Geburtsberichte
(Leser-)Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Nicole F. erzählt

Die Geburt des Hasenkinds liegt zwar schon eine Weile zurück, und inzwischen sehe ich sicher so manches durch die verklärten Erinnerungswolken einer stolzen Mutter, aber alles in Allem hätte ich es schlechter treffen können. Nachdem mir in der großen Schwangerschaftsuntersuchung im letzten Drittel mitgeteilt wurde, dass das Kind circa 2 Wochen in der Entwicklung zurück lag, war ich doch öfter zu Kontrollen beim Arzt, als ich gehofft hatte. Aber zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich das Häschen wie es sollte, sie war halt kurz und zierlich. Die Mama (also ich) selbst hatte zur Geburt zarte 45 cm und 2880g notieren lassen, von daher war es für mich nicht überraschend, dass das Häschen  eventuell klein wird. Der Termin war auch richtig errechnet, dank der ICSI hätte ich vermutlich sogar die Minute erfragen können, in der die Eizelle befruchtet worden war. Und Beschwerden hatte ich, bis auf ein bisschen Kreislauf auch kaum.

Alle CTGs waren bisher unauffällig gewesen, die Herztöne gut, von Wehen aber weit und breit keine Spur. Somit war es  für  mich auch nicht verwunderlich, dass der errechnete Termin kam und verstrich, ohne, dass etwas passierte. Ab dann ging es alle 3 Tage in die Klinik zur Übertragungskontrolle, 1 x Wöchentlich gabs einen Ultraschall mit jeweils dem gleichen Ergebnis: Das Kind wächst und gedeiht, die Versorgung über die Nabelschnur ist top, Fruchtwasser ist noch genug da, und die Plazenta würde auch noch locker 10 weitere Wochen schaffen…
BLOß NICHT, war immer mein Gedanke. Ich wollte das Häschen endlich sehen, im Arm halten und einfach um uns haben. Und in den CTG’s… weiterhin von Wehen keine Spur. Tag 10 der Übertragung kam, und ich hatte mich innerlich schon darauf eingerichtet in der Klinik zu bleiben, um eingeleitet zu werden. Ich hatte es auch bei den Kontrollen immer so kommuniziert, das Häschen soll entmietet werden. Also wir wollten nachhelfen, anschuppsen, aber dann die Geburt so natürlich wie möglich halten.

Aber wie so oft , kam es anders. Es gab nicht genug Hebammen in der Nachtschicht, so dass bei einer Entbindung zur Nacht die Versorgung nicht sicher gestellt gewesen wäre. Bleibt zu erwähnen, es war eine
Nacht vor Vollmond.

So war ich noch einen Tag daheim, gefrustet und ein ungeduldiger Haufen voller Gedanken, und um diese zu zerstreuen half mir einfach nir noch BACKEN. Einen leckeren Schokoladenkuchen. Darauf hatte ich Lust… also ihn zu backen, weniger ihn zu essen. Am 11. Übertragungstag hatte ich dann für 7 Uhr einen Termin zur Aufnahme, den Kuchen nahmen mein Mann und ich mit zur Sicherheit. Falls man mich wieder fortgeschickt hätte, hätte ich etwas zur Bestechung da gehabt. Aber das war nicht notwendig.

Um 5 nach 7 hatte ich meine Kanüle im Handgelenk, durfte ins Untersuchungszimmer, der Oberarzt untersuchte mich, Muttermund geschlossen und fest, dann “spritze” er mir das Gel intravaginal und dann hieß es 2 Stunden ans CTG. Nach einer Stunde durfte ich aufstehen, um auf Toilette zu gehen. Ich musste zwar nicht, aber hey, mir tat die Hüfte so weh, dass ich trotzdem auf Toilette ging, einfach um mal aufzustehen. Nach den 2 Stunden durfte ich “raus”, zum spazieren. Ich fragte extra nach, ob ich die Klinik verlassen dürfe, es wurde bejaht. So gingen mein Mann und ich viel Spazieren, einmal durch den Ort, bis in die Innenstadt ins Einkaufszentrum, wo wir zu Mittag gegessen haben, und dann nach 4 Stunden wieder zurück zur Klinik. Ich hatte zwischenzeitlich
ein leichtes Ziehen im Rücken, das ich mal optimistisch für  leichte Wehen hielt. In der Klinik dann wieder CTG, aber es waren keine Wehen zu sehen. So verging der Tag mit Spazieren, CTG’s und insgesammt 2 mal Gel-Gabe. Abends kam ich dann auf Station. Dort schlugen die Schwestern die Hände über dem Kopf zusammen als ich Ihnen sagte, dass mein Mann und ich in der Stadt gewesen sein, mit “raus” gehen, sei maximal das Gelände vor der Klinik gemeint gewesen. Naja zu spät, war eh schon  vorbei. Den Abend war ich allein im Zimmer, und war froh drüber. Wehen hatte ich weiterhin kaum, oder gar nicht, ein minimales Ziehen im unteren Rücken,
das war’s.

Am 12. Übertragungstag durfte ich wieder zum Oberarzt, weiterhin Muttermund geschlossen und fest. Dann bekam ich dann eine Tablette, die die Wehen fördern sollte und die Prognose 3.20 Uhr vom Oberarzt, dann sei das Häschen da. Na toll, zu nachtschlafender Zeit. Es reichten ab da auch nur noch 30 Minuten am CTG. Das schlug jetzt auch minimal aus, aber nicht wirklich stark. Besser als nichts, dachte ich mir. Spazieren waren mein Mann und ich dann nur noch in der Klinik oder davor, ich besuchte auch mal die Kolleginnen auf einer anderen Station, ich war ja in der Klinik. Nachmittags bekam ich dann eine Zimmernachbarin, die frisch entbunden hatte. Boah war ich neidisch und von daher auch etwas genervt.Die CTG’s am Tag waren wechselhaft. Mal schlug es aus, obwohl ich nichts spürte, mal spürte ich etwas, aber das CTG zeigte keine Wehen. Es war einfach nichts zu machen. Immerhin, das was ich spürte, war schon stärker als am Vortag. Um kurz vor 22 Uhr (die Schwestern und meine Zimmernachbarin waren maximal kullant) schickte ich meinen Mann dann heim. Ich lag im Bett, grübelte viel und hasste den kleinen Mann im Zimmer, der manchmal schrie… Wieso konnte mein Häschen nicht auch endlich kommen?

Am 13. Übertragungstag wurde ich nachts vom Weinen des Jungen nebenan wach. Und da ich auf Toilette musste, ging ich. Ein Blick auf die Uhr sagte mir: 3.18 Uhr. Na wenn das keine Sturzgeburt wird, hat sich der liebe Oberarzt aber auch vertan. das würde ich ihm am Morgen schön unter die Nase reiben. Ich legte mich wieder ins Bett, und gegen 3.30 Uhr konnte ich spüren, wie plötzlich etwas aus mit floß. Da ich 10 Minuten vorher noch nicht inkontinent war, und die Blase leer sein müsste, konnte das ja fast nur Fruchtwasser sein. Ich wartete kurz, sprach mit meiner Zimmernachbarin, die versuchte ihren Sohn zu stillen, und letztendlich klingelte sie für mich, so dass die Schwester kam. Wir erklärten ihr die Situation und nach einem  Blick in mein durchnässtes Bett waren wir uns einig: Fruchtblase geplatzt. Ich durfte runter zu den Kreissälen wieder ans CTG, und noch vorher, ich wollte kurz noch einmal auf Toilette, kamen auch Wehen. Das waren definitiv welche, um ein Vielvielfaches stärker als alle “Wehen” davor zusammen. am CTG wurden diese dann auch bestätigt. Aber ich lag ziemlich allein da,  wartete ab und veratmete brav meine Wehen bis die 30 Minuten endlich herum waren.
Ich freute mich auf das Häschen, heute würde es also kommen, das wusste ich. Nach den 30 Minuten schaute die Klinikhebamme nach mir,  der Muttermund war weich, 2 bis 3cm geöffnet. Okay, das würde sich ziehen, also war ich im Kopf schon wieder auf Station und lief im Kreis über den Flur. Aber nein, musste unten bleiben.

Das Häschen, so sagte man mir, reagierte mit Stress auf die Wehen, also sollte ich in den Kreissaal. Ich folgte brav, lag auf dem Bett, wieder wurde das CTG angeschlossen, und nun wurde auch mein Mann informiert. Ich wurde gefragt, ob ich ein Schmerzmittel wolle, verneinte dies, musste es dann aber nach 5 Minuten doch einfordern. 20 Minuten nach dem Anruf war mein Mann in der Klinik angekommen. Ich lag ab da im runden Bett im Kreissaal, mein Mann war bei mir, das CTG lief und die Wehen wurden immer schmerzhafter, so dass ich aus dem Tönen recht bald ins Schreien überging. Ich es fühlte sich an, als wolle das Häschen mit dem Kopf direkt durch meinen Beckenknochen durch. Nach einer Weile fragte ich, ob eine PDA möglich sei, aber das wurde verneint, da die Herztöne des Häschens bei jeder Wehe abfielen, und die Gefahr einfach zu groß war.

Also weiter tapfer atmen, schreien und meinem Mann die Finger zerquetschen. Ab und an waren die Hebammen da, redeten mir gut zu. Dann ging das CTG über die Bauchdecke nicht mehr, und eine Vaginale Sonde gelegt, um die Herztöne weiter verfolgen zu können. Mein Mann berichtete mir, dass ab da die Hebamme auch nicht mehr das Zimmer verlies, aber das bekam ich in meiner Wolke gar nicht mit. Im Nachhinein wurde mir auch bewusst, dass ich weder Bewegungen machen noch Positionen ausprobieren sollte, wie wir es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatten. Dabei hatte ich doch meine Lieblingsposition schon gedanklich festgelegt: Er auf dem Gymnastik-Ball, ich vor ihm kniend , den Oberkörper auf  seinem Schoß, die Arme um seine Hüfte.  Dazu kam es wie gesagt nicht, ich lag im bett, dreht mich ab und an, veratmete die Wehen, schrie und weinte vor Schmerzen im Becken. Das Kind wollte offensichtlich direkt durch den knochen durch.

Dann wurde die Vermutung geäußert, dass das Häschen vielleicht falsch lag. Gemeint war, dass das Köpfchen zwar richtig liegt (das tat es seit der 20. SSW), aber das Häschen in sich vedreht oder verschraubt war und so nicht in den Geburtskanal rutschen konnte. So versuchte man dann das Häschen zu drehen. Die Schmerzen waren noch heftiger als die Wehen, und ich hatte Angst um mein Kind, denn das Häschen lies sich nicht drehen.
Es lag richtig. Die Herztöne gingen weiter mit jeder Wehe runter. Immer weiter, und sie erholten sich immer langsamer. Es wurde auch zwei mal Blut über das Köpchen unseres Kindes abgenommen, um die Suaerstoffsättigung zu prüfen, aber die war gut.

Zu guter Letzt wurde dann das Ultraschallgerät geholt, man wollte etwas überprüfen. Noch während der Ultraschall vorbereitet wurde, bekam ich einen Blasenkatheter gelegt. Da klingelte alles in meinem Kopf. DK
gib’ts nur bei einem Kaiserschnitt. Ich wollte abwarten, was die Untraschalluntersuchung ergibt und dann nachfragen. Aber dazu kam ich nicht mehr. Gefühlt war der Schallkopf 2 Sekunden auf meinem Bauch, dann
wurde das berühmte rote Knöpfchen gedrückt. Es war Punkt 8 Uhr (berichtete mein Mann mir später) Ich durfte gerade noch die nächste Wehe veratmen, dann lief ich, nein rannte ich, an beiden Armen von einer Schwester oder Hebamme gestützt, über den Flur in den Sectio-Raum, der direkt gegenüber vom Kreissaal lag. Ich durfte noch auf den Stuhl hopsen, dann wurde mir erklärt, wenn es jetzt gleich komisch schmeckt, sei es das Narkosegas. Es war eine nette Anästhesistin. Dann kam auch schon der komische Geschmack. Ich bekam noch mit, wie eine große Menge Jod auf meinem Bauch verteilt wurde, ich glaube mich zu erinnern, dass es mit einer Matte aufgetragen wurde, aber beschwören möchte ich das nicht, ich war zu schnell weg.

