Corona Update 1
Corona

15 persönliche Corona-Updates aus aller Welt – Teil 1

Einmal pro Woche geben „LÄCHELN UND WINKEN-Korrespondenten“ aus den verschiedensten Ländern ein Update zur aktuellen Corona-Virus-Lage in ihrem Zuhause – unter welchen Beschränkungen sie gerade leben, wie sie damit klarkommen, welche Auswirkungen das alles auf sie hat und wie sie sich fühlen. Es ist ihnen überlassen, was genau sie erzählen möchten; sie gewähren uns einfach einen ganz persönlichen kleinen Einblick in ihre aktuelle Situation während der Corona-Krise. Es geht nicht um Politik oder Zahlen … es geht rein um Familien.

Mit dabei sind – je nachdem wie sie es zeitlich schaffen – Eltern aus folgenden Ländern:

  1. Norwegen
  2. Schweiz
  3. Formentera
  4. Dänemark
  5. Niederlanden
  6. England
  7. Österreich
  8. Portugal
  9. Shanghai/China
  10. USA / LA
  11. USA /Texas
  12. USA/Kalifornien
  13. USA / NY
  14. Moskau /Russland
  15. Spanien
  16. Stockholm/Schweden
  17. Rumänien
  18. Italien
  19. Belgien

Vielleicht melden sich nicht alle jede Woche, aber doch so oft es ihnen (trotz Kinder, Arbeit, Krankheit, Krisen und Hüttenkoller) möglich ist. Und ich bin dankbar FÜR und gespannt AUF jeden dieser Einblicke!

Corona-Updates in Video-Form:

Mit dabei sind diesmal Steffi von Formentera, Anna aus Österreich, Simone aus Virginia/USA und Katharina aus Shanghai/China.

Corona-Updates in Text-Form:

Mit dabei sind diesmal Nadine aus Italien, Doris aus Russland, Friederike aus Schweden, Andrea aus Texas, Marion aus Rumänien, Mareike aus Belgien, Anke aus England, Damaris aus der Schweiz, Jana aus Spanien, Charlotte aus Kalifornien, Sabrina aus Norwegen und Nadine aus Dänemark.

Italien

Hallo, ich bin Nadine und lebe mit meiner Familie in der Nähe von Ancona, Mittelitalien. Italien ist seit mittlerweile zweieinhalb Wochen Sperrgebiet. Unsere Tochter geht bereits seit vier Wochen nicht mehr in den Kindergarten, wir können keine Freunde mehr treffen, auch die Wohnung dürfen wir nur noch aus wichtigen Gründen verlassen: medizinische Gründe, Arbeitsverpflichtungen, zur Deckung des Grundbedarfs. Wir sind stark eingeschränkt, dürfen die eigene Heimatgemeinde nicht verlassen, müssen Selbsterklärungen mit uns führen. Selbst das Ausführen von Hunden ist nur noch im Umkreis von maximal 200 Metern der eigenen Wohnadresse erlaubt. Wir kommen damit zurecht, zu Hause sind wir sicher. Psychisch ist es allerdings zunehmend anstrengend. Die Zahlen in Italien sind erschreckend, es gibt etliche Todesfälle. In Ancona wird derzeit ein Feldkrankenhaus errichtet, außerdem wird eine Indoor-Sporthalle so umgewandelt, dass dort 100 Patienten intensivmedizinisch betreut werden können. Wir wohnen einige Kilometer von Ancona entfernt in einer Kleinstadt. Nächste Woche erhalten wir pro Familie eine Atemschutzmaske. Wir sind hier – wie so viele andere – von einem Moment auf den anderen in eine Realität katapultiert worden, die wir immer noch nicht ganz fassen können. Wir können nur darauf hoffen, dass die Kurve endlich abflacht. Es ist gerade schwierig, richtig Mut zu schöpfen. Aber wenn so Ärzteschaft, Krankenpflegepersonal, die Polizei und so viele andere Berufsgruppen wie zum Beispiel Apotheker, Lkw-Fahrer, Verkäufer unermüdlich für uns im Einsatz sind, dann können wir auch durchhalten. Immerhin sind wir gesund und in Sicherheit. Das ist in dieser Situation das Wichtigste.

