Rabenmutter 2.0

Achtung! Kinder zu Besuch?!

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie es war, kein Kind zu haben – auszuschlafen, spontan wegzugehen, gaaaaanz alleine im Badezimmer zu sein, abends laut Musik zu hören, viel Fastfood zu essen (na gut, mache ich immernoch. Aber jetzt HEIMLICH! ;) ) und in einer Wohnung zu leben, in der KEINE riesengroße pinkfarbene Rutsche vor dem Fernseher steht, man nicht jederzeit Gefahr läuft, auf einem Matchbox-Auto auszurutschen oder über ein Bobbycar zu stolpern und im Bücherregal (Erwachsenen-)Bücher stehen … nicht Knetgummi, Stofftiere und Puppengeschirr. (Ich vermisse nichts davon. Ehrlich nicht. Na gut, doch, ausschlafen vermisse ich ein bisschen … ok, SEHR!) Und ich erinnere mich auch noch, wie es war, wenn mich Freunde besuchten, die ihre „Freiheit“ bereits gegen Familien-Glück eingetauscht hatten. Wie ich mich vorher darauf freute, sie zu sehen, mich zu unterhalten und mit dem Zwerg zu spielen. Und wie enttäuscht und genervt ich dann jedes mal war, weil meine Freunde nicht gemütlich mit mir am Tisch saßen und quatschten, sondern an einem Stück mit dem Kind zugange waren, es fütterten, wickelten, mit ihm sprachen, ÜBER es sprachen und vor allem: ihm ständig hinterher hetzten, während das kleine Teufelchen mit sicherem Griff alles fand, was mir lieb und teuer war … und es zerstörte. Was ich daran besonders kacke fand, war, dass ich dann immer irgendwie das Gefühl hatte, selbst schuld zu sein. Und wie ich heute weiß, war ich das auch! Denn: Wer Besuch von Kindern erwartet – und das genießen will – sollte sich und seine schönen, Knetgummi-freie Bude ein bisschen darauf vorbereiten. Klingt total ätzend, spießig und sowas von nach Mutti … ist aber so. (Alternativ kann man aber auch einfach schon mal ein paar große Müllsäcke kaufen ;) )

Die Perspektive ändert sich mit einem Kind, heißt es immer. Und so abgedroschen dieser Satz auch ist – es stimmt halt einfach. Heute bin ich die Mami, die es manchmal wagt, mit ihrem Töchterchen und ungefähr einer Tonne Gepäck bestehend aus Windeln, Flaschen, Snacks und Spielsachen aufzubrechen, um Chaos und Unheil in eine bis dato schöne Wohnung von (bisher) nachwuchslosen Freunden zu bringen. Ich bin es jetzt, die ständig WÄHREND eines Gespräches aufspringt, um hinter der lärmenden und „randalierenden“ kleinen Madam herzurennen, ihr teuer aussehende Sachen zu entreißen, bevor sie nicht mehr zu retten sind, potenziell giftige Pflanzen knapp vor ihrem bereits geöffneten Schnäuzchen einzukassieren und immer rechtzeitig zur Stelle zu sein, wenn sie ernsthaft Gefahr läuft sich an etwas total Dekorativem schwer zu verletzten.
Nur eines hat sich nicht geändert: Ich bin nach derlei Besuchsaktionen mega-mäßig genervt (ganz wie früher also – alles ändert sich doch nicht :D ). Erstens, weil Kinderlose oftmals überhaupt nicht mitzudenken scheinen und gar nichts vorbereiten oder wenigstens Warnungen an die Eltern aussprechen, wenn Kleinkinder erwartet werden. Und zweitens, weil ich es ganz GRÄSSLICH finde, dass ich SO denke!!! Mehr Mutti geht ja wohl echt nicht! Bäääähhh! ICH! HASSE! ES!

Aber es lässt sich eben leider echt nicht von der Hand weisen: Besuche bei Leuten OHNE Kinder sind der pure Stress für mich (ich hoffe sehr, sehr, SEHR, dass ich damit nicht ganz alleine bin!). Dabei liegt es nicht mal daran, dass ein normalerweise kinderfreies Zuhause nicht über diese in Ratgebern für werdende Eltern kommunizierten, ziemlich umfangreichen „Schutzmaßnahmen für Heim und Nachwuchs“ verfügt (DAS wär ja auch völliger Quatsch! Selbst bei uns zu Hause lässt die Kindersicherheit an einigen Stellen ernsthaft zu wünschen übrig, weil meine Bemühungen in diesem Punkt bei Kind und Katzen häufig auf starken Widerwillen und gemeine Sabotage treffen. Z.B. haben wir NIRGENDWO diese Eckenschutz-Dinger drauf, weil die Katzen sie alle wieder „abgespielt“ haben und die Mausemaus sie dann zum „Kochen“ brauchte ;) ). Es geht mir vielmehr um eigentlich ganz leicht zu bewerkstelligende „Maßnahmen“ zum Schutz des eigenen Hab und Guts, der Gesundheit des Mini-Besuchers … und der Nerven der Mutter. Daher lehne ich mich jetzt mal so richtig weit aus dem Fenster:

Liebe (bisher oder bewusst gegen Wadenbeißer entschiedene) kinderlose Freunde,

bitte nehmt mir folgende Worte nicht krumm! Ich meine es wirklich nur gut mit euch! Echt jetzt! Naja, ok, ich meine es auch gut mit mir ;) … und meinen Freunden mit Nachwuchs. Aber vor allem mit EUCH, EUREM schönen Zuhause, EUREN Nerven und EUREN Freunden mit Kindern!!! WIRKLICH!

Als Basis für tatsächlich angenehme Familien-Besuchs-Sessions müsst ihr folgendes wissen: Kinder – insbesondere Kleinkinder – sind wahre Wertgegenstände-, Unfall- und Gift-Detektoren. Nur das sie keinen PIEP-TON verlauten lassen, wenn sie auf „Gold“ stoßen, sondern einfach direkt den Mund öffnen, draufhauen oder reinspringen. Dieses … nennen wir es mal TALENT … kann durchaus für Probleme sorgen und einen eigentlich gemütlichen, netten gemeinsamen Nachmittag zu einem für alle Beteiligten sehr unangenehmen Erlebnis machen.
Grundsätzlich sei NATÜRLICH gesagt: Es ist immer in allererster Linie UNSER Job als Eltern, darauf zu achten, dass nichts Schlimmes passiert. ABER ihr könnt uns dabei unterstützen, indem ihr eure Wohnung (und euch) so ein klitzekleines bisschen „entschärft“. Ich denke da an wirklich ganz einfache Vorkehrungen, wie die folgenden:

Sichert eure liebsten Deko-Stücke!
Viele Menschen LIEBEN diese kleinen, aus zartem Glas oder Porzellan gefertigten Deko-Elemente … vom mundgeblasenen Kätzchen über bunt-schillernde Teelichthalter bis hin zur umfangreichen Sammlung besonderer Trinkgefäße. Kinder gehören dazu! So ziemlich alle sogar. Nur leider fehlt es ihnen oft noch etwas an Feinmotorik, was sie aber keinesfalls daran hindert, beherzt zuzugreifen, um sich die hübschen Schätzchen genauer anzusehen. Falls IHR also zu jenen Erwachsenen gehört, die ebensolche „Stehrümchen“ ihr Eigen nennen: Rettet sie, solange ihr könnt! Präsentiert sie einen Nachmittag lang lieber NICHT in Kniehöhe auf einem Beistelltisch oder in den unteren „Rängen“ eines Regals, sondern sicherheitshalber im Schlafzimmer. Hinter einer geschlossenen Tür.

Wo wir gerade bei Türen sind …

Macht ruhig mal eine Tür mehr zu!
Eure Putzmittel bewahrt ihr im Badezimmer auf dem Boden oder in der Küche in einem offenen Regal auf? Dann macht am besten auch da einfach die Tür zu, damit der kleine Gift-Detektor nicht im Alleingang etwas findet und trinkt, dass ihm so gar nicht bekommen würde. Die Zwerge sind nämlich echt schnell! Eine Minute gequatscht und nicht hingesehen – zack, sind sie einen Raum weiter und plötzlich sehr durstig ;) .
Wenn ihr außerdem – falls ihr Raucher seid – die Aschenbecher und Rauchutensilien für die Dauer des Kleinkind-Besuches irgendwo „verschwinden“ lassen könntet, würde das die Mutti zusätzlich enorm entspannen. Je weniger Gefahrenquellen, desto relaxter können alle am Tisch sitzen und ihren Kaffee schlürfen.

Zieht nichts an, woran euer Herz hängt!
Alles was blitz und blinkt lässt Babys und Kleinkinder zu Elstern mutieren. Und machen wir uns nichts vor: Die Kleinen packen deutlich fester zu, als man den Patsche-Händchen zutrauen würde. Zudem lassen sie dann nicht mehr los, sondern reißen stattdessen schnell mal etwas ab, das sich womöglich gar nicht mehr so einfach reparieren lässt. Zartgliedrige Ketten sind daher nicht das richtige Accessoire für den Besuch eines Kleinkindes. Ebensowenig wie lange Ohrringe.

Auch das geliebte Seidenblüschen und der teure Kaschmir-Pullover bleiben vorsorglich besser mal im Schrank hängen – solche Materialien vertragen sich so schrecklich schlecht mit Kakao und Kuchen-Matsch, den kleine Besucher absolut unbeabsichtigt, nichtsdestotrotz aber doch mal schnell im Vorbeigehen daran abstreifen können. Natürlich sind wir Mamis im Prinzip rund um die Uhr mit einem Feuchttuch bewaffnet und stets bemüht, die Mini-Finger einigermaßen sauber zu halten. Dennoch: MEINEN Kaschmir-Pullover konnte ich – trotz Spezial-Agenten-Tempo beim Abwischen – nicht retten :( .

 Sprecht Warnungen aus!
Scheut euch nicht, schon vor der Ankunft der Nachwuchs-Fraktion Warnungen auszusprechen:
„Unser Garten gleicht aktuell einer Großbaustelle. Wir werden alle mit aufpassen, aber ich wollte euch trotzdem schon Bescheid sagen, bevor ihr zur Grillparty kommt!“ SUPER! So können sich die Eltern genau überlegen, ob sie sich den Stress überhaupt antun wollen und wenn ja, was sie dem Kind am besten anziehen (und einpacken … z.B. Eimer, Spaten, Wasserwaage).

„Unser Hund ist im Moment krank und möchte nicht angefasst werden!“ Gut zu wissen! Mutti kann dem Kind schon vorher erklären, dass Bello diesmal nicht spielen wollen wird, was die Lage vor Ort sicher leichter zu Händeln macht.

„Wir haben uns ein Gemälde geleistet, das aufgrund seiner Größe für die kleine Maus erreichbar sein wird. Könnt ihr bitte darauf achten?!“ Na klaro! Und die Wachsmalstifte lassen wir dann besser auch zu Hause ;) .

 Vielen Dank für euer Verständnis!

So, eigentlich alles halb so wild. Und doch werden die ein oder anderen jetzt rummöppern und sagen, dass sie keinen Bock haben, sich vorher solche Gedanken zu machen und irgendetwas umzuräumen oder zu verstecken. Schließlich ist und bleibt es doch die Aufgabe der Eltern, die Kids „im Zaum“ zu halten. Wie schon gesagt: Finde ich völlig richtig. Ein bisschen Mithilfe würde eben nur für mehr Entspannung und Spaß bei allen sorgen – Gastgebern wie auch Besuchern.
Zudem machen wir uns solche Mühen – nämlich die Wohnung „vorbereiten“ – doch auch zu vielen anderen Anlässen. Zum Beispiel vor einer Party oder wenn die Schwiegereltern vorbeikommen. Warum also nicht vor einem Kleinkind-Besuch?

Wem’s trotzdem zu nervig ist: Kommt einfach zu uns (in unsere sowieso schon ramponierten Heime ;) ). Das schont unser aller Nerven und möglicherweise sogar unsere Freundschaft. Dann müsst ihr nur an eines denken: Kuchen. VIEL Kuchen! :D .

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