Kinder und Ordnung
Neu Rabenmutter 2.0

Kinder und die liebe Ordnung

Was habe ich mich gefreut, als ich irgendwann im Laufe der ersten Jahre als Mutter begriffen habe, dass es tatsächlich stimmt: VIELES müssen wir unseren Kindern gar nicht explizit beibringen, sie lernen es einfach, in dem sie unser Verhalten kopieren. Wie krass praktisch das ist … wenn sie jetzt nicht gerade eher uncoole Eigenschaften oder Verhaltensweisen von uns kopieren. ;) Nehmen wir doch mal als (positives) Bespiel Höflichkeit. ;) Also: ICH sage immer bitte und danke und bin höflich zu Menschen (die auch höflich zu mir sind – Ausnahmen bestätigen die Regel ;) ) und meine Kinder handhaben es genauso, obwohl ich niemals, oder zumindestens nur sehr selten, GESAGT habe: Ihr sollt immer bitte und danke sagen, weil … das macht man halt so als netter Mensch. Sie haben es einfach übernommen und aus beobachteter Gewohnheit verinnerlicht.

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Wenn man sich also dieses Beispiel mit der Höflichkeit vor Augen hält, möchte man doch meinen, dass es in vielen anderen Bereichen exakt genauso pädagogisch gemütlich abläuft … man lebt etwas als Eltern vor und die Kinder übernehmen es. Schlicht, weil sie es als gegeben bzw. normal betrachten. Wie mega cool wäre es, wenn Erziehung immer so easy wäre! DAS wäre der Hammer!

Zumindest bei negativen Verhaltensweisen meinerseits – fluchen oder zu viel Süßkram essen usw.– ist dem so. Es funktioniert erfahrungsgemäß fantastisch; viel besser sogar noch, als es mir lieb ist. In anderen Bereichen hingegen, die MIR wichtig wären … leider nicht.

Thema Ordnung

Dass die Kinder lernen, Ordnung zu halten, fänd ICH z.B. super wichtig. Für unser Zusammenleben aktuell, aber genauso für ihre Zukunft. Und ich dachte, Ordnung halten, Ordnung respektieren, Ordnung selbst wiederherstellen, wenn man sie verwurschtelt hat, ist etwas, das man vorlebt und das dann von den Kindern kopiert wird. ALLERDINGS belehren mich meine Kinder bereits seit Jahren, dass dem NICHT so ist. Wenn es um das Thema Ordnung geht, sind meine Kinder wirklich NULL bereit, diese so praktische pädagogische Technik des Spiegels anzuwenden. KRASS schade!!!

Ich selber bin OPTISCH ordentlich, sage ich mal. Soll heißen: Mein Umfeld muss für meine innere Ruhe zumindest auf den ersten Blick geordnet sein. Zu viel Chaos um mich herum stresst mich. Chaos habe ich oft schon im Kopf, das kann ich nicht auch noch außen ertragen. Also liebe ich es aufgeräumt. Besondere Ecken ausgenommen. Wenn man mit mehreren Personen in einem Haushalt zusammenlebt, muss man irgendwann einsehen, dass man nicht alles kontrollieren kann. So eben auch besagte besondere Ecken nicht.

Im Allgemeinen schaffe ich es aber, Ordnung in unserem Heim zu halten. Mir ist dabei auch wichtig, dass alle Sachen ihren Platz haben und wieder DORThin gelangen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Das lebe ich vor! Weil ich aber schon vor Jahren verstanden habe, dass in diesem Bereich vorleben leider NICHT ausreicht, erkläre ich es parallel immer wieder. Und wieder. Und wieder. UND WIEDER. Es ist mir unbegreiflich, warum dieses Thema so völlig an meinen kleinen Mitbewohnern abprallt. Keiner von beiden zeigt auch nur im Entferntesten irgendwelche Ambitionen, SELBST für Ordnung zu sorgen. Null. Hier funktioniert das (meines Erachtens erstrebenswerte) Vorleben nachweislich leider gar nicht. Im Gegenteil. Dadurch, dass ich für Ordnung Sorge, wird vorausgesetzt, dass ich es alleine tue! Man verlässt sich darauf, dass es mich so sehr stören wird, dass ich es mache, wenn es sonst niemand macht. Wobei das schon recht hoch gegriffen ist, denn wahrscheinlicher ist, dass sich außer mir hier niemand Gedanken darüber macht, ob und wie ordentlich es hier ist.  Auch der Umstand, dass Dinge verloren gehen, wenn man sie nicht an den ursprünglichen Platz zurücklegt, führt NICHT zu einem Verständnis für den Bedarf an Ordnung, sondern nur dazu, dass das Vertrauen in Mamas Fähigkeiten, wirklich alles wieder zu finden, wächst und mittlerweile schlicht in Stein gemeißelt ist. Selber aufräumen oder Ordnung halten, muss man nicht. Mama findet schon alles wieder. Mama schafft das. Allerdings: Mama kotzt das ein bisschen an. Und das ist untertrieben! Mama ist hart frustriert.

Dabei mach ich es eigentlich durchaus richtig! Ich „unterrichte“ Ordnung.

Auch, wenn man es jetzt vielleicht meinen mag: Es ist NICHT so, dass ich meiner Familie den Arsch hinterher räume und sie deshalb gar keine Chance haben, es selbst zu lernen bzw. daran gewöhnt sind, dass alles von Muttis Zauberhand passiert. Absolut nicht. Seit vielen Jahren nehme ich mir die Zeit, den Kindern mehrfach am Tag zu sagen, wann sie etwas wegräumen sollen und im besten Fall sogar noch, wohin. Jeden Tag! Ich rede mir den Mund fusselig und warte. Ich wiederhole und warte wieder. Ich versuche so selten wie möglich einzuknicken und es aus Ungeduld oder Verzweiflung selbst zu machen – weil es dann natürlich schneller gehen würde. Denn ich weiß, dass sie es dann niemals begreifen und das daran dann ich schuld bin. Lernen braucht halt Raum, Bedarf und Zeit. Dessen bin ich mir absolut bewusst und sorge dafür, dass die Lern-Basis grundsätzlich stimmt. ABER ich muss sagen, dass es mich wirklich viel Nerven kostet und durchaus frustriert, dass in diesem Punkt dieses Vorleben einfach überhaupt nicht fruchtet. Wie schade! Wie wahnsinnig schade!!!!

Jetzt könnte man sagen: Vielleicht ist es ihnen einfach nicht wichtig. Klar. Das kann sein. Das beide Kinder nicht so der TYP für Ordnung sind. Aber vielleicht waren sie auch nicht wirklich der Typ fürs BITTE und DANKE zu sagen. Sie tun es trotzdem, weil ich es vorlebe. Also … wieso VERDAMMTE HACKE funktioniert das mit der Ordnung nicht?!?! Das macht mich wahnsinnig!!! :D

Natürlich wäre es nun richtig super, wenn ich im letzten Absatz noch flott mit einer top Lösung um die Ecke schieße … weil es so vielen Eltern genauso geht wie mir; weil so viele auch nach Möglichkeiten suchen, nicht mehr alles im Haushalt alleine zu machen und die Kinder irgendwann einbinden zu können, ohne JAHRELANG dieselben Aufforderungen auszusprechen, dieselben Diskussionen darüber zu führen, ob aufräumen WIRKLICH so wichtig ist, obwohl man doch noch grob zum Bett kommen kann. Habe ich aber nicht. Dieser Text dient leider nur dazu, mir Luft zu machen. Einmal laut auszusprechen, dass ich mich wie Sisyphus fühle, es ihnen aber so gerne beibringen würde, weil es schon cool wäre, wenn sie eines Tages in ihrer ersten eigenen Wohnung auch ohne meine Unterstützung ihre Socken wiederfinden und nicht im Müll versauern. Fänd ich schön. Für sie!

Ob ich das schaffe, weiß ich aktuell nicht. Ich werde wohl einfach weitermachen mit meinen schnöden Wiederholungen und dem Ordnung vorleben. Sie werden es sicher irgendwann lernen. Es dauert halt nur viel, viel, VIEL länger, als ich erwartet habe. ;)

PS: Falls Ordnungsliebe genetisch veranlagt ist, habe ich vielleicht doch noch eine einfachere Lösung: der Mann ist schuld. Helfen wird das aber wohl niemandem. 😂

PPS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr den Beitrag teilt!

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