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FRAU MUTTER TIER – eine Komödie, die gar nicht „nur“ lustig ist.

Eigentlich ist es kaum zu glauben, aber zu dem Zeitpunkt, als mir die Einladung von Mixtvision zur Kino-Tour von FRAU MUTTER TIER ins Mail-Postfach flatterte, war mein letzter Kino-Besuch mindestens 6 Jahre her. Verrückt!!! Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich immer gerne ins Kino gegangen bin … damals, bevor ich Mama wurde und Kinder hatte, die gefühlt IMMER an mir kleben wie Kaugummi im Haar. Deshalb überlegte ich nicht lange und antwortet schnell, dass ich definitiv pünktlich auf der Matte stehen bzw. im Kinosessel Platz nehmen würde, um mir den neuen Film mit Julia Jentsch, Alexandra Helmig (die übrigens – zusammen mit Rudi Gaul – auch das Drehbuch geschrieben hat), Kristin Suckow, Annette Frier und vielen weiteren fantastischen deutschen Schauspieler/innen anzusehen!

Als ich dann da im Dunkeln des Kino-Saals saß, mit Chips auf dem Schoß und Cola in der Hand, war ich bereit, mich von einer locker-flockigen Komödie berieseln zu lassen und herzhaft abzulachen. Letzteres ist auch tatsächlich einige Male passiert, nur mit der „leichten“ Berieslung hatte ich mich etwas verschätzt. Denn obwohl der Film im ersten Moment als lustige Aneinanderreihung von alltäglichen Mutti-Anekdoten erscheint, greift er doch viel tiefer und ungeschönter in die Materie, als ich es erwartet hatte.

Die Figuren

Die drei Haupt-Charaktere waren mir direkt schrecklich unsympathisch und so Klischee-behaftet, dass sich mir die Nackenhaare hochstellten. Die mega-ätzende Über-Mutter (herrlich nervig dargestellt von Julia Jentsch), die dauerhaft gestresste Karriere-Mum (überzeugend gespielt von Alexandra Helmig) und die junge Single-Mutti, der man am liebsten sofort das Jugendamt auf den Hals hetzen möchte, weil Kristin Suckow sie so perfekt pädagogisch inkompetent agieren lässt. Flankiert werden diese drei Parade-Beispiele von Müttern, um die man auf dem Spielplatz einen großen Bogen macht, von den klassischen Mitläufer-Mamas, die keine eigene Meinung zu nichts haben und hinter jedem Rücken lästern, der sich ihnen bietet. Ätzend, dachte ich, genau DAS brauchen wir NICHT: Einen Film, der auch noch Öl ins Feuer gießt und uns Mütter genau in dem Licht präsentiert, in dem uns NICHT-Eltern immer gerne sehen wollen, um uns zu diskreditieren. Doch dann … macht der Film etwas, zu dem wir normalerweise keine Zeit oder Lust haben, wenn wir auf Mütter treffen, die diese Klischees erfüllen und deshalb nicht zu uns passen, weil wir ja viel cooler und lockerer und ausgewogener und netter sind. Er bricht die Charaktere auf und schaut hinter die Kulissen der von uns vergebenen Titel wie „egoistische Karriere-Mutti“ oder „Über-Öko-Mama“. Plötzlich sehen wir, was wirklich dahintersteckt – und dass eigentlich NIEMAND in diese blöden Schubladen passt, in die wir uns gegenseitig aus Reflex stecken, sondern alle viel mehr gemeinsam haben, als wir es je für möglich hielten.

Die Story

Natürlich ist es wirklich witzig und erleichternd, mal als unbeteiligter Zuschauer die vielen kleinen Episoden aus dem Mutti-Alltag mitzuerleben, denn FRAU MUTTER TIER zeigt da sehr ehrlich, mit welch zum Teil skurrilen Problemen und Situationen wir Mütter (bzw. Eltern) konfrontiert sind. Dass man Kinder am besten VOR der Geburt in der Kita anmeldet, um einen Platz zu bekommen. Dass sogar Läden, die Babynahrung verkaufen, manchmal unmöglich mit einem Kinderwagen zu befahren sind. Dass wir Mamis untereinander einen unmöglichen Ton anschlagen, nur weil uns der Tupperdosen-Inhalt der anderen nicht gefällt. Überspitzt und in schneller Abfolge präsentiert wirkt das echt lustig … wenn man KEINE Mutter ist ;) . Für uns allerdings, die wir gerade bis zum Hals drinstecken in dieser Lebensphase mit Kleinkindern, ist es schlicht und ergreifend die oftmals gar nicht ganz so amüsante Realität. Uns hält dieser Film den Spiegel vor und zeigt uns, wie irre wir rotieren und uns verbiegen, um all den Ansprüchen gerecht zu werden, die wir selbst, unser direktes Umfeld und die Gesellschaft an uns stellen. Und wie wir dabei vor die Wand fahren, wenn wir nicht begreifen, dass wir KEINE der uns übergestülpten Rollen PERFEKT erfüllen können … und es auch gar nicht müssen! Denn viel wichtiger ist es, UNSEREN persönlichen Weg zu finden, mit dem WIR und UNSERE Familie glücklich sind – unabhängig davon, was andere denken.

Fazit: Ich mag den Film FRAU MUTTER TIER und ich kann ihn euch ohne Frage empfehlen, auch wenn er zumindest auf mich viel weniger locker wirkt, als erwartet. Geht trotzdem, nein, GERADE DESHALB rein! Am besten nicht nur mit eurer Mutti-Freundin, sondern nehmt auch euren Partner mit, wenn’s irgendwie geht. Ihr könnt gemeinsam kichern über die ulkigen Szenen, in denen ihr euch wiedererkennt. Und gleichzeitig könnt ihr die eher unangenehmen, in Wahrheit echt frustrierenden Mama-Momente als Gesprächsöffner nutzen, um damit möglicherweise etwas zu verändern … und sei es auch nur die Sicht auf eure jeweilige Position in der GEMEINSAMEN Lebenssituation. <3

PS: Das Theaterstück, auf dem der Film basiert, hat Alexandra Helmig (links auf dem Titelbild) übrigens vor ca. 10 Jahren geschrieben, als ihre Kinder ungefähr in dem Alter waren, in dem meine Kinder heuten sind. Offensichtlich war sie damals mit exakt denselben Problemen konfrontiert wie ich bzw. wir heute. Und das bedeutet: Es hat sich im großen und ganzen noch nichts geändert. Weder daran, wie wir uns selbst sehen, noch wie wir uns gegenseitig behandeln oder wie die Gesellschaft uns bei dem Unterfangen unterstützt, Kinder in einer Welt großzuziehen, in der nur bezahlte Leistung als Arbeit zählt. Krass … und schade, oder?

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