Russland

Hallo, ich bin Doris und lebe mit meiner Familie seit ca. 4 Jahren in Moskau. Bis jetzt war hier alles einigermaßen ruhig und von social distancing haben wir wenig mitbekommen. Wobei wir uns seit ca. 2 Wochen auch zu Hause aufhalten und nur rausgehen, wenn wir etwas zum Einkaufen brauchen oder mein Mann doch mal ins Büro geht. Jedoch gehe ich noch jeden Tag mit den Kindern raus auf den Spielplatz oder in den Park – das ist hier alles noch möglich. Wobei ich schon darauf achte, dass wir uns von anderen Leuten fernhalten – denen ist das aber relativ egal. Letzte Woche war ich mal kurz alleine unterwegs und musste an einer Fußgängerampel stehen bleiben als plötzlich ein Mann relativ nah neben mir stand und anfing zu husten. Ich bin mal gleich zwei Schritte zurück, nur um zu merken, dass um mich rum viele Leute standen – ohne Sicherheitsabstand.

Die Schulen sind schon seit 10 Tagen geschlossen. Kindergärten arbeiten zum Teil aber noch. Auch unser Kindergarten ist noch offen und gestern gab es sogar eine Geburtstagsfeier. Unsere Mädels waren natürlich traurig, dass sie nicht dabei sein konnten. Sie sind beide fünf und bekommen einiges mit. Eine von beiden fragte dann auch: „Wie kann es sein, dass im Kindergarten trotz Corona Geburtstag gefeiert wird.“

Seit gestern sieht es anders aus. Ich habe das Gefühl, endlich passiert hier etwas. Alle Geschäfte werden geschlossen und nur noch Supermärkte und Apotheken bleiben ab Samstag geöffnet. Ich hoffe nur, dass auch die Moskauer Bevölkerung versteht, dass sie sich nicht treffen sollen und auf Abstand gehen sollten – denn bei meinen russischen Freunden scheint das noch nicht angekommen zu sein. Während die internationalen schon länger auf Abstand gehen und viele auch nur noch zu Hause bleiben.

Die Zahlen der Infizierten sind hier noch relativ niedrig – grade mal 400 Infizierte in Moskau, das ist vergleichsweise wenig, zu wenig wie ich finde. Ein wenig beängstigend finde ich auch, dass jetzt wohl der gesamte Flugverkehr eingestellt wird – bis jetzt gab es immer noch die Möglichkeit nach Berlin zu fliegen. Wir kommen hier also gar nicht weg und könnten noch nicht mal nach Deutschland zu unseren Familien fliegen, wenn es nötig würde (warum auch immer).

Schweden

Hej, ich bin Friederike und ich lebe mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn in Stockholm, Schweden. Wir wohnen hier erst seit Februar und eigentlich war es nie geplant, dass wir ins Ausland gehen. Ein tolles Jobangebot für meinen Mann, unsere Liebe zu Skandinavien und die Chance auf ein Abenteuer ließen uns dann aber doch nicht kalt. Zu dem Zeitpunkt hatten wir keine Ahnung, was Corona für Auswirkungen haben könnte und freuten uns auf unser neues Zuhause im hohen Norden.
Der Stand ist nun, dass mein Mann nur zwei Wochen auf der neuen Arbeit war und dann für Home Office auf unbestimmte Zeit nach Hause geschickt wurde. Zum Glück ist das in seinem Beruf kein großes Problem und ich bin dankbar, dass der Firma die Gesundheit der Mitarbeiter am Herzen liegt. Ich bin noch in Elternzeit und hatte gerade angefangen, meine Fühler nach neuen Kontakten auszustrecken, wollte einen Sprachkurs besuchen und die Stadt mit dem Kind erkunden – weit sind wir nicht gekommen. Die Kindertreffen finden nicht mehr statt, Sprachkurse ebenfalls nicht und wir vermeiden nun Orte, an denen viele Menschen sind, was alle Spielplätze und Attraktionen der Stadt ausschließt. Trotz fehlender Verbote bleiben wir bis auf Notwendigkeiten Zuhause und hoffen, so unseren Teil beizutragen. Leider sehen das nicht alle so, das Wetter ist gut und die Cafés und Parks sind voll.

Schweden ist in den letzten Tagen durch Berichte über Après Ski-Partys und der Gelassenheit der Regierung angesichts der Pandemie in die negativen Schlagzeilen geraten. Veranstaltungen sind zwar abgesagt, Unis geschlossen und viele im Home Office, aber Kindergärten, Schulen, Geschäfte und Restaurants sind weiterhin geöffnet. Ich empfinde die Reaktionen im Land als sehr gespalten; die einen verstehen die drastischen Maßnahmen und Grenzschließungen angrenzender Länder nicht, andere schlagen aufgrund fehlender Beschränkungen die Hände über dem Kopf zusammen. Wir verfolgen die Nachrichten und vertrauen der Regierung, dass sie die richtigen Entscheidungen in dieser schwierigen und bisher nie dagewesenen Lage trifft. Aber wir haben auch Angst, dass die Strategie nicht aufgeht, zumal Schweden keine großen Kapazitäten für Intensivpatienten hat.

