(Leser-)Geburtsberichte

Anne erzählt

Meine Schwangerschaft, noch dazu meine erste, verlief nicht so besonders bilderbuchreif. Ich kotzte (und übergeben mit Übelkeit konnte man das echt nicht nennen, nein), also ich kotzte mir sprichwörtlich bis zur 16. Woche die Seele aus dem Leib und nahm erstmal satte 7kg ab. Meine Schwägerin sagte immer so schön „Du bist soooo dünn! Aber meine Fresse! Du hast Brüste wie Dolly Buster!“- na immerhin! Man muss die kleinen Sachen feiern!
Aber dann ging es bergauf.

Okay, langsam konnte ich das Wunder in meinem Bauch so richtig genießen und ab der 22. Woche sah man auch, dass da in mir ein kleines Baby heran wächst: mein kleines Knöpfchen.

Bis zur 30. Woche verlief alles super und ich weiß auch noch, wie ich meiner Frauenärztin erzählte, wie gut es mir ginge, bis sie bei der Untersuchung feststellte, dass der Gebärmutterhals extrem verkürzt war: das Thema drohende Frühgeburt stand im Raum. Ich musste direkt zum Spezialisten, der nochmal genau nachmessen sollte. Es gab Entwarnung, ich müsse nicht für die nächsten vier Wochen ins Krankenhaus. Allerdings zuhause strikte Bettruhe, laufen nur bis zur Toilette und zurück- Minimum 4 Wochen.
Zwei Wochen vegetierte ich also schon zwischen heimischer Couch und Bett, als mich an einem Abend im Oktober 2017 „starke Rückenschmerzen“ heimsuchten. „Wie soll ich nur eine Geburt überstehen und Wehen aushalten, wenn mich schon die Rückenschmerzen so fertig machen?!“, jammerte ich meinen Freund voll. (Bitte merken)
Man, die quälten mich und ich lag teilweise heulend auf dem Sofa, weil ich dachte, ich hätte mir einen Nerv eingeklemmt. (Hahaha, einen Nerv! Wie naiv ich war!) Die ganze Nacht wälzte ich mich hin und her. Früh, gegen 5:30 Uhr ging ich in die Wanne, um etwas zu entspannen. Dort wurden meine Schmerzen noch viel schlimmer und plötzlich fiel mir auf: da stimmt ‘was nicht! Ich weckte meinen Freund und wir fuhren direkt
ins Krankenhaus. Dort kam ich aufgrund meiner Vordiagnose im Wartebereich direkt an‘s ctg. „Der Rückenschmerz“ schoss beim Ctg Schreiben direkt auf eine satte 100 und ich sah, dass riesige Wehen im fünf Minuten Abstand gezeichnet wurden. Erst da realisierte ich, was Sache war! Mein Herz raste, mir war übel. Das durfte nicht sein! Nicht in der 32. SSW. Das Knöpfchen ist doch noch viel zu klein, viel zu leicht. Gebärmutterhals war kaum noch messbar und es gab eine Trichterbildung. Das Köpfchen steckte schon tief im Geburtskanal. Ich bekam sofort die erste Lungenreife gespritzt, Wehenhemmer und Magnesium hoch dosiert. Mein Bett wurde so gestellt, dass die Füße höher lagen, als mein Kopf … Es dauerte ein paar Tage, bis die Wehen sich legten. „Du merkst schon, was Wehen sind, wenn sie da sind.“, sagten mir Freundinnen und Bekannte. Ehrlich? Ich hab es nicht gemerkt. Es zog nichts im Bauch, nur im Rücken. Aber jetzt weiß ich es.
Bis 34+0 musste ich nun im Krankenhaus bleiben und wurde mit den Worten entlassen „Vielleicht schon bis morgen, ihr Körper hat alles auf Geburt gestellt!“
Oha, dachte ich mir. Und hatte trotzdem noch große Angst.

Meine Frauenärztin motivierte mich: „Bis zur 37. Woche versuchen wir es noch zu schaffen! Dann haben wir kein Frühchen mehr und der Floh kann noch wachsen! Er wird klein und zart sein, aber das ist nicht schlimm. Auf drei Kilo werden wir nicht mehr kommen, aber Sie sind doch auch so zart.“ okay, dachte ich, das haben sie mir im Krankenhaus auch schon gesagt. Hauptsache, er ist gesund. (Ich hatte einen recht kleinen Bauch, weshalb mir immer niemand glauben wollte, dass ich tatsächlich schon zu den Hochschwangeren zählte) Gut, noch 2 1/2 Wochen durchhalten.
Also ruhig machen und schonen. Gar nicht so leicht, während Knöpfchen aktive Partys in meinem Bauch feierte.

