Corona-Update 2
Corona

20 persönliche Corona-Updates aus aller Welt – Teil 2

Einmal pro Woche geben „LÄCHELN UND WINKEN-Korrespondenten“ aus den verschiedensten Ländern Corona-Updates zur aktuellen Corona-Virus-Lage in ihrem Zuhause – unter welchen Beschränkungen sie gerade leben, wie sie damit klarkommen, welche Auswirkungen das alles auf sie hat und wie sie sich fühlen. Es ist ihnen überlassen, was genau sie erzählen möchten; sie gewähren uns einfach einen ganz persönlichen kleinen Einblick in ihre aktuelle Situation während der Corona-Krise. Es geht nicht um Politik oder Zahlen … es geht rein um Familien.

Mit dabei sind – je nachdem wie sie es zeitlich schaffen – Eltern aus folgenden Ländern:

  1. Norwegen
  2. Schweiz
  3. Formentera
  4. Dänemark
  5. Niederlande
  6. England
  7. Österreich
  8. Portugal
  9. Shanghai/China
  10. USA / LA
  11. USA /Texas
  12. USA/Kalifornien
  13. USA / NY
  14. Moskau /Russland
  15. Spanien
  16. Stockholm/Schweden
  17. Rumänien
  18. Italien
  19. Belgien
  20. Brasilien
  21. Singapur
  22. Island
  23. Südafrika

Vielleicht melden sich nicht alle jede Woche, aber doch so oft es ihnen (trotz Kinder, Arbeit, Krankheit, Krisen und Hüttenkoller) möglich ist. Und ich bin dankbar FÜR und gespannt AUF jeden dieser Einblicke!

Corona-Updates in Video-Form:

Mit dabei sind diesmal Gina aus Südafrika, Steffi aus Formentera, Thembi aus Südafrika (Township) und Anna aus Österreich.

Corona-Updates in Text-Form:

Mit dabei sind diesmal Jana aus Spanien, Saskia aus Island, Naddel aus Brasilien, Friederike aus Schweden, Carla aus Portugal, Nikola aus den Niederlanden, Nadine aus Dänemark, Doris aus Moskau, Marion aus Transilvanien, Andrea aus Texas, Jaqueline aus Singapur, Charlotte aus Kalifornien,  Sabrina aus Norwegen, Eske aus den Niederlanden, Damaris aus der Schweiz und Julia aus Los Angeles.

Spanien

Hallo, ich bin Jana und wohne seit 12 Jahren in Spanien. Zusammen mit meinem Mann und meiner zweijährigen Tochter wohne ich in der Nähe von Barcelona.

Heute kam in den Medien, dass die Ausgangssperre noch bis 26. April verlängert werden soll. Zum Glück habe ich nächste Woche eine paar Tage Urlaub, um Kraft zu tanken. Hier gibt es in der Woche vor Ostern normalerweise Prozessionen, die natürlich dieses Jahr alle abgesagt wurden.

Ich bin mir nicht sicher, ob es in Deutschland gemacht wird, aber in einigen Ländern wird den Menschen applaudiert, die in diesen Tagen arbeiten: Ärzte, medizinisches Personal, Polizei, THW, Feuerwehr, Apotheker, Pflegepersonal, Supermarktmitarbeiter etc. Pünktlich um 20 Uhr (damit auch die Kinder noch mitmachen können) gehen alle ans Fenster oder auf den Balkon und klatschen. Manchmal auch mit etwas lauterer Musik von den Nachbarn, um die Laune etwas anzuheben. Man grüßt sich, Familien mit Kindern unter sich noch mehr, um den Kleinen zu zeigen, dass da noch jemand in der gleichen Situation ist.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Idee, meine Familie in Deutschland mit auf unseren Balkon zu nehmen, damit sie hören können, wie das so ist und was das für ein Gefühl ist. An dem Abend haben wir mit meiner Schwester videofoniert und ich habe sie mit rausgenommen. An sich ist es schon ein sehr eigenartiges Gefühl zu wissen, dass du nicht raus darfst, aber alle in der gleichen Situation sind und sich gegenseitig Mut machen. An dem Abend haben sie angefangen zu rufen „zusammen schaffen wir das“, was bei mir schon die erste Gänsehaut ausgelöst hat. Im gleichen Moment kamen relativ langsam 4 Polizeiautos mit Sirenen, um sich für den Applaus zu bedanken. Zu der Gänsehaut kamen auch noch sehr feuchte Augen – bei uns beiden. Dieses Gefühl der Dankbarkeit und des Zusammenhalts war sehr beindruckend.

Island

Ich heisse Saskia und wohne in Sauðárkrókur, einer kleinen Stadt im Norden Islands. Mein Mann ist Isländer und zusammen haben wir eine 3 jährige Tochter.

Bei uns ist Corona etwas später angekommen als in Deutschland. Den ersten bestätigten Fall hatten wir am 28.02. in unserer Hauptstadt Reykjavík. Am 29.02. waren wir zu einer Hochzeit in Reykjavík eingeladen und hatten dann kurz überlegt, ob wir fahren sollen oder nicht. Wir haben uns  entschieden zu fahren – wie hoch kann die Wahrscheinlichkeit schon sein!? Nun ja… Als das Brautpaar 2 Wochen später aus den Flitterwochen zurück kam, wurden alle Partygäste benachrichtigt, dass einer der Gäste am Tag nach der Party mit Corona diagnostiziert wurde. Ich rief am darauffolgenden Tag bei meinem Gesundheitszentrum an und erfragte, ob wir getestet werden müssen oder ob irgendwelche Massnahmen ergriffen werden müssen. Dort wurde mir gesagt, wenn nach so langer Zeit noch keiner von uns krank geworden ist, ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass wir uns infiziert haben. Wir sollen weiterhin darauf achten, ob wir irgendwelche Symptome bekommen, aber sonst müsste im Moment nichts unternommen werden.

Im Allgemeinen sind die Massnahmen hier in Island nicht so aggressiv wie anderswo in Europa. Am 13.03. wurde die erste Pressekonferenz zum Thema Corona abgehalten. Per 15.03. wurden alle Versammlungen mit mehr als 100 Menschen verboten, die Universitäten und weiterführenden Schulen geschlossen, der 2m Abstand angeraten und alle Beerdigungen wurden abgesagt bzw. verboten. In den folgenden Wochen wurden dann Versammlungen von über 500 Mann und zum Schluss nun über 20 Mann verboten. Es wurden ausserdem alle Konfirmationen abgesagt.

