Leser-Geschichten

Leser-Geschichten: Die Welt des Sports – ist nicht die Meine

Hier schreibt Franziska: Die ganze Zeit hatte ich schon vor endlich etwas dafür zu tun, dass ich nicht noch Ähnlichkeit mit einem gestrandeten Wal bekomme und Greenpeace versucht mich zu retten. Also habe ich mich heute tapfer auf den Weg zur Aqua Fitness gemacht. Eigentlich sollte es ein gemischter Kurs für Schwangere und Menschen mit Rehabilitationsmaßnahmen sein. Seit der Geburt des Traumsohnes hat mein Freundeskreis ziemlich gelitten und ich war gespannt darauf neue Mamis kennen zu lernen.
So war ich reichlich früh schon an der Schwimmhalle und wunderte mich über den reichlich bevölkerten Parkplatz auf dem außer vielen Fahrzeugen überall Grüppchen von weißhaarigen Menschen standen und fröhlich diskutieren und redeten.
In der Halle bahnte ich mir einen Weg durch Schilder mit vielfachen Hinweisen zum Thema Schuhe an und aus, Badebekleidung an und aus sowie Licht an und aus. Das ist wohl der erste Hindernisparcours für sportlich Fremde, wer sich hier durch findet hat schon mal wenigstens den Teilnahmepokal. Nach dem ich es geschafft hatte mich in den richtigen Bereichen an und aus zu ziehen, sah ich beim ersten Wasserkontakt unter der Dusche zwar viele Bäuche aber keiner gehörte zu einer schwangeren Mama. Es war eher ein Blick in eine nicht mehr ganz so weit entfernte Zukunft. Dafür wurde meine Kugel offen bestaunt und wir, die Kugel und ich, wurden sofort offen begrüßt: Du bist wohl die neue Mama. Tja, die war ich wohl und nach dem ich mich am und im Becken umgesehen hatte, war klar, dass ich auch die einzige Mama war.
Alle fröhlichen weiß- und grauhaarigen Menschen vom Parkplatz füllten jetzt die Halle und schienen sich seit Jahrzehnten zu kennen. Was sage ich jetzt nur? Alles duzt ganz fröhlich und ich kann doch nicht einfach zurück duzen?! Plötzlich war ich nach Jahren wieder „das Mädel“ und „die Kleine“! Fühlte sich aber irgendwie ganz gut an! :)
Zum Glück brachte die Kursleiterin etwas Erhellung: hier duzen sich alle, man sieht sich schließlich nackig. Und ja, es kennen sich wirklich fast alle seit vielen Jahren inklusive aller zu behandelnden Gebrechen.
Als ich dann voller Zuversicht das Nichtschwimmerbecken ansteuerte, mein Bild war schließlich das von hüpfenden Menschen in hüfthohen Wasser, wurde ich ganz schnell gebremst. Das ist nur was für sportferne Menschen und Menschen mit starken Bewegungseinschränkungen. Also doch für mich? Ich bin einer der unsportlichsten Menschen die ich kenne! Nein, ab ins tiefe Becken und dann rauf auf eine Poolnudel. Das klang erstmal leicht und sah bei den anderen auch so aus. Als Bewegungsanfänger auf so eine verdammt wendige und angriffsbereite Nudel zu steigen, fand ich jetzt schon eine Leistung. War es aber nicht. Die nächste Stunde war ich dann damit beschäftigt irgendwie im Reitersitz auf dem Teil vorwärts zu kommen ohne dabei unter zu gehen oder wieder rückwärts zu treiben während die netten älteren Damen versuchten sich mit mir zu unterhalten. Irgendwann hatten sie Mitleid und ich durfte einfach nur zuhören über Hunde, Garten, Ehemänner und Enkelkinder. Nach jeder geschafften Bahn dachte sich die Sportdiktatorin, äh Kursleiterin ein neues Handicap aus. Also nichts mit einfach paddeln. Mal Bahnen ohne Arme dann ohne Beine dann mit zusätzlichen Gewichten dann mit Kreisbewegungen. Nach der Hälfte der Zeit hatte ich dann langsam den Dreh raus und konnte wenigstens mal meine Mitpaddler so richtig wahr nehmen. Obwohl alle erklärten, nicht richtig fit zu sein und eigentlich seien sie viel zu alt, waren die echt zügig und relaxt unterwegs. Vielleicht macht das ja dieses Aqua Fitness. Wenn ich dadurch mit 70 auch noch so unterwegs bin, dann halte ich durch. Solange ich noch im Wasser war, nahm ich mir jedenfalls vor jetzt ganz oft schwimmen zu gehen, jede Woche am Kurs Teil zu nehmen vielleicht ja sogar zweimal die Woche…
Dann war die Stunde um und ich wollte aus dem Becken. Tja, anscheinend hatte jemand Zement in meine gesamten Extremitäten gefüllt. Meine Beine jedenfalls hatten für den Moment genug. Nach gefühlten Stunden war ich endlich unter die Dusche gekrochen. Auf das „bis nächste Woche, wir freuen uns“ Konnte ich nur noch: Mal schauen murmeln.
Ich war nur froh nicht den Schwangeren Yoga Kurs genommen zu haben, da hätte man noch mehr gesehen, dass ich Blut und Wasser geschwitzt habe.
Im Auto rief ich dann meine Oma an und wollte mich einfach nur versichern, dass ihr Aqua Kurs ein anderer wäre. Als meine 87jährige Großmutter erzählte, sie würde die gleichen Übungen machen, habe ich mir ganz fest vorgenommen: ich mache weiter! Und wenn ich schon keine neue Mama-Freundin finde, dann vielleicht eine tolle Ersatz-Oma vor Ort für den Traumsohn und die Babymaus.
Jetzt am Abend fühle ich noch immer jeden Muskel aber es fühlt sich doch ganz gut an und ich glaube ein ganz großes Bisschen freue ich mich doch auf nächste Woche und die Poolnudel und die netten Omis. Der Babymaus hat es wohl gefallen, sie hüpft seit dem zufrieden auf meiner Blase rum und macht den Bauch weiter schön rund.
Mal sehen ob ich morgen die Treppen noch hoch komme.