Trotz allem bin ich dankbar, dass wir nicht zur Risikogruppe gehören und alle gesund Zuhause sind. Ein Umzug aus Deutschland wenige Wochen später wäre nicht mehr möglich gewesen, auch sind keine Urlaube oder familiären Feiern geplant, die abgesagt werden müssten. Aber es ist schwer, da wir hier niemanden kennen und die Tage lang werden, wenn man nicht viel machen kann. In dieser Situation schaue ich wehmütig auf Familien mit Haus und Garten, denn für unseren Kleinen tut es mir so leid, dass wir nicht mehr auf die tollen Spielplätze in der Umgebung gehen und er es nicht versteht. Meinem Mann fehlt der Kontakt zu seinen Kollegen, die er bisher kaum kennt. Unser Besuch aus Deutschland hat bis auf Weiteres alle Flüge storniert und die Möglichkeiten, neue Freunde zu finden und den Frühling in der neuen Stadt zu genießen, liegen erstmal auf Eis – aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Texas/USA

Howdy, ich bin Andrea und lebe mit meiner Familie in einem Vorort von Dallas in Texas, USA. Hier gelten coronabedingte Ausgangsbeschränkungen. Supermärkte und Apotheken haben geöffnet, ein kleiner Spaziergang innerhalb der zusammenlebenden Familie ist auch noch okay. Aber ansonsten soll man zu Hause bleiben.

Unsere Tochter ist 4 Monate alt, die stört das noch nicht so sehr. Unser 4-jähriger Sohn sieht das etwas anders. Er vermisst seine preschool, seinen Schwimmkurs und die Spielplätze. Und ich auch! Ich finde es relativ schrecklich, hier so eingesperrt zu sein.

Andererseits sehe ich diese Maßnahmen als sehr sinnvoll an und habe große Sorge, dass das Gesundheitssystem hier schlecht aufgestellt ist. Wenn ich die Bilder aus Italien sehe, dann wird mir ganz anders… Und die Lage in New York ist ja auch bereits dramatisch. Der Präsident und der texanische Gouverneur haben verlauten lassen, dass sie die Beschränkungen demnächst wieder aufheben wollen, da der Schaden für die Wirtschaft zu groß wird. Ich hoffe, dass dies nicht zu früh geschieht und #flattenthecurve noch gelingt.

Für uns ganz persönlich ist diese Situation auch schade, vor dem Hintergrund, dass wir nur für ein Jahr hier sind. Wir sind im letzen Sommer angekommen und wollen im August wieder nach Deutschland zurück. Wir wollten natürlich viel von Kultur und Land erleben. Das fällt nun flach. Hinzu kommt, dass es sich auch gerade nicht so toll anfühlt, weit weg von der restlichen Familie zu sein. Andererseits könnten wir zur Zeit ja auch eh niemanden in der Heimat besuchen.

Wir beschäftigen uns mit der Frage, ob wir frühzeitig nach Deutschland zurückkehren sollten. Wobei wir das Jahr durchaus gerne hier verbringen würden. Im Hintergrund planen wir dennoch die Möglichkeit eines frühzeitigen Abbruchs. Da unsere Tochter bisher nur einen amerikanischen Pass hat, braucht es dazu zu evtl. den deutschen Pass oder ein Visum für sie. Das versuchen wir über das Konsulat zu klären. Es ist ein großer Mix aus Gefühlen, der unsere Lage anspannt.

Momentan verbringen wir unsere Tage meist in der Wohnung. Ich habe eine Art Stundenplan erstellt und mache mit meinem Sohn morgens ein wenig „preschool“. Dann etwas Bewegung, Spielen, Bücher anschauen etc. Aber auch TV und Tablet wird ordentlich genutzt. Ich habe deshalb ein schlechtes Gewissen, komme aber an meine Grenzen, beide Kinder den ganzen Tag zu beschäftigen. So haben wir eine Struktur, die uns gut tut.

Die Lebensmitteleinkäufe erledigen mein Mann und ich im Wechsel. Mein Mann arbeitet im Home Office. Es ist natürlich super, dass er die Möglichkeit hat, aber auch das führt hier manchmal zu Stress. Wenn er eigentlich Ruhe zum Arbeiten braucht, unser Sohn aber nicht versteht, warum er nicht zu Papa ins Büro kann.