Die gesamte Situation schränkt auch mich und meine Familie ein, aber wir versuchen das beste daraus zu machen. Mein Mann arbeitet in der Isolationswolleproduktion. Bei ihm gab es die wenigsten Einschränkungen. Es dürfen zum Beispiel nur noch so und so viele zusammen zur Pause und nicht mehr nebeneinander sitzen. Die offene Kaffee- und Kakaobar wurden abgeschafft und überall steht Handdesinfektion.

Bei mir auf der Arbeit ging es schrittweise. Ich arbeite in einer Touristeninformation, die im gleichen Haus mit einem Museum, Restaurant, und Souvenir-Shop ist. Nun im Winter, mit weniger Mitarbeitern, teilen wir uns alle Aufgaben. Zuerst wurden also für alle Gäste Infoschilder aufgestellt und extra Handdesinfektion bereitgestellt. Dann wurden die Tische im Restaurant auseinander gestellt und nun zuletzt wurde das Haus für Besucherbetrieb geschlossen.

Meine Tochter darf weiterhin in den Kindergarten gehen, allerdings gab es auch da ein paar Änderungen. Die Gruppe wurde in 2 geteilt. Somit sind nur noch 10 Kinder zur gleichen Zeit im Gruppenraum und das bedeutet, dass meine Tochter auch nur noch jede zweite Woche in den Kindergarten darf. Ausserdem dürfen wir Eltern die Kinder nicht mehr in den Gruppenraum begleiten, es dürfen keine Spielzeuge mehr mit in den Gruppenraum genommen werden, alle Sachen müssen nun jeden Tag mit Heim genommen werden und man darf nur noch als Einzelperson bringen und abholen. Die Öffnungszeiten wurden auch verkürzt.

Noch mehr ausführliche Infos bekommt ihr beim nächsten mal. Es soll ja spannend bleiben…
Herzliche Grüsse aus dem verschneiten Island.

Brasilien

Hallihallo ich bin die Naddel und wohne mit meinen beiden Töchtern in Brasilien auf einer Insel am Atlantik! Die Stadt ist über eine Brücke erreichbar und hat ca.36.000 Einwohner! Hochhäuser gibt es hier nicht.

Wir sind gleichzeitig mit Deutschland in die Quarantäne gegangen, alles zu … außer Supermärkte, Apotheken etc.
Unsere Stadt ist eine Sackgasse, es führt nur eine Straße rein und wir haben einen kleinen Hafen! Beides wird mit Polizei und Gesundheitsamt mit Fiebermessungen kontrolliert! Reisebusse, die hier sehr üblich sind wegen der großen Entfernungen, sind auch verboten!
Desinfiziert wird hier mit Alkohol als Gel, das war recht schnell ausverkauft, auch die antibakterielle Seife und Mundschutz! Ansonsten gibt es alles ganz normal, mag vielleicht daran liegen, dass hier niemand Geld für Hamsterkäufe hat.
Meine Töchter haben Schule bzw. Kindergarten über WhatsApp, dass klappt ganz gut. Nach den ersten 14 Tagen dürfen jetzt alle Geschäfte wieder öffnen, von 8 bis 14 Uhr, aber es dürfen sich keine Schlangen bilden und viele Läden haben den Tresen einfach an die Tür verlegt, so das niemand das Geschäft betreten muss! Funktioniert ganz gut! Überall steht was zum Hände waschen oder desinfizieren! Masken gibt’s selten zu sehen.

Da wir sehr einsam wohnen, Pool und den Strand vor der Nase haben, und immer noch Sommer, fällt uns das zu Hause bleiben nicht schwer! Im Moment sind meine Eltern zu Besuch, sie kamen vor Karneval, bevor das Theater los ging und nun kommen sie nicht nach Hause! Wir haben jetzt Flüge für Ostermontag und hoffen, dass es klappt, dazu nächste Woche mehr!

Unser Präsident ist ein Vollpfosten und leugnet die Gefährlichkeit, zum Glück halten alle Governadoren und Bürgermeister dagegen und handeln nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes! Gestern wurde er von einer Art Tribunal unter Druck gesetzt, er hätte 48 h Zeit seine Meinung zu ändern und sich an die Regeln zu halten! Anscheinend rudert er jetzt rückwärts. Seiner Meinung nach ist das alles nur, um unser Land zu zerstören und unnötig, ist nur eine kleine Grippe… To be continued…!!

PS: Bisher haben wir 5 Getestete, alle negativ – zwei Ergebnisse erwarten wir noch!

Schweden

Hej, ich bin Friederike und ich lebe mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn in Stockholm, Schweden.
Die Lage hat sich im Verlauf der letzten Woche kaum geändert und das Leben geht hier fast uneingeschränkt weiter. Schweden geht noch immer seinen eigenen Weg, das Wetter ist schön und die Menschen sitzen vor den Cafés und Restaurants und genießen die Sonne. Nur die großen Wintersportorte haben inzwischen reagiert und lassen das Ostergeschäft ausfallen. Zudem wurde ein temporäres Krankenhaus auf dem Messegelände eingerichtet und Besuche in den Altenheimen sind nun untersagt – geradezu ein Witz im Vergleich zu anderen Ländern, wo seit Wochen Stillstand ist!

Schwedens oberster staatliche Epidemiologe Anders Tegnell ist der Ansicht, dass der Nutzen von Schulschließungen im Zusammenhang mit Corona zweifelhaft sei und dass alle zu treffenden Maßnahmen auch über einen längeren Zeitraum durchführbar sein müssen. Dies lässt sich auf zwei Regeln reduzieren: Ältere und/oder gesundheitlich vorbelastete Menschen sollen isoliert werden und alle, die auch nur die geringsten Symptome aufweisen, sollen zu Hause bleiben. Es wird darauf vertraut, dass jeder selbst die Verantwortung für sich übernimmt. Ob das langfristig reicht, um eine Pandemie einzuschränken, sei dahingestellt, denn die Todesfälle steigen.

Wir haben jeden Tag Kontakt zu unseren Familien und Freunden und bekommen deren Ängste und Nöte während Quarantäne, Home-Office, Kinderbetreuung und Kontaktsperre mit. Es macht mir ein schlechtes Gewissen, dass in nahezu allen anderen Ländern die Menschen mit so vielen Einschränkungen leben müssen und hier fast nichts von zu spüren ist. Zum Glück kann man sich persönlich für einen anderen Weg entscheiden. Mein Mann arbeitet weiterhin Zuhause, während ich mich um unseren Sohn kümmere. Wir haben einen guten Rhythmus gefunden und sind morgens recht früh in den großen Parks der Umgebung unterwegs. Dabei begegnen wir oft mehr Rehen als Menschen, spielen mit dem Ball, spazieren und erkunden die Natur. Wir gehen weiterhin normal Lebensmittel einkaufen, halten aber Abstand, vermeiden Stoßzeiten und die Innenstadt. Ansonsten beschäftigen wir uns in der Wohnung und treffen uns nur online mit Freunden und Familie.
Ich bin hin und hergerissen, was ich als notwendige Maßnahmen als richtig oder falsch ansehen soll. Wir beobachten, wie in Deutschland durch den Lock-Down Existenzen vernichtet werden, Home-Schooling mit zeitgleichem Home-Office zur Zerreißprobe wird und man sich nach Normalität sehnt – und ein Ende der Einschränkungen ist bisher nicht in Sicht. Wie lange kann so etwas aufrechterhalten werden? Das weiß wohl keiner und wir hoffen, dass die schwedische Regierung den richtigen Weg wählt.

Portugal

Olá! J Ich bin Carla und lebe mit meinem 7-jährigen Sohn seit fast 17 Jahren in Portugal, in der Nähe von Lissabon. Dann will ich mal erzählen, wie es bei uns ist und speziell, wie ich die Situation erlebe.

In Portugal hatten wir den ersten Corona Fall am 2. März, also vor genau einem Monat. Fast zeitgleich mit dem Ausruf der Pandemie, wurde am 13. März der Notstand ausgerufen und am 16. März wurden sogleich die Schulen, Kindergärten, etc. geschlossen. Das Land hat ziemlich schnell reagiert, auch weil man ja schon die Auswirkungen in Italien beobachtet hatte. Auch Home-Office bei den Berufen, die dies zulassen, wurde von der Regierung angeordnet. Also bin ich nun schon die 3. Woche zu Hause am Arbeiten. Zeitgleich kam die soziale Kontaktsperre und man darf wirklich nur raus zum Arbeiten, Einkaufen, Apotheke, zur familiäre Unterstützung oder Arzt.

Ich muss gestehen, die erste Woche war die Umstellung auf Home-Office mit Home-Schooling Kind eine sehr nervenaufreibende Zeit. Mir und meinem Sohn fehlte der soziale Kontakt, die Spiel Dates fielen weg… Wir leben in einem kleinen Dorf und man spürte die Panik, als auf einmal die Cafés schlossen, die Tante-Emma-Läden nur beschränkte Anzahl Leute reinlassen durften. Alle liefen mit erschreckten Gesichtern herum, keiner begrüßte sich mehr mit Küsschen oder gab sich die Hand. Alles fühlte sich „falsch“ an.

In der Zwischenzeit wurde der Vater von meinem Sohn – wir leben getrennt – auch von der Arbeit freigestellt. Wir haben es dann so geregelt, dass unser Sohn von Dienstagabend bis Freitagabend bei seinem Vater und deren Familie ist und ich somit 3 Tage gut und ohne dieses doofe schlechte Mama-Gewissen, durcharbeiten konnte.

Also kam zusätzlich zur sozialen Kontaktsperre – man konnte sich ja auf einmal nicht mehr Treffen – noch diese Stille in der Wohnung dazu… Und es wird einem auf einmal bewusst, wie wichtig diese täglichen kleinen sozialen Kontakte wichtig sind.

Mein Sohn geht momentan noch relativ gelassen mit der Situation um… Bei seinem Vater hat er Ablenkung und auch Spielkameraden, mit dem er z.B. auch die Hausaufgaben macht. Ihm ist natürlich die Tragweite der Situation nicht klar, kann es nicht einordnen und vermisst das Spielen mit seinen (Schul-)freunden. Es gibt Tage, da ist auch er frustriert, aber im Großen und Ganzen kann ich noch keine großen Stresspunkte erkennen. Zum Glück!

Seit gestern wurde der Notstand bis 17. April mit verstärkten Maßnahmen, besonders zu Ostern, verlängert. Unter anderem darf man vom 9. bis 13. März den Heimatbezirk nicht verlassen, Es dürfen sich nicht mehr als 5 Personen an einem Ort versammeln, es sei den man hat eine Großfamilie. Die Flughäfen werden komplett geschlossen und die Polizei wird vermehrt Kontrollen durchführen. Alle Fahrten müssen belegt werden.

Obwohl ich objektiv verstehen kann, warum gerade zu Ostern diese Maßnahmen verstärkt wurden, habe ich gemerkt, wie sich mittlerweile ein „Quarantäne-Koller“ und auch eine gewisse Wut in mir breitmacht. Als wenn einem nun die komplette Freiheit genommen wird… Es sind sehr ambivalente, gemischte Gefühle. Aber wir sind gesund, das ist die Hauptsache.

Ich bin gespannt, wie es nun zu Ostern herum wird und halte euch auf dem Laufenden. Bleibt gesund!

Niederlande

Hallo, ich bin Nikola und wohne mit meinem Mann und unserem kleinen Sohn in Almelo in den Niederlanden.
Bei uns war es bis jetzt eigentlich relativ entspannt, hier setzte die Regierung viel auf freiwillige Mithilfe gegen Corona – was auch das “Stay home” Thema betrifft. Nerven tut uns eher die Uneinsichtigkeit unseres Ministerpräsidenten, mehr für den Schutz der Bevölkerung zu tun. Allerdings merkt man seit dieser Woche auch hier eine größere Anspannung weil auch hier die Infektions- und Todeszahlen stetig steigen.
Schulen, Kindergärten, Restaurants etc. sind auch hier seit geraumer Zeit geschlossen. Ebenso viele Einzelhandelsunternehmen. Wir bleiben schon seit ungefähr 2 Wochen freiwillig zu Hause und gehen nur vor die Tür wenn es unbedingt sein muss.
Unser Kleiner ist gerade 2 geworden, der bekommt das glaub ich nur am Rande mit, der findet es eher cool das er soviel Zeit mit Mama und Papa verbringen kann. Und wir waren froh das wir seinen Geburtstag noch mit den Großeltern feiern konnten.
Bei seinem Halbbruder sieht das schon anders aus, der ist fast 10 und wohnt bei seiner Mama in der Nähe von Rotterdam. Sehen können die 2 sich erst einmal nicht auf unbestimmte Zeit. Das macht das Patchwork-Familienleben nicht einfacher. Und bei ihm kommt dann dazu das er seine Freunde und das Tennisspielen sehr vermisst.
Wir haben zum Glück einen Garten, da verbringen wir viel Zeit und Einkäufe macht einer allein und nur wenn es sein muss. Das Einkaufen an sich ist schon ziemlich unentspannt geworden, Einkaufswagen desinfizieren, man darf nur als Einzelperson einkaufen, nur eine gewissen Anzahl darf gleichzeitig im Supermarkt sein, dann nur noch EC Kartenzahlung…
Schwierig war es auch hier zwischenzeitlich mit Windeln, Feuchttüchern etc. auch die Niederländer hamstern.
Da ich selbständig bin und nicht weiß, wie es so nach Corona weitergeht, ist das eigentlich der größte Stressfaktor. Ansonsten versuchen wir positiv zu bleiben und die Entschleunigung zu genießen.
Lieve groetjes uit Almelo, Nikola

Dänemark

Ich bin Nadine und sende Euch Update Nummer 2 aus dem wunderschönen Dänemark. Ich werfe auch gleich einmal ein paar Zahlen in den Raum. Momentan gibt es bei uns 3.107 positiv Getestete, 146 Menschen liegen auf der Intensivstation und 104 sind daran verstorben (Stand: 01.04.2020, 17 Uhr). Das mag jetzt nicht viel klingen, aber Dänemark ist auch nur ein kleines Land mit 5,8 Mio. Einwohnern.

Das Wetter war letzte Woche traumhaft, täglich schien die Sonne und wir waren viel draußen, haben Ausflüge in die Natur unternommen und sind kaum Menschen begegnet. Hier kann man sich also sehr gut aus dem Weg gehen, außerdem weiß ich von Dänen, dass sie zum Beispiel teilweise seit Jahren nicht mehr am Strand waren. Und das weiß ich von Dänen, welche hier im Ort wohnen, welcher zu 2/3 von Strand umgeben ist. Unglaublich finde ich das. :D

Nun aber wieder zurück zu unserem allseits unbeliebtem Corona. ^^ Die Regierung warnte letzte Woche, dass es auch bei jungen Menschen zu schweren Verläufen kommen kann. Wenn es nötig wird, ordnet die Regierung über Ostern ein Kontaktverbot an, bei dem nicht mehr als 2 Menschen zusammen kommen dürfen. Es wurde an die Einwohner Dänemarks appelliert, über Ostern nicht an die Küste in ihre Ferienhäuser zu reisen, sondern zu Hause zu bleiben.

Wenn das alles gut läuft und die Infektionen nicht ansteigen, wird über eine eventuelle Öffnung diskutiert. Es soll dann begonnen werden, Kindergärten und Schulen zu eröffnen. Aber nicht vollständig mit allen Kindern, sondern stufenweise. Eine Grenzöffnung steht aber noch lange nicht zur Debatte, frühestens wird in 2-3 Monaten damit gerechnet, wahrscheinlicher ist ein späterer Zeitpunkt. Auch Angestellte sollen in Etappen wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren dürfen.

Gerade für Ferienhaus-Vermieter ist das eine sehr schwere Zeit, 95% aller Buchungen kommen im Normalfall aus Deutschland, die restlichen 5% aus anderen Ländern oder direkt aus Dänemark. Es gab leider auch schon Entlassungen in dem Bereich. Kleinere Ferienhausanbieter werden diese  Corona-Krise leider nicht überleben. :(

Wer zu viel Zeit hat, schon seine Hunde frisiert oder Klopapier isst, kann sich am 05.04.2020 (20:15 Uhr) die mehrteilige Dänemark-Reportage „Land zwischen den Meeren“ auf NDR anschauen. :D In diesem Sinne, bleibt zu Hause und gesund! Bis zum nächsten Mal, Nadine :)

Moskau / Russland

Hallo, ich bin Doris und lebe mit meiner Familie seit ca. 4 Jahren in Moskau. Während letzte Woche noch alles relativ ruhig war und es kaum Sicherheitsmaßnahme gab, sieht es diese Woche auf einmal ganz anders aus. Auch hier gibt es jetzt eine Ausgangssperre und alles bis auf Lebensmittelläden und Apotheken ist geschlossen. Das ging ziemlich schnell, innerhalb von 2-3 Tagen ist das Leben von normal auf Ausnahmezustand gegangen. Am Abend, als die Ausgangssperre bekannt wurde, stand mein Handy nicht still. Jeder hatte neue und andere Informationen, vieles war unklar.  Jetzt soll sogar ein QR-Code eingeführt werden und nur mit dem darf man das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen oder zum Arzt, sonst drohen hohe Strafen. Das hört sich alles so surreal an.

Andererseits steigen die Zahlen der Infektionen in Russland, und vor allem in Moskau, schnell an und es ist klar, dass etwas passieren muss. Anfang der Woche habe ich beim Blick aus dem Fenster auch noch relativ viele Leute auf der Straße gesehen, jetzt wird es so langsam weniger.

Was mir ein wenig Sorge bereitet ist, dass ich es nicht mehr so einfach ist online zu bestellen. Ich habe sonst ca. einmal die Woche eine große Supermarkt-Lieferung bekommen. Normalerweise bestellt man und am nächsten Tag wird alles geliefert – unkompliziert und schnell. Jetzt bekomme ich keinen verfügbaren Zeitpunkt mehr und die Lieferungen brauchen mindestens eine Woche. Ich hoffe, dass sich das bald wieder einpendelt.

Bei uns ist die Stimmung noch ok. Wir haben unsere Routine, die wir mehr oder weniger einhalten und die Kinder sind ganz froh, dass sie so viel Zeit mit Mama und Papa verbringen können. Außerdem gibt es natürlich mehr Fernsehen als sonst. Wir backen viel, machen jeden Tag online Kita-Sport und Hausaufgaben (ja, auch mit 5 müssen meine Mädels hier schon lesen, schreiben und rechnen lernen). Somit geht die Zeit relativ schnell um und eine meiner Mädels erklärte mir gestern, dass die Tage viel schneller umgehen würden und sie immer so früh ins Bett müsste. Mir geht es aber auch so, Langeweile kommt nicht auf, denn es ist jeden Tag viel zu tun.

Transilvanien / Rumänien

Hi, hier ist Marion aus Transilvanien. Diese Woche haben wir es getan – wir waren “in der Großstadt” zum Einkaufen. Es musste nach einigen Wochen Zuhause mal wieder sein, denn manche Dinge gibt es hier auf dem Land einfach nicht: Baumarkt, Bank, Steuerberater. Wie aufregend! Schon in der Nacht davor konnte ich schlecht schlafen, und als ich unseren “Ausgehzettel” ausgefüllt habe, war ich richtig zitterig – habe ich alles richtig gemacht? Müssen wir ansonsten 1.000 Euro Strafe bezahlen, man hört und liest ja schlimme Geschichten? Ist es eigentlich ein Problem, dass das Kind auch mit im Auto sitzt, so ganz genau konnte ich keine Info dazu finden? Wie oft werden wir wohl auf der Fahrt (immerhin 65 km one way) von der Polizei kontrolliert werden? Ich mach es kurz: keinmal. Auch mitten in der Stadt nicht, obwohl wir auch noch mit einem riesigen Anhänger unterwegs waren. Es war einfach herrlich. Ein richtiger Ausflug, fast wie früher! Hach. Man lernt ja echt, sich wieder über kleine Dinge zu freuen. Aber ich will unser Glück nicht überstrapazieren – den Rest der Woche bleiben wir lieber Zuhause. Es gibt nochmal einen kleinen Wintereinbruch mit Schnee und eiskaltem Wind, kein Wetter zum rausgehen. Also nutze ich die freie Zeit und habe mal wieder im Bücherregal gestöbert, und welches Buch fällt mir ausgerechnet in die Hände? “Unsere kleine Farm” von Laura Ingalls. Als Kind habe ich es so oft gelesen, dass ich den Buchrücken mit Tesafilm kleben musste. Jetzt, nach ca. 30 Jahren Pause, bin ich neugierig, ob es mich immer noch fesselt. Es gibt ja keine Zufälle, aber ironischerweise handelt die Geschichte u.a. von einem extrem harten Winter voller Schneestürme. Lauras Familie, sechs Personen, kann sieben Monate lang, von Oktober bis April, ihr Haus (bzw. das eine geheizte Zimmer) nicht verlassen. Jeden Morgen beim Aufstehen ist das Wasser im Wassereimer in der Küche gefroren, und jeder Nagel im Haus hat eine Frostschicht. Es gibt in keinem Geschäft in der Stadt mehr etwas zu kaufen, weil die Züge irgendwo in der Prärie festgefroren sind. Von Januar bis April ernährt man sich jeden Tag ausschließlich von Weizenbrot und geschmolzenem Schnee und starrt vor sich hin. Und dann plötzlich, im Mai, fahren die Züge wieder, und das Buch endet mit einem großen Festessen im Kreise der Familie und Freunde. Ich muss zugeben, ich bin wirklich ein bisschen demütig, als ich das Buch zuklappe… Und ich freue mich schon mal auf das nächste gemeinsame Festessen. Vielleicht ja auch im Mai…?

Texas / USA

Howdy, ich bin Andrea und lebe mit meiner Familie in einem Vorort von Dallas in Texas, USA. Die Ausgangsbeschränkungen wurden hier vor einigen Tagen bis zum Ende des Monats verlängert. Wir verbringen also weiterhin unsere Zeit in der Wohnung und gehen höchstens mal spazieren. Diese Woche verlief hier etwas entspannter, auch wenn es bessere und schlechtere Tage gibt. Vielleicht haben wir uns nun an das Eingesperrt sein gewöhnt…

Es kommt mir sehr unwirklich vor, was gerade passiert. Wenn ich durch die Stadt fahre, und die leeren Parkplätze vor den Fast-Food Ketten sehe, dann kann ich es kaum glauben. Das waren vor wenigen Wochen noch gut gefüllte Parkplätze und jetzt herrscht gähnende Leere. Die (Fast-Food-)Restaurants bieten nun häufig eine take-out oder Liefer-Option an. In den sozialen Medien wird dazu aufgerufen, diese Optionen auch zu nutzen, um die Restaurants zu unterstützen. Auch kleine Geschäfte in der Region erhalten Unterstützung. So wird dazu aufgerufen, Gutscheine dort zu kaufen oder online zu bestellen. Viele Geschäfte bieten einen Lieferservice oder eine Abhol-Option an. Ich habe den Eindruck, dass viele nun enger zusammenrücken, in dieser schwierigen Zeit.

Der Lebensmitteleinkauf ist für mich eine zweischneidige Sache. Einerseits freue ich mich sehr, auch mal raus zu kommen. Andererseits habe ich mich in Supermärkten wiedergefunden, die komplett leer gegrast waren. Mit ausverkauftem Toilettenpapier hatte ich gerechnet. Jedoch stand ich leeren Regalen in fast allen Bereichen gegenüber: kaum Obst und Gemüse, keine Milch, keine Eier, keine Wurst und Käse, keine Nudeln und Saucen etc. Und vor allem: kein Wasser. Das Wasser aus dem Hahn ist hier nicht wirklich gut trinkbar, daher müssen wir welches kaufen. Das war anfangs tatsächlich eine Schwierigkeit, weil es nichts mehr gab. Diese Situationen im Supermarkt haben mir ganz schön zugesetzt. Dadurch wurde die Krise für mich so richtig greifbar und ich kam doch recht deprimiert nach Hause. So langsam scheint sich die Situation zum Glück zu normalisieren. Mein Mann berichtete nach seinem letzten Einkauf von volleren Regalen. Wir hoffen das Beste!

Die täglichen Spaziergänge um den Block tun uns gut, allerdings wird es hier in wenigen Wochen wieder so heiß sein, dass man sich kaum draußen aufhalten kann. Letzten Sommer konnten wir uns auf Wasserspielplätzen oder im Pool abkühlen. Das wird in näherer Zeit nicht möglich sein. Davor graut es mir schon gewaltig, weil wir dann wirklich komplett an die Wohnung gebunden sind. Aber wer weiß, wie sich alles entwickelt…

Viele Grüße aus Texas!

Singapur

Hallo, ich bin Jacqueline und lebe mit meinem Mann und unseren 2 Söhnen (9 und 3 Jahre alt) seit 1,5 Jahren in Singapur. Wir haben hier noch ein relativ normales Alltagsleben mit Einschränkungen zwar, aber doch weitestgehend normal. Momentan sind wir ganz froh, dass wir in Singapur wohnen, denn der kleine Stadtstaat hat durch SARS sehr viel gelernt und ist gut auf eine solche Pandemie vorbereitet. Aber auch hier werden die Supermärkte leer gekauft und es gab zeitweise kein Klopapier mehr und auch keinen Reis und keine Instant-Nudeln. Wir gehen inzwischen wieder selbst einkaufen, weil das System mit der Online-Bestellung und Lieferung momentan heillos überfordert ist. Ist jetzt halt ein bisschen komplizierter, denn in Singapur hat man normalerweise kein Auto und es ist schon morgens 9 Uhr ziemlich heiß. Also haben wir letzte Woche mal einen Einkauf für die nächsten 2 Wochen gemacht. Ansonsten vermisse ich mein soziales Leben: Veranstaltungen wurden schon Mitte März abgesagt und seitdem versucht man sich eigentlich weitestgehend zu isolieren und mit Leuten außerhalb „der Familien- Bubble“ jeglichen Kontakt zu vermeiden. Seit letzter Woche wurden alle außerschulischen Aktivitäten bis Ende April stillgelegt, viele Spielplätze sind geschlossen, viele Museen und alle Kinos, sprich alles wo man sich zu nahe kommen kann.

Wir hatten auch schon 2 Corona Fälle in unserem Condo (Wohnblock) und daraufhin wurden alle BBQ-Stellen, das Fitnessstudio und die Mehrzweckräume plus Pool geschlossen und alles desinfiziert. Den Pool haben sie zum Glück vor 2 Tagen wieder aufgemacht, somit kann ich die Jungs gut beschäftigen, denn wir haben auch gerade reguläre Ferien und die Schulen sind bisher noch nicht geschlossen. Ansonsten ist es in Singapur sehr ruhig geworden, vor allem an den ganzen Touristen-Attraktionen. Ich habe letzte Woche mit den Kids einen Ausflug in den Zoo und in das Aquarium gemacht und wir waren mehrheitlich alleine. Was auch mal ganz schön ist.

Ein bisschen mulmig ist uns, wenn wir sehen das sich „der Wahnsinn mit C“ auch weiter fleißig in Singapur ausbreitet, zumal eine Ansteckung für mich mit Asthma wahrscheinlich nicht gut käme. Das mein Mann und ich beide seit Jahren im Home-Office arbeiten, ist gerade sehr von Vorteil – zumindest ändert sich da nicht viel, außer dass er seit Februar auf keiner Geschäftsreise mehr war, weil die Firma alle Reisen seitdem verboten hat.

Wir fühlen uns in Singapur sehr sicher, die Einstellung der Asiaten hilft da natürlich auch. Die Anweisungen der Regierung werden voll unterstützt und befolgt. Das hat wahrscheinlich sehr dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Infizierten gering hält, momentan sind wir bei 1.003 Personen und da waren viele importierte Fälle dabei, die kurz vor der Grenzschließung zurückgekommen sind.

Angst habe ich mehr um meine Eltern in Deutschland, da mein Papa eine Infektion wohl nicht gut wegstecken würde. Aber wir versuchen positiv zu bleiben und nehmen jeden Tag wie er kommt – mal schauen was die nächsten Wochen noch so bringen.

Kalifornien / USA

Hi, Charlotte hier aus Folsom, California. Eines vorweg, es geht uns gut. Trotz steigender Zahlen der Infizierten. Auch in unserem Ort. Und auch Kassierer aus unserem Supermarkt. Ok. Ansonsten ist es gefühlsmäßig ein Auf und Ab. Das kann von Tag zu Tag wechseln oder auch von Stunde zu Stunde.

Es ging mir persönlich diese Woche aber deutlich schlechter als letzte Woche. Weil seit Montag es hier, in unserem Ort, untersagt ist rauszugehen. Es gibt 6 oder 7 nachgewiesene Corona-Fälle. Außer wie bekannt zum Supermarkt, zum Arzt/ Apotheke oder zur Arbeit müssen alle zu Hause bleiben. Parks sind geschlossen. Spielplätze sind geschlossen. Es gibt Kontrollen durch die Police. Bis dato waren wir einmal täglich auf unserem nahegelegenen Spielplatz. Immer darauf achtend niemandem nahe zu kommen. Es waren eh kaum Menschen unterwegs. Auch wenn wir einen Garten haben, ist das nun ein deutlicher Einschnitt. Und seitdem habe ich diese Liedzeile im Kopf: “Ich möchte mein Leben zurück”. Ich sage mir, ok es ist richtig. Wir müssen es zusammen schaffen. Es wird gehen. Irgendwann ist es vorbei.

Sagt mir einer, es sind 4 Wochen. Ok. Das ist eine Zahl. Damit kann ich planen. Aber es sagt niemand. Es kann niemand sagen. Das weiß mein Kopf. Es wird gemunkelt … Schulen bleiben bis zur summer break (Ende Mai) geschlossen. Das macht mir Angst. Mir machen die Infektionen Angst.  Diese vielen Toten.  Diese Ohnmacht. Weltweit. Die Fragen der Kinder … dieses nicht wissen, wie es sich entwickelt.

Aber ich muss meine Jungs loben. Meine Kids, die sich tapfer durch den Schulstoff kämpfen. Meinen Mann, der täglich zur Arbeit geht und mit uneinsichtigen Arbeitern zu tun hat, denen er jeden Tag aufs Neue die Hygienemaßnahmen erklären muss. Ich stehe etwas dünnhäutiger daneben.

Diese Woche fehlt mir etwas die Kraft oder die Quelle für neuen Mut und Hoffnung. Hoffentlich auf eine bessere nächste Woche. Es ist spring break … keine Schulaufgaben. Aber was können wir Sinnvolles machen. Schon sind die Fragen wieder im Kopf …

Liebe Grüße aus California,
Charlotte

Norwegen

Ich heiße Sabrina und wohne seit fast vier Jahren mit meiner kleinen Familie in Sandnes, Norwegen. Heute bin ich echt am Ende. Um 9 Uhr hatte Odin (6 Jahre) Videochat mit seiner Lehrerin und allen Jungs aus der Klasse. Um 10 hatte Ragnar (2 Jahre) Videochat mit seiner Erzieherin. Dann Heimunterricht mit Odin… Es war ein Graus! Mathe und Englisch! Und noch eine Osterkarte basteln.
Jetzt wird hier schon überlegt, ob die Schulen und Kitas nach Ostern weiterhin geschlossen bleiben. Sicherheit ist ja schön und gut, aber denkt auch jemand an die Eltern, die den Stoff vermitteln sollen? Wenn ich sowas gewollt hätte, wäre ich Lehrerin geworden.

Normalerweise arbeite ich für eine große Klinikkette, die Zahnarztpraxen in ganz Skandinavien hat. In meiner Region sind es alleine 5 Praxen. In vier davon arbeite ich fest, aber auch auf Abruf, falls mal eine Helferin ausgefallen ist.
Ich vermisse meinen gewohnten Alltag. Ich will Freunde, Kollegen und Patienten treffen! Mich mit ihnen auf norwegisch unterhalten.

Nach wie vor wird Sicherheit hier sehr großgeschrieben. Wenn wir einkaufen müssen, fahre ich oder mein Mann alleine. Klebestreifen auf dem Fußboden (Meterabstand) und Händedesinfektion sind überall präsent. Coole Idee wie ich finde. Gehamstert wird nicht. Einige Läden haben ihre Öffnungszeiten “angepasst”. Anstatt um 21 Uhr wird um 18 Uhr geschlossen. Manche Läden haben vorsorglich ganz geschlossen (Friseure, Restaurants, etc).

Ich bin derzeit freigestellt und kümmere mich gemeinsam mit meinem Mann um die Betreuung der Kids. Das “Homescooling” ist nervig. Sowohl für mich, als auch für den Großen. Er ist im August eingeschult worden und hat Ende Februar seinen Laptop von der Schule bekommen. Das macht es für uns in der aktuellen Situation zwar einfacher Hausaufgaben zu erledigen, trotzdem kann ich den Lehrstoff nicht so übermitteln, wie ein Lehrer es macht. Das fängt schon mit der Diskussion an, ob und warum er denn überhaupt Hausaufgaben muss. Wenn wir die Aufgaben, die wir jeden Morgen online zugeschickt bekommen, dann erledigt haben senden wir diese online wieder zurück. Eigentlich eine tolle Sache, aber der Weg dahin ist mehr als steinig.

Auf diesem Weg möchte ich mich bei allen Lehrern/Lehrerinnen und Erzieher*innen dafür danken, dass SIE meine Kinder betreuen und unterrichten!

Liebe Grüße,
Sabrina

Niederlande

Hallo, ich bin Eske, Witwe und wohne mit meinen zwei Töchtern, die 4 und 6 Jahre alt sind, im Grenzgebiet in den Niederlanden.Unser Leben steht, wie das von wohl allen, momentan ziemlich auf dem Kopf. Normalerweise sind die Mädchen vormittags (bis 14.30 Uhr) in den ersten zwei Klassen der Basisschool und gehen danach in ihren kinderdagverblijf. Während der Zeit arbeite ich und das funktioniert ziemlich gut.
Momentan bin ich im Home-Office und seit dem 16.03.2020 sind bei uns die Schulen geschlossen (bis Ende April vorläufig). Das bedeutet also, dass die Mädchen auch zu Hause sind. Wir wohnen in einem kleinen Dorf, dadurch kann man noch ziemlich gut rausgehen, was auch noch gestattet ist. Ich werde an diesen Zeitraum auf jeden Fall an die Zeit zurückdenken, dass die Jüngste richtig gut Fahrrad fahren gelernt hat, weil wir das viel machen.
Dabei gehen wir dann auf Berenjacht, eine Aktivität gerade hier in NL. In vielen Wohn- oder Schlafzimmerfenstern sieht man Teddybären – bei uns natürlich auch. Während die Kinder draußen spazieren gehen oder eben mit dem Rad unterwegs sind, können sie Teddys zählen und manchmal auch noch kleine Aufgaben lösen – zum Beispiel ein Lied von Bären singen…! Die Mädchen finden das eigentlich noch ziemlich toll.
Für die Schule bekommen sie einmal wöchentlich Aufträge, manchmal wird auch mit der Lehrerin gechattet. Die Aufträge sind dem Alter entsprechend überschaubar, viel mit Ausmalen etc. Da wir im Sommer zurück nach D ziehen werden, hat die Schule für mich gerade nicht die höchste Priorität, die Große wird dann dort eingeschult.
Ein fester Moment im Tagesablauf ist um 11.30 die Sendung mit der Maus. Die mögen sie beide gerne, guter Zeitpunkt für berufliche Telefonate. Die Älteste spricht schon sehr gut Deutsch, die Jüngste versteht es, hat aber noch nicht so viel Lust Deutsch zu sprechen. Der passive Wortschatz ist aber auf jeden Fall da.
Inzwischen haben wir auch bei uns in der Nähe in Deutschland einige hilfreiche Geschäfte gefunden, die auch in die Niederlande verschicken – so wird uns auch der heißersehnte Frozen-Tonie hoffentlich rechtzeitig zu Ostern erreichen.
Die Belastung Kinder-Haushalt-Home-Office ist eine ziemliche Herausforderung. Wir haben zum Glück noch zur Familie der besten Freundin meiner Großen Kontakt, dort sind die Mädchen auch 1-2 Mal in der Woche oder sie bei uns. Das gibt mir doch die Möglichkeit, mal länger konzentriert zu arbeiten oder auch eben einzukaufen und beugt auch sehr dem Lagerkoller vor. Ich gehe nicht mehr mit meinen Töchtern einkaufen, sondern, wenn dann eben allein. Für heute morgen hatte ich online einen Abholtermin ergattert (die sind oft weit im Vorfeld belegt) und habe dann am Mittwoch schon einen Ostergroßeinkauf in einem Supermarkt gestartet. Das war natürlich praktisch, weil ich so die Einkäufe gesammelt abholen konnte. Hier ist übrigens außer Mehl alles normal erhältlich, auch Toilettenpapier. Hier wird momentan fast nur per Karte bezahlt, was aber eh gängiger ist als in Deutschland.
Die Stimmung bei mir ist durchaus angespannt, da ich natürlich, trotz aller digitaler Kontakte zur Familie und Freunden und Kollegen, alleine verantwortlich bin.

Schweiz

Hallo zämä, ich bin Damaris und lebe mit meiner Familie im schönen Appenzellerland in der Schweiz. Im Vergleich zu letzter Woche gab es von der Regierung keine neuen Anweisungen, außer den bisher bekannten (nur für Einkäufe/Arbeit aus dem Haus). Diese Woche, muss ich ehrlich sagen, läuft bei mir alles ein wenig ruhiger. Ich bin von meinem extremen Aktivismus (jeden Tag putzen/bewegen/soziale Kontakte per Handy etc.) ein wenig weggekommen und versuche den Stress rauszunehmen. Also erstmal in Ruhe mit Sohnemann (4 Jahre) Frühstücken, gemeinsames Kinder-Yoga, in Ruhe den Haushalt machen und nachmittags gehen wir dann immer nach draußen. Mir fällt die Einschränkung mit den sozialen Kontakten sehr schwer. Letzte Woche noch im Homeoffice, „durfte“ ich diese Woche wieder im Büro arbeiten, da wir die Vorschriften einhalten können (nur 1 Person pro Büro / 2 Meter Abstand etc.) und war ehrlich gesagt froh drum. Homeoffice hat geklappt, aber ich kann immer noch besser im Büro arbeiten. Solange dies möglich ist, werde ich das in Anspruch nehmen. Ich merke, dass mein Sohn inzwischen auch ruhiger ist. Das Thema ist logischerweise jeden Tag präsent, aber wir versuchen zumindest abends Ruhe reinzubringen und das Corona-Thema ist dann tabu. Ich staune, wie mein Junior das für sein Alter begreifbare versteht. Wir wohnen im Grünen und sehen jeden Tag sehr viele Spaziergänger, auch wenn wir dann zum Wald laufen und uns diese begegnen, weist er sie darauf hin „dass wir Abstand halten müssen“. 🙂 Die Anweisungen der Regierung gelten bis 19. April und in den nächsten Tagen wir bekannt werden, ob dies verlängert oder teilweise gelockert wird. So sind wir darauf gespannt und bleiben bis dahin zu Hause und geduldig.

Los Angeles / USA

Hallo, ich bin Julia und lebe mit meinem Mann und unserem Sohn, 8 ½, in einem ruhigen, ländlichen Vorort im nördlichen Los Angeles. Aktuelle Zahlen von heute (Freitag) Nachmittag: 4.566 getestete Fälle, 89 Tote. Getestet kann man hier nur werden, wenn man ernste Symptome aufzeigt.

Seit 3 Wochen sind bei uns die Schulen komplett geschlossen, davor durften wir unsere Kinder nur noch an die Schule bringen, aber selber nicht mehr aufs Schulgelände. Die Schule arbeitet gerade fieberhaft an einem Online-Programm, das nach den offiziellen Frühlingsferien (die haben wir gerade für 2 Wochen) Mitte April in Kraft treten soll. Schulen sind für den Rest der Schuljahres geschlossen.
Wir sind angehalten, nur für das Allernötigste das Haus zu verlassen: Einkäufe, Apotheke, Spaziergang. Alle öffentlichen Wanderwege, Parks und Strände sind seit einer Woche geschlossen, weil sich einfach zu viele Menschen da ansammelten. Wer trotzdem am Strand gefunden wird, muss mit Strafzahlungen bis 1.000 Dollar rechnen. Social Distancing wird uns dringendst ans Herz gelegt und von den meisten befolgt. Je nachdem, in welchen Laden man geht, werden beim Einkaufen immer nur kleine Zahlen Kunden in die Läden gelassen, die anderen sollen draußen mit Abstand warten. Das kann bis zu 40 Minuten dauern. Eine große Kette hat sogar eine Extranachricht an ihre Kunden gesendet, sie sollen doch gefälligst NICHT zu zweit oder dritt kommen! Andere Geschäfte halten sich jedoch nicht daran, die Diskrepanz ist gewöhnungsbedürftig. Leere Regale bei Nudeln, Klopapier, Küchenkrepp etc. haben wir hier wie bei euch denke ich. Tiefkühlgemüse gehört auch dazu.

Ich arbeite von zu Hause, was allerdings schwieriger ist, wenn die ganze Familie um mich rumwuselt (Hund und zwei Katzen kommen auch noch dazu). Mein Mann ist Musiker und dementsprechend komplett arbeitslos, alle Auftritte und Tourneen bis Spätsommer abgesagt (vorläufig) und auch sämtliche Aufnahmesessions. In Los Angeles sind viele Menschen in der Entertainmentbranche (ach was!), und da all diese Leute projektbezogen arbeiten und naturgemäß selbständig sind, muss da unbedingt schnell eine finanzielle Lösung her. Natürlich auch für all die nicht registrierten Immigranten, die hier praktisch den ganzen Laden schmeißen.

Wir kommen ansonsten aber sehr gut zurecht. Wir leben, wie gesagt, in einer ruhigen Gegend, wo wir auch NOCH entspannt rausgehen können, wenn uns die Decke auf den Kopf fällt. Wir haben einen Garten, draußen wird‘s Frühling und mit viel positiver Einstellung und Dankbarkeit können wir die Tage meistern. Wir haben ein reichhaltiges akademisches Onlineangebot, das wir bisher noch nicht einmal genutzt haben. Wir skypen mit Freunden, auch unser Sohn. Unsere Netflixliste ist so lang, dass wir gut ein Jahr in Quarantäne überleben würden. Im Augenblick aber sind wir hauptsächlich faul.

Was ich zu unserer Regierung und ihren Aktionen noch sagen muss, weiß ich nicht. Vielleicht nur ein Satz: Wir haben einen unfähigen Präsidenten, gezeichnet durch pathologische Bösartigkeit und Narzissmus, der seinesgleichen sucht. Wie viele Menschen er am Ende auf dem Gewissen haben wird – wer weiß. Sicher um ein Vielfaches mehr, als Menschen in Deutschland sterben werden.

Der Bürgermeister von LA, Eric Garcetti, und unser kalifornischer Gouverneur Gavin Newsom machen Gott sei Dank ihren Job gut, obwohl ihnen, wo immer möglich, Steine in den Weg gelegt werden. Die Beatmungsgeräte, die uns geliefert wurden, waren allesamt kaputt und mussten erst in Kalifornien repariert werden. Das LA Convention Center wird zu einem Großkrankenhaus umfunktioniert. Ein Militär-Krankenhausschiff hat vor ein paar Tagen vor LA angedockt, komplett mit medizinischer Besatzung.

Mehr in Bälde, hab bestimmt Etliches vergessen… Julia

 

Ich danke euch allen, die ihr euch die Zeit genommen habt, mitzumachen und bin schon gespannt auf eure nächsten Corona-Updates!

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Text teilt! :-*

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