Corona-Virus
Corona

Keine Panik: (Kleiner) Corona-Leitfaden für Familien!

Ich möchte ehrlich sein: Ich finde es jeden Tag schwieriger, NICHT in Panik zu geraten, sondern einen kühlen Kopf zu behalten und mich sinnvoll zu informieren. Es ist alles zu viel. Zu viele News, zu viele Richtlinien, zu viel von allem. Dazu kommt das Gefühl des Kontrollverlusts, der Hilf- und Ratlosigkeit … zum Teil ganz profan, weil ich nicht so recht weiß, wie wir die nächsten fünf Wochen schaffen sollen, ohne regelmäßige Sozialkontakte und ordentlichen Auspower-Möglichkeiten für die Kids … zum Teil die viel Schwerwiegenderen Fragen, ob wir alle heil und gesund aus der Nummer rauskommen, welche Auswirkungen der Corona-Virus auf unsere Wirtschaft, ja, ganz schlicht auf unsere persönliche, finanzielle Lage hat. Und so geht es vielen. Nein, eigentlich den meisten. Das hier ist eine Sondersituation. Eine ziemlich krasse und beängstigende sogar. Klar, schlimmer geht immer. Aber für einige IST es schon schlimmer – auf ganz verschiedenen Ebenen.

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Was mich selbst besonders verunsichert ist die Flut an Informationen und Links und Fragen und Antworten, die ich kaum mehr erfassen kann. Und ICH bin seit 20 Jahren Redakteur, bin es also zumindest im normalen Rahmen gewohnt, zu recherchieren und die Spreu vom Weizen zu trennen. Trotzdem habe ich das Gefühl, etwas unterzugehen. Dazu bin ich natürlich weder Mediziner, noch Arbeitsrechtler und auch kein Therapeut. Viele Fragen KANN ich beim besten Willen nicht beantworten. Weder für mich, noch für meine Kinder. Also … habe ich mir Menschen gesucht, die das können – Ärzte und Fachleute, die Ahnung haben UND sich gerade täglich auf den neusten Stand bringen, die Zugriff auf Quellen haben, die ICH nicht habe. Mit ihnen zusammen habe ich die wichtigsten Fragen beantwortet sowie Informationen gefiltert und priorisiert, Links gesichtet und für uns zusammengestellt. Damit wir nicht mehr so arg rudern. Und etwas weniger in Sorgen versinken. Los geht’s:

Corona-Virus (COVID-19): Wie gefährlich ist der Virus nach aktuellem Stand für unsere Kinder und gesunde Erwachsene?

Ja, wir haben alle schon Antworten dazu gelesen und gehört. Vielleicht sogar genug. Fakt ist aber: Die wichtigsten Fakten zum neuen Corona-Virus und die damit verbundenen Gefahren für die unterschiedlichen, potenziellen Patienten-Gruppen, kann man aktuell nicht oft genug hören und lesen, um sie zu verinnerlichen und dadurch die Situation bestmöglich zu verstehen. Deshalb habe ich mich mit den ersten, großen Fragen an einen Arzt gewendet, den ich schon einige Zeit persönlich kenne und dem ich vertraue. Dr. Tobias Weigl praktiziert nicht nur im Krankenhaus, sondern hat es sich seit 2016 auch zur Aufgabe gemacht, der im Zuge der Digitalisierung zunehmenden Falschinformationen im Internets entgegenzuwirken, indem er sein medizinisches Wissen faktenbasiert auf YouTube und den begleitenden Social Media Kanälen vermittelt – und zwar medizinisch, verständlich, korrekt und unabhängig. Und genau so antwortet er jetzt auch hier:

Das Wichtigste in Kürze:

