Corona-Update
Corona

7 persönliche Corona-Updates aus aller Welt – Teil 9

Mittlerweile nur noch alle vier Wochen geben „LÄCHELN UND WINKEN-Korrespondenten“ aus den verschiedensten Ländern Corona-Updates zur aktuellen Corona-Virus-Lage in ihrem Zuhause – unter welchen Beschränkungen sie gerade leben, wie sie damit klarkommen, welche Auswirkungen das alles auf sie hat und wie sie sich fühlen. Es ist ihnen überlassen, was genau sie erzählen möchten; sie gewähren uns einfach einen ganz persönlichen kleinen Einblick in ihre aktuelle Situation während der Corona-Krise. Es geht nicht um Politik oder Zahlen … es geht rein um Familien.

Aktuell sind es nicht ganz so viele Teilnehmer, die regelmäßig ein Update schicken, denn in vielen Ländern und Regionen “wirkt” alles so, als wäre der Virus komplett besiegt – es herrscht schon fast wieder Normalität, die von den Menschen natürlich genossen wird. Und doch fürchten einige (mich übrigens eingeschlossen), dass es nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm bzw. der nächsten Welle ist.

Mit dabei sind – je nachdem wie sie es zeitlich schaffen oder was es zu erzählen gibt – Eltern bzw. Mütter aus folgenden Ländern:

  1. Norwegen
  2. Schweiz
  3. Formentera
  4. Dänemark
  5. Niederlande
  6. England
  7. Deutschland
  8. Österreich
  9. Portugal
  10. Shanghai/China
  11. LA / USA
  12. Texas / USA
  13. Kalifornien / USA
  14. NY / USA
  15. Moskau /Russland
  16. Spanien
  17. Stockholm/Schweden
  18. Transsilvanien/Rumänien
  19. Italien
  20. Belgien
  21. Brasilien
  22. Singapur
  23. Island
  24. Südafrika
  25. Australien

Vielleicht melden sich nicht alle jede Woche, aber doch so oft es ihnen (trotz Kinder, Arbeit, Krankheit, Krisen und Hüttenkoller) möglich ist. Und ich bin dankbar FÜR und gespannt AUF jeden dieser Einblicke!

Corona-Updates in Video-Form:

Mit dabei ist diesmal Gina aus Südafrika.

Corona-Updates in Text-Form:

Mit dabei sind diesmal Naddel aus Brasilien, Julia aus LA / USA, Rike aus Australien, Doris aus Russland, Charlotte aus Kalifornien und Anke aus Deutschland.

Brasilien

Hier ist die Naddel von der Insel in Brasilien.
Ich denke, was die Zahlen und unseren idiotischen Präsidenten betrifft, seid ihr durch die Medien im Bilde.

Unsere Stadt war für 5 Tage frei von aktiven Fällen, leider hat das Vorverlegen eines Feiertages in den Mai nichts gebracht und die Brasilianer haben große Parties geschmissen, etwas versteckt, aber trotzdem riesige Ansammlungen ohne Masken…
Nun haben wir 15 aktive Fälle und 30, die aufs Ergebnis warten. Zu dem wissen wir bei diesen Fällen leider nicht, wo die sich angesteckt haben, bei allen vorher war das bekannt.
Schulen waren ja die ganze Zeit zu, aber die Restaurants sind wieder auf, Lieferservice runtergeschraubt, die durften zwischenzeitlich wieder 50% reinlassen und die nicht systemrelevanten Läden dürfen nur 8 bis 14 Uhr öffnen.
Ich war einmal mit Freunden essen, da lief alles super korrekt und das hat echt die Laune für mehrere Tage gehoben. Naja, nun eben wieder nicht mehr.
So langsam kriegt meine 4jahrige auch einen Lagerkoller, die will einkaufen, Leute besuchen und spielen gehen.
Meine Große wird in 4 Wochen 12 und bis dahin wird sich wohl nix großartig verbessert haben, also keine Gäste, da meine Freundin, mit der ich die ganze Zeit Kontakt hatte, spontan nach Deutschland fliegen musste.
Tja, nicht zu ändern…
Aber die online Schule läuft echt super, das bringt wenigstens etwas Struktur in unseren Tag.
Die Show, die unser Präsident allerdings gerade abzieht, mit seiner angeblichen Corona Infektion und das ihm ja das Malaria Medikament so toll hilft, macht mir allerdings schon etwas Sorgen.
Nun ja, wir lassen uns nicht unterkriegen und hoffen das Beste.

LA / USA

Hallo ihr Lieben,
unser Versuch, langsam zum normalen Leben zurückzukehren, ist zu einem abrupten Ende gelangt. Restaurants und Bars, Zoos, Museums etc. müssen alle wieder schließen. Intensivstation gepackt voll. R-Nummer rauf auf 1,20, jetzt langsam wieder runter. Und das alles innerhalb 2 Wochen. Die hatten es absolut in sich und ich fühle mich extrem demoralisiert und erschöpft. Nach über 3 Monaten Quarantäne hatten wir zumindest ein Gefühl der Sicherheit und des Langsam-in-die-Normalität-Zurückkehrens, aber das war offenbar trügerisch. Warum sind unsere Zahlen so in die Höhe geschnellt? Alle fragen sich das, klare Antworten gibt es nicht. Die Black Lives Matter-Demonstrationen? Parties? An den Strand gehen? Ist das Ansteckungsrisiko draußen nicht viel geringer als drinnen? Fest steht, dass viele hier extrem lax mit Social Distancing und Masken umgehen. Wenn ich spazieren gehe, hat fast niemand eine Maske dabei, noch weniger an. Leute haben wieder Parties am Wochenende – an einem Samstag bin ich bei meinem Spaziergang durch die Nachbarschaft an nicht weniger als 4 Parties vorbeigegangen, und unsere Nachbarschaft ist klein. Laute Musik, viele Leute gepackt im Garten. Maskentragen ist ein Ausdruck deiner politischen Einstellung – unglaublich.
Nach wie vor haben wir nur minimalen Kontakt zu Freunden, hauptsächlich zur Familie des besten Freundes unseres Sohnes. Die haben sich entschlossen, so ziemlich zum normalen Leben zurückzukehren, was uns große Kopfschmerzen bereitet. Ich kann mein nicht mal 9jähriges Kind doch nicht noch länger vor Sozialkontakten abschneiden, durch einen einsamen, heißen Sommer hindurch, in dem man praktisch nichts machen kann als Computer spielen und lesen…

Dass unsere Schulen Mitte August wieder aufmachen, ist für uns im Augenblick unvorstellbar. Ich gehe davon aus, dass es online mit Distance Learning weitergehen wird. Ich erwarte ehrlich gesagt gar keine physische Schule vor Weihnachten.
Ich hoffe, von Euch anderen zu hören, wie ihr mental/emotional mit eurer jeweiligen Situation klarkommt. Ich wäre gerade so gern in Deutschland bei meinen Eltern und meinem Bruder samt Kids. Möchte mich mal wieder frei bewegen und das Gefühl haben, nicht nur von Ignoranten umgeben zu sein…

Liebe Grüße aus dem heißen LA,
Julia

Australien

G‘Day Mates, ich bin Rike und wohne mit meinem Mann und meinen beiden Kindern in Sydney/Australien.

Bei den letzten Updates habe ich noch ganz spöttisch gesagt, wer weiß, was ich in 4 Wochen noch berichten kann. Die Fallzahlen sind niedrig und wir merken nichts mehr davon. Tja, Pustekuchen. Diese Woche wurde die Grenze zu Victoria geschlossen, weil es dort in 24 Stunden knapp 200 neue Fälle gab. Zwar hat man das Epizentrum recht schnell lokalisiert, aber bis dahin waren schon mehrere positive Menschen durch Australien unterwegs. Und auch hier in Sydney. Das bedeutet, dass wir in Australien die 9.000 Fälle-Marke geknackt haben. Davon sind noch knapp 1.300 aktiv.

Dahingegen hat Queensland die Grenzen wieder geöffnet und macht dick Werbung im Fernsehen, dass man doch seine Termferien dort verbringen soll.

Das macht mich jetzt alles gerade ganz kirre im Kopf. Ich versuche da noch irgendwie hinterher zu kommen, schließlich haben wir auch noch ein paar Tagesausflüge auf unserer Liste für die nächste Woche stehen, aber ich schaff es einfach nicht.

Und wenn man so in die Welt schaut, dann sind doch 200 Neuansteckungen in 24 Stunden nicht viel?! Aber die Politik schließt mal eben einen Bundesstaat. Und verhängt 6 Wochen Lockdown. Man darf das jetzt nicht falsch verstehen. Ich kann einfach meine Gedanken nicht ordnen. Uns ging es doch hier so gut. Erschreckend finde ich, dass so langsam immer klarer wird, was der erste Lockdown mit der Wirtschaft gemacht hat. Und was bei einem zweiten oder dritten passieren könnte. Und wie immer mehr Menschen berichten, welche Langzeitschäden durch die Krankheit bleiben können.

