Corona Streit
Corona Interviews

Corona Streit in Köln

Was passiert eigentlich, wenn Eltern die Schul-Präsenzpflicht ignorieren? Fragen an und Antworten von einer Mutter, die gerade „in den Krieg zieht“ – im Corona Streit.

Die vierte Corona Welle rollt, es sind bisher nur knapp über 60% der Erwachsenen vollständig geimpft und die Delta-Variante hat das Covid19-Zepter in Deutschland übernommen. Dennoch ist die Gesellschaft beinahe zum Alltag zurückgekehrt … aus vielen verschiedenen Gründen … und die Motivation, sich überhaupt noch mit dem Thema Pandemie zu befassen, sinkt täglich. Viele haben keine Kraft und Ressourcen mehr übrig, andere schlicht keine Lust, sich länger von dem Virus belasten zu lassen. Zudem ist der Grad der Verwirrung kaum mehr zu toppen – zu viele unterschiedliche Informationen, Sichtweisen und Studien kursieren durch das On- und Offline-Leben. Den meisten Menschen brummt schlicht der Schädel. Zum Alltag zurückkehren zu dürfen – zumindest weitestgehend – stößt daher vor allem auf Dankbarkeit. Allerdings nicht nur. Einige haben nämlich weiter Angst. Sogar obwohl sie selbst längst doppelt geimpft sind. Und das sind in durchaus großer Menge … Eltern.

Kinder hatten zu keinem Zeitpunkt einen relevanten Stellenwert in der Pandemie-Bekämpfung, haben aber dafür sehr lange Zeit, gemeinsam mit ihren Eltern, am intensivsten „einstecken“ müssen. Gefühlt wurden sie über Monate vergessen – und nun zum Dank der Durchseuchung überlassen. Ja, es klingt fies und hart und in den Ohren einiger übertrieben. Aber dennoch ist es so, dass Schulen und Kitas zwar offen sind, aber immer noch kaum über Schutzmaßnahmen verfügen – von den in Schulen verpflichtenden und in Kitas freiwilligen regelmäßigen Tests, den geöffneten Fenstern und den Masken abgesehen. Nicht schlimm, sagen sehr viele, denn Kinder erkranken doch nicht schwer an Covid19. Klar, wenn man in andere Länder schaut, die weiter fortgeschritten in der vierten Welle paddeln, könnte man den Schluss ziehen, dass Delta doch auch für Kinder gefährlicher ist; und dass wir leider so gar keine Ahnung haben, was Long-Covid bei unserer „Zukunft“ auf zwei Beinchen anstellt. Aber … man muss ja auch nicht immer gleich den Teufel an die Wand malen. Dass eigene Kind wird’s schon nicht treffen. Oder?

Puhhh, harter Tobak, auf den – wie gesagt – kaum jemand mehr Bock hat. Ich auch nicht. Echt nicht! Ich habe dennoch Angst um meine Kinder. Ganz ehrlich. Trotzdem schicke ich sie in die Kita und die Schule. Allerdings werde ich den Krümel wahrscheinlich ab dem ersten positiven Fall in unserer Kita wieder zuhause betreuen. Bei der Mausemaus … tja, keine Ahnung, was ich da mache, denn die Entscheidung liegt gar nicht bei mir. In NRW gilt die Präsenzpflicht. Man kann Kinder nicht einfach zuhause lassen, nur weil man Angst vor einer Corona-Infektion, Angst um ihr Leben hat. Man muss sie dennoch schicken. Eigentlich.

Eine Freundin von mir sagt dazu nein. Sie schickt ihren schulpflichtigen Sohn NICHT in die Schule. Zum einen, weil er selbst große Angst vor den Tests hat und sich körperlich dagegen wehrt. Zum anderen, weil die hoffentlich bald mögliche Impfung von Kindern unter 12 ihn davon befreien und gleichzeitig den Eltern die Angst um die Gesundheit ihres Kindes nehmen würde. Es geht nur um ein paar Wochen. Ein paar Wochen, in denen die Mutter ihr Erstklässler zuhause unterrichten möchte, so wie wir alles es im letzten Jahr MONATELANG gemacht haben. Nun droht ihr, einer fast fertig studierten Medizinerin im 10. Semester, eine hohe Geldbuße – ja, sogar mit Haftstrafe wird der Familie gedroht. Der Kölner Express hat bereits darüber berichtet. Den Artikel könnt ihr hier lesen.