Tja, was soll ich sagen? In SSW 38+4 wurde bei meiner Frauenärztin das CTG abgebrochen, da ich zwar unregelmäßige, aber heftige Wehen (laut Aufzeichnung) haben musste. Ich merkte sie leicht. Die Untersuchung ergab: Muttermund offen bei 2 Zentimetern. Ich solle erst in‘s Krankenhaus fahren, wenn ich mich unwohl fühlte. Okay. Es war Vormittag. Nachmittag verlor ich den Schleimpfopf (die Aufregung und Vorfreude stieg!) und am Abend bekam ich Blutungen. Aufgrund der Blutungen fuhren wir am Abend des 4. Dezembers (bitte merken!) ins Krankenhaus. Ich wurde aufgenommen, wir sollten laufen. Muttermund blieb bei 2 Zentimetern. Ab ins Zimmer, mein Freund wurde Nachhause geschickt. Dieses Prozedere zog sich bis zum 7. Dezember! Ich lief und lief durch’s Krankenhaus, jeden Tag war der Kreißsaal voll, deswegen wurde bei mir nicht nachgeholfen, sodass ich (haltet euch fest) am Mittag des 7. Dezembers wieder Nachhause geschickt wurde… (super, war ich angefressen und mein Freund erst). Ich wusste gar nichts mehr. Ich war müde, ich war sauer, ich war traurig, ich war enttäuscht. Ich war alles und noch mehr.

Ich sag euch, in den nächsten Tagen war unsere Bude so sauber, wie noch nie! Ich putzte täglich, saugte, wischte und putzte sogar Fenster (im Dezember!!!), um die Geburt auszulösen. Knöpfchen dachte sich „Drauf geschissen Mama! Vor 8-10 Wochen wollte ich kommen und durfte nicht: ich mach jetzt gar nichts mehr!“. Wer sollte es ihm auch verübeln?!

Gut, am 10. Dezember wollte ich abends gern nochmal auf unseren kleinen Weihnachtsmarkt, ich hatte tierischen Appetit auf schokolasierte Erdbeeren. 14:30 Uhr beschlossen wir, uns nochmal für ein kleines Schläfchen hinzulegen. Punkt 15:00 Uhr, ich war gerade kurz vorm weg nicken, vernahm ich einen Knall, ein lautes Plopp und ich sprang erschrocken vom Sofa auf. Wie ich stand, lief mir auch schon wahnsinnig viel Wasser die Beine entlang und ich sagte „Die Blase ist gesprungen, es geht los!“ Mein Freund-völlig aufgeregt und noch etwas verwirrt- fragte, ob er noch schnell duschen könnte, er könne nicht wie ein Assi in den Kreißsaal. Er duschte, ich packte noch meine Waschtasche fertig ein und es ging los. Auf dem Weg bekam ich schon heftige Wehen und sagte nur „Also jetzt können sie mich nicht mehr Nachhause schicken!“
16:10 Uhr waren wir im Kreißsaal. 16:35 Uhr fertig mit dem CTG, was laut Hebamme „sehr gut“ aussah! Chacka!
Muttermundkontrolle 16:40 Uhr: immer noch bei 2 Zentimetern!!! Das darf doch wohl nicht wahr sein!!!! Ich sollte trotzdem schon in einen der Kreißsaalräume. Ich hatte wirklich heftige Wehen, die wie eine Welle kamen und gingen. Ich konnte sie erstaunlich gut veratmen und zwischendurch immer wieder Kraft sammeln. Ich wollte nur eines: nach dieser chaotischen Schwangerschaft endlich mein Baby im Arm halten, das trieb mich an. 17:30 Uhr erneute Kontrolle: Muttermund bei 10 Zentimetern, komplett geöffnet. Es kann los gehen. „Mädchen, das hast du gut gemacht! Super gearbeitet und das in ner Dreiviertelstunde!“ sagte die Hebamme. Sie war mir sofort sympathisch, meinem Freund übrigens auch.

Die Presswehen kamen und ich setzte meine ganze Kraft in sie. Sie waren wieder wellenartig und ich schaffte, jede einzelne mitzunehmen und alles zu geben. Meine Hebamme übernahm nun den Posten einer jubelnden Kommentatorin. Um das Pressen zu erleichtern, sollte ich meinen Kopf heben und das Kinn in Richtung Brust drücken. Aus irgendwelchen Gründen entschied sich aber mein Unterbewusstsein lieber dafür, mein Gesicht seitlich ins Kissen zu vergraben. „Und nun der Papa!!! Nimm den Kopf und drücke ihn nach vorne!“ brüllte es euphorisch aus ihr heraus. (Mein Freund beschreibt sie heute noch mit den Worten „Die hätte aufm Fußballplatz anfangen können!)
Eine sehr nette Oberärztin betrat den Raum und feuerte nun mit aller Kraft mit an. Ich fühlte mich wirklich gut aufgehoben und mein Freund war mir auch eine riesengroße Unterstützung.
… Und dann war es so weit: am 10.12.2017 um 19:40 Uhr hörte ich den ersten kräftigen Schrei von unserem Knöpfchen. Er wurde mir direkt auf die Brust gelegt. Unser kleiner Junge war endlich da. Wir brachen vor Freude in Tränen aus.
Er war perfekt. Nun waren wir endlich eine Familie und ich kann wirklich behaupten, eine tolle Geburt erlebt zu haben.

Übrigens zum Thema klein und leicht. Der Räuber wog 3410 Gramm und war 50 Zentimeter groß. Er war keine Frühgeburt und kam gegen aller Erwartungen und Prognosen in SSW 39+4 mit einem ganz normalen Gewicht zur Welt.
Wir haben es allen gezeigt, Knöpfchen hat es allein gezeigt und diesen starken Willen merke ich mit seinen 9 1/2 Monaten nun immer mehr. :-)

Mamis, habt keine Angst vor der Geburt. Sie kann wirklich wunderschön werden.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Anne geschrieben. :)

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