Rabenmutter 2.0 Top 15

An mein erstes Kind …

Meine kleine Madam,

ich sehe dich an und bin so unsagbar stolz auf dich, dass mir fast die Worte fehlen. Du bist noch nicht mal drei Jahre alt und doch schon so ein großes Mädchen. Mit geradem Rücken, gestrafften Schultern und einem Gang, so strotzend vor Selbstbewusstsein, dass John Wayne vor Neid erblassen würde, marschierst du hinaus in die Welt, um sie für dich zu erobern. Ich muss immer lächeln, wenn ich sehe, wie du losstapfst; ich liebe das so sehr!

Jetzt gerade sogar ein bisschen mehr vielleicht, als noch vor wenigen Wochen, denn jetzt gerade hat sich so vieles … ja, beinahe alles verändert. Für uns. Vor allem aber für dich. Und ich mache mir ein wenig Sorgen, wie du mit all diesen Neuerungen in unserem gemeinsamen Leben zurecht kommen wirst. Du quasselst mir zwar gefühlt den halben Tag einen Knopf an die Backe, aber dennoch fehlen dir eigentlich noch die richtigen Worte, um zu beschreiben, wie du dich fühlst … jetzt, da alles so anders ist.

Den Einstieg in den Kita-Alltag hast du so wahnsinnig tapfer gemeistert – nichtsdestotrotz war es ein riesen Schritt. Plötzlich mehre Stunden am Tag ohne die Mama, ohne mich zu sein, hat dir Angst gemacht. Ich weiß das. Es war nicht zu übersehen und in so vielen Details deines Verhaltens spürbar. Deshalb haben wir dir die Zeit gegeben, die du brauchtest … und NOCH brauchst. Wir drängen dich nicht, länger dort zu bleiben, als du es möchtest; wir holen dich ab, wenn du zu müde bist, um weiter mit all den Kindern toben zu können. Und wir sind so unendlich dankbar dafür, dass wir auch die Zeit zu Verfügung haben, dir diesen „weichen“ Start zu ermöglichen.

Doch die Kita, die erstmalige Fremdbetreuung, ist nicht der größte Einschnitt in deinem Leben. Die Geburt deines Brüderchens ist es. So wahnsinnig lange konntest du beobachten, wie der Bauch deiner Mutter anschwoll und immer kugeliger wurde. So viel haben wir darüber gesprochen, dass in diesem „Ball“ ein Baby wächst. Und doch warst du völlig perplex, als er dann auf der Welt war und in Mamas Armen lag. Kein Wunder, meine Süße, diese Sache mit den Babys, wie sie wachsen und geboren werden, ist auch wirklich eine ganz irre Nummer, die selbst für uns Erwachsene eigentlich kaum zu begreifen ist.

Ich habe geweint vor Glück, als du ihn schon im Krankenhaus halten und abknutschen wolltest. Und ich wünsche mir von Herzen, dass ihr beide den Rest eures Lebens verbunden sein werdet, euch auf einander stützen … und gemeinsam über eure bekloppten Eltern beschweren könnt. Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment schwankst du zwischen Freude über das Baby, das du jederzeit knuddeln kannst und der Angst, deine Mama an den kleinen Bruder zu verlieren. Ich fühle das – dein Blick spricht Bände. So niedlich du dein Brüderchen auch findest … das er sich den ganzen Tag an mich, DEINE Mama krallt, als würde ich ihm ganz allein gehören, lässt dein kleines Herzchen ein wenig brechen. Ich bin sicher, obwohl du dein Geschwisterchen lieb hast und dich freust, dass es da ist, fragst du dich manchmal, was du angestellt hast, dass du jetzt plötzlich nicht mehr der Mittelpunkt im Leben deiner Mama sein darfst. Ob du etwas falsch gemacht hast. Oder einfach nicht GENUG warst für mich. Deine Angst ist so nachvollziehbar. Aber gleichzeitig – und das schwöre ich dir! – so unbegründet!!!