Und weil es so ein spannendes Thema ist, habe ich den Bericht auf Instagram geteilt und Leser*innen-Fragen dazu eingesammelt, die meine Freundin nun beantwortet. Denn: Wir alle können unterschiedlicher Meinung sein, unterschiedlich mit der aktuellen Situation umgehen, unterschiedlich große Angst haben und unterschiedliche Möglichkeiten (nicht jeder kann und darf schließlich überhaupt noch mit Kind zuhause bleiben) haben, darauf zu reagieren. Aber: Wir können uns dennoch austauschen, miteinander über unsere jeweiligen Ansichten reden, sogar mal die Perspektive wechseln und vor allem einander verständnisvoll an der Hand nehmen. Denn egal wo wir gerade stehen – wir sitzen doch immer noch zusammen in einem Boot; als Eltern, die sich um die eigenen Kinder sorgen.

Corona Streit: Fragen an und Antworten von einer Mutter, die gerade „in den Krieg zieht“

1. Ganz kurz, ohne um den heißen Brei zu reden: Warum machst du bzw. warum macht ihr als Familie das? Wovor hast du solche Angst?

Tatsächlich kommen bei uns mehrere Faktoren zusammen und wir haben es uns auch nicht leicht gemacht mit der Entscheidung. Am Ende blieb für uns persönlich aber gar keine andere Option. Zuallererst: Unser Großer legt tatsächlich sehr! großen Widerstand an den Tag, wenn man ihm mit einem Teststäbchen zu Leibe rücken will. Man muss ihn tatsächlich fixieren und mit Gewalt das Stäbchen in Mund oder Nase führen. Ganz anders als Kind 2, die da maximal kurz die Nase krauszieht. Jedes Kind ist anders und für unseren Sohn würde der Schulbesuch was das betrifft bedeuten: Stress und mindestens 2x die Woche ein Drama. Das klingt wie eine Lappalie, aber Eltern, deren Kind ähnliche Probleme hat, verstehen was ich meine. Das (eigentliche) Recht, die Tests zu verweigern, gibt es nicht umsonst.

Sehr viel mehr Eltern geht es, wie uns, um einen weiteren Grund: Wir haben schlicht etwas dagegen, dass sich unsere Kinder mit SARS-CoV 2 infizieren und erkranken. Denn neben unserem Erstklässler haben wir noch die Fünfjährige und den Babybruder, die sich sofort bei ihm anstecken würden. Klar ist: Kinder können schwer erkranken; wir sehen mit Delta ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe. Da helfen auch die Daten der derzeitigen Studien nicht, weil diese die aktuelle Situation aus mehreren Gründen gar nicht widerspiegeln können. Andere Grundsituation, andere Virusvarianten und das Präventionsparadoxon, das gerade auch sehr viele „Mediziner“ und Politiker allzu gern ignorieren. Real Life Daten zeigen: schwere Verläufe gibt es, nicht nur bei „Vorerkrankten“. Und vor allem Long/Post Covid, die auch nach stummen bzw. leichten Verläufen auftreten. Lediglich die genaue Anzahl Kinder lässt sich noch nicht genau bestimmen. Aktuell schwanken die Daten zwischen ca.- 1-14%. Verglichen mit anderen Infektionskrankheiten bei Kindern ist Covid eine eher schwere Krankheit. Welche Spätfolgen auftreten, werden wir erst in einigen Jahren wissen. COVID ist eine Multisystemerkrankung, der Virus macht es sich neben Blutgefäßen und anderen Organen auch im Gehirn gemütlich und richtet dort Schäden an. Das bringt sehr viel „Potential“ mit sich. Man denke da zum Beispiel an die Masernenzephalopahtie (schwere Erkrankung des Gehirns), die nach Jahren auftritt. Oder HPV – ein Virus der zu Krebs führen kann.