1. Wie ansteckend ist der Corona-Virus? Wie groß ist die Gefahr für Kinder?

Fachsprachlich weist man dem Virus eine hohe sogenannte Kontagiosität zu. Das bedeutet, dass er sehr übertragungsfähig oder auch ansteckungskräftig ist. Das hängt u. a. auch mit den möglichen Übertragungswegen zusammen. Hauptsächlich erfolgt die Übertragung über eine sogenannte Tröpfcheninfektion, wenn also Virus-haltige Tröpfchen (in der Luft durch bspw. Husten oder Niesen) die Schleimhäute unserer Atemwege erreichen. Darüber hinaus ist auch eine Schmierinfektion möglich (z. B. Hände, die den Erreger auf Mund- und Nasenschleimhäute sowie Augenbindehaut übertragen), allerdings ist dieser Übertragungsweg wahrscheinlich weniger relevant. Diskutiert wird auch eine Infektionsmöglichkeit über den Stuhl, da man in Proben Betroffener auch dort Corona-Viren finden konnte.

Die „Gefahr für Kinder“ ist aktuell (17.03.2020) noch nicht konkret abzuschätzen, allerdings wird aufgrund bisheriger Beobachtungen und Studien davon ausgegangen, dass die Krankheitsverläufe bei Kindern eher mild und unspezifisch ausfallen. Man muss aber betonen, dass diesbezüglich noch sehr wenige aussagekräftige Daten vorliegen.

2. Wer ist gefährdet, am Corona-Virus zu sterben?

In der Medizin spricht man in diesem Kontext von Personen bzw. Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Zunächst wären hier Personen im Alter von 50–60 Jahren aufwärts zu nennen. Das Immunsystem wird mit zunehmendem Alter stetig schwächer bzw. reagiert weniger gut, wodurch sie in Folge einer Infektion auch schwerer erkranken können. Die Immunantwort auf eine Infektion ist bspw. Fieber. Allerdings fällt diese unter Umständen in besagter Altersgruppe schwächer aus, wodurch Erkrankte dann auch erst später einen Arzt aufsuchen und sich entsprechend behandeln lassen.

Einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sind überdies Personen mit Vorerkrankungen ausgesetzt. Dazu zählen z. B. Personen mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes, Atemwegs-, Leber-, Nieren- oder auch Krebserkrankungen. Dies scheint auch unabhängig vom Alter das Risiko zu erhöhen. Eine Kombination der Faktoren Alter und Grunderkrankung ist entsprechend umso gefährlicher. Gerade „Herzkranke“ sind gefährdet, da das Herz und der damit involvierte gesamte Kreislauf bei der Infektion „stärker arbeiten“ müssen. Das ist fast gefährlicher als das Virus an sich.

Letztlich seien an dieser Stelle auch noch Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu nennen. Ein unterdrücktes Immunsystem, bspw. durch eine Erkrankung mit Immunschwäche oder eine Therapie, bei der das Immunsystem unterdrückt wird (z. B. Cortison-Gabe) führt zu einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

3. Warum müssen jetzt alle zuhause bleiben, für die es irgendwie möglich ist? Warum auch die, die nicht zur Risikogruppe zählen?

Das ist glaube ich ein Punkt, den viele Menschen „falsch“ verstehen. Hinter der Bitte, so viel wie möglich zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden, geht es nicht darum, das Individuum zu schützen. Es geht vielmehr darum, eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu unterbinden und somit auch die Gefahr für Risikogruppen zu reduzieren. Denn für anderweitig Gesunde stellt das Virus keine allzu große Gefahr dar – mehr als 80 % der Fälle einer Infektion mit dem neuartigen Virus verlaufen mild. Letzter Punkt dazu: Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten Millionen von uns infiziert sein werden. Das ist per se nicht schlimm aber wenn auch nur 1% davon schwere Verläufe bekommen, dann sind das bei z.B. 10 Millionen ca. 100.000. Und diese müssen dann (intensiv-)medizinisch versorgt werden. Und damit diese nicht Alle auf einmal „kommen“, ist es wichtig, die Infektionswelle zu strecken. Darum geht es – nicht mehr und nicht weniger!

Auch noch gut zu wissen: Aktuell sind vor allem Eltern dauerhaft verunsichert, weil Kinder ja nun im Prinzip von Oktober bis Ende April gefühlt durchgehend eine Rotznase haben, dank nerviger Kita-Infekte und einem Immunsystem, dass eben noch im Aufbau ist bzw. LERNT und daher schlicht alles mitnimmt, was es so kriegen kann. Der besondere Clou daran: Kinder teilen ziemlich gern ;) Und das bedeutet, auch wir Eltern haben viel öfter mal eine Erkältung, als andere Erwachsene. Gerade JETZT löst das schnell mal Panik aus! Ist es eine Erkältung, eine Grippe oder der Corona-Virus??? Der Spiegel hat dazu eine ganz wunderbare Grafik erstellt, die sich im Moment echt prima als Deko für den Kühlschrank eignet. Damit man nicht bei jedem Unwohlsein Angst bekommt und instinktiv einen Arzt aussuchen möchte: Spiegel-Grafik – Wie erkenne ich ob ich Corona habe!

Mehr Infos aus guten Quellen:

Mögliche Vorsorge-Maßnahmen: Können wir unsere Kinder und uns irgendwie vor einer Corona-Infektion schützen oder wenigstens irgendetwas vorbereiten?

Wenn es um die Gesundheit meiner Kinder geht, ist meine erste Ansprechpartnerin immer – auch wenn‘s sie vielleicht manchmal nervt ;) – meine Freundin Dr. Janina Fischer, weil sie nicht nur eine fantastische, sich stets informierende Kinderärztin, sondern auch eine Mama ist und deshalb all meine Sorgen versteht. Logischerweise war sie daher auch die richtige Wahl, meine Fragen zu möglichen Vorsorge-Maßnahmen in Sachen Corona zu beantworten:

Das Wichtigste in Kürze:

1. Wieso reicht es nicht, sich „kurz“ die Hände zu waschen? Wieso 20 Sekunden?

Grundsätzlich ist und bleibt das Allerwichtigsten das Händewaschen, wenn man nach Hause kommt. Wir sollen zwar alle zuhause bleiben, aber man geht ja mal einkaufen oder jemanden aus der Familie besuchen oder so. Dabei fasst man auch Türklinken oder ähnliches an. Also immer gut Händewaschen. Man kann mit kleinen Kindern dabei ein Lied singen, dass mindestens 20 Sekunden dauert, damit es lang genug ist ;-) (z. B. einmal “Hände waschen, Hände waschen muss ein jedes Kind” oder zweimal “Alle meine Entchen”).

Man sollte länger als 20 Sekunden Waschen, um erstens möglichst viel Virus runterzuschrubben und zweitens damit das Virus lange genug mit Seife in Kontakt kommt, um die Virus-Außenhülle zu zerstören und den Virus damit dauerhaft zu schädigen.

2. Hilft es, zuhause alles zu desinfizieren? Kinder stecken doch alles in den Mund!

Da Kinder meist gar nicht so stark erkranken wie die Erwachsenen, muss man nicht ständig desinfizieren oder gar Mundschutz tragen. Es ist noch nicht bewiesen, ob das Virus überhaupt noch ansteckend ist, das auf den Oberflächen haftet. Zwischen Eltern und Kindern würde eine Übertragung durch Tröpfchen passieren und nicht durch Oberflächen.

Die Kinder sind meist nur die Überträger und es soll mit der häuslichen Isolation die Verbreitung in der Bevölkerung eingedämmt werden.

3. Kann man das Immunsystem von Kindern (und Eltern) “pimpen”?

Das Immunsystem von Kindern ist für Corona eigentlich schon bestens geeignet (wenn man das so sagen kann ;) ) und muss zum Glück nicht durch irgendwelche Vitamintabletten gestärkt werden! Die Eltern dürfen gern auf Zitrone/Ingwertees oder Ananas (hat das Enzym Bromelain) zurückgreifen. Das kann alles die Immunabwehr im Speichel erhöhen. Ob es gegen Corona hilft, wissen wir natürlich nicht, aber schaden wird es auch nicht.