Es mag sich vieles verändert haben – sehr vieles, das dir gar nicht mal so gut gefällt. Zum Beispiel, dass ich nicht mehr nur allein DEINE Mama bin. Oder das ich mich manchmal ZUERST um das Baby kümmern muss, bevor du „an der Reihe“ bist. Und ganz sicher, dass dein kleiner Bruder ganz allgemein so schrecklich viel meiner Zeit in ANSPRUCH nimmt. Noch dazu schreit er oft rum, was dich in deinem Spiel stört oder deine Erzählungen unterbricht. Das alles ist anstrengend für dich, absolut nervig und ungemein frustrierend.

Aber, meine Süße, mein erstes Kind … alles, was wirklich zählt, hat sich nicht verändert. Was wirklich zählt, bleibt wie es ist – für immer:

  • DU hast mich zur Mutter gemacht! Niemand sonst wird jemals diese wichtigste Position in meinem Leben einnehmen!
  • DU hast mich mehr gelehrt, als meine komplette Schulzeit zusammen! Mein Blick auf die Welt, meine Perspektive, mein gesamtes Denken ist anders als früher – heute weiß ich, was im Leben von Wert ist und was nicht. Dank dir!
  • DU hast mich zu einem besseren Menschen gemacht! Für dich habe ICH mich verändert, bin über mich hinaus gewachsen und habe Grenzen überschritten, die ich mir vor deiner Geburt nie zugetraut hätte.
  • DU hast mein Leben lebenswerter gemacht! Ich vermisse nichts aus meinem alten, kinderlosen Leben! DU erfüllst mich mit mehr Glück, Liebe und Stolz, als ich es je für möglich gehalten hätte.
  • DU wirst immer mein erstes Kind sein! Du hast mich zur Mutter gemacht <3

Im Moment bist du – obwohl du jetzt die Große bist – noch zu klein, um all das zu verstehen. Aber du kann es fühlen … wenn ich dich fest in den Arm nehme und deine Tränen trockne, die du weinst, weil du dich ungerecht behandelt fühlst, gegen die Veränderungen rebellieren willst, deinen Bruder zwickst oder bockig auf meine Wünsche an dich reagierst. Ich verspreche dir, es wird wieder besser. Sogar besser, als es vor der Geburt deines Brüderchens war. Und solange bis es soweit ist, sage ich dir einfach jeden Tag vor dem Einschlafen folgendes:

Ich bin deine Mama! Ich werde immer für dich da sein; selbst dann, wenn du eigentlich gar keinen Wert darauf legst! Ich liebe dich mehr als mein eigenes Leben! Und DARAN wir sich niemals etwas ändern :-*

21 thoughts on “An mein erstes Kind …

  1. Wow! Toll! Ich bin ja begeisterte stille Mitleserin und gehöre aktuell noch zur Fraktion kinderlos. Mehr noch, bisher wollte ich nie Kinder, wusste aber, dass mein Partner unbedingt Kinder möchte. Da ich in den letzten Jahren erkannt habe, dass ich es irgendwann bereuen würde, ist inzwischen die Entscheidung bei mir gefallen doch irgendwann Mama zu werden aber ich muss gestehen dein Blog hat mir schon das ein oder andere Mal enorme Angst gemacht vor dem was da später kommen wird und den Veränderungen die es bedeuten wird. Aber dieser Brief an deine Tochter hat alle Zweifel ausgelöscht und macht mir Mut, dass es die richtige Entscheidung ist. Also die Entscheidung für Kinder, egal was es an Veränderungen bedeutet, weil es eben auch diese wunderbare Erfahrung bedeutet Eltern zu sein und ich glaube die ist mehr wert als aufgeräumte Wohnzimmer und entspannte Cluburlaube, selbst wenn das aus meiner jetzigen Position heraus noch etwas abwegig erscheint ;-). Ein wirklich wundervoller Text, der glaube ich zumindest ansatzweise das ausdrückt was Elternsein so toll macht. Danke dafür!

    1. Liebe Steffi,
      ich freue mich, dass du dich für Kinder entschieden hast, denn es ist – zumindest für mich – tatsächlich die einzige, die ich nie auch nur eine (na gut, maximal aber 5 ;)) Sekunde bereut habe. Ich wünsche dir von Herzen, dass du es auch so empfinden wirst. Glaube ich aber schon, denn offenbar hast du sie dir nicht leicht gemacht, diese Entscheidung. Und das man MAL was vermisst oder genervt ist oder extrem müde oder stinksauer – das gehört dazu. Und das ist auch gut so. Ohne diese kleinen (und größeren) Ärgernisse hätte ich ja keine Themen :D
      Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, du liest weiter fleißig mit :-*

      1. Liebe Anke,
        danke für deine lieben Worte. Ich bin schon echt gespannt was da die nächste Zeit auf uns zu kommt, zunächst mit dem Projekt Hausbau und wenn das Nest dann steht mit dem Projekt Nachwuchs. Aber ich freu mich drauf. Und ja du hast Recht ich hab mir die Entscheidung ganz und gar nicht leicht gemacht, aber umso überzeugter bin ich, dass es die richtige Entscheidung für mich ist.
        Bitte schreib weiterhin so erfrischend lustig und offen über euren familiären Alltag, du rettest mir oft den Tag weil ich einfach so schmunzeln muss. Mach weiter so und eurer kleinen Familie alles Gute,
        liebe Grüße Steffi

  2. Erst einmal auch von Herzen alles Gute zu eurem Sohnemann.

    und dein Bericht hat mich so zu Tränen gerührt. Du bist eine Hormonbombe und das merkt man.
    Ich bin gerade in der 15ten Woche und meine Große Maus wird dann auch fast drei sein. Meine Prinzessin, die jetzt schon an mir hängt als ob sie spürt das sich etwas verändern wird.

  3. Taschentuchalarm! Was für eine wunderbare Idee, der Brief an Deine Tochter.
    Und wie schön, dass der kleine Mann jetzt Euer Leben bereichert, wie lange habe ich (sicher alle hier) mit Dir mitgefiebert.
    Sind dieses Jahr auch noch dran, und ich bin jetzt auch schon oft in Gedanken in der Zukunft, wie es sein wird mit No 2.
    Euch alles Gute!

  4. Sehr schön geschrieben! Es kommt mir so bekannt vor. Meine große war gerade 2 geworden, als meine kleine geboren wurde. Es war sehr schwer für sie und auch für mich. Die ersten Wochen waren so unglaublich schwer. Sie hat mich fast komplett abgelehnt und wollte nur zum Papa. Erst langsam haben wir wieder zueinander gefunden. Sie liebt ihre Schwester und inzwischen läuft es auch gut. Die kleine wird auch bald 2 und die beiden verstehen sich gut. Natürlich gibt es auch einige Streitereien, aber eigentlich ist alles gut.
    Genieße die zeit mit deinem kleinen und die zeit mit deiner großen. Ihr werdet euren weg schon finden!
    Alles Liebe :-)

  5. Wunderschön geschrieben, dankeschön für das Teilen dieser berührenden Worte an deine Tochter.
    Ich habe auch geweint und meine kleine Tochter ganz doll geknuddelt, weil ich auch so glücklich bin, sie zu haben und tatsächlich Mama zu sein (erst seit 4 Monaten).

    Weiterhin alles Gute für dich und deine Familie! :-*
    Ich werde deinen Blog weiterhin verfolgen.

  6. Oh mein Gott, Anke. Was machst du da mit mir?? Obwohl ich ja mein erstes Kind erwarte fühle ich mich so sehr in den Arm genommen bei deinen Worten. Ich fühle mich im Moment selbst wie deine kleine Madame, die das Baby zwar unglaublich liebt, aber auch so große Angst vor den ganzen Veränderungen hat… ich danke dir mal wieder, diesmal für das “in den Arm nehmen” ❤️

  7. Ich schließe mich Karen da an! ich musste auch beim lesen weinen, vorallem aber deswegen, weil ich die Situation ja sooo gut nachvollziehen kann! unser zweiter ist ja nur ne Woche jünger als deiner. und unser großer macht sich zwar wunderbar als großer Bruder, aber manchmal eben auch “nicht”. ich kann auch deine Sicht der dinge total nachvollziehen. aber ich genieße es auch wenn der kleine dann bei Papa ist, mal wieder endlich mit meinem großen toben zu dürfen, wei er jetzt nicht mehr auf den Kugelbauch aufpassen muss. Mir ist es so wichtig, das ich ihm abends seine gute Nacht Geschichte vorlese, damit wir unsere Mama Kind Zeit haben! und ich merke das es ihm auch wichtig ist!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .