Corona-Krise
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Corona-Krise: Und … wie geht’s mir so?

Seit Wochen hat uns die Corona-Krise, die Pandemie fest im Griff und nimmt Einfluss auf unser aller Leben. Wirklich niemand kann sich dem Geschehen entziehen. Wir sitzen alle in einem Boot … auch wenn es nicht für jeden gleichermaßen stark schwangt und die Wellen, die über unserem Alltag zusammenschlagen, unterschiedlich hoch ausfallen. Dennoch ist es EIN gemeinsames Boot, in dem wir durch diesen Sturm schippern – eine für mich gleichermaßen beängstigende wie auch beruhigende Wahrheit.

„Du steckst das alles so super weg und nimmst es mit so viel Humor! Das tut mir voll gut, weil ich dann auch drüber lachen kann!“ lese ich aktuell recht häufig in Nachrichten an mich und mir geht richtig das Herz auf, weil ich wirklich glaube, dass im Moment jedes Lächeln zählt und wenn ich ein paar davon auslösen kann, freut mich das wie Bolle. Aber natürlich stecke ich die Situation auch nicht NUR super weg – selbst mein echt hartgesottener Humor schwächelt zurzeit immer mal wieder und lässt mich als eine motzige, dünnhäutige, schnell explodierende Version meiner selbst zurück. Es geht mir, wie allen anderen. Dasselbe Boot eben. Dasselbe verdammte Scheiß-Corona-Boot! ;)

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Corona-Krise …

… was mich traurig macht

Ich weiß, ich habe noch Glück. Richtig Glück sogar! Alle Menschen, die ich liebe, sind aktuell gesund und nicht in unmittelbarer Gefahr. Ich muss mich trotz Corona-Krise nicht mit Homeschooling rumschlagen, weil die Tochter noch nicht in der Schule ist, meine Kinder sind nicht allein, weil sie einander haben und wir leiden (zumindest bisher) nicht unter berechtigter Existenzangst. Alles läuft schlechter als sonst, klar, aber es läuft noch. Und trotzdem kämpfe ich immer öfter mit Tränen oder habe das Gefühl, nicht mehr aufstehen, nicht mehr weitermachen zu können … einfach so zwischendurch … weil ich mir Sorgen um meine Mutter mache, die wie so viele andere ganz allein lebt und gerade regelrecht vereinsamt; ein Zustand, der genauso krank machen kann, wie der vermaledeite Virus. Weil meine Tochter ihre Freunde so sehr vermisst, dass sie gar nicht mehr weiß wohin mit diesen Emotionen. Weil ICH meine Freunde, meine Schwester, meine Mama vermisse und es mir weh tut, sie nicht mal eben in den Arm nehmen zu können, wenn SIE traurig sind. Weil ich weiß, dass diese ganze Nummer NICHT in ein paar Wochen ausgestanden sein, sondern einen Rattenschwanz hinter sich herziehen wird, dessen Ausmaß wir aktuell noch nicht erfassen können. Und … weil niemand wirklich sicher ist. Niemand.