Was man aber für die Kinder tun kann, ist natürlich auf abwechslungsreiche Ernährung zu achten und wenn nicht schon geschehen, als Eltern unbedingt das Rauchen (vor allem in der Wohnung!) aufzuhören. Wir wissen nämlich aus Wuhan in China, dass das Rauchen das Corona-Virus verschlimmert, weil sich ja fast alles in der Lunge abspielt. Viel trinken ist natürlich auch immer gut!

4. Was gehört jetzt in jede Hausapotheke?

Vorbereiten sollte man sich auf das Ausbrechen des Corona-Virus beim Kind so, wie man sich für jeden Luftwegsinfekt oder die Grippe vorbereiten würde. Also es gehört ein Fieber/Schmerzmittel in die Hausapotheke (Paracetamol oder Ibuprofen) und etwas gegen Schnupfen und Husten. Da hat ja jede Familie meist das beste Rezept, was beim eigenen Kind hilft. Ob Meerwasserspray, Nasentropfen, ätherische Öle zum Einreiben oder Wickeln, mit oder ohne Hustensaft, alles darf so benutzt werden wie bei anderen Infekten. Wer für seine Kinder öfter mal was zum Inhalieren braucht, sollte auch das auffüllen. Manche Kinder haben ja häufiger obstruktive Bronchitis und sind an Salbutamol-Inhalationen gewöhnt. Bitte nicht einfach so mit Kortison inhalieren! Das könnte bei einem Corona-Infekt kontraproduktiv sein und sollte daher vorher mit dem Kinderarzt besprochen werden. Wichtig ist, nicht für Monate Medikamente zu horten, sondern wirklich nur ganz wenig für den normalen Eigenbedarf zu kaufen. Denn natürlich wollen fast alle Menschen für ihre Kinder vorsorgen und auch noch was in der Apotheke bekommen.

Nochmal zur Beruhigung: Kinder entwickeln nur selten überhaupt Symptome bei Corona.

Mehr Infos aus guten Quellen:

 

Ängste und Sorgen: Wie können wir Eltern einen klaren Kopf behalten und unsere Kinder wohldosiert mitnehmen?

Viele von uns haben sich vorgenommen, sich NICHT von dem Virus und der Angst davor ins Boxhorn jagen zu lassen; schon allein deshalb, weil wir Eltern sind und zum einen selten Zeit haben, uns in ein Loch fallen zu lassen und zum anderen immer auch das Gefühl haben, für unsere Kinder stark sein zu müssen. Allerdings … geraten wir da gerade durchaus an unsere eigenen Grenzen und fragen uns gleichzeitig, wo die wohl bei den Kleinen liegen. Wie SIE mit dieser Situation klarkommen und was für dafür tun können, dass sie diese aufwühlende Zeit auch psychisch unbeschadet überstehen. Diese Fragen durfte ich Diplom-Pädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Sarah Neuneyer stellen und sie hat sich netterweise die Zeit genommen, sie für mich, für UNS zu beantworten! 

Das Wichtigste in Kürze:

1. Wie viel sollten Kinder jetzt über das Virus wissen?

Darauf gibt es keine einheitliche Antwort. So verschiedenen unsere Kinder sind, so unterschiedlich ist auch das Bedürfnis nach Wissen und deren Fragen und Sorgen. Individuelle Reaktionen bedürfen eines individuellen Umgangs. Jedes Kind bewältigt so eine Situation auf unterschiedliche Weise, entsprechend des Entwicklungsalters, der Erfahrungen, der Persönlichkeit etc. Die einen sind unbekümmert und vertrauen darauf, dass die Erwachsenen es schon richten werden. Die anderen haben übermäßige Sorgen und Fragen. Die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien und Reaktionsmuster gilt es als Eltern zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Ein Kind, welches relativ unbekümmert reagiert und kaum Fragen hat, muss nicht allumfassend aufgeklärt werden – das verunsichert dann eher. Ein Kind, das viele Fragen stellt und nach Informationen verlangt, sollte kindgerecht aufgeklärt werden. In jedem Falle gilt; nichts beschönigen oder vertuschen. Die meisten Kinder verkraften die Realität gut, wenn sie verständlich an sie herangetragen wird und sie dabei gut begleitet werden. Bei großem Interesse zum Virus und zur Übertragungsweise gibt es zahlreiche kindgerechte Animationen und Informationen.

2. Verkraften sie es, wenn Mama und Papa Angst haben?

Ja! Eigene Sorgen und Unwissen sind nicht verwerflich. Damit sollte ehrlich umgegangen werden. Vielleicht im Sinne von:„Ich habe darauf gerade auch keine Antwort. Lass mal überlegen, wer uns das beantworten könnte und wo wir danach schauen können“ oder „Ich weiß nicht, wann wir deine Freunde wieder treffen können oder wann du wieder in den Kindergarten/die Schule gehst, aber es gibt viele Menschen, die sich jeden Tag darum kümmern, diese Fragen für uns zu klären und uns Antworten zu geben“. Dem Kind kann es sogar helfen zu merken, dass es nicht alleine ist mit seinen Sorgen und Ängsten. Dennoch sollten Kinder spüren, dass die Erwachsenen sich kümmern und sie bei allem begleiten. Sollten trotz allem Ängste und Sorgen auf Elternseite einen zu großen Raum einnehmen, ist es wichtig, sich rechtzeitig Hilfe und Unterstützung holen, entweder durch Gespräche mit der Familie oder Freunden und/oder professionellen Beratern.

Entscheidend ist vor allem, den Kindern zu vermitteln, dass irgendwann „alles gut“ oder „wieder normal“ wird, dass man gemeinsam diese Zeit überstehen wird und dass es nun das wichtigste ist, dass alle gesund bleiben. Aber auch eine mögliche Ansteckung kann thematisiert werden mit dem deutlichen Hinweis, dass das Virus in den allermeisten Fällen gut heilbar ist und in ganz wenigen Fällen besondere Hilfe benötigt wird oder gar Menschen daran versterben. Vielleicht hilft es auch einen positiven Blick in die Zukunft anzubieten, im Sinne von „Irgendwann gehst du wieder in den Kindergarten und wir erinnern uns an die Zeit, als wir fünf Wochen „Urlaub“ zu Hause hatten. Auch wenn wir manchmal gestritten haben und uns auf den Senkel gegangen sind, hatten wir ganz viel schöne Zeit miteinander“.

Wichtig ist auch einen möglichst bedachten Sprachgebrauch zu zeigen, wenn mit anderen Erwachsenen oder mit dem Partner über das Virus und die aktuelle Situation gesprochen wird. Kinder sind sehr feinfühlig und haben besondere Antennen. Sie registrieren meist sehr viel. Demnach sollte man Gespräche und Telefonate auf Erwachsenenebene zum Thema Corona bestenfalls so gestalten, dass der Inhalt für das Kind entweder verschlüsselt ist oder erst gar nicht mitgehört wird. Kinder nehmen andere Dinge als bedrohlich war, als wir Erwachsene das tun. Das heißt, auch wenn wir denken, der Inhalt des Gesprächs sei nicht besonders besorgniserregend gewesen oder gar scherzhaft gemeint, kann das vom Kind anders wahrgenommen werden, bzw. es irritieren und/oder zusätzlichen Stress auslösen.

3. Wie wichtig ist es, trotz aller Sorgen etwas Normalität im Alltag zu bewahren?

Sehr wichtig! Allen Kindern ist eines gleich – sie haben ein Bedürfnis nach einer gewissen Grundordnung, den Wunsch nach Kohärenz (meint, dass etwas in sich logisch, zusammenhängend und nachvollziehbar ist) und diese herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten ist besonders wichtig. Hilfreich kann dabei z.B. eine feste Tages- und Wochenstruktur, am besten visuell dargestellt durch einen Tages- oder Wochenplan, und die Beibehaltung von festen Ritualen sein. Auch die fehlenden soziale Kontakte zu Freunden oder befreundeten Familien sowie Großeltern könnte man versuchen anders zu gestalten anstelle von gänzlich wegfallen zu lassen, z.B. durch Telefonate, medial mit Hilfe von facetime oder klassisch, indem man gemeinsam einen Brief schreibt (solange die Post noch ihre Arbeit verrichten kann).

Mehr Infos (und Kontakte) aus guten Quellen: 

 

Existenz-Angst: Wohin können sich Eltern wenden, wenn sie keine Lösung für das Betreuungs-Problem finden und gravierende Existenz-Nöte entstehen?

Es ist nicht nur unsere Gesundheit, die durch den Corona-Virus in Gefahr ist, sondern auch unsere wirtschaftliche Existenz.  Unzählige Menschen fürchten schon jetzt um ihre Jobs … allen voran wir Eltern, denn wir sind dank geschlossener Schulen und Kitas unflexibler als andere, MÜSSEN aber zuhause bleiben und können auch im Homeoffice nicht so “abliefern” wie die Kollegen ohne Familie, also ohne sich langweilende Kinder am sprichwörtlichen Bein. Daher drehen sich viele Fragen, die uns den Schlaf rauben, auch um Job-Themen … und da aktuell durchzublicken ist super schwer. Deshalb bin ich mega dankbar, dass sich die Expert*innen im Bereich Arbeitsrecht und Arbeitsmarktpolitik des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die Zeit genommen haben, mich über den aktuellen Stand der Dinge dieser Seite der Corona-Krise zu informieren und meine bzw. EURE Fragen an die zu beantworten.

Das Wichtigste in Kürze:

1. Kurz-Arbeit oder unbezahlter Urlaub – wie werden Familien aufgefangen, denen plötzlich große Teile des Gehaltes wegbrechen? Ist da was in Planung?

Die Bundesregierung hat im Eilverfahren bereits vereinfachte Regelungen für die Kurzarbeit getroffen. Bislang mussten für die Anmeldung der Kurzarbeit mindestens ein Drittel der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall betroffen sein – dieser Schwellenwert ist jetzt abgesenkt worden auf 10 Prozent. Neu ist auch, dass dem Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge für die Beschäftigten voll erstattet werden.

Kurzarbeitergeld soll den Verdienstausfall der Beschäftigten zumindest teilweise ausgleichen. Es wird nur für die ausgefallenen Arbeitsstunden gewährt und beträgt für Beschäftigte mit mindestens einem Kind 67 Prozent und für Beschäftigte ohne Kind ca. 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Die Kurzarbeit ist eine Art „Teilarbeitslosigkeit“, die aber den riesigen Vorteil hat, dass der Arbeitsplatz erhalten bleibt. Sie bedeutet für den Arbeitgeber Flexibilität – bei neuen Aufträgen und einer Entspannung der Lage kann die Arbeit schnell und unbürokratisch wieder aufgenommen werden.
Bei allen neuen Regelungen bleibt es aber dabei, dass Kurzarbeit mitbestimmungspflichtig ist – der Arbeitgeber muss entweder den Betriebsrat einbeziehen oder die Zustimmung der Arbeitnehmer*innen einholen.

Die Sozialpartner – also Gewerkschaften und Arbeitgeber – und die Politik sind im Zuge der aktuellen Corona-Krise weiter in Gesprächen, wie die Beschäftigten und die Familien abgesichert werden können; das betrifft insbesondere Arbeitsausfall wegen der Betreuung von Kindern aufgrund geschlossener Kitas und Schulen.

2. Wohin können sich Alleinerziehende wenden, wenn sie niemanden für die Betreuung haben, arbeiten müssen UND finanziell wackeln?