Wir sind sehr gespannt, wie es weiter geht.
Viele Grüße aus Texas!

Transilvanien/Rumänien

Hi, ich bin Marion und lebe mit Mann Mike und Sohn Tim (8 Jahre) in einem 200-Seelen Dorf im ländlichen Transsilvanien, Rumänien. Rumänien hat bekannterweise ein sehr veraltetes und schlecht ausgestattetes Gesundheitssystem. Wer hier auf dem Land einmal ein öffentliches Krankenhaus betreten hat, möchte es möglichst kein zweites Mal tun. In den größeren Städten sieht es, fairerweise, etwas besser aus. Trotzdem gilt hier umso mehr die Devise: Bitte bleiben Sie gesund und zu Hause! Vermutlich auch aus diesem Grund war Rumänien etwas schneller als Deutschland bei der Einführung von striktem social distancing, und soweit ich es beobachte, wird dieses auch respektiert und eingehalten. Seit Wochen darf man immer eingeschränkter aus dem Haus, und seit dem 24.3. gibt es nun die endgültige Ausgangssperre, die durch Polizei- und Militärkontrollen überwacht wird. Nur für Einkäufe und wichtige Erledigungen darf man noch raus, und muss dann ein Formular bei sich führen, auf dem steht, wohin man will. Die Schulen wurden schon am 11. März geschlossen. Wir bekamen einen Stapel Hausaufgaben mit nach Hause und per WhatsApp oder E-Mail gibt es regelmäßig Nachschub; gestern gab es sogar eine gemeinsame Videokonferenz für die Klasse. Bislang haben wir noch keinen Lagerkoller; das liegt sicherlich auch daran, dass wir ausreichend Platz und vor allem Aufgaben und Arbeit haben. Wir betreiben ein Gästehaus und haben einen großen Garten mit viel Wald und Natur drumherum.
Natürlich sind auch in Rumänien alle Hotels und Restaurants auf unbestimmte Zeit geschlossen, das heißt ein Einkommen haben wir momentan nicht. Aber wir können die neu gewonnene Zeit sehr gut für Reparaturen und neue Projekte nutzen. Glücklicherweise sind wir ein kleines Familienunternehmen, wir haben nur eine weitere feste Angestellte und keine Schulden bei der Bank. Deshalb sind wir eigentlich zuversichtlich, dass wir die Zeit überstehen werden. Natürlich werden wir dieses Jahr den Gürtel enger schnallen müssen, aber diese Einstellung ist in diesem Land gelernte Normalität und ich finde auch ganz gesund, denn die Regierung kann und wird keine Milliarden-Hilfsfonds ausschütten wie in Deutschland. Ich denke, in diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, sich nicht von seinen (Zukunfts-)Ängsten verrückt machen zu lassen. Ich bin dankbar, dass wir es hier vergleichsweise gut haben. Weil es in unserem Dorf eh immer ruhig ist, merken wir die sozialen Einschränkungen im Alltag gar nicht so gravierend – außer natürlich, dass unsere Gäste fehlen. Hier im Dorf wohnen viele alte Menschen, die ihr ganzes Leben lang völlig unabhängig von Konsum, Autos und Reisen gelebt haben, und es daher auch jetzt nicht vermissen. Dafür ist es für sie normal, einen Keller voller eingemachter Vorräte von ihrem eigenen Stück Land zu haben. So haben sie Ceacescu und jahrzehntelange bittere Armut überlebt, und werden hoffentlich auch Corona die Stirn bieten. Wichtig ist, dass sie sich von den Medien, Halbwissen und Fake News nicht verrückt machen lassen, aber leider sind einige Menschen momentan sehr anfällig dafür. Manche sind ganz gelassen und lassen sich von einer weiteren Krise in ihrem Leben nicht unterkriegen; andere kriegen jetzt die Krise, wenn beim Nachbarn ein fremdes Auto vor der Tür steht.

Belgien

Hallo, ich bin Mareike und lebe mit Mann und Kind in Antwerpen (Belgien). Bei uns in Belgien ist die Situation lange nicht so schrecklich und angespannt wie in Italien, Spanien oder Frankreich. Wir dürfen bislang selbst noch nach draußen – nicht nur für notwendige Dinge wie zum Einkaufen, zur Apotheke, zum Arzt oder zur Post gehen: Aktivitäten wie Joggen, Spazierengehen, Fahrradfahren sind noch erlaubt, werden sogar empfohlen. Alle Parks sind noch für die Öffentlichkeit geöffnet. Einzige Einschränkung: Man darf das alles nur in der Einzahl machen oder allenfalls zusammen mit der Familie – und natürlich in gebührendem Abstand zu allen anderen Menschen.