… was mich wütend macht

In erster Linie ist es in diesen Tagen Ignoranz, die mein Blut zum Brodeln bringt. Dabei meine ich gar nicht mal die Senioren, die unseren allgemeinen Bemühungen, die GESAMTE Gesellschaft zu schützen, zum Trotz weiter selbst einkaufen gehen oder in Grüppchen vorm Bäcker sitzen, denn ihr Antrieb ist nicht Böswilligkeit, sondern meist die Angst zu vereinsamen oder ihre letzten, für sie aber überlebenswichtigen Strukturen zu verlieren. Das macht es nicht besser, aber zumindest verständlicher. Da gibt es andere, die viel dringender einen festen Klatsch auf den Hinterkopf verdient hätten, damit sie endlich raffen, dass ihr Arsch nach Hause oder wenigstens nicht in große Gruppen gehört!
Was mich viel stinkiger als das macht, ist die Ignoranz, mit der einige Leute die Gesamt-Situation oder die Relevanz von kompletten Berufsgruppen bewerten. „Medizinisches Personal ist relevant. All jene, die uns irgendwie versorgen, sind relevant. Aber Friseure oder so brauchen wir doch nicht wirklich. Klamotten-Lädchen und Sport-Studios genauso wenig. Nicht mal Kinderbetreuung ist zwingend für alle erforderlich. Auf sowas und vieles mehr, was eben nicht SYSTEMRELEVANT ist, können wir doch noch voll lange verzichten!“ hörte ich bereit einige Male und mir kam jedes mal echt die Galle hoch. Nicht nur, weil unsere ganze Gesellschaft gerade in wichtig und UNwichtig aufgeteilt wird, es ist auch schlicht ein sehr kurzsichtiger Gedankengang. Ohne Frage sind die offiziell systemrelevanten Jobs gerade das Allerwichtigste und wir müssen dankbar dafür sein, dass sich so wahnsinnig viele tapfere Menschen für unser gemeinsames Wohl einsetzen, aufopfern und sogar selbst gefährden. Dennoch macht es mich sauer, wenn ich höre, dass alle anderen als verzichtbar eingestuft werden. Niemand ist verzichtbar. Wir gehören alle dazu. Jeder! Und an jedem Job hängt mindestens eine Existenz, oft sogar mehrere. Deshalb sind alle wichtig. Wir sind schließlich eine Gemeinschaft. Dass waren wir vor der Corona-Krise, dass sind wir währenddessen und ich hoffe doch sehr, dass wir es auch danach noch sein werden. Wir alle gemeinsam machen unsere Wirtschaft aus und sorgen dafür, dass sie funktioniert. Dazu gehören alle Jobs, alle Berufsgruppen, jeder noch so kleine Laden, den sich jemand über viele Jahre aufgebaut hat. Jetzt gerade zuhause zu bleiben, still dabei zuzusehen, wie vielleicht das gesamte Lebenswerk den Bach runtergeht oder man in die Arbeitslosigkeit abdriftet, obwohl man eine Familie ernähren muss, darf nicht wertlos genannt werden. Zu keinem Zeitpunkt! Jetzt gerade kämpfen wir alle. Nur eben nicht alle an der Front. Aber trotzdem ALLE.

… was mich stolz macht

Je länger die Corona-Krise dauert, desto mehr schraube ich meine eigenen Ansprüche daran, was mich stolz macht, herunter. Aktuell klopfe ich mir zum Beispiel schon beherzt auf die Schulter, wenn ich es geschafft habe, beide Kinder anzuziehen und ihnen sogar die Haare zu kämmen. Ganz ehrlich: Das kann ich nicht jeden Tag behaupten! Und ich bin auch wirklich stolz auf mich und den Mann, auf UNS, dass wir noch keinen Account bei Scheidung.de angelegt haben. Wir halten uns hier ziemlich wacker, obwohl wir seit Wochen kontinuierlich aufeinander hocken, beide im Home-Office versuchen, einigermaßen am Ball zu bleiben und dabei von den gefühlt immer lauter werdenden Kindern in Grund und Boden gebrüllt werden. Da wir keinen Garten haben und auch sonst nicht wirklich für ernsthaft, allen Regeln entsprechenden Auslauf sorgen können, eskalieren die Kinder immer öfter schon vor dem Mittagessen und zerren dabei durchaus heftig an unseren Nerven. Trotzdem haben wir uns noch nicht gegenseitig umgebracht … ich habe dem Mann noch nicht mal zu meiner persönlichen Belustigung Abführmittel ins Essen gemischt oder die Kinder auf dem Balkon ausgesperrt. Ich finde, da KANN man durchaus stolz drauf sein!!! ;)

… was mich dankbar macht

Ich habe zwei Kinder, die sich so sehr lieben, dass sie wirklich viel miteinander spielen. Tatsächlich immer noch hauptsächlich in Frieden – obwohl es natürlich auch Streit gibt. Aber: Sie haben einander und ich glaube, sogar die beiden Flöhe wissen, dass ihnen DAS gerade echt den Arsch rettet.
Ebenso dankbar bin ich dafür, einen Mann geheiratet zu haben, der vor allem anderen mein absolut bester Freund ist und der mich tatsächlich sogar aktuell so gut wie jeden Tag zum Lachen bringt. Und sei es auch nur damit, dass er mir selbst das Nudelholz reicht, weil er den ganzen verdammten Tag nur Mist gemacht, null geholfen oder sogar selbst für extra Chaos gesorgt hat. Trotzdem verrate ich ihm nicht, wo ich die Axt versteckt habe … *hust* ;)

Unglaublich dankbar bin ich natürlich auch für jeden in meiner Nähe, der nicht zur Risiko-Gruppe in der Corona-Krise gehört, dass sich meine Sorgen um die Gesundheit meiner Liebsten daher in Grenzen hält, auch wenn mir bewusst ist, dass wir den Virus immer noch nicht wirklich einschätzen und sich deshalb niemand in Sicherheit wiegen darf. Dankbar bin ich dennoch dafür, dass es bei uns gerade so ist, wie es ist.

… was mich glücklich macht

Neben dem Umstand, dass meine Kinder zwar ihre Freunde vermissen und wir alle langsam Gaga werden, lässt es jedes Mal mein Herz hüpfen, wenn sie lauthals loslachen … wegen was auch immer. SIE sind noch immer glückliche Kinder. SIE verspüren keine Angst. SIE vertrauen zu 100% darauf, dass alles wieder gut wird. Und DAS macht mich glücklich. Denn DAS ist schlichtweg das Wichtigste.

Darüber hinaus macht mich ganz ehrlich glücklich, dass ich LÄCHELN UND WINKEN habe, dass ich über diesen Blog und die damit verbundenen Kanäle mit unzähligen fantastischen Menschen kommunizieren kann, dass ich Lächeln in Gesichter zaubern und auch mal Händchen halten darf. Dass diese Seite auch oder gerade jetzt – während der Corona-Krise – keine Einbahnstraße ist, sondern ich genauso von meinen Lesern mitgenommen werde, wie ich euch mitnehme. Dass wir einander zuhören, einander helfen, wenn es irgendwie geht, und miteinander lachen über diesen ganzen Kack solange es möglich ist. Kurz: Dass wir ein WIR sind! Dafür danke ich euch! <3

… was ich mir wünsche

Mal ganz davon abgesehen, dass wir uns wohl alle wünschen, diesen Scheiß-Corona-Virus so schnell wie möglich in seine Schranken zu weisen, dass es schon bald ein Medikament und einen Impfstoff geben wird UND dass so viele wie möglich nur einen leichten Covid19-Verlauf erleben, wünsche ich mir, dass wir alle die innere Stärke dafür finden, noch länger geduldig und nett zueinander zu sein. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir es schaffen, mehr Verständnis während der Corona-Krise füreinander aufzubringen, wenn wir Fehler machen; weniger mit dem Finger auf andere zu zeigen, auch wenn es uns dadurch besser geht; unseren „Leid-Status“ nicht zu vergleichen, sondern zu akzeptieren, dass wirklich jeder gerade sein Päckchen zu tragen hat und niemand davon profitiert, wenn wir uns gegenseitig denunzieren oder uns das recht absprechen, traurig oder wütend oder frustriert oder ängstlich zu sein. Wie heißt es so schön: Man kann den Leuten nur VOR den Kopf gucken. Nicht hinein. Ich glaube fest, im Moment bemühen sich wirklich die meisten, alles richtig zu machen und so gut es ihnen möglich ist, an diesem einen Strang mitzuziehen, an dem wir uns gerade alle verausgaben. In diesem Sinne: Weitermachen. Zusammen. Dann schaffen wir das. <3

 

PS: All das ist natürlich rein subjektiv, es sind nur meine Gefühle und meine Eindrücke – und ich habe sicher vieles vergessen oder auch bewusst für mich behalten, weil es ZU persönlich wäre ;) Trotzdem wollte ich all das mal sagen, es mit euch teilen. Fühlt euch gedrückt :-*

PPS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr den Text teilt! Danke! <3

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6 Kommentare für “Corona-Krise: Und … wie geht’s mir so?

  1. Wieder sehr schön geschrieben. Ich finde mich so sehr wieder…
    Vor ein paar Wochen habe ich dich zufällig im WWW gefunden und lese oder höre dich nun täglich. Du machst Mut, zeigst das wir alle im selben Boot sitzen und bringst mich zum Lachen.
    Vielen lieben Dank dafür!

  2. Puh, liebe Anke, da wische ich mir mal beherzt ein Tränchen aus dem Auge. Ich fühle mich gerade so „abgeholt“. Es war ein echter Scheißtag. Ich war doof und angespannt und die kleine Motte dadurch natürlich auch. Wutanfälle auf allen Seiten und das fade Gefühl eine schlechte Figur als Mutter abgegeben zu haben. Ansonsten läuft es die meiste Zeit rund. Jetzt haben wir mal Tiefgang, aber das wird schon wieder. Danke für Deine Texte, sie sind Gold wert! Haltet durch! Viele Grüße, Mel