Corona-Updates
Corona

8 persönliche Corona-Updates aus aller Welt – Teil 11

Alle vier Wochen geben „LÄCHELN UND WINKEN-Korrespondenten“ aus den verschiedensten Ländern Corona-Updates zur aktuellen Corona-Virus-Lage in ihrem Zuhause – unter welchen Beschränkungen sie gerade leben, wie sie damit klarkommen, welche Auswirkungen das alles auf sie hat und wie sie sich fühlen. Es ist ihnen überlassen, was genau sie erzählen möchten; sie gewähren uns einfach einen ganz persönlichen kleinen Einblick in ihre aktuelle Situation während der Corona-Krise. Es geht nicht um Politik oder Zahlen … es geht rein um die persönlichen Eindrücke und Familien.

Mit dabei sind – je nachdem wie sie es zeitlich schaffen oder was es zu erzählen gibt – Eltern bzw. Mütter aus folgenden Ländern:

  1. Norwegen
  2. Schweiz
  3. Formentera
  4. Dänemark
  5. Niederlande
  6. England
  7. Deutschland
  8. Österreich
  9. Portugal
  10. Shanghai/China
  11. LA / USA
  12. Texas / USA
  13. Kalifornien / USA
  14. NY / USA
  15. Moskau /Russland
  16. Spanien
  17. Stockholm/Schweden
  18. Transsilvanien/Rumänien
  19. Italien
  20. Belgien
  21. Brasilien
  22. Singapur
  23. Island
  24. Südafrika
  25. Australien
  26. Neuseeland
  27. Peru

Es melden sich nicht alle jede Woche, aber doch so oft es ihnen (trotz Kinder, Arbeit, Krankheit, Krisen und Hüttenkoller) möglich ist. Und ich bin dankbar FÜR und gespannt AUF jeden dieser Einblicke!

Corona-Updates in Text-Form:

Mit dabei sind diesmal Markus und Anna aus Neuseeland, Johanna aus Peru, Naddel aus Brasilien, Katharina aus China, Rike aus Australien, Damaris aus der Schweiz, Jaqueline (ehemals aus Singapur) aus der Schweiz und Doris aus Russland.

Neuseeland

Hallo aus Neuseeland! Wir sind Markus und Anna, und seit kurzem Baby Karl. Wir sind neu in der Runde.
Wer sich derzeit auf Weltreise befindet, hat schlechte Karten. Mit Glück sind wir in einem einwanderfreundlichem Land stecken geblieben. Also haben wir beschlossen, erst einmal hierzubleiben und leben und arbeiten seit März in Auckland.
Von Anfang März anzufangen würde den Rahmen sprengen, um es kurzzufassen: Neuseeland hat von Beginn der Pandemie bis heute mit einem 4 Stufigen Alarmsystem gearbeitet, wobei Stufe 1 die wenigsten Einschränkungen bedeutet und Stufe 4 der Lockdown.

Viele von euch haben sicher mitbekommen, dass Neuseeland einige Wochen coronafrei war. Von Anfang Juni an war hier von Einschränkungen nichts mehr zu bemerken. Nicht so seit dem 12. August.

In Auckland wurden wieder 4 Fälle festgestellt. Mitten in der Nacht wurde an jedes Mobiltelefon, welches sich im neuseeländischen Netz befindet, eine Notfallbenachrichtigung abgeschickt. Binnen 12 Stunden wurde Auckland abgeriegelt und in Stufe 3 geschickt, der Rest des Landes in Stufe 2. Nur zur Erklärung, Notfallbenachrichtigung bedeutet, dass auch lautlos gestellte Telefone in einem wilden und lauten Alarmsignal vor sich her klingeln. Wir finden die schnelle Umsetzung supergut organisiert, aber von einem Alarmsignal aus dem Schlaf gerissen zu werden, ist erstens nicht schön und zweitens hat das die ganze Situation wieder sehr angeheizt.

Einige Supermärkte haben hier 24/7 geöffnet und wurden demnach mitten in der Nacht wieder überrannt und leer gekauft. Dennoch mangelt es hier an nichts, am nächsten Tag sind die Regale wieder voll und sobald die erste Panik vorbei ist, bleiben sie das auch.

Stufe 3 bedeutet, dass essenzielle Geschäfte wie Lebensmittel und Apotheken geöffnet haben dürfen. Bei Ärzten bekommt man nur Face-to-Face Termine, wenn man vorher anruft und der Termin für unausweichbar geachtet wird. Ansonsten laufen Arzttermine über Videotelefonie. Alle anderen Geschäfte dürfen nur online oder über Click & Collect verkaufen.
Durch das Reiseverbot im Land konnte die Verbreitung aus Auckland heraus verhindert werden.

Die Fallzahlen stiegen in den ersten Tagen wieder rasch an, sind aber nun nach 2 ½ Wochen Stufe 3 wieder gesunken. Seit dem 31.08. ist auch Auckland in Stufe 2 angekommen. Einzige Neuerung: In öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es eine Maskenpflicht. Ursprünglich waren Masken überall freiwillig, wurden aber von fast jedem getragen.

In jeder der 4 Stufen ist es möglich nach draußen zu gehen. Spazieren oder am Strand liegen, im Park sitzen, solange man 2 Meter Abstand halten kann, ist es erlaubt.
Reaktionen in der Bevölkerung gibt es fast alle, von kompletter Ignoranz bis fast in den Zaun springen, weil man auf dem Gehweg nicht genau 2,0 m Abstand einhalten kann, alles dabei.

Einig sind sich auf jeden Fall alle: Corona nervt. Wobei wir uns echt glücklich schätzen können. Zwar stoppt unsere Weltreise gerade, aber wir konnten Fuß fassen, haben eine Wohnung, Arbeit, unser Baby ist hier geboren und wir dürfen hierbleiben, sogar eine ganze Weile. Also, es gibt Schlimmeres.

Stay save!

Peru

Hallo und guten Abend aus Lima :)

Hier lebe ich an der schönen Pazifikküste und das seit 9 Jahren. Peru gehört leider zu den Ländern, die das Virus am Schlimmsten getroffen hat.

Und was ist hier passiert in den letzten 2 Wochen? Gefühlt eigentlich gar nichts. Der Präsident hat letzte Woche verkündet, das die Ganztags Ausgangssperre am Sonntag und unter der Woche ab 22.00 Uhr – 4.00 Uhr morgens auch den ganzen September über gilt. Auch der Ausnahmezustand gilt hier immer noch bis Ende des Monats und man munkelt, dass sich das bis Dezember nicht ändern wird.  Es wird hier jetzt auch im Fernsehen ein „Werbefilm“ gezeigt, warum man Abstand halten soll und nicht Fußballspielen oder feiern oder seine Großeltern besuchen soll. Ich bezweifle allerdings, dass das hilft.  Im Fernsehen heißt es aber heute, dass die Zahlen sinken. Ich sehe nichts sinken, wenn man sich die offiziellen Zahlen anschaut, eher steigen sie nicht mehr so schnell an wie noch vor ein paar Wochen. Es gibt also ein wenig Hoffnung.

Die größte Nachricht war gestern, dass der internationale Flugverkehr wieder aufgenommen wird (1. Oktober) nach Amerika, Mexiko, Brasilien und Spanien (und damit ganz Europa). Meiner Meinung nach keine besonders schlaue Idee, ich hoffe das geht nicht nach hinten los. Wir werden es sehen.

Ansonsten verlasse ich auch weiterhin nur selten das Haus, eigentlich nur um Besorgungen zu machen. Wir sind vor einem Monat in in eine größere Wohnung umgezogen und man glaubt nicht, was eine große Wohnung während der Quarantäne so ausmachen kann. Hier geht es uns deutlich besser und wir sind „gerne drin“. Die andere Wohnung war so klein, dass man dort nach 5 Monaten Quarantäne regelrecht Platzangst bekommen hat. Das Beste aber ist, das wir bis heute gesund sind und uns nirgendwo angesteckt haben, da wir uns an die Kontaktsperre halten.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende! Bleibt gesund!
Johanna

Brasilien

Hier ist die Naddel von der Insel in Brasilien.

Bei uns ist eigentlich alles gleich, wir hatten einen starken Anstieg nach diesen besagten Ansammlungen und bei 34.000 Einwohnern haben wir jetzt 10 Tote, 80 aktive im Moment und 250 kurierte! Aber die meisten von uns denken, dass die realen Zahlen viel höher sind.

Überall stehen Spender für Alkohol Gel rum, alle Einkaufskörbe etc. werden desinfiziert und die meisten tragen eine Maske!
Unser Bundesstaat lockert langsam so, dass auch wieder Busse fahren, unser Bürgermeister fand’s nicht gut, hat aber zumindest 1 Linie wieder zugelassen! Dazu müsst ihr wissen, dass das alles Überland-Busse sind und quasi das einzige Fortbewegungsmittel – abgesehen vom Auto! Die Entfernungen hier sind gigantisch.

Die Schulen bleiben erstmal noch zu, aber die Hotels dürfen mit 30 % Belegung und Hygiene-Vorschriften seit dem 1.9. wieder öffnen.
Uns wird echt langsam mega langweilig zu Hause, weil auch das Wetter echt mies war in der letzten Zeit… Ist halt Winter, wenn auch ohne Schnee und über 18 Grad.
Mir fehlt auch so jegliche Motivation den Ar…. hochzukriegen, manchmal bin ich voller Elan, aber das hält nicht lange.
Zum Glück läuft die Online-Schule relativ problemlos.
Nun ja wir gehen in großen Schritten auf den Sommer und die Hauptsaison zu, da denke ich wird alles wieder öffnen, wie in Europa auch zur Ferienzeit.. was danach kommt, wird sich zeigen.

China

Hallo, mein Name ist Katharina. In China ist die Lage nach wie vor sehr beruhigt. Die Zahlen sind stabil, insbesondere, weil das Land ja seit Ende März seine Grenzen konsequent geschlossen hält. Es reisen also bis auf wenige Ausnahmen mit Sondervisum, Tests am Abflug- und Ankunftsflughafen und vierzehntägiger überwachter Quarantäne in staatlicher Unterbringung nur noch chinesische Staatsangehörige ein – und die machen dann die paar sogenannten „imported cases“ aus, die die sehr geringen Infektionsraten erklären.

Wir leben unseren Alltag mit nur noch sehr wenigen Einschränkungen: Das Leben in der Stadt fühlt sich an wie vor Corona: Restaurants, Bars, Geschäfte, Freizeitaktivitäten sind geöffnet und gut besucht. Masken gehören hier ja ohnehin zum Bild, sind aber auch nicht mehr verpflichtend zu tragen. Die Einschränkungen, die wir erleben, betreffen hauptsächlich die Schulen. Die sind nach den Sommerferien nun alle wieder geöffnet und laufen auch quasi im Normalbetrieb. Einschränkungen gibt es aber bei den Zutrittsregelungen: Eltern dürfen das Gebäude und damit auch den angrenzenden Kindergarten nicht betreten und wir müssen für jedes Kind täglich eine sogenannte Health Declaration ausfüllen, auf der wir ihre Temperatur angeben und bestätigen, dass alle Familienmitglieder symptomfrei sind und sich seit mindestens 14 Tagen in Shanghai aufhalten. Durch die Grenzschließung kommen neue Lehrkräfte für die Internationalen Schulen erst nach und nach in Shanghai an, deren Ausfall ist natürlich eine logistische Herausforderung für die anwesenden Lehrer, die das aber -so zumindest mein Eindruck für die Klasse bzw. Kita-Gruppe meiner Kinder- bestens kompensieren. Wir hatten auch unter Corona-Bedingungen eine tolle Einschulung für Jette, was uns sehr erleichtert hat. Es ist eben ein sehr besonderes Ereignis in ihrem Leben und ich war lange in Sorge, dass es dafür keinen speziellen Rahmen geben würde. Doch auch hier hat die Schule improvisiert und das Beste aus der Situation gemacht.

Nach wie vor zwingt Corona uns alle, vieles anders zu machen und neu zu denken und das ist noch immer etwas, das ich für etwas Positive halte. Was für uns gerade wirklich schwierig ist, ist nicht zu wissen, wann wir das nächste Mal nach Deutschland und zu unseren Familien und Freunden können. Das ist eine Belastung, die mit jedem Monat wächst. Weihnachten in der Heimat zu verbringen, haben wir so gut wie abgeschrieben, solange wir nicht sicher davon ausgehen können, problemlos wieder nach China einreisen zu können. Noch einmal in die staatliche Quarantäne mit den beiden Mäusen (das haben wir ja im März schon erleben dürfen!) will ich unbedingt vermeiden, dazu kommt mit jetzt schulpflichtigem Kind noch die Reislogistik – zumal, falls die Quarantäne obligatorisch bleibt.

Im Sommer konnten wir immerhin innerhalb Chinas reisen und haben die Zeit genutzt, um die Provinz Yunnan nahe der tibetischen Grenze zu erkunden. Das Gefühl zu haben, flexibel zu reisen (wenn sich mögliche Ziele auch auf das Inland beschränkt haben) war sehr wichtig für meine Motivation. Ich hatte zwischendurch doch einen echten „China-Koller“.

Australien

G‘Day Mates, ich bin Rike und wohne mit meinem Mann und meinen beiden Kindern in Sydney/Australien.

Ich bin Corona langsam leid. Ich kann und ich möchte auch einfach nicht mehr. Letztes Wochenende haben wir einen kleinen Wochenendurlaub versucht. Wir haben uns ganze 70 km (!!) bis zur Central Coast getraut und haben da in einem Hotel übernachtet. Auch wenn dort gerade kein Fall zu verzeichnen war, haben wir uns auf Grund der Menschenmengen doch nicht wohl gefühlt. Uns kam es auch so vor, als wären wir die einzigen mit Mundschutz.

Überall in den Medien ist das Thema präsent. Dauernd wird durchgesagt, wo sich gerade jemand bewegt hat, der Corona hatte und noch nicht isoliert war. Bei einer Stadt mit 3 Millionen Einwohnern und knapp 15 Neuinfizierten im Durchschnitt, klappt das zumindest. Aber dann werden Durchsagen im Radio und im TV geschaltet, wer wo auch immer war soll sich testen lassen und 14 Tage einbunkern. Man hört das zwar noch, nimmt es aber gar nicht mehr wahr.

Jetzt mal nicht falsch verstehen: Das ist wichtig! Hier hat keiner Bock auf das Virus. Jeder ist froh, dass die Schulen weiterhin offen sind. Das wir einkaufen fahren können, wann wir wollen und nicht wie Melbourne immer noch im Lockdown Stufe 4 sind.

Langsam ergeben sich hier aber auch die Proteste wie in Deutschland. Das finde ich sehr schade. Die 2. Welle ebbt immerhin gerade erst ab. Auch wenn ich es, wie oben geschrieben, mega leid bin keinen Schritt ohne das leise „Corona“ im Ohr machen zu können, ist es ja doch ein Einfaches die Ausbreitung weiterhin zu einzudämmen, in dem man eben Maske trägt und Hände wäscht.

Ich versuche meine Ungeduld weitestgehend zu unterdrücken und bin jeden Tag dankbar, dass wir bis jetzt glimpflich durch die ganze Sache gekommen sind.

Ich hoffe einfach, dass es nicht schlimmer wird und schicke ganz liebe Grüße in die Welt!

Stay safe everyone!!!

Schweiz

Hallo zämä, ich bin Damaris und lebe mit meiner Familie im schönen Appenzellerland in der Schweiz. Von mir habt ihr schon länger nichts mehr gehört, da bei uns unabhängig von Corona sehr viel los war. Ich hatte wegen meiner Psyche einen stationären Klinikaufenthalt, mein Sohn kam vor 4 Wochen in den Kindergarten (Schweizer Kindergarten 😉) und ich habe seit dieser Woche eine neue Arbeitsstelle. Die Fallzahlen in der Schweiz sind immer leicht steigend, wenn auch nicht so extrem wie am Anfang. Wir reden momentan von +/- 350 gemeldeten Fällen pro Tag, das variiert aber immer stark. Schweizweit gibt es eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, ansonsten dürfen die Kantone selbst entscheiden. Darum gibt es in einzelnen Kantonen in den Einkaufszentren jetzt auch Maskenpflicht. Ich finde, man spürt sehr stark, dass die Menschen wieder zur Normalität übergehen. In den Einkaufsläden wird der Abstand nicht eingehalten (teils wirklich rücksichtslos) so dass ich freiwillig meistens eine Maske trage beim einkaufen. Wir sind immer noch vorsichtig, also besuchen Konzerte nicht zu denen wir Tickets hätten und die vom Frühling in den Herbst verschoben wurden oder wir gehen an keine grösseren Feste. Zudem werden die Gottesdienste, die wir wöchentlich zweimal besuchen, weiterhin über Zoom abgehalten. Wir vermissen das Beisammensein extrem, auch dass wir keine grösseren Gruppen einladen können/wollen. Was ich aber besonders froh bin, dass wir trotzdem einen guten Kiga-Start hatten. Es war alles ein wenig anders mit Corona als ohne, aber zumindest durften wir am ersten Tag die erste halbe Stunde bei unserem Sohn sein. Das war sehr viel wert, da es in der Schweiz auch Schulen gab, in denen die Eltern nicht mal mit in den Kiga durften. Wir versuchen also einen guten Mittelweg zwischen Normalität und Vorsicht zu finden. Ich denke, dass werden wir alle müssen, denn das Virus geht nicht einfach so wieder weg. Ich wünsche allen weiterhin viel Energie um mit den einzelnen Situationen gut umzugehen.

Liebe Grüsse,
Damaris

Schweiz (nach Singapur)

Hallo, ich bin Jacqueline und lebe mit meinem Mann und unseren 2 Söhnen (10 und 4 Jahre alt) seit 4 Wochen wieder in der Schweiz. Wir mussten Corona bedingt Singapore verlassen und innerhalb von 6 Wochen eine Auswanderung organisieren. Das die letzten 5 Monate stressig waren, ist eine leichte Untertreibung :-)

Zuerst sassen wir 3 Monate in Singapore im Lockdown inklusive Masken tragen, sobald man das Haus verlässt, das Haus nur verlassen, wenn es dringend notwendig ist und wenn möglich nicht als Familie, immer Check-In und Check-Out aus jedem Laden mit einer App, Home-schooling und Beschäftigung vom Jüngsten, Home-Office und Studium, dann kam die graduelle Rückkehr zu einem normalen Leben(pre-Lockdown) und dann kam der Hammer: Corona bedingt wird die Abteilung geschlossen und das heisst ohne Job keine Aufenthaltsberechtigung in Singapore. Und einen neuen Job suchen während einer weltweiten Pandemie, inmitten eines Lockdowns und einem weit verbreiteten Einstellungsstop ist gar nicht so einfach. Zum Glück hat das Netzwerk von meinem Mann funktioniert und er hatte relativ schnell einen Job und das hiess: back-to-the-roots also in die Schweiz.

Der Unterschied könnte nicht krasser sein: keine Maske, keine Meldepflicht, keine Strafen etc. Das einzige unübliche sind die fehlendeVeranstaltungen oder Elternabende ohne Trinken. Ansonsten ist das Leben hier wie früher, leider trotzdem mit einer steigenden Anzahl von Infizierten. In den letzten Wochen gibt es einzelne Kantone, die die Maskenpflicht in geschlossenen Gebäuden einführen, aber es gibt hierfükeine Kantons übergreifende Regel, was ich persönlich sehr schade finde. 

Ansonsten sind wir noch mitten im Kulturschock und versuchen uns einzuleben. So ganz nebenbei versuche ich noch das Weltgeschehen im Auge zu behalten und manchmal bin ich ganz froh, wenn ich es ausblenden kann. 

Man kann also gut und gerne behaupten, dass Corona unser Leben auf den Kopf gestellt hat, auch wenn wir selbst nicht daran erkrankt  sind (zum Glück). Sprich: was mich dann richtig wütend macht, sind diese verrückten Verschwörungs-Theoretiker und Ignoranten, die ohne Maske zu Demonstrationen fahren oder in den Urlaub gehen müssen. Das hilft halt nicht wirklich die Situation zu verbessern. 

Das allerwichtigste ist aber: wir sind gesund und munter, ein tolles Team zu zweit und eine tolle Familie zu viert und beinah pleite, weil kein Geld reinkommt und wir alles selber zahlen müssen :-) Die Devise lautet nach wie vor: positiv in die Zukunft schauen.

Russland

Hallo Ihr Lieben, ich bin Doris und wohne mit meiner Familie in Moskau. Sehr viel Neues gibt es bei uns nicht. Russland ist nach wie vor eines der am stärksten betroffenen Länder der Pandemie, direkt nach den USA, Brasilien und Indien. Jeden Tag kommen ca. 5.000 neue Fälle hinzu und davon ca. 650 – 700 aus Moskau. Diese Woche wurde dann auch die Gesamtzahl von 1.000.000 Infizierten geknackt‼!

Im täglichen Leben merken wir allerdings nicht viel davon. Es hat alles offen (Restaurants, Schwimmbäder, Kinderspielplätze – indoor und outdoor, Fitness-Center, etc.), es werden kaum noch Sicherheitsrichtlinien befolgt – Einschränkungen gibt es also kaum. Den Mundschutz benutzen auch immer weniger. Wobei ich sagen muss, im Supermarkt, in Restaurants oder auch allgemein in Hotels, halten sich die meisten Mitarbeiter daran. Oft wird auch pro forma Fieber gemessen, wenn man irgendwo hingeht, aber das ist eher zufällig, ob da grade jemand dran denkt oder nicht und selbst wenn die Temperatur bei 37.0 ist, passiert nichts. So gesehen ist hier alles normal und wir leben unser normales Leben, allerdings achten wir (vielmehr als unsere russischen Freunde) auf Mundschutz, Sicherheitsabstand und Vermeidung von Menschenmassen.

Was uns wirklich einschränkt, sind die geschlossenen Grenzen nach Europa. Letztes Mal hatte ich geschrieben, dass wir trotzdem gerne bald nach Deutschland fliegen möchten, da wir damit rechnen, dass die Grenzen spätestens zum September aufgehen. Durch die steigenden Zahlen in Deutschland und in fast ganz Europa, haben wir dann kurzfristig unsere Meinung geändert und haben uns doch nicht für einen Evakuierungsflug angemeldet. Was sich als richtig erwiesen hat, denn im Moment sieht es noch lange nicht so aus, dass sich daran bald etwas ändert. Ich kenne durchaus Familien, die Anfang des Sommers rausgeflogen sind und jetzt nicht mehr reinkommen, bzw. die Männer dürfen als Highly Qualified einmalig nach Russland einreisen, und die Familien hängen im Heimatland fest. Das bedeutet auch, dass die Männer nicht pendeln können und sich die Familien möglicherweise wochen- oder monatelang nicht sehen. Am 1. September war hier großer Schulanfang, den haben einige verpasst.

Durch den Schulanfang ist die Befürchtung hoch, dass die Zahlen weiter steigen. Viele waren auf ihrer Datscha, der Krim, in der Türkei oder an anderen beliebten Ferienorten. Jetzt kommen alle zurück, die Stadt ist wieder voll und somit wird befürchtet, dass es zu mehr Ansteckungen kommt. Ich bin sehr gespannt, was passieren wird – ob wieder auf Online-Unterricht umgestellt wird, die Sicherheitsmaßnahme wieder verstärkt kontrolliert werden und ob es tatsächlich zu einem neuen Lockdown kommen wird, wie einige vorhersagen. Wir werden sehen.

Mittlerweile habe ich jedenfalls die Befürchtung, dass wir erst zu Weihnachten wieder nach Hause fliegen können. Wir werden sehen, Hauptsache wir sind alle gesund und das wünsche ich Euch auch.

Viele Grüße aus Moskau!

 

Ich danke euch allen, die ihr euch die Zeit genommen habt, mitzumachen und bin schon gespannt auf eure nächsten Corona-Updates!

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Text teilt! :-*

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