Unser Wäldchen (direkt vor unserer Haustür gelegen) mit den wilden Pferden und Rindviechern war noch nie so beliebt wie momentan 😉. Beim letzten Kind-Mama-Fitness-Waldausflug (Fitness in Anführungsstrichen) mit über umgestürzte Baumstämme balancieren, springen, ist mir aufgefallen, dass sich leider viele nicht an die 1,5-Meter-Abstandsregel halten – als ob das nur im Supermarkt oder auf der Straße gilt, nicht aber in der freien Natur. Also mache ich den täglichen „Gassi-Gang“ mit unserem 4-Jährigen grad frühmorgens – solange das noch erlaubt ist. Im Großen und Ganzen sieht man bei uns in den umliegenden Straßen aber kaum Menschen oder Autos. Die Busse machen oft Leerfahrten.

Familienbesuche, Freunde besuchen oder mit anderen Kindern spielen, ist verständlicherweise verboten. Verstöße werden mit einer recht empfindlichen Geldstrafe geahndet. Die fehlenden sozialen Kontakte zu den Omas, zu Tante, Onkel und Cousine und Freunden versuchen wir per Videochats aufzufangen.

Woran ich mich grad extrem gewöhnen muss: In meinem Home-Office laufen nun ständig zwei „neue Mitarbeiter“ rum. Erst dachte ich: Toll, dann wird tagsüber schon immer irgendjemand Zeit haben, unseren Kleinen kreativ zu entertainen. Hat aber nicht wirklich jemand. Es wäre toll, wenn ich als freie Journalistin meine Artikel am späten Nachmittag schreiben könnte. Aber genau sind halt die Deadlines für die Artikel gesetzt. Also wird der Sprössling grad an manchen Tagen vor dem Tablet „geparkt“. Das schlechte Gewissen und das beim Schreiben Gasgeben-Wollen sind dann eher kontraproduktiv. Denn dann werde ich zu zappelig und nervös, um noch etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen. Ich hoffe, dass wir einen Tagesrhythmus finden, der uns über die folgenden Wochen bringt.

Zum Glück bekommen nun auch die Vorschulkinder an unserer Vor- und Grundschule „Hausaufgaben“. Sprich die Eltern Tipps, was man mit den Kids den ganzen lieben langen Tag anfangen kann. Kommentar vom Kleinen: „Mama, du bist nicht meine Juf (= Erzieherin). Du bist Mama!“ Das kann ja noch heiter werden 😊.

England

Hallo mein Name ist Anke und ich lebe in England. Seit Mitte der Woche herrscht hier Ausgangssperre abgesehen von einmal am Tag, wo man für das Einkaufen von Medikamenten oder Lebensmitteln, zum Sport oder versorgen anderer nach draußen darf. Natürlich nur mit dem obligatorischen 2 Meter Abstand.
Seit dieser Woche sind Kitas und Schulen geschlossen und Eltern versuchen irgendwie die Kinder zu bespaßen, damit im Home Office wenigstens ein bisschen Arbeiten möglich ist.
Mein Mann und ich haben Glück, dass unser Arbeitgeber sehr kulant ist und trotz Einbußen in der Produktivität weiterhin vollen Lohn zahlt. Seit gestern wissen wir, dass unsere Kitagebühren wegfallen werden, was in UK locker bei über 1,200€ pro Kind in der Voll-Betreuung liegen kann. Wir haben zwei kleine Kinder (4 Jahre und jünger) und da schaffen wir die 50% des üblichen. Zwar gibt es keinen Lehrstoff zu erarbeiten, aber dafür können die Kinder sich weniger gut selbst beschäftigen. Morgens um 9 Uhr machen wir 30 Minuten Sport mit Joe, der innerhalb der Woche bereits Kultstatus erreicht hat. Bonus in dieser komischen Zeit: Wir machen mehr Sport als vorher, mit den Kindern und wenn sie im Bett sind.

Dank der neuen Regelungen sind wir als Familie bereits eine Woche länger in Quarantäne, weil mein jüngster einen Tag lang Fieber hatte. Also haben wir seit fast zwei Wochen Milch von Freunden gekauft und vor die Tür gestellt bekommen und waren immens froh, einen Liefertermin vom Supermarkt ergattert zu haben. Online bestellen ist hier sonst keine Seltenheit, aber alle Ketten und Läden haben Probleme, genügend Termine anbieten zu können.
Ab Dienstag dürfen wir dann wieder vor die Haustür und ich kann es kaum erwarten, wieder mit den Kindern Fahrrad zu fahren.
Jede Woche telefonieren wir mit Familienangehörigen weltweit und mit Freunden essen wir per Videolink zusammen zu Mittag oder nehmen an wöchentlichen Quiz teil. Seit vier Jahren war das für mich als Mutter schwierig, dass wir beide daran teilnehmen konnten – jetzt dank Video – geht das auch, wenn beide Kinder im Bett sind.

Viele Grüße von der Insel, die stiller geworden ist.
Anke

Schweiz

Corona-Update Schweiz

Hallo zämä, ich bin Damaris und lebe mit meiner Familie im schönen Appenzellerland in der Schweiz. Erstmal allgemein zur Corona-Situation in der Schweiz: Ich kann datumsmässig nicht mehr sagen, wann welche Vorschriften genau in Kraft getreten sind. Am 25.2.2020 wurde bekannt, dass es den ersten Corona-Fall in der Schweiz gibt. Von da an waren zuerst Veranstaltungen ab 1.000 Personen verboten, danach wurde es geändert auf maximal 500 Personen, dann 100 Personen und seit 19.04.2020 sind Treffen von mehr als fünf Personen verboten. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt Abstand zu halten, auch zu Freunden und auch im Freien, mindestens 2 Meter. Wenn immer möglich sollten alle zu Hause bleiben, ausser für die Arbeit (wenn kein Homeoffice möglich) und den Einkauf. Noch möglich ist Joggen, Velofahren, Spaziergänge allein oder zu zweit. Werden Kinder zu Hause betreut, gilt nicht mehr als 5 Kinder zusammen und immer die gleichen 5 Kinder mit der immer gleichen Betreuungsperson.

In unserer Familie sind wir zu dritt. Mein Mann, unser Sohn (4-jährig) und ich. Ehrlich gesagt war anfangs meine erste Reaktion: Ich lasse mich doch nicht einsperren. Ich weiss, dass mag für den einen oder andern sehr egoistisch und rücksichtslos klingen. Vielleicht ging es aber noch andern so? Die Situation ist neu, sie ist gewaltig und sie ist krass. Und es hat mich, wie wohl auch andere, völlig überfordert. Anfangs empfand ich alles als wahnsinnig chaotisch. Mehrmals die Woche gab es neue Bestimmungen von der Regierung. Jeden Tag neue Informationen in den Medien wie sich der Virus extrem verbreitet. Aufgeregte und sehr viele (!) Whatsapp von Familie und Freunden. Das war mir irgendwie zu viel. Ich selbst hatte und habe immer noch keine Angst vor dem Virus selbst. Die Herausforderung war für mich aber von Anfang an, mich von dieser Panik und teilweise auch Hysterie (Stichwort Hamsterkäufe WC-Papier etc.) nicht anstecken zu lassen. Und das war anstrengender, als ich dachte.  So anstrengend, dass ich teilweise geweint habe, weil mich das „Außen“ so negativ beeinflusst hat. Als Familie haben wir einen Wochenplan, in dem wir eintragen, wann welche Haushaltsarbeiten gemacht werden, wer wann arbeitet, welche Termine anstehen plus den Essensplan für die Woche. Ich habe aber bald gemerkt, dass ich auch einen Tagesplan benötige, damit wir trotz der Umstellung eine Tagesstruktur haben. So habe ich jetzt täglich meine Aufgaben, die ich machen möchte. Damit geht es jetzt sehr viel besser. Das erste Fazit: Alle meine Fenster sind geputzt ;-)

Einerseits geniesse ich es, keine Termine zu haben, Dinge zu machen, für die ich sonst nie Zeit hätte (z.B. Frühlingsputz Küche), viel Zeit mit meinem Sohn und bewusst ruhiger zu werden. Andererseits ist es manchmal auch einfach nur anstrengend. Unser Sohn spürt die veränderte Situation und testet zurzeit die Grenzen täglich bis an den Rand meiner Nerven. Ich versuche mir jeden Tag bewusst zu machen: Es ist für alle schwierig zurzeit. Wir brauchen viel Liebe, Geduld und Verständnis füreinander. Und wenn es heute nicht gut geklappt hat, dann beginnen wir morgen einen neuen Tag.