Ich habe ein bisschen Angst vor dem ganzen Frust, der sich jetzt immer klarer abzeichnet unter den Menschen. Aktuell versuche ich hier meine Fühler auszustrecken, ob ich hier auch Arbeit finden könnte. Ist das richtig? Was, wenn mir der Rassismus irgendwann entgegenschlägt? Immerhin bin ich jetzt die Ausländerin und wir sind ja auch aus Deutschland weg, weil uns gerade die politische Stimmung nicht mehr in Ruhe ließ.

Und was passiert eigentlich, wenn wir uns wirklich anstecken?

Ach herrje, Fragen über Fragen. Um das Ganze hier positiv abzuschließen, muss ich euch aber erzählen, dass dieses Update wirklich meine Gedanken sind. Unser Leben hier läuft, bis auf das Homeoffice, wieder ganz normal. Die Kids haben sich wieder sehr gut in der Schule eingefunden. Alle, die wir bis jetzt kennen gelernt haben, sind gut durch die Krise gekommen.

Wir müssen uns jetzt daran gewöhnen, dass wir von Tag zu Tag, bzw. Woche zu Woche nur noch planen können und nicht mehr so ganz arg im Voraus. Dann wird das schon. (Auch so ein Gedanke ;) ).

Passt auf euch auf! Stay Safe!

Russland

Hallo, ich bin Doris und lebe mit meiner Familie (Mann und 5-jährige Zwillinge) seit ca. 4 Jahren in Moskau.

Die Zahlen in Russland sind immer noch nicht toll. Mittlerweile gibt es über 700.000 Infizierte. Jeden Tag kommen um die 6.500 neue dazu, davon ca. 650 aus Moskau. Es hört sich schon mal um einiges besser an als noch vor ein paar Wochen, aber so richtig wohl fühle ich mich nicht. Zumal Masken tragen und Abstand halten auch immer weniger werden. Sicherheitsmaßnahmen sind also wirklich sehr runtergefahren und ich frage mich, wie es dann zu immer weniger Fällen kommen kann. Aber gut, man muss nicht alles verstehen und vielleicht haben wir hier einfach „Glück“.

Unser Leben ist fast wieder normal. Mein Mann geht ins Büro. Die Kinder gehen wieder in den Kindergarten. Wir unternehmen Wochenendausflüge und treffen uns mit Freunden. Wir waren sogar mal wieder in einem Restaurant (jedenfalls auf der Terrasse). Es scheint also alles weiterzugehen und dennoch ist alles noch so ein wenig merkwürdig. Ich persönlich und auch mein Mann, wir achten noch sehr darauf Maske zu tragen und halten auch die Kinder weiter dazu an, Abstand zu halten und Maske zu tragen. Ich hoffe, das hilft.

Ich muss sagen, wir hatten eine schöne Zeit als wir alle zu Hause waren. Ich habe es genossen, die Kinder hier zu haben und so viel mit ihnen machen zu können. Von meinem Mann hatten wir auch mehr als sonst, da er tagsüber immer mal wieder aus dem Home Office kam oder mal eine kurze Pause gemacht hat. Das war schon angenehm. Jetzt fühle ich mich fast schon ein wenig gestresst, weil wieder viel mehr geplant wird und die Kinder ständig fragen, wann sie sich mit ihren Freunden treffen dürfen oder wann wir wieder ins Trampolin-Center fahren oder was wir denn am Wochenende machen – denn nur zu Hause ist ja langweilig. Und auf einmal ist dieses Entspannte wieder weg und alles ist viel hektischer.

Wenigstens können wir so langsam planen, wann wir nach Deutschland zu unseren Familien fliegen. Wir gehen momentan davon aus, dass dies im August ohne größere Probleme möglich sein wird. Bleibt abzuwarten wie es dann mit Quarantäne sein wird, oder ob wir durch einen Test diese umgehen können. Das wird sich aber alles in den nächsten Wochen noch herausstellen.

Froh bin ich jedenfalls, dass meine Mädels wieder glücklich im Kindergarten sind, sie diese ganze Zeit zu Hause gut weggesteckt haben und es sogar genossen haben, dass sie so viel Mama und Papa Zeit hatten. Jetzt freuen sie sich auch darauf, bald wieder nach Deutschland fliegen zu können und Oma, Opa, Tanten, Onkel, Cousine wieder zu sehen.

Ich bin noch ein wenig pessimistisch und ich persönlich denke, die Sache ist noch lange nicht ausgestanden – aber ich hoffe, das Beste. Liebe Grüße aus Moskau!

Kalifornien / USA

Hi ich bin Charlotte aus Kalifornien.  Ich lebe mit meiner Familie in Cameron Park, Nord Kalifornien.