Vielleicht wäre das einer anderen Mama zu schnell gegangen, aber ich war froh über die Entscheidung der Ärzte. Die GVK-Hebamme hatte uns, und den Männern, erklärt, wie ein Kaiserschnitt abläuft, und auch ein Not-Kaiserschnitt. Ich wusste daher, dass mein Mann und ich nicht beim ersten Schrei dabei sein würden, dass ich das Häschen erst in einigen Stunden erleben würde. In diesem Moment war mir das aber egal. Man würde unserem Häschen nun helfen, sie würde sicher und gesund auf die Welt kommen, und meine Schmerzen vom Druck auf das Becken waren endlich vorbei.

Als ich wieder wach wurde, lag ich in einem Zimmer, mein Mann neben dem Bett, er hielt unsere Tochter im Arm. Leider war alles, woran ich in diesem Moment denken konnte die Schmerzen von dem Eingriff. Es tat einfach nur weh. Mein Mann zeigte mir unsere Tochter, er war so stolz, es ging ihr gut. Doch alles was ich konnte war ihn anzubluffen, er solle mich in Ruhe lassen, ich hätte Schmerzen. Ich fühlte mich elend. Alles tat weh. Und ich sollte mich doch über unsere Tochter freuen, dass sie auf der Welt und gesund war, aber das konnte ich noch nicht. Ich schlief erneut ein, und als ich wieder wach wurde, war mein Mann vorsichtiger, er zeigte mir das Häschen, und ab da ging mein Herz auf. Ich hatte noch immer Schmerzen, aber da war dieses kleine Wesen, dieses wundervolle kleine Bündel in meinen Armen, ich durfte sie endlich halten, umarmen, küssen und mit all der Liebe überhäufen, die ich in mir trug. Das Häschen war endlich bei uns. Ich weiß nicht, ob ich geweint habe, aber sicher hatte ich Tränchen in den Augen.

Der Schmerz war bald weggeblasen. Klar kämpfte ich noch eine Wele mit der Wunde vom Kaiserschnitt, aber das ist ja auch kein kleiner Eingriff. Ich hatte keine normale Geburt, und ja, ich hätte mein Kind lieber auf
natürliche Weise zur Welt gebracht, aber das hätte nicht funktioniert. Mein Mann erklärte mir dann, das Häschen habe die Nabelschnur über die Schulter gelegt gehabt, und mit  jeder Wehe und dem Versuch tiefer ins
Becken zu rutschen, wurde die Nabelschnur dann abgedrückt. Daher der “Stress”, und das Abfallen der Herztöne. Ich bin den Ärzten noch immer dankbar, dass sie dem Häschen geholfen haben. Ob nicht ein “normaler” Kaiserschnitt auch gericht hätte, ist mir nie in den Sinn gekommen. Sie haben eingegriffen bevor die Lage bedrohlich werden konnte, und dafür kann ich niemanden verurteilen. Der Traum einer natürlichen Geburt war geplatzt, aber ich hätte es mir sicher nie verziehen, wenn dem Häschen etwas zugestoßen wäre.

Nach über 21 Monaten denke ich noch immer, dass es richtig war. Wir haben ein tolles gesundes Kind, und ja es stimmt, so manchen Schrecken der Geburt vergisst man einfach. Diesen Versuch das Kind in mir zu drehen zum Beispiel, hatte ich eine ganze Weile nicht mehr in meinen Erinnerungen.
Den Oberarzt habe ich persönlich leider nicht mehr getroffen. Aber er war es, der mit aufgeschnitten hatte, seine Kollegin hatte die Wunde dann genäht, während der OA meinem Mann berichtete, was vergefallen war. Noch heute muss ich Schmunzeln und sage mir : Lieber Herrr Oberazt: Ihre Prognose war falsch! Für alles andere Danke ich Ihnen von Herzen!

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Nicole geschrieben :)

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Ein Kommentar für “Leser-Geburtsbericht: Nicole F. erzählt

  1. Liebe Nicole,
    ich freue mich mit dir, dass alles gut gelaufen ist und dass du jetzt dein Häschen in den Armen halten kannst. Es ist nicht leicht die Schmerzen am nächsten Tag zu spüren. Du hast quasi zwei verschiedene Erfahrungen gemacht. Die Wehen während der Geburt und die Schmerzen nach dem Kaiserschnitt.
    Ich hoffe ihr habt eine schöne erste Zeit zusammen gehabt.
    Liebe Grüße