Spanien

Hallo, ich bin Jana und wohne seit 12 Jahren in Spanien. Zusammen mit meinem Mann und meiner zweijährigen Tochter wohne ich in der Nähe von Barcelona. Wir haben seit dem 15.3. Ausnahmezustand. Das bedeutet, dass man nicht mehr das Haus verlassen darf, mit Ausnahme von: Lebensmittel einkaufen, in die Apotheke, zur Bank, zur Arbeit oder Gassi gehen (wenn man einen echten Hund hat. Imaginäre, Plüschhunde oder andere Tierchen wie Kaninchen zählen nicht! Ja, es gibt Leute, die haben das probiert…). Die Polizei kontrolliert sehr viel, damit das Ganze auch eingehalten wird. Wenn man keinen berechtigten Grund hat, auf der Straße zu sein, bekommt man eine Geldstrafe. Wenn man sich nicht ausweisen möchte/kann, wird man aufs Polizeirevier mitgenommen. Die Strafen liegen zwischen 100 Euro und 3 Monaten Gefängnis.

Wir arbeiten seitdem beide im Homeoffice. Mit so einem kleinen Mäuschen nicht immer einfach, vor allem wenn man so gar nicht mit ihr raus kann.

Ich versuche die sonnigen Vormittage zu nutzen, wenn die Sonne auf unseren Balkon scheint und gehe mit ihr da raus. Entweder wir malen mit Kreide oder lesen ein Buch oder machen einfach nur Blödsinn. 😉

Die Zeit arbeite ich entweder vor oder hole sie nach, wenn sie abends im Bett ist.

Glücklicherweise haben wir einen kleinen Obstladen an der Ecke, dessen Besitzer uns ab und an eine Schokomünze hochwirft. Das hebt die Laune der Kleinen, die sie essen darf und meine, weil sie sich so darüber freut!

Wir sind jetzt seit 2 Wochen zuhause und ich persönlich muss sagen, bis jetzt habe ich noch keinen Lagerkoller. Aber es ist schon schwer, so einem kleinem Mäuschen zu versuchen zu erklären, dass man halt nicht in den Park, rutschen oder schaukeln auf den Spielplatz oder zur besten Freundin spielen gehen kann…

Kalifornien/USA

Hi, ich bin Charlotte und ich lebe mit meiner Familie in Folsom, Kalifornien. Aktuell gibt es in Kalifornien 4,032 Infizierte und gestorben sind 82 (Stand 3/26/2020, 8pm). Meine Kinder sind seit zwei Wochen zu Hause.  Sie sind 11 Jahre und 5 Jahre und besuchen den Kindergarten und den 5th grade. Bei uns zu Hause läuft es recht entspannt. Homeschooling mit dem Kindergartenkind läuft sehr gut. Kindergarten ist hier vergleichbar mit der 1. Klasse in Deutschland. Distance learning beim 11 jährigen ist noch in Arbeit.

Wir sind in der Zeit nur einmal an einem See gewesen. Ansonsten wirklich zu Hause. Einkäufe erledigt mein Mann nach der Arbeit. Ganz zu Beginn der “Quarantäne” hatte ich große Ängste, wie alles werden wird. Es gab plötzlich in unserem Supermarkt nichts mehr zu kaufen, was man sonst in zigfacher Ausführung 24/7 vorfindet. Hier genauso Klopapier, Nudeln und Mehl. Ich hatte so Angst, dass Lebensmittel knapp werden und die Leute ausflippen. Es ist bekannt, wie viele Waffen es hier gibt.
Aber da gibt es Unterschiede bei den Supermärkten. Etwas teurere Läden haben deutlich mehr Waren. Außer Klopapier.

Nach zwei Tagen hatte ich schon den ersten Hauskoller….mit den Kids allein und den Tag sinnvoll gestalten. Ich hab einen covid-19 daily schedule im Netz gefunden. Der gibt mir/uns Struktur.

Seit die Zahl der Infizierten steigt, halten sich wirklich sehr viele Leute an die Anordnung, zu Hause zu bleiben. Es ist viel weniger los überall und vieles ist geschlossen. Restaurants bieten kostenlosen Lieferservice an.

Sorgen hatten wir noch zusätzliche, weil wir ein neues Haus suchen mussten, weil unser Vermieter das Haus verkaufen will, in dem wir gerade leben. Plötzlich brach der Hausmarkt zusammen und wir sahen uns schon auf der Straße. Aber in letzter Sekunde hatten wir so unglaubliches Glück. Seitdem bin ich entspannter irgendwie.

Sorgen mache ich mir um unsere lieben Nachbarn, die schon älter sind. Heute haben wir ihnen bemalte Steine und Schokolade gebracht und die Kinder haben etwas gemalt für sie. Eine kleine Geste der Nähe in der schweren Zeit.

Liebe Grüße, Charlotte

Norwegen

Hey, ich bin Sabrina und lebe mit meiner Familie in Sandnes, Norwegen. Ich bin derzeit “zwangsbeurlaubt”, mein Mann arbeitet im Home-Office. Unser Großer ist 6 Jahre und geht in die 1. Klasse. Der Kurze ist 2 Jahre und geht in die Kita. Seit 13.03. sind landesweit Schulen und Kitas geschlossen. Zuerst hieß es bis 26.03. Anfang dieser Woche wurde dann verlängert bis einschließlich 13.04. (Ostermontag).
Viele Vorsichtsmaßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu vermeiden/zu verringern, wurden umgesetzt und von den Leuten gut angenommen (Händedesinfektion, Abstand halten, nicht unnötig rausgehen…). Wir machen das Beste aus der Situation.

Dänemark

Hej, ich bin Nadine und lebe mit meinem Mann und unseren 3 Kindern direkt an der dänischen Nordseeküste – 5 Minuten laufen und wir „fallen“ ins Meer. :) Das ist natürlich auch wunderbar, gerade jetzt in der Zeit mit Corona.

Erlaubt sind hier noch Menschenansammlungen bis 10 Personen, empfohlen wird es aber keinesfalls. In den nächsten Tagen soll entschieden werden, ob man ein Kontaktverbot beschließen sollte, bei dem nicht mehr als 2 Personen gemeinsam raus dürfen. Gerade für Ostern erachtet es die Regierung als wichtig, da sonst die ganzen Dänen in die Urlaubsgebiete fahren. Momentan fällt der ganze Tourismus weg und ihr könnt Euch sicher vorstellen, was das für ein Land bedeutet, für die Menschen die im Tourismus arbeiten und ihr Geld damit verdienen. So jemand wollte ich auch sein, aber daran momentan einen Job zu finden, ist nicht zu denken. Bei meinem Mann auf Arbeit läuft zum Glück alles wie immer – sein Job ist nicht vom Tourismus abhängig.

Die Grenze zu Deutschland ist geschlossen und man kommt ohne triftigen Grund nicht mehr durch. Was dazu geführt hat, dass wir Anfang April nicht zu Oma fahren können, um sie zu besuchen. Zudem bangen wir etwas um unseren Sommerurlaub in Schweden. Aber auch da heißt es Abwarten.

Wir wohnen seit etwas über einem Jahr hier und die Kinder gehen in Schule und Kindergarten, welche seit 2 Wochen geschlossen sind. Meine Tochter spricht gut Dänisch. Sie hat ihren Schullaptop mit nach Hause nehmen dürfen und bekommt darüber täglich Aufgaben. Das klappt sehr gut. Dänemark ist sehr weit was Digitalisierung in Schule und im schulischen Umfeld betrifft. Meine Söhne besuchen seit Anfang des Jahres den Kindergarten. Sie hatten gerade begonnen Dänisch zu lernen, Freunde zu finden und sich gut einzugewöhnen. Das ist jetzt plötzlich alles weggefallen, was sehr schade für sie ist. Aber auch das überstehen wir und kommen sehr gut zurecht mit der Situation.
Ausflüge können wir dennoch machen – hier gibt es genug Möglichkeiten um in der Natur Spaß zu haben, den Kopf frei zu bekommen und etwas zu erleben. Da kommt so schnell keine Langeweile auf.
In den Geschäften ist es so, dass man am Eingang Handschuhe überzieht und Aufkleber an der Kasse auf dem Boden weisen auf den korrekten Abstand zwischen den Personen hin. In Dänemark ist es so, dass man sowieso kaum mit Bargeld zahlt, meist mit Karte oder dem Mobiltelefon. Bei der Bank kann man momentan kein Bargeld abheben, der Automat ist außer Betrieb.

Beschränkungen und Schulschließungen bestehen erst einmal bis nach Ostern, dann sehen wir weiter. Es soll jetzt mehr auf Corona getestet werden, da eine hohe Dunkelziffer vermutet wird. Zwischendurch hat jeder von der Polizei eine Nachricht aufs Handy geschickt bekommen, dass man bei dem tollen Wetter auf Abstand zu Anderen achten soll, um die Infektionen zu verlangsamen. Wir sind sehr froh einen Garten zu haben, wo die Kinder einfach hinaus können. :) Wir hoffen, dass das Virus bald Geschichte ist. Bis zum nächsten Mal, liebe Grüße aus dem sonnigen Dänemark Nadine

 

Ich danke euch allen, die ihr euch die Zeit genommen habt, mitzumachen und bin schon gespannt auf eure nächsten Corona-Updates!

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Text teilt! :-*

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