Angesichts der flächendeckenden Schließung von Kindertagesstätten und Schulen stehen Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland vor einem akuten Betreuungsproblem. Die bisherigen rechtlichen Lösungswege sind auf ein derart flächendeckendes Ereignis nicht ausgerichtet. Arbeitnehmer können sich – sofern dies nicht durch Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag ausgeschlossen ist – auf eine unverschuldete persönliche Verhinderung im Sinne von § 616 BGB (persönliche Verhinderung wegen bestehender Sorgeverpflichtungen, § 1626 S. 1 BGB) grundsätzlich berufen und auf dieser Basis einige wenige Tage der Arbeit unter Lohnfortzahlung fernblieben.

Da die derzeitige Krise und die Schul- und Kitaschließungen aber länger andauern werden, sind schnelle politische und flächendeckende Lösungen vonnöten, die die Entgeltansprüche der Beschäftigten sichern. Dazu sind Sozialpartner und Politik im intensiven Gespräch. Bundesarbeitsminister Heil hat angekündigt, zeitnah eine gesetzliche Grundlage zu schaffen.

3. Wie sieht die Unterstützung für Selbstständige aus? Wo erhalten sie Informationen und Hilfe?

Das Kurzarbeitergeld ist an die Versicherung in der Arbeitslosenversicherung gebunden. Beschäftigte, die nicht arbeitslosenversichert sind, können deswegen auch kein Kurzarbeitergeld erhalten – das gilt auch für Selbständige ohne Angestellte. Sie haben jedoch jetzt schon Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung, wenn sie aufgrund der Krise keine Aufträge mehr erhalten. Für weitere Unterstützung für Selbständige sind Sozialpartner und Politik gerade in intensiven Gesprächen. Hier sind flächendeckende politische Lösungen notwendig.

Übrigens: Wer selbst Mitglied einer Gewerkschaft ist, kann sich auch dort rechtlich beraten lassen!

Mehr Infos aus guten Quellen:

 

Corona-„Ferien“: Wie verhindern wir einen „Hütten-Koller“ bei (mindestens) 5 Wochen Kita- und Schul-Auszeit?

Christiane Weiß ist Mama einer besonderen Tochter, die leider chronisch krank ist. DAS jedoch beeinflusst den Familienalltag gar nicht so sehr, sagt Christiane, wohl aber die vielen OPs, nach denen die kleine Maus jedes Mal viele Wochen am Stück zuhause bleiben muss. „Das hat mich am Anfang echt aus der Bahn geworfen. Nicht nur all die Sorgen drum herum, sondern auch die Tatsache, dass ich mein Kind für lange Zeit – meist zwischen 3-13 Wochen – den ganzen Tag um mich hatte“, erzählt sie und kann daher sehr gut verstehen, dass einige Eltern gerade etwas Muffensausen haben, dank des Corona-Virus und den resultierenden Sicherheitsmaßnahmen, ihren Nachwuchs einfach mal für mindestens 5 Wochen rund um die Uhr … äh, GENIEßEN zu dürfen. ;) Deshalb hat sich Christiane die Mühe gemacht, für uns mal ihre mehrfach erprobten Tipps und Erfahrungen zusammenzufassen, mit denen sie es immer wieder schafft, auch lange Zeitspannen ohne Betreuungsprogramm gut zu meistern, ohne „Gaga“ zu werden:

  1. Bleibt locker! Wenn ihr euch die Angst/Sorgen/Lustlosigkeit anmerken lasst, wird es den Kindern auch so gehen. Also versucht, euch darauf zu freuen, so viel Qualitytime mit ihnen zu verbringen!
  2. Besorgt euch Bastelsachen! Ich sag euch, nach Klopapier werden Malblöcke und Bastelsachen die nächste Mangelware… Kauft das Zeug auch, wenn ihr sonst nicht gerne bastelt!
  3. Deckt euch mit Büchern ein. Für die Kinder, aber auch für euch. Das zappeligste Kind wird sich mit einem Buch in eine stille Ecke verkrümeln, wenn es den ganzen Tag zu Hause ist.
  4. Eure Tage sind jetzt lang; es ist wie ein seeeeehr langes Wochenende. Ihr werdet alle länger schlafen, später ins Bett gehen, euch mehr Zeit für alles lassen. Nehmt euch also Zeit für das Frühstück. Deckt gemeinsam, esst lecker, seid nicht so streng wie sonst, was Saft und Süßes angeht. Das ist für alle eine Ausnahmesituation.
  5. Nehmt euch Zeit zum Kochen. Kocht frisch und lecker und esst in Ruhe. Manche Kinder werden euch damit überraschen, dass sie doch mal helfen wollen, obwohl sie das sonst nie wollen.
  6. Lasst die Kinder im Haushalt helfen. Dann dauert das länger, macht aber auch viel mehr Spaß, weil ihr sonst ja nix zu tun habt.
  7. Sorgt für einen strukturierten Tagesablauf, sonst gehen sie NIE ins Bett! :D
  8. Lasst euch Zeit beim Baden, Wickeln, Nägel schneiden, Kämmen! Die Kinder werden sich viel eher all die Dinge gefallen lassen, die sie im gestressten Alltag nicht mögen, weil wir sie hetzen.
  9. Erinnert euch daran zurück, wie sehr ihr die Zeit mit euren Babys genossen habt! Genau diese Gelegenheit habt ihr jetzt wieder!
  10. Wichtigster Punkt: Deckt euch mit reichlich Kaffee, Schokolade und Alkohol ein! Kann nie schaden! ;)

Und on Top macht sie mit einem Satz richtig Mut: „Glaubt mir, die erste Zeit wird hart, danach wird es so entspannt sein, dass ihr gar nicht wollt, dass die Schulen und Kitas wieder aufmachen!“ Also ICH hoffe sehr, dass sie recht hat!!! :D

Übrigens … für all jene, die sie noch nicht gefunden haben: Die LÄCHELN UND WINKEN-Leserinnen haben bereits gesammelt – und zwar Spiele-Tipps! Hier findet ihr die Link-Sammlung!

 

Helfen und helfen lassen: Zusammen schaffen wir das!

Dass wir nun und für Wochen soziale Kontakte meiden sollen, heißt nicht, dass wir in Einsamkeit versinken müssen – wir haben das Internet. Wir haben die sozialen Medien. Wir haben tolle Foren und Gruppen. Wir HABEN die Möglichkeit, uns auszutauschen, uns gegenseitig ein offenes Ohr zu schenken, uns zum Lachen zu bringen und uns zu unterstützen.

Zum Beispiel hier:

Darüber hinaus könnt und solltet ihr natürlich auch im real life füreinander da sein, indem ihr für eure Nachbarn, die zur Risikogruppe gehören, die Einkäufe übernehmt oder mal zur Apotheke geht. Tauscht via Liste im Hausflur die Handynummern aus, richtet eine Nachbarschafts-WhatsApp-Gruppe ein … dann seid ihr ohne persönlichen Kontakt erreichbar für jene, denen ihr tatsächlich ohne großen Aufwand zur Seite stehen könnt.

 

Ihr Lieben, ich drücke euch alle aus der Ferne, wünsche euch Gesundheit und starke Nerven, danke jenen, die sich weiterhin um unser Wohl kümmern – in Krankenhäusern, Arztpraxen, Apotheken, Supermärkten, Restaurants mit Lieferservice usw. – und hoffe, wir können virtuell Hand in Hand durch die nächsten Wochen gehen und genauso anschließend alles wieder zusammen aufbauen, was geht. <3

 

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr den Text teilt :-*

PPS: Das wundervolle Titelbild ist übrigens von meiner Schwester Ina Sacher, die ihr unter Pappzauber findet.

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17 Kommentare für “Keine Panik: (Kleiner) Corona-Leitfaden für Familien!