Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Claudia A. erzählt

Es ist Montag und ich habe noch eine Woche bis zum Termin. Ich hoffe natürlich der Kleine lässt sich nicht so lange Zeit wie sein großer Bruder damals. Ich hatte gerade Akupunktur im Kreißsaal und spüre, dass in meinem Bauch irgendwie mehr los ist als sonst. Vorwehen habe ich schon sehr lang, aber jetzt fühlen sie sich irgendwie anders an. Am Abend habe ich dann meine erste richtige Wehe. Sie ist erstaunlich schmerzhaft und ich muss mich am Herd festhalten und atmen. Da merke ich, dass es wohl nicht mehr lang dauert. Ich gehe um 22 Uhr ins Bett, aber kann nicht schlafen. Da spüre ich das erste Ziehen, nicht schmerzhaft aber ziemlich regelmäßig alle 10 Minuten. Ich berate mich mit meinem Mann. Was tun? Liegen bleiben, da es gut aushaltbar ist oder ins Krankenhaus fahren. Meine Hebamme riet mir vorher in den Kreißsaal zu fahren, wenn ich alle 10 Minuten Wehen habe. Ich entscheide mich für Liegenbleiben. Tatsächlich schlafe ich gegen 0:30 ein. Nach 2 Stunden kommt unser Dreijähriger ins Bett gekrochen. Ich habe kein Ziehen mehr und mache es mir in meinem Ausweichbett bequem, weil ich rotierende Kinder im Bett nicht so angenehm finde. Ziemlich genau 5 Uhr wache ich von einer sehr starken Wehe auf. Ich versuche wieder einzuschlafen, aber die Wehen kommen alle 13 Minuten wieder. Ich döse also bis 6 Uhr, dann klingelt der Wecker. Ich stehe auf und mache mich und den Großen fertig. Beim Anziehen muss ich immer wieder innehalten und atmen. Und ich freue mich riesig darüber. Beim Großen war ich weit überm Termin und wurde eingeleitet mit 12 Stunden Primingwehen und anschließenden Wehentropf. Jetzt habe ich richtige Wehen, die mein Körper ganz allein gemacht hat. Ich bin unglaublich stolz. Wir steigen ins Auto um den Großen in die Kita zu bringen und haben gleich meine Taschen dabei. Ich versuche noch ein Schnittchen zu essen, obwohl mir nicht nach essen ist. Die Wehen kommen mittlerweile alle 5 Minuten. Wir fahren anschließend ins Krankenhaus. Auto fahren waren nie so unangenehm. Im Krankenhaus angekommen, es ist ungefähr 8 Uhr, setzt mein Mann mich ab und sucht unglaublich lang einen Parkplatz. Ich stehe im Foyer, halte mich an einem Stuhl fest und atme. Im Kreißsaal wird direkt ein CTG gemacht. Muttermund fingerdurchlässig. Wir dürfen also bleiben und ich mache es mir auf dem Ball bequem und kreise die Hüften. Nach einer Stunde will mein Mann nochmal Heim fahren um seine Sachen zu holen, da wir gerade erfahren haben, dass wir ins Familienzimmer dürfen, aber in dem Moment kommt eine unglaublich schmerzhafte Wehe und ich kralle mich an seiner Hand fest. Die Hebamme meint anschließend wir sollen kurz ein wenig laufen. Stehen ist so schmerzhaft. Ich klammere mich am Arm meines Mannes fest und stöhne. Aus dem Stöhnen und exakt 10 Metern wird langsam Schreien. Von weitem macht man mir die Kreißsaaltür wieder auf, da man mich durch alle Räume hören konnte. Wir dürfen direkt in einen freien Kreißsaal einziehen. Ich bekomme einen Schmerztropf und erlaube einer Auