zu dick
Neu Rabenmutter 2.0

Mama, bin ich zu dick?

Meine Tochter ist mein großes, mein erstes Kind. Sie ist wirklich groß … schon deutlich über 140 cm, obwohl sie gerade mal 9 Jahre alt ist. Und sie ist stolz drauf! :D Denn das bedeutet, sie rückt näher an die 10 und DAS wiederum bedeutet, dass sie wirklich sehr bald ein Teenie sein wird. Worauf SIE sich doll freut! :D Dazu passend klopft tatsächlich bereits die Pubertät an die Tür, was MICH in Angst und Schrecken versetzt – sie natürlich nur minimal, aber eben doch auch ein bisschen. Weil sie weiß, dass sich bei manchen Kindern dann die Beziehung zwischen ihnen und den Eltern etwas verändert und das will sie nicht. Trotzdem ist es natürlich ein krass spannendes, bei uns sehr aktuelles Thema UND eines, über das die Mädels in diesem Alter offenbar durchaus auch untereinander sprechen. Sie schmieden z.B. Pläne für diese Zeit, habe ich letztens festgestellt. Für mich allerdings überraschende. ;)

Du hast keine Lust oder Zeit, zu lesen? Dann scrolle einfach bis zum Ende des Textes runter und hör dir den PODCAST an!  

„Wenn meine Freundinnen und ich in der Pubertät sind, dann gehen wir bauchfrei shoppen“, wurde mir vor Kurzem erzählt und ehrlicherweise blieb mir kurz der Mund offenstehen, denn EIGENTLICH mag die Mausemaus shoppen gehen null und warum es bauchfrei sein sollte, war mir schleierhaft. ICH habe früher bauchfrei getragen … als ich so 20 oder 25 war und fand diesen Trend schon damals irgendwie doof, weil ich immer das Gefühl hatte, darin dann besser nicht mehr zu atmen. Damit ich bloß richtig schlank aussah in meinem bauchfreien Top-Zustand. VOLL ANSTRENGEND! Mitgemacht habe ich es trotzdem – ich wollte nicht auf- oder rausfallen.

Mir ist natürlich absolut klar, dass Mode sich halt immer wiederholt und dass der Trend nun mal gerade wieder da und voll angesagt ist. Mir ist ebenfalls klar, dass Kinder sich irgendwann für Klamotten interessieren und sich anziehen möchten wie ihre Vorbilder. Zugegeben, es könnte von mir aus später relevant werden, ABER das ist es nicht, was mich später in dem Gespräch mit ihr wirklich fast zum Heulen gebracht hat. Denn: Als nächstes blubberte aus meinem Töchterchen heraus, dass sie sich Sorgen machen würde, für so ein Outfit zu dick zu sein; insbesondere ihr Bauch käme ihr schon jetzt ziemlich dick vor. NEIN, dachte ich, NEIN, NEIN, NEIN! Mit gerade mal neun Jahren sollte sie sich nun wirklich KEINE Gedanken über so etwas machen! So ganz grundsätzlich nicht! NEIN!!!

Zu dick? Wenn schon Kinder an ihrer Figur zweifeln.

Ich musste richtig durchatmen und ging im Kopf direkt all die vielen dummen Serien durch, die wir ihr eigentlich schon längst untersagten, weil sie Kindern ein altes, völlig falsches und schlicht blödes Körperbild vorleben. Außerdem achten wir doll darauf, ihr ein gutes Körpergefühl zu vermitteln bzw. das Thema gar nicht erst so sehr in den Mittelpunkt zu stellen (von meiner früheren Essstörung weiß sie z.B. bisher nichts). Die Körper anderer Menschen bewerten wir nicht – und auch über unsere eigenen meckern wir Großen maximal außerhalb ihrer Hörweite. Jetzt könnte man sagen, dass reicht nicht … Kinder „erspüren“ alles, aber ich bin ziemlich sicher, dass wir das hier eigentlich richtig gut machen.

Aber Fakt ist leider, dass dieses Thema die Kids findet. So oder so. Früher als mir lieb ist. Vielleicht auch deshalb, weil wir LEIDER, was unser gesellschaftliches Umdenken in Sachen Schönheitsideale, noch lange nicht so weit sind, wie wir gerne wären. Und da schließe ich mich nicht mal aus. Ich bin ein Kind der 80er/90er Jahre – ich würde mich selbst belügen, wenn ich mit meiner Vorgeschichte jetzt schon davon überzeugt wäre, in diesem Punkt ABSOLUT fortschrittlich zu sein. Bin ich nicht. Dennoch gebe ich alles dafür, die Kids NICHT negativ, sondern nur mit einem wohlwollenden Körpergefühl positiv zu beeinflussen.

Insgesamt braucht es aber mehr Zeit, dieses Umdenken. Bei mir und auch allgemein. Weiß ich, verstehe ich, finde ich trotzdem ätzend … ganz besonders, wenn ich deswegen bei meiner Neunjährigen Tränen trocknen muss.

Was sagt man Kindern dann dazu – zu ihrer Figur?

Mich hat die Situation wirklich eiskalt erwischt; ich hatte mir aufgrund ihres meines Erachtens zu jungen Alters noch keinen „Schlachtplan“ für so einen Moment zurecht gelegt. Ich hatte im ersten Moment null Ahnung, wie ich auf die Problematik nun reagieren sollte. Also kam es voll aus dem Bauch heraus … meinem sicher niemals wieder in einem bauchfreien Top steckenden Bauch. ;) Ich sagte ihr:

  1. Du bist nicht „zu dick“. Und zwar nichts an dir!
  2. Du bist wunderschön von oben bis unten.
  3. Wie du aussiehst oder nicht, ist gar nicht so wichtig; wichtig ist, dass dein Herz groß, dein Kopf clever und deine Persönlichkeit wunderbar ist. Alles andere ist nur nettes Beiwerk.

Und dann habe ich ihr einen Deal angeboten: ICH würde ihr sofort Bescheid sagen, wenn mir irgendetwas (optisch) an ihr auffällt, dass wir ändern sollten. Damit SIE sich darüber keine Gedanken mehr machen müsse. Und weil sie eben dann doch noch (m)eine kleine Mausemaus ist, die der Mama zu 100% vertraut, fand sie die Idee total super und schlug ein.

Ich weiß, für solche „Handel“ wird sie bereits in naher Zukunft zu alt sein, aber jetzt gerade passt es so, erleichtert sie und sorgt dafür, dass sie sich keine Gedanken mehr darüber macht, ob ihr Bauch gerade flach genug ist, um in einem bauchfreien Top schick auszusehen. Weil sich ein Kind verdammt noch mal keine Gedanken über so einen Scheiß machen sollte. Und weil ich ihr im Leben nicht erlauben würde, sowas in ihrem Alter draußen anzuziehen. Keine Ahnung, ob ich da einen Stock im Arsch habe, altbacken, unfair oder naiv bin. Ist mir auch wurscht … ich bin einfach nur dankbar, dass wir vorerst nochmal die Kurve bekommen haben und mein kleines Mädchen nicht mehr mit der Form ihres Bäuchleins hadert.

Manno. Echt jetzt. Hoffentlich lernen wir es wirklich bald, unsere Körper anders zu betrachten, mehr Raum für Individualität zu geben und den Fokus auf das persönliche, ganz individuelle Wohlbefinden zu legen. DAS ist doch das Wichtigste! Und nur so bekommt jeder die Freiheit, für sich zu entscheiden, wie er sich selbst am liebsten mag … Ich drücke uns da allen mal die Daumen. Für uns selbst, aber vor allem für die nächsten Generationen, die – wie wir früher – modische „Glücksgriffe“ wie bauchfreie Tops in ihrer Jugend erleben dürfen. ;)

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr den Beitrag teilt! 

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2 Kommentare für “Mama, bin ich zu dick?

  1. Danke!
    In unserer 2. (!) Klasse gibt es bereits Bewertungen der Bauchmuskeln (Mädchen). Mein Kind bringt es noch nicht mit nach Hause, aber es erschreckt mich sehr.
    Auch wir versuchen, dem Kind ein positives Körpergefühl zu geben und sämtliche Wertungen des Äußeren zu lassen. Das klappt meist gut und wir hoffen inständig, es prägt die Pubertät.

  2. Vielen vielen lieben Dank für diesen wertvollen Beitrag! Ich bin ganz berührt von dem Inhalt und finde es auf der einen Seite sehr traurig, dass es immer noch so ein großes Thema bei Kindern ist (sein muss), auf der anderen Seite kann ich in dem Text deine Gefühle und Emotionen sowas von spüren!
    Ich finde du hast so wundervoll reagiert und so eine liebevolle Lösung gefunden ❤️
    Wie schön wäre eine Welt, in der die Optik eines Menschen nicht mehr im Vordergrund und Fokus liegen würde 😔🥺
    Viele Grüße