil sie bestimmt noch ne Schuhgröße drauflegen wird. Aber wer weiß. Sie ist ja eigentlich noch nicht mal 13 Jahre alt. Aber FAST. Und freut sich schon auf ihren Geburtstag, ungeachtet dessen, dass ihr Bruder zuerst dran ist. Egal.
Sie hat die Ferien sicher am meisten genossen. Sie hat viel unternommen, viel Neues begonnen und viel erlebt. Zum Beispiel war sie mit ihrem Papa ein paar Tage in Krakau. Sie fand es mega cool! UND sie wird nun etwas mit Pferden machen – nicht reiten, aber sich kümmern. Das finden wir beide besser. Mal schauen, wie sich das entwickelt, denn sie muss halt auch so ein bissl was für die Schule machen. Da sind wir uns aber nicht so einig wie bei der Pferde-Nummer. Man darf gespannt sein. ;)
MAMA-STATUS:
So alles in Allem: Mir geht es den Umständen entsprechend. Ich stemme den Alltag, den Ferien-Alltag. Ich lache, ich schlafe, ich esse (mit weniger Appetit allerdings), ich arbeite, ich weine, ich atme durch … ich gehe weiter. Fakt ist aber: Mir geht’s nicht wirklich gut. Mein Körper reagiert mit mehr Verspannungen, ich fühle meine ADHS intensiver, ich bin erschöpfter. ABER ich bin trotzdem voller Vorfreude auf die Veröffentlichung meines neuen Buches, das meine Mutter noch lesen konnte – ausgedruckt als Manuskript und nicht die absolute Endfassung – aber sie konnte es noch lesen. Dafür bin ich dankbar, weil sie wusste, dass das mein Traum ist … Bücher zu schreiben, die gelesen werden. Und sie mir die Daumen gedrückt hat. Immer schon und bis zum Schluss. Ich wünschte, sie hätte es noch als richtiges Buch in den Händen gehalten. Ich wünschte eh, sie wäre noch da. Aber vielleicht freut sie sich nun irgendwo anders für mich. Wer weiß. Ich hoffe darauf.
Meine Kinder haben vor ein paar Wochen, vor nicht ganz zwei Monaten, die einzige Oma verloren, die sie kannten. Und ich meine Mutter. Wir alle wussten, dass es passieren würde; wir wussten, dass wir sie in diesem Jahr verlieren werden. Aber es trifft einen dann doch wie eine Keule.
Im Februar hatten wir das Gespräch mit den Kindern. Das, in dem ich ihnen sagte, dass ihre Oma Lungenkrebs habe … nach dem zweiten Brustkrebs. Und dass sie diesmal nicht gewinnen würde. Zusätzliche Erkrankungen sowie die Lage des Tumors machten es beinahe unmöglich. Und meine Mutter hatte einfach keine Kraft mehr. Ich weiß noch, wie wir weinten, an diesem Abend auf dem Teppichboden sitzend, im Halbdunkeln, im Winter. Und wie wir dann begannen, zu planen, was wir mit Oma noch machen wollten. Ans Meer – das wünschte sie sich und wir setzen es um. Wir haben Erinnerungen gesammelt, weil meine Mutter sich das auch genauso vorstellte, aber zumindest für mich war es die ganze Zeit sehr schwer. Die beiden Geschwister haben es sehr viel besser verkraftet oder konnten es besser wegschieben, um weiterzumachen.
Wir haben immer geredet, ich habe immer Raum gegeben, ich habe immer zugehört und getröstet. Bis auf die letzten Tage – da war ich bei meiner Mutter, und der Papa musste sich um die Sorgen der Kinder kümmern. Es war eine wirklich sehr schwere Zeit und ich persönlich finde es auch seitdem schwer. Durchgehend.
Den Kindern geht es aber soweit gut und das ist unheimlich wichtig für mich. Manchmal weinen wir gemeinsam. Manchmal schreibt die Große noch WA-Nachrichten an ihre Oma. Manchmal vergessen wir, dass sie Tod ist und wollen sie anrufen. Und dann weinen wir wieder. Und doch wird viel gelacht und sich auf das neue Schuljahr gefreut, der Urlaub wurde gefeiert und die Ausflüge genossen. Wir alle leben weiter – nur die Oma der Kinder nicht. So ist das Leben, richtig?
Meine Kinder waren auf ihrer ersten Beerdigung. Sie waren tapfer, obwohl sie es nicht mussten. Und beide reagieren die ganze Zeit anders auf diese Situation, als ich es gedacht hätte, als ich es befürchtet hatte. Ich bin dankbar dafür. Und gleichzeitig fürchte ich mich vor ihren Geburtstagen und vor Weihnachten, weil dann wird die hinterlassene Lücke unübersehbar sein.
Trotz allem hatten die Kids tolle Sommerferien. Nicht vollgepackt mit großen Urlauben und Reisen, dafür mit zuviel Medienzeit, neuen Büchern, wundervollen Nachmittagen mit FreundInnen, mit Erfahrungen, die sie nie vergessen werden. Es war definitiv ein Sommer der Emotionen. ICH werde ihn wohl nie vergessen.


