Sonderausgabe
Corona

Persönliche Corona-Updates aus aller Welt: Sonderausgabe Peru

Zum ersten Mal, seit ich die persönlichen Corona-Updates aus aller Welt veröffentliche, gibt es eine Sonderausgabe. Weil Johanna aus Peru ihr Update so sehr unter den Nägeln brannte, dass es “außer der Reihe” aus ihr raus und zu mir musste und ich es nun nicht erst lange in einer Schublade parken möchte. In Peru ist die Lage nämlich schlimm. Sehr schlimm sogar. Und ich hatte keine Ahnung, weil ich bisher einfach nichts darüber gelesen oder gehört habe. Vermutlich geht es sehr vielen so, deshalb bin ich froh und dankbar, dass Johanna nun im Update-Team ist und wir so von nun an auch persönliche Infos aus diesem Teil der Welt erhalten. <3

Sonderausgabe: Persönliches Corona-Update aus Peru

Hi, ich bin Johanna. Ich wohne zusammen mit meinem Sohn (9) in Lima (Peru).

Hier in Peru hat uns Corona ziemlich schlimm erwischt. Alles begann hier Mitte März. Am 15.03.20 wurden die Grenzen geschlossen, der internationale Flugverkehr ist bis heute eingestellt.

Auch die Schule, die gerade erst vor 3 Tagen begonnen hatte (hier geht das Schuljahr von März-Dezember), wurde wieder geschlossen (bis Ende des Jahres). Seitdem gilt auch die Quarantäne. Hier in Lima seit dem 01.08.20 nicht mehr (außer am Sonntag), in einigen Gegenden in Peru, die besonders schlimm betroffen sind, gilt sie bis heute.

Heute (16.08.20) gibt es 525.803 (davon 6.000 Kinder) Covid Fälle in Peru. Obwohl der Präsident sehr früh reagiert und die Grenzen geschlossen hat, als es gerade mal 70 Fälle gab, steht Peru heute an 6er Stelle der weltweit meisten Covid Fälle. Jetzt, während der Pandemie, bekommen wir noch einmal deutlich gezeigt, dass wir in einem Entwicklungsland leben. Das Gesundheitssystem ist längst zusammengebrochen, es gibt keine Intensivbetten für so viele Infizierte. Die Leute sterben während sie auf Sauerstoff oder ein Intensivbett warten … auf dem Stuhl im Krankenhaus, im Taxi vor dem Krankenhaus oder zu Hause. Für Medikamente werden in manchen Krankenhäusern unmöglich hohe Preise verlangt. Eine Sauerstoffflasche kostet über 1.000 Euro, dazu kommt dann noch die teure Füllung, für die man auch stundenlang anstehen muss.

Und dennoch sind die Straßen und Märkte und Busse voll. Viele arme Menschen haben gar keine andere Möglichkeit, als wieder rauszugehen und zu arbeiten, denn viele leben hier nur von dem, was sie am Tag verdienen. Dazu kommen dann noch die Leute, die es einfach nicht einsehen wollen und sich über die Ausgangsperren (22.00 bis 04.00 Uhr jeden Tag und sonntags den ganzen Tag) hinwegsetzen und fröhlich ohne Maske in Räumen ohne Fenstern feiern… Die Polizei kontrolliert hier nachts und hat schon so manchen Geburtstag, Babyshower oder Party gestürmt…

Corona hat unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt und unser soziales Leben komplett eingestellt. Mein einziger menschlicher Kontakt besteht aus meiner Nachbarin/Freundin, die zum Glück ein fast gleichaltriges Kind hat, mit dem mein Sohn spielen darf. Ich versuche so wenig wie möglich raus zugehen und vor allem geschlossene Gebäude und Menschenmengen zu vermeiden. Die Male, die mein Sohn seit März draußen war, kann man an einer Hand abzählen (Kinder dürfen erst seit Mai wieder raus, 30 min. 500 m Radius). Es ist schwer vorstellbar, dass wir das ganze Jahr in der Wohnung verbringen müssen und niemanden treffen können und quasi das ganze Jahr nur zu Zweit verbringen. Kein Urlaub, keine Ausflüge, keine Shoppingtouren, keine Playdates … stattdessen Frust und Langeweile und Stunden am Tablet oder am Fernseher.

Aber ich bin auch dankbar, dafür, dass ich gesund bin und das ich in der Position bin, als Übersetzerin ohnehin im Home Office zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Eine Rückkehr nach Deutschland mit einem der humanitären Flüge, kam für mich aus verschiedenen Gründen (noch) nicht in Frage.

Vielen Dank an alle die meinen Bericht gelesen haben, bleibt alle gesund!

Johanna

 

PS: Wer auch gerne mal bei den Corona-Updates aus aller Welt mitmachen möchte, weil er oder sie NICHT in Deutschland lebt und gerne einen Einblick in die jeweilige Situation geben möchte, schreibt mir einfach eine Mail an hallo@laecheln-und-winken.com. Ich melde mich dann mit mehr Infos und vor allem dem nächsten Abgabe-Termin. :-*

PPS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Text teilt! :-*

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