Rabenmutter 2.0

An die „Mecker-Mütter“ auf Facebook und Co.

Liebe Mecker-Mütter,
da ich ein klitzekleines bisschen Internetsüchtig bin und mich aufgrund dessen verhältnismäßig viel auf Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. bewege, um Artikel und Posts zu meinen Lieblingsthemen Familie, Kinder und Erziehung zu lesen, treffe ich mittlerweile doch recht häufig auf euch und komme dann in den leider eher zweifelhaften Genuss, über eure offenbar ziemlich wahllos angebrachten „Troll“-Kommentare zu stolpern. Normalerweise ignoriere ich sie natürlich – all die giftigen Bemerkungen, die ihr unter ernstgemeinten Fragen von hilfesuchenden Müttern anbringt, die überheblichen Anekdoten aus eurem ach so perfekten Mutter-Dasein, um andere zu denunzieren, und die aggressiven „Verbesserungsvorschläge“ an Redakteure, die einen guten Job machen, aber mit ihren Texten EURER edlen Meinung nicht den passenden Rahmen geben. Doch irgendwie wuchs in den letzten Wochen das Bedürfnis in mir, euch auch einmal Feedback zu geben … natürlich gänzlich unaufgefordert, so wie ihr es ebenfalls immer macht ;) .

Neu: Du hast keine Lust oder Zeit, zu lesen? Dann scrolle einfach bis zum Ende des Textes runter und hör dir den PODCAST an!  

Fakt ist:

Mütter, die online Fragen zu Themen wie Schwangerschaft, Geburt oder Kindererziehung stellen, sind keine „Opfer“, Vollidioten oder Spackos, die dringend mal zurechtgestutzt werden müssen – es sind einfach nur Mamis mit Sorgen, die Lösungswege suchen. Und auch wenn ihr Mecker-Muttis es offenbar anders zu sehen scheint: Um Hilfe zu bitten – auch in Form von einer schriftlichen Bitte um Antworten auf Fragen, die man allein nicht klären kann – ist ein Zeichen von Größe, nicht von Schwäche! Jemanden von oben herab zu behandeln, über dessen Probleme zu lachen oder gar dagegen zu hetzen, hingegen ist das Gegenteil.

Davon mal abgesehen ist es für alle Beteiligten in jeglicher Hinsicht absolut nutzlos und reine Zeitverschwendung (echt jetzt: Habt ihr nichts Besseres oder sogar Wichtigeres zu tun?), Müttern, die sich eh schon mies fühlen, mit grantigen Kommentaren das Leben noch schwerer zu machen. Denn selbst wenn IHR denkt, es handelt sich bei den Fragestellerinnen um komplette Versager, weil IHR diese Probleme nie hattet oder sie mit links lösen konntet … sie sind es NICHT! Sie sind einfach nur ANDERE Menschen, mit ANDEREN Vorgeschichten, ANDEREN Leben, ANDEREN Umfeldern und – vor allem – ANDEREN Kindern als ihr sie habt!

Natürlich kann es sein, dass ihr manchmal tatsächlich in der Position seid, etwas besser zu wissen als andere – weil ihr eine pädagogische Ausbildung genossen habt, schon gefühlte 100 Jahre praktizierende Super-Mum oder auch einfach ein mega Erziehungs-Genie seid. Und ja, in diesem Fall könnten eure Tipps und Anekdoten WIRKLICH hilfreich sein für uns andere. Vorausgesetzt, ihr teilt sie uns NETT mit, auf eine Art, die auch IHR bevorzugen würdet, wenn EUCH jemand etwas erklärt … also ohne uns fertig zu machen oder als Eltern-Looser „vorzuführen“. Hingerotzte Verhaltensregeln, Beleidigungen ob unseres potenziellen Versagens oder auch Kommentare, die uns als peinliche Lachnummer darstellen, sind jedoch definitiv keine Hilfe. Und ich bin absolut sicher, dass sie auch nicht als solche gemeint sind. Solch unhöflich vorgebrachte „Belehrungen“ dienen doch in Wirklichkeit nicht dazu, jemandem weiterzuhelfen, ja, nicht einmal einem konstruktiven Austausch, sondern ausschließlich dem Zweck, euer (schräges) Ego zu streicheln, andere zu verletzten und/oder euch die Langeweile auf dem Klo zu vertreiben. Klar, könnt ihr das machen … Foren und Posts ausschließlich dafür benutzen, euch über andere lustig zu machen, sie runterzuputzen und euch über sie zu stellen, weil IHR (und nur IHR) euch für besser haltet. Meines Erachtens ist das allerdings ein Verhalten, dass unter uns Erwachsenen eher kein Grund für Stolz ist.

Dennoch:

Ohne Frage gibt es sicher viele unter euch Mecker-Muttis, die es eigentlich gar nicht böse meinen, die genauso müde und fertig sind wie wir anderen, die den ganzen Tag rumrödeln, um nicht unterzugehen und die dann in ihren kurzen Momenten der Freizeit einen Blick auf ihre liebsten Facebook-Seiten werfen und sich bei manchen Postings oder Fragen denken: „Ja spinnt die Tussi denn? Ist die echt so blöd?“ Dann können schon mal hässlich formulierte Antworten rausblubbern, die eigentlich bloß von einem Grund-genervt-sein zeugen, nicht aber von echter Gemeinheit. Das ist verständlich – und sicher jedem schon mal passiert. Nichtsdestotrotz: Der Ton macht die Musik! Und wir Mamis bekommen doch eh schon ständig von allen Seiten einen auf den Deckel, weil wir den ganzen Ansprüchen, die heutzutage an eine moderne Mutter gestellt werden, im Leben nicht gerecht werden können. Müssen wir uns da wirklich auch noch gegenseitig fertig machen? Sogar auf UNSEREN Familien-Seiten, in UNSEREN Informations-Foren und all den anderen klitzekleine Online-Refugien, die WIR uns glücklicherweise zum amüsanten und hilfreichen Austausch untereinander geschaffen haben? Nö, oder? Find ich auch :D . Also dann: Auf ein in Zukunft noch netteres, produktiveres Online-Gequassel – ich freu mich drauf!

Viele liebe Grüße,

Anke von LÄCHELN UND WINKEN

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5 Kommentare für “An die „Mecker-Mütter“ auf Facebook und Co.

  1. Da gebe ich dir recht. Leider sieht man das überall im Internet. Meistens sind das Menschen, die haben solche Erfahrungen nicht gemacht und können damit überhaupt nichts anfangen. Ohne nachzudenken…
    Ich habe gestern auch einen Beitrag in meinem Blog veröffentlicht, wo ich laaange überlegt habe, ob ich ihn überhaupt veröffentliche. Es sind immer solche Aussagen von Menschen, die einem den Spaß verderben, oder Angst machen überhaupt mit den Problemen an die Öffentlichkeit zu gehen…..

  2. Da hast du vollkommen Recht, mir ist es auch schon mal so ergangen. Hatte in einem Forum eine Frage gestellt, weil ich nicht mehr weiter wusste. Die Kommentare haben mich echt fertig gemacht, als ob ich eine Vollidiotin wäre.

  3. Die Anonymität des internet – da kommt eine der häßlichen Seite des Mensch-Sein zum Vorschein: nicht gönnen können.
    Hast vollkommen recht, ist ja leider überall so. Solidarität unter Gleichgesinnten ist eben seltener geworden. Aber die Kommentare hier zeigen, dass es eben auch anders geht.
    Ich finde fragen gut, oft muss man gar nicht selber fragen, viele Streams helfen einem weiter.