The Day after – die Nachwirkungen 

Der Muskelkater ist da und schlimmer als nach der Episode, in der ich mich für 15 Minuten in den Spinning-Kurs für Anfänger verirrt hatte. Das Trauma hat lange nachgewirkt und mich sogar von Jogginghosen fern gehalten.
Treppen hoch ging so weit erstmal ganz gut aber reden wir nicht von treppab! Mein Versuch das Erdgeschoss zu erreichen, löste bei Mann und Traumsohn große Heiterkeitsausbrüche aus und ich schwöre, der Traumsohn hat selbst in der Kita noch gekichert und es gleich in seiner ihm eigenen Sprache seinen Freunden erzählt. Jedenfalls glaube ich danach Mitleid und Belustigung in den Gesichtern der Zweijährigen gesehen zu haben. Warte ab Kind, bei deinem nächsten Männerschnupfen werde ich kichern.
Da der Mann nach meinen Abstiegsversuchen befürchtet hat, mich mit Oberschenkel-Halsbruch pflegen zu müssen, typisch Pflegefachkraft, versuchte er mir zu helfen. Mit guten Ratschlägen. Der Mann ist nämlich, warum auch immer, sportlich sehr versiert und Muskelkater-erfahren. Ich solle doch die Treppen rückwärts laufen, das würde helfen. Tja, was soll ich sagen, das funktionierte. Der Mann hatte Recht – das kann und wird er sich wohl im Kalender anstreichen und bei passender Gelegenheit immer wieder anführen. Wer den Schaden hat…
Diese lustige Leser-Geschichte hat Franziska geschrieben :)

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