Schulmäßig befinden wir uns seit Ende Mai im summer break, heißt Sommerferien. Meine Kinder sind seit Mitte März zu Hause.
Wir haben es bis heute alles ganz gut überstanden und geschafft. Jetzt im Juni haben wir wirklich Ferien gemacht. Seit letzten Montag wiederhole ich manche Aufgabengebiete nochmals. Das heißt, wir machen vormittags wieder bissel Schule.  Der 11jährige kommt in die 6. Klasse und der 6jährige wird eingeschult. Wobei hier ja das letzte Kindergartenjahr wie 1. Klasse in Deutschland ist.
Ich denke, etwas Struktur ist ok.
Ein wenig panisch lässt mich der Gedanke werden, dass ggf. die Gefahr besteht, dass die Schulen nicht wie geplant am 12. August starten können. Es wird schon daran gearbeitet, dass sie entweder distance learning weiter machen oder halbierte Klassen auf einzelne Tage aufteilen. Definitiv wird es dann auch hier Maskenpflicht für Kids und Lehrer geben.

Mein Mann arbeitet, bis auf wenige Tage, durch seit dem Corona lockdown. Es gibt 8 neue Fälle bei ihm, in den letzten Tagen. Aber mit sehr strengen Auflagen darf weiter gearbeitet werden. Mal sehen wie lange.

Die Zahlen steigen täglich in Kalifornien. Wir sind jetzt wieder auf Platz 2 der US-Bundesstaaten. Was ja nicht verwunderlich ist bei der Bevölkerungsdichte.
In unserem privaten Umfeld bekommen wir allerdings fast nichts mit von Corona. Jeder ist und bleibt für sich.

Es gab einige Lockerungen, dass z.B. kleinere Geschäfte, Kinos, Restaurants, Bars und diverse Parks wieder geöffnet wurden. Allerdings immer mit Maskenpflicht. Was aber nun nach und nach alles wieder zurückgefahren wird aufgrund der steigenden Zahlen.

Ich denke, man kann es den Leuten nicht ganz verübeln. Sie wollen halt wieder Normalität haben. Ihr gewohntes Leben zurück. Und die Erkenntnis, dass das nicht geht, ist schon sehr frustrierend.

Zum Glück hat man viele Möglichkeiten hier zu flüchten … in die Natur, wo man einfach auf niemanden trifft. In so Ballungsräumen wie Los Angeles und San Francisco und der gesamten Bay-Area stelle ich mir das deutlich schwieriger vor.

Genervt bin ich von all den Einreise-Visa-Greencard-Einschränkungen, die aus Washington kommen.  Die aktuelle Tendenz zu den Wahlen lässt leicht hoffen.

Ich versuche, so gut es eben geht optimistisch zu bleiben.

Liebe Grüße aus Kalifornien,
Lotte

Deutschland

Es ist verrückt: Bis auf die Maskenpflicht in Geschäften, Bahnen, Restaurants usw. merkt man wirklich fast gar nichts mehr von der Corona-Virus-Pandemie. Die Menschen verhalten sich – zumindest hier in Köln – wieder beinahe komplett normal. Auf Abstand halten wird nur noch sehr begrenzt geachtet und das THEMA ist definitiv nicht mehr in aller Munde. Wenn ich das Gespräch doch mal darauf bringe, winken sehr viele direkt ab und schnauben: “Ach, ich habe keine Lust mehr, mich damit zu befassen.” Und ich kann das voll verstehen. Ich habe auch keine Lust mehr und bin absolut dankbar dafür, dass es uns aktuell so wahnsinnig gut geht. Dennoch habe ich großen Respekt vor dem, was vielleicht noch kommt. Wenn ich am Wochenende abends auf dem Balkon stehe und sehe, wie sich die Menschen auf der kleinen Partymeile in unserer Straße zusammendrängen und feiern, als wäre nie etwas gewesen, bekomme ich Angst, dass uns die ganze Nummer doch noch um die Ohren fliegt. In anderen Ländern passiert das schließlich bereits. Und achtsam oder vorsichtig sind wir gerade nun wirklich nicht. Puhhh, keine Ahnung … ich wünsche mir natürlich wie alle anderen, dass wir weiterhin Glück haben, dass uns die Warn-App vielleicht tatsächlich helfen kann, zukünftige Welle abzufedern oder dass es schlicht keine Welle mehr geben wird, bis der Impfstoff da ist. Aber Schiss habe ich trotzdem. Tja, hoffen wir einfach das Beste. Für uns alle. Nicht nur für Deutschland.

 

Ich danke euch allen, die ihr euch die Zeit genommen habt, mitzumachen und bin schon gespannt auf eure nächsten Corona-Updates!

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Text teilt! :-*

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