Das vor dem Hintergrund einer baldigen Impfung und der Möglichkeit, unseren Sohn zuhause betreuen und beschulen zu können – für uns lag klar auf der Hand, dass wir es uns nie verzeihen könnten, unser Kind nicht geschützt zu haben. Gesundheitsschutz überwiegt bei uns klar den „Vorteilen“ des Schulbesuches in den nächsten paar Wochen.

2. Hat dein Kind eine Vorerkrankung und fällt daher in eine Risiko-Gruppe?

Nein, keines unserer Kinder hat eine bekannte Vorerkrankung. Dass schützt weder vor Infektionen, noch vor schweren oder langfristigen Verläufen. Und gern wird vergessen: Ein hoher Anteil der Bevölkerung weiß nichts von seinen Vorerkrankungen.

3. Gab es an eurer Schule schon einen Corona-Fall?

Ja, mehrere. Wobei sich auch alle einig sind: Kinder werden sich ohne Impfung in den kommenden Monaten infizieren. Die nächste Welle rauscht durch die Ungeimpfen. Das leugnet niemand. Das zu verhindern ist auch gar nicht das Ziel der aktuellen Politik.

4. Wie geht die Schule mit der Situation um? Mit Corona und auch mit euch als Familie, die ihr Kind nicht zur Schule schickt?

Es gibt Schulleitungen, die sagen: Ich würde mein Kind auch für eine Weile zuhause unterrichten. Wir freuen uns auf Ihr Kind, wenn es kommt. Bis dahin: Da habt ihr Material. Und es gibt Schulleitungen mit anderer persönlicher Meinung. Vor allem aber sind es vielmehr die Schulämter, Kultusministerien und diverse Politiker, die sich gern sehr große Scheuklappen aufziehen und an ihrem „Schule ist sicher“-Mantra festhalten. Dass auch die Frage der Rechtmäßigkeit der Präsenzpflicht in einer Pandemie unter den Teppich gekehrt wird, ist eine Frage der Politik. Daher ist es wichtig, den Finger in diese Wunden zu legen und sich nicht auf einzelne Schulen einzuschießen.

Aktuell ist es so: Es herrscht extrem viel Willkür, was die Handlungsweise der Ämter und Ministerien betrifft – bei fehlendem geltenden Recht. Recht haben bedeutet auch nicht, Recht zu bekommen. Daher werden wir als Eltern kriminalisiert, weil wir unser Kind für eine kurze Zeit zuhause unterrichten. In einer Pandemie. Nachdem es im letzten Jahr Betretungsverbote in Schulen und Kitas gab. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

5. Kennst du persönlich Kinder, die schon an Covid19 erkrankt sind? Wie waren die Verläufe?

Ja, und seit wir uns Stück für Stück öffentlich zu erkennen geben, melden sich auch immer mehr Eltern bei mir. Vor allem diejenigen, die uns bestärken und ihre Geschichten erzählen. Das ist teilweise sehr unschön. Tatsächlich ist es aber wurscht, ob im eigenen kleinen Dunstkreis Kinder mit schweren oder langen Verläufen sind. Denn das ist statistisch gesehen nicht sonderlich repräsentativ. Wichtig ist: Die Inzidenzen zeigen klar, dass der Virus durch die Kinder rauscht. Auch wenn die Politiker das gern vertuschen, indem z.B. plötzlich Prozentwerte angegeben werden. „0,14% der Kinder haben sich in der letzten Woche angesteckt“, klingt besser als eine Inzidenz von 140 oder?

6. Wie sieht es dein Kind? Vermisst es nicht seine Freunde?

Wir sprechen seit Beginn der Pandemie mit unseren Kindern über die Situation. Wir alle vermissen unsere Freunde. Wir alle möchten gern wieder mehr Leichtigkeit. Das ist dem Virus aber herzlich egal. Man muss ganz klar sagen: Nur weil die Menschen (Politiker eingeschlossen) keinen Bock mehr haben, hört die Pandemie nicht einfach auf. Im Gegenteil. Jetzt kommt aber etwas, dass für unsere Entscheidung ganz wichtig war: Unsere Kinder haben sich nicht verändert. Weder in Richtung sozialer Rückzug, noch Wut, Trauer, Aggressivität, Verlust an Phantasie oder sonst etwas. Die zwei Großen sind altersmäßig sehr nah aneinander und spielen auf einem Niveau. Rollenspiele, Pupswitze – ihr kennt das. Finden beide gut, und es wird ihnen auch nicht langweilig miteinander. Von normaler Langeweile und „was guckst du so blöd“ abgesehen natürlich.

Wer am meisten seine liebsten Menschen vermisst, dass bin ich. Wer am meisten am „es sind schon ziemlich lange alle zuhause“ leidet, dass bin ich.

Weiterer Punkt: Es geht um Schule. Es geht um die nächsten paar Wochen. Das Argument: Aber die soziale Teilhabe!!! ist Augenwischerei was unseren Fall betrifft. Das Kind lernt die ersten Zahlen und Buchstaben nicht zusammen in einem Raum mit 28 anderen Kindern. Wir sperren es aber weder in den Keller, noch braucht es Präsenzunterricht, um Kontakt zu Freunden zu haben. Fun-Fakt: Deutschland ist fast das einzige Land weltweit, bei dem Homeschooling keine normale Schulform ist. Ein Thema für sich, das aber auch eine große Rolle spielt. Dennoch: Klar, wir möchten unser Kind auch am liebsten in die Schule bringen. Und das werden wir auch bald. Nur eben nicht jetzt unter diesen Umständen.

7. Da du selbst Medizinerin bzw. im 10. Semester UND Mutter bist: Wie sicher wird die Impfung deiner Meinung nach für Kinder sein?

Meine Meinung, als es die ersten Berichte über einen nahenden Impfstoff gab: Ne, ne, ne. Lass mal. Dann habe ich mich intensiv (auch beruflich) mit der Impfstoffforschung- und Entwicklung auseinandergesetzt. Und ich bin ein absoluter Fan der evidenzbasierten Medizin. Jetzt sage ich: Diese Impfstoffe sind die bestuntersuchtesten in der Geschichte der Impfstoffentwicklung. Es gibt zahlreiche Medikamente und Impfstoffe, die seit Jahrzenten zugelassen sind und zu denen es nicht im Ansatz so viele Daten gibt. Wir wissen, wie Impfstoffe allgemein funktionieren. Wir wissen, wie diese speziellen Impfstoffe funktionieren. Wir haben massiv Daten. Und alles spricht die gleiche Sprache: Besser geht es nicht. Meine klare Antwort: So sicher wie ein Impfstoff nur sein kann. Und VIEL! sicherer, als eine Infektion.

8. Käme für dich eine vorgezogene Off-Label-Impfung infrage?

Off-Label bedeutet ja: Die Anwendung eines Medikaments oder Impfstoffes außerhalb der Zulassung. Das wird täglich angewendet und ist in dem Sinne nichts Besonderes. In diesem Fall: Die EMA, also die Europäische Zulassungsbehörde, hat noch keine Zulassung für Kinder unter 12 erteilt. Es ist dennoch erlaubt, bereits jetzt schon Kinder unter 12 Jahre zu impfen. Der Unterschied: Statt dem Staat/dem Hersteller haftet der Arzt.

Ja, wir haben auch eine Off-Label Impfung in Betracht gezogen, da ich wusste, dass die Studien schon fast abgeschlossen waren und alles sehr gut aussah. Auch die Dosis war in Fachkreisen schon bekannt. Wegen der Haftung wollte unser Kinderarzt aber nicht impfen, sondern erst wenn die Zulassung da ist. Und da sich zeigte, dass die Ergebnisse der Studien für 5- bis 12-Jährige doch schon Ende September zu erwarten sind und in diesen Tagen die Zulassung beantragt wird, haben wir uns entschieden, jetzt doch darauf zu warten.

9. Hast du Angst, den Rechtsstreit zu verlieren?

Jein. Ich sollte keine Angst haben. Weil nicht wir diejenigen sind, die etwas Unrechtes tun. Weil es nicht strafbar sein darf, dass man sich gegen die Infektion und für die Impfung entscheidet. Jeder darf sich ja auch umgekehrt gegen eine Impfung entscheiden, ohne dafür horrende Zwangsgelder zahlen oder in Beugehaft zu müssen. Wir haben das Recht auf Unversehrtheit. Und es ist diplomatisch gesagt ungeklärt, ob eine Präsenzpflicht überhaupt rechtlich haltbar ist unter diesen Umständen. Der Staat kommt mit den „Schutzmaßnahmen“ an den Schulen nicht der Pflicht des Gesundheitsschutzes nach. Jede seriöse wissenschaftliche Prüfung zeigt das. Ich denke, dass Aerosole nicht 5 cm neben uns stehen bleiben, wissen wir nun alle. Um nur eines zu nennen. Die „Studie“ der KMK ist auch so eine nebulöse Geschichte. Und die „Expertengruppen“ auf die sich berufen wird, sind nett gesagt einschlägig einseitig. Dass vor dem Hintergrund, dass wir im letzten Jahr massive Kollateralschäden in Kauf genommen haben, um Menschen vor dem Virus zu schützen. Zu diesem Zweck wurde weitreichend in die Rechte der Menschen eingegriffen, Verbote ausgesprochen, wirtschaftlich massiver Schaden hingenommen. Weil es notwendig war. Aber umgekehrt werden einzelne Eltern kriminalisiert, weil sie ihr eigenes Kind weiterhin schützen wollen. Die letzten, wenigen Wochen bis zu Impfung. Auf welcher rechtlichen Grundlage? Mit welcher Verhältnismäßigkeit? Das Recht auf Bildung kann da schlicht nicht das Recht auf Unversehrtheit ausstechen. Dann auch noch vor dem Hintergrund, dass dieses Recht schon seit vielen Jahren mit Füßen getreten wird und im letzten Jahr kaum eine Rolle gespielt hat. Und vor allem muss man klar unterscheiden zwischen dem Recht auf Bildung und der „Schulgebäudeanwesenheitspflicht“.

Menschen dürfen unter Quarantäne gestellt werden, damit andere vor ihnen und der Infektion geschützt werden. Aber selbst darf das Kind nicht zuhause bleiben, um sich vor einer Infektion zu schützen? Das ist dann strafbar?

Das alles muss jedoch aufwändig und mühsam gerichtlich geklärt werden. Statt dass der Staat hier in die Beweispflicht genommen wird, dass Präsenzpflicht rechtmäßig ist, müssen wir in Einzelverfahren und durch die verschiedenen Instanzen hindurch das Gegenteil beweisen. Eigentlich irre. Die Realität ist aber: Politik und Ämter stehen hier im engen Schulterschluss und es wird enormer Druck auf Eltern ausgeübt. Ich kenne viele, die an dem Punkt, an dem wir nun stehen, einknicken. Und ich kann es verstehen. Es ist desillusionierend zu spüren, dass man Recht hat, aber nicht Recht bekommt, sondern hart dafür kämpfen muss. Und das macht Angst.

10. Woher nimmst du die Kraft für diesen Kampf?

Keine Ahnung. Ich bin keine Heldin. Es ist hart. Es ist erschreckend und erschöpfend. Aber es gibt für uns auch schlicht keine Alternative. Es geht um unsere Kinder und um unsere Grundrechte. Ich vernetze mich gerade mit Menschen, die wie wir kämpfen. Das ist ganz schön fordernd, mir schwirrt spätestens mittags schon der Kopf und ich schlafe sehr schlecht. Ich halte durch, weil ich muss. Ich habe auch selbst überlegt, was mich vielleicht von anderen unterscheidet. Vielleicht ist es das Fünkchen mehr Dickköpfigkeit und meine Eigenschaft, Ungerechtigkeiten einfach nicht auszuhalten. Ich bin eigentlich ein Schisser. In den letzten Jahren passiert mir aber immer wieder folgendes: Ich springe über meinen Schatten aus einem mir unverständlichen Impuls heraus und denke mir im Sprung selbst dann: „Bist du verrückt geworden???“. Aber ich sage mir: Verrückten Frauen haben wir das Wahlrecht zu verdanken. Und so ziemlich jeden wissenschaftlichen Durchbruch.

