Krümel-Chroniken_33
Krümel-Chroniken

Krümel-Chroniken: der 33. (Lebens-)Monat

Immer öfter sehe ich den Krümel so, wie ihn andere sicher schon lange sehen: als durchaus schon GROßEN, kleinen Jungen. Und dann frage ich mich, wann das wohl passiert ist … und kann kaum glauben, dass er in eigentlich nur noch wenigen Wochen schon drei Jahre alt wird. Dennoch: Für mich ist er auch weiterhin mein Baby, das abends in meinem Arm einschläft und nachts nach mir sucht wie ein Trüffelschweinchen, weil er ohne Mamas Nähe nicht weiterschlafen kann. <3

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KLEINKIND-STATUS:

Körperchen: Ziemlich glatt 15 Kilo bringt das Krümelchen aktuell auf die Waage. Gewichtstechnisch legt er also im Moment echt nur langsam zu, was meines Erachtens aber völlig ok ist, weil ich ihn auf dem Arm und in der Trage durchaus schwer genug finde ;). Und offenbar macht er auch gerade was das Höhen-Wachstum angeht eine kleine Pause, was mir ebenfalls recht ist, weil ich so sogar noch ein paar Klamotten aus dem letzten Sommer wiederverwenden kann. Zugegeben: Nur die kurzen Hosen, aber immerhin! Allerdings „diskutieren“ wir da jedes mal eine halbe Stunde drüber, ob er die Shorts nun anzieht (mein Wunsch) oder eher nicht (sein Wunsch). Denn des Krümelchens Meinung zu kurzen Hosen ist leider folgende: Die sind kaputt, weil ja die Beine nicht lang … also ab sind. SOWAS kann man unmöglich anziehen. Ist ja klar. ;) Wie Unkraut wächst aktuell am Sohnemann nur eines, nämlich seine Haare. Möglicherweise muss ich da demnächst nochmal die Schere zücken oder sogar einen echten Friseur aufsuchen?!
Können/Verhalten: Das anfänglich von mir ziemlich belächelte Trotz-Kreischen nimmt zu. Mehrfach am Tag zieht der kleine Mann seine persönliche Grenze für Frustration oder Wut oder Was-auch-immer, indem er ohrenbetäubend schrill schreit. Ich habe schon überlegt, ob man dieses Geräusch mal einem Hersteller von Autoalarmanlagen anbieten sollte, denn ich bin sicher, es kann jeden „Gauner“ augenblicklich in die Flucht schlagen. Da Flucht für mich als Mutter leider ja keine Option ist, versuche ich es ungerührt auszusitzen, ihn sich aus-kreischen zu lassen und reiche anschließend einen Schluck Wasser, da ich davon ausgehe, dass es anstrengend ist, diesen Ton so lange aufrechtzuerhalten.
Davon mal abgesehen ist er mal wieder so ganz und gar das Mama-Söhnchen. Bei 30 Grad Außentemperatur klebt der Junge an mir wie ein Pflaster und nimmt dafür lächelnd in Kauf, dass ICH schwitze wie ein Schwein … und manchmal auch ein wenig jammere, weil ich für MICH durchaus ein wenig körperlichen Freiraum ab und an gar nicht so übel finde. Naja, eventuell merkt er schon, dass sich bald etwas ändern wird durch die Kita. Oder es liegt am langsamen Abstillen, das nun auch ein wenig von ihm ausgeht. Vielleicht gleicht er das durch noch mehr kuscheln aus. Und vielleicht finde ich das – von der Wärme mal abgesehen – auch gar nicht so schlecht. <3
Schlaf-Elend: Manchmal denke ich: Uhhh, endlich wird es besser – ich durfte drei Stunden am Stück schlafen! Und dann wird es auch schon wieder schlechter. Mal quälen den kleinen Mann Alpträume, weil er schlimm gefallen ist oder er unsere gerade gestorbene Familien-Katze vermisst, mal ist ihm schlicht zu heiß, weil der Sommer sich ja nun doch auch in Köln blicken lässt. Das Krümelchen scheint sich den Spruch: Irgendwas ist immer! tatsächlich sehr zu Herzen zu nehmen und erfüllt in diesem Punkt alle Klischees.

MAMA-STATUS:

Körper: Wie in jedem Sommer, seit ich Mutter bin, wundere ich mich auch diesmal über die Veränderung in Sachen Temperaturempfinden, die mir die Schwangerschaften gebracht haben. Bevor ich Kinder hatte, war ich eine wirklich große Hitze-Freundin. Ich liebte es, in der knallen Sonne zu sitzen und sprach auch bei fast 40 Grad von „angenehmer“ Wärme. Seit dem Sommer mit Ella im Bauch jedoch zerfließe ich regelrecht, sobald das Thermometer über die 25 Grad Marke klettert und würde mir am liebsten dekorativ ein Kühlpack um den Hals hängen. :D
Trotzdem bin ich sehr froh, dass es endlich schön ist und ich nicht mehr frieren muss – denn das mag ich ja nun auch nicht. ;)
Und sonst so: Gefühlt haben wir gerade einen Negativ-Lauf. Ständig geht etwas schief, jemand verletzt sich oder es läuft so ätzend, dass ich am Ende des Tages sogar zu angepisst bin, um noch Chips zu essen! Ja, so etwas gibt’s! Aber nicht oft. :D

Definitiv eines meiner „Highlights“ diesen Monat war die spontane Begegnung des Krümelchens mit unserem Couchtisch, die dann in der Notaufnahme zum Nähen seiner ersten, glücklicherweise kleinen Platzwunde endete. Unser Besuch, auf den ich mich total gefreut hatte, weil es sich um Freunde aus München handelte, die wir nur sehr selten sehen können, war gerade mal eine Stunde da und ZACK landete der kleine Mann beim Toben mit der Schwester und den anderen Kindern mit der Wange so ungünstig und hart auf der Tischkante, dass wir im Prinzip gar nicht lange überlegen mussten. Notaufnahme, einmal kleben bitte. Oder nähen halt. Da scheiden sich ja offenbar die medizinischen Geister. Meine Lieblings-Kinderärztin, die leider gerade im Urlaub weilte, aber dennoch von mir mit einem Foto und der Bitte um einen kurzen Rat beglückt wurde, empfahl zu kleben … der Kinderarzt in der Klinik mochte lieber nähen. Tja, Hauptsache zu, dachte ich und biss gemeinsam mit dem kleinen Männlein in den sauren Apfel. Denn Nähen bedeutete erst festhalten wie in einem Schaubstock und dann Piksen. Und dieser Moment trieb Mutter und Sohn gleichermaßen den Angst- und Stressschweiß aus allen Poren. Aber wir haben es überstanden und die Wunde heilt nun gut. Gottseidank. Direkt unter bzw. neben dem Auge wollte ich dem Krümel unbedingt eine größere Narbe ersparen, da das ja schon ein recht zentraler Ort im Gesicht ist und man eher selten Haare darüber kämmt. ;)

Irgendwie scheinen wir hier gerade echt einen Lauf zu haben. Mit der Tochter war ich gerade erst vor ein paar Wochen in der Notaufnahme und nun schon wieder, wenn auch mit dem anderen Kind. Bisher hatten wir einfach viel Glück und nur sehr selten Unfälle zu beklagen. Wobei mich das zugebenermaßen schon sehr gewundert hat, denn ICH war als Kind ja eher Typ Notaufnahmen-Stammgast und rechnete eigentlich schon länger damit, dass sich DIESES Tollpatsch-Genmaterial bei meinen Kindern irgendwann einen Weg nach draußen bahnen würde. Offenbar sind wir nun soweit. Und ich kann nur hoffen, dass mir meine beiden nicht zu sehr nacheifern wollen. Sonst müsste ich langsam mal Gips bestellen. Viel Gips ;) .

Von den körperlichen Verletzungen abgesehen, flossen bei uns auch aufgrund von seelischem Schmerz viele Tränen. Wir mussten uns von unserer 15 jährigen, schwer kranken Katze Lilly verabschieden und sie über die Regenbogenbrücke zu ihrem alten Freund Felix ziehen lassen, den wir nun schon seit drei Jahren sehr vermissen. Damals war die Mausemaus genauso alt wie der Krümel heute und ihre Trauer so groß, dass ich oftmals nicht wusste, wie ich ihr helfen sollte. Deshalb bereitete ich mich diesmal, als ich ahnte, was kommen würde, vor auf die Kleinkind-Tränen und die vielen Fragen, mit denen ich vom Krümelchen rechnete. Denn er liebte die dicke, alte Katze von Herzen und war wohl der einzige, den auch sie so richtig gern mochte. Doch wie das so ist, wenn man sich mit Kindern vorbereitet: Es kam anders. Denn trotz aller Gemeinsamkeiten mit seiner großen Schwester, ist der kleine Mann eben doch ein ganz anderes Kind. Während die Mausemaus wieder sehr offensiv trauert, viel weint und nach ihrer Katze fragt, verschließt sich ihr Brüderchen komplett. Nur einmal weinte er kurz, als wir sie zum Tierarzt brachten, danach nicht mehr. Er behauptet sogar, er hätte unsere Lilly nicht lieb gehabt. Und das er sie nicht vermissen würde. Stattdessen … stottert er jetzt. Direkt nach dem Tod der Katze setzte es ein und war die ersten zwei Wochen so deutlich, dass es mich etwas in Sorge versetzte. Doch langsam wird es wieder ein bisschen besser, so dass ich ihn nicht sofort zum Arzt schleifen, sondern es erst einmal beobachten werde. Jeder Mensch trauert anders. Kinder sogar im Besonderen, weil ihnen oftmals schlicht die Worte und natürlich auch die Strategien fehlen, wie sie solch einen diffusen Schmerz bewältigen sollen. Wir Eltern können da nur neben sitzen, in enger Umarmung, Möglichkeiten zur Bewältigung vorleben und anbieten. Und doch müssen sich die Flöhe im Endeffekt ihren eigenen Weg suchen.

Also von mir aus, könnte es jetzt dann wirklich wieder Bergauf gehen. Ich denke, der Rest der Familie hätte da auch Bock drauf. ;)

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Dieser Text ist ebenfalls erschienen auf Eltern.de <3

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