Rabenmutter 2.0

Hilfe, das Kind HILFT!

Geduld ist eine Tugend, heißt es. Stimmt auch, finde ich. Schade nur, dass ich, als die Geduld verteilt wurde, gerade nicht zugegen war. Das habe ich schon oft total blöd gefunden, weil so richtig ehrlich Geduld haben zu können, wirklich ein feiner Zug ist. Und soooo nützlich! Vor allem für Mütter. Für die sollte Geduld ein fixer Bestandteil des Hormon-Start-Sets sein, dass man zur Schwangerschaft von Mutter Natur „geschenkt“ bekommt. Das würde die durchaus manchmal extrem lang erscheinenden 9 Monate wirklich erträglicher gestalten. Und erst danach! Wenn das Baby nicht einschlafen will, obwohl man selbst bereits stehend an der Wand ins Koma fallen könnte. Oder es gefühlt stundenlang trinkt, wenn man eigentlich verabredet ist und schnell los will. Oder wenn es einfach nur so herzzerreißend weint, ohne einen ersichtlichen Grund und man als Mama nur warten kann, während man tröstet und Tränchen trocknet. (*schnief*)

Geduld braucht man – neben Küchenrolle – wohl am meisten, wenn man mit einem Kind lebt. Und ganz besonders, wenn Zwergnase in das Alter kommt, in dem er oder sie meint, schon echt groß zu sein und deshalb auch alles selber machen zu können. Das beschränkt sich dann nämlich nicht nur aufs Essen (gerne mit viel Besteck, aber ohne große Erfolge der Nahrungsauhelfenfnahme), Zähneputzen (sehr uneffektiv, dafür aber langwierig) oder anziehen (besser gesagt: ausziehen. Ausziehen geht schließlich meist einfacher und wird daher ständig vorgeführt. Kommt aber nicht immer gut an, wenn JEMAND im Supermarkt an der Kasse mal eben blankzieht :D ), sondern bezieht auch gerne alle Tätigkeiten mit ein, die die Mutti so macht. Das die kleine Madam mir nach dem Duschen einen halben Liter Creme aufs Bein schmiert, weil sie mir gerne helfen möchte, finde ich ja noch recht putzig. Wenn’s aber um ihren „Einsatz“ bei der Hausarbeit geht, wünsche ich mir manchmal doch ein bisschen mehr Geduld. Und Gelassenheit. Und Ersatz-Geschirr ;) .

Hier meine aktuellen Ella-hilft-im-Haushalt-Favoriten:

Wäsche aufhängen
Bevor ich Mutter wurde, hatte ich ja keine Ahnung, wie viel Wäsche so ein kleiner Mensch produzieren kann. Es ist wirklich unglaublich. Und es beginnt im Prinzip gleich nach der Geburt. Unzählige Bodys und Spucktücher finden täglich den Weg in die Waschmaschine. Sind die Kinder etwas älter und die Windeln sowie deren Fassungsvolumen etwas größer, fallen zwar die bis zum Kragen vollgeschissenen Strampler weg, dafür treten aber die mit Möhrenbrei eingesauten Hemdchen an ihre Stelle. Und danach wird’s erst richtig lustig, denn dann beginnt die Spielplatzzeit (und bleibt …. LANGE!) in der einfach alles, was man dem Kind morgens (oder nach dem Essen) anzieht, abends aussieht, als wäre der Zwerg zu Gast in einem Boot-Camp gewesen. Was ich sagen will: Wäsche waschen ist ein großes Thema im Familien-Haushalt. Und dazu gehört gezwungenermaßen auch das Aufhängen der nassen Sachen. Hier kommt Ella ins Spiel. Sie LIEBT es, Wäsche aufzuhängen! Bereits seit einigen Wochen rennt sie hochmotiviert und vorfreudig quietschend los, um ihren Tritt aus dem Badezimmer zu holen, sobald die Waschmaschine den Bin-fertig-Ton loslässt. Und dann hilft mir das Kind, auf dem Höckerchen am Wäscheständer stehend, Klamotten aufzuhängen. Es ist soooo toll! Für sie. ;) Denn ICH würde die Aufgabe natürlich am liebsten einfach nur schnell erledigen. Madam braucht allerdings pro Socke, die sie selbstpersönlich und höchst professionell aufhängt, ca. 10 Minuten (LAAAAANGWEILIG!). Zudem frösselt sie dermaßen an der Leine rum, dass alle anderen Sachen, die ich darüber gehängt habe, wieder runterfallen (ob ich Wäscheklammern verwende? Nö! Wieso? Zu faul wahrscheinlich … oder zu blöd, wer weiß das schon ;) ). So eine richtige, echte Hilfe ist das Kind also irgendwie nicht. Aber Spaß hat sie. Naja, ist ja auch wichtig für die Mausemaus, ne? :D .

Spülmaschine ausräumen
Eine der ersten Haushaltsarbeiten, die beim Kind wahre Begeisterung ausgelöst hat und seit dem nicht mehr ohne ihre Hilfe auszuführen ist, die Spülmaschine auszuräumen! (Hab ich als Kind ja total gehasst; kommt bei Ella sicher auch irgendwann noch und dann meckere ich darüber ;) ) Allerdings ist das natürlich nicht ganz ungefährlich … für unser Geschirr. Wenig überraschend also, dass bei diesem gemeinsamem Amüsement die beiden meist gesagten Worte wie folgt lauten: VORSICHT! (Ich) und UPS! (Ella)
Wir sind übrigens gerade auf der Suche nach einem schönen, schlichten und nicht zu teurem neuen Service in weiß. Tipps? Vielleicht mal nicht aus dem schwedischen Möbelhaus. Obwohl … solange die kleine Madam so hilft, wie sie eben aktuell hilft, sollten wir wahrscheinlich nicht zu viel Geld in solch vergängliches Gut wie Teller, Tassen und Gläser stecken. Ich kauf einfach Pappteller :D .

Tragen helfen
„ELLA AUCH!“ brüllt das Kind immer, sobald ich nach einer Tragetasche oder Tüte greife. Das ist super und total niedlich, wenn es sich zum Beispiel um die Tasche mit Plastik-Leergut handelt, die wir zu einem Automaten befördern wollen. ICH zumindest finde es süß, wenn mein kleines Töchterchen mit dieser riesen Tasche über den Kölner Ring läuft. Wiegt ja nix, sieht nur viel aus. Einige Passanten rümpfen aber natürlich trotzdem sofort die Nase und können sich offensichtlich nur mit Mühe einen Kommentar verkneifen, der die Qual, der ich mein Kind aussetze, thematisieren würde. Ich lächle und winke dann gern ;) .
Wenn es um tatsächlich gewichtige Transportwaren geht, versuche ich allerdings sehr wohl zu verhindern, dass sie zu schwer trägt. Ich biete ihr eine Brot-Tüte zum Tragen an oder ein paar Wickelunterlagen oder auch mal eine Packung Klopapier, die sie dann stolz – aber leider Material-schändend – hinter sich her schleift. Naja, ein bisschen Schwund ist ja immer… Grundsätzlich hat die Mausemaus leider von irgendwem in der Familie (keine Ahnung, wer das sein könnte *hüstel*) eine ordentliche Portion Selbstüberschätzung geerbt. Denn Madam hält sich durchaus für fähig, ein SixPack mit 1,5 Liter Flaschen zu transportieren. Da schreite ich jedoch ein. Wen hab ich denn da geboren? Gozilla? NEIN, EINE PRINZESSIN! Echt jetzt, ein kleines Mädchen sollte nicht so schleppen! ;)

Staubsaugen
Eine der absoluten Lieblingsbeschäftigungen des Töchterchens ist staubsaugen. Da kann sie sich wirklich lange mit beschäftigen (und mich aufhalten ;) ). Das Kind dabei NICHT helfen zu lassen, ist leider überhaupt keine Option, obwohl ich allein natürlich deutlich schneller fertig wäre. Da ich es aber so irre zauberhaft finde, dass sie Sssapo sagt, wenn sie Staubsauger meint, lasse ich sie beinahe täglich gewähren und ewig lange ein und dieselbe Stelle von Flusen, Haaren und Katzenstreu befreien. Wär natürlich total klasse, wenn ich in der Zeit wenigstens etwas anderes machen könnte – das ist aber nicht erlaubt. Mutti hat gefälligst dabei zu sein und immer mal wieder auf eine besonders gemeingefährliche Fluse zu zeigen.
Einige Zeit ließ sich ihr Einsatzwillen auf einen Handstaubsauger umzulenken – die Größe erschien (ihren Eltern) passender. Aber nach nur wenigen Tagen hatte sie es satt, mit dem kleinen Sssapo zu arbeiten und wollte wieder ans Profi-Gerät. Tja, wer kann es ihr verdenken. Dauert ja auch ewig, mit einem Handstaubsauger eine ganze Wohnung zu saugen. Mein Fehler. Dumme Idee. Echt jetzt!

Katzenkotze wegmachen
Kinder sind niedlich, bezaubernd, wunderbar und machen sehr, sehr glücklich. Aber … sie sind manchmal auch wirklich, wirklich komisch. Nicht im lustigen Sinne. Sondern eher im das-ist-doch-jetzt-nicht-dein-Ernst-oder?-Sinn. Die kleine Madam fährt zum Beispiel mega-mäßig darauf ab, KATZENKOTZE wegzumachen??? Sehr befremdlich. Im Sommer fing es an. Da hatten wir nämlich verhältnismäßig häufig das Vergnügen, morgens die allseits beliebte Haarballen-Kotze an sämtlichen erdenklichen Stellen der Wohnung zu finden. Ella war schier begeistert! Keinen blassen Schimmer warum. Schon kurz nach dem Aufwachen fragte sie mit großen Augen: „Kotze? Gucken?“ Und dann lief sie los, um Kotze zu suchen und jubelte auf, wenn sie welche fand. (Ich jubelte übrigens nie … falls jemand meint, ich hätte da irgendwas beklopptes vorgelebt :D ) Ihre Aufgabe war es dann jedes Mal, mit einem Zewa dort trocken zu wischen, wo Mutti die haarige Leckerei der Hauskatze entfernt und den Boden (oder die Musikanlage) desinfiziert hatte. Tragischer-(für mich Glücklicher-)weise kann das Kind seinem Hobby im Moment nicht mehr so häufig frönen, weil das Winterfell der dicken Katze erst einmal bleibt wo es ist. Nämlich an der Katze. Nichtsdestotrotz geht Klein-Ella morgens immernoch gerne auf Kotze-Jagd. Nur halt nicht mehr so oft mit einem fragwürdigen Happy End gekürt. (JUCHUUUUU!)

Grundsätzlich bin ich aber natürlich ehrlich froh, dass die Mausemaus der Mama so gerne helfen will. Ich bin ja kein Idiot. Ich weiß, dass die Motivation, an der Hausarbeit teilzunehmen, eine aussterbende Gattung im Kindergehirn ist und über kurz oder lang völlig verschwinden wird. Dann bekomme ich nur noch gemotztes Feedback, wenn ich sie bitte, mal den Müll runterzubringen oder ihre geliebte Spülmaschine auszuräumen. Ach, naja, wird sicher auch witzig. NICHT! :D

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