Trotzdem: Wir als Familie schaffen das nicht allein. Vor allem nicht, wenn wir nicht nur unser eigenes kleines Recht durchsetzen, sondern wenn wir danach der Präsenzpflicht zu Leibe rücken. Damit alle Familien die Wahl haben. Dafür brauchen wir einen super-kompetenten Anwalt und die Finanzierung. Das können wir allein nicht stemmen. Und den Rückhalt … laut und unüberhörbar.

Nachtrag: Nachdem tatsächlich einige Anfragen kamen, WIE man die Familie denn nun unterstützen könnte, wurde etwas überlegt und letztendlich ein Paypal-Konto für Spenden eingerichtet. Dazu tritt die Familie natürlich auch raus aus der Anonymität. <3

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Beitrag teilt. :-*

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6 Kommentare für “Corona Streit in Köln

  1. In Niedersachsen war letztes Schuljahr lange Zeit die Präsenzpflicht aufgehoben. Das war zugegebenermaßen für die Lehrer gar nicht so einfach, weil sie auf einmal drei verschiedene Gruppen in den Klassen hatten – zwei im Wechselmodell und die dritte im kompletten homeschooling – und alle mussten individuell betreut werden. Es ist schon paradox, dass dies nun im neuen Schuljahr mit der gefährlicheren Variante nicht mehr gilt. Es ist traurig, dass die Kleinsten gesamtgesellschaftlich so im Stich gelassen werden und toll, dass ihr dem ganzen eine Stimme gebt. Ich glaube, dass an der Stelle die staatliche Fürsorgepflicht verletzt wird, weil es eigentlich überall bessere Schutzmaßnahmen gibt als in den Einrichtungen für unsere Kinder. In jedem Parlament sind Filteranlagen verbaut und mobile Trennwände verfügbar. In Kitas und Schulen? Ach nicht so wichtig, oder? Warum nur? Nur weil sich die „Schäden“ dort finanziell nicht sofort sicher bestimmen lassen? Außerdem fehlt immer noch, dass es echte gute digitale Möglichkeiten gibt. Gebe es diese wirklich, könnte euer Sohn ja ggf. in Echtzeit von Zuhause teilnehmen. Sodass man Kompromisse finden könnte für Eltern, die die Kinder zuhause lassen möchten. In der Geburtstagsmaussendung wurde ein Roboter gezeigt, der für ein krankes Kind im Unterricht sitzt und in Echtzeit alles nach Hause überträgt. Selbst das ist bestimmt günstiger als 10% Long COVID bei Kindern oder monatelangen Schulschließungen mit all ihren langfristigen Folgen. Will sagen: irgendwie wurde alles versäumt und vergeigt, was eine Lösung hätte bringen können oder einer schützenden Fürsorgepflicht auch nur im Ansatz nahe gekommen wäre. Niedersachsen bekommt es aus „logistischen und Kapazitätsgrenzen Gründen“ noch nicht mal hin genauere gepoolte PCR Tests anzubieten. Woanders gehts – zB in Bremen. Und das nach der langen Zeit. Was haben die Kultusminister denn die ganze Zeit gemacht außer festzustellen, dass ups auf einmal mal wieder die Sommerferien vorbei sind?
    Völlig überraschend. Also, Ich wünsche euch von Herzen viel Erfolg. Dieser Grundsatzkampf ist wichtig – auch wenn alle Eltern individuell entscheiden sollten, möchte ich, dass die Politik mehr wert auf Kinder legt und die Schwierigkeiten löst!

  2. Danke für dieses Interview. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass man sich 2x Wöchentlich nicht über des Kinderwilles hinwegsetzten möchte. Ginge mir genauso, besonders beim älteren Kind, welches sehr sensibel reagiert und teilweise Panisch reagiert. Alles gute für die Familie.🍀

  3. Danke für das Interview! Endlich mal eine Stimme, die es genauso sieht wie wir. Nachdem wir uns alle durch die letzten 1,5 Jahre, ich sage jetzt mal gequält haben, soll ich meine Kinder nun der Durchseuchung mit der viel gefährlicheren Variante feilgeben, weil gerade Wahlen anstehen und keiner mehr Lust auf den Virus hat???? Ich bin einfach nur sprachlos wie sehr Familien schon wieder im Stich gelassen werden.
    Anke, kannst du vielleicht noch teilen, wie man die Familie in ihrem Kampf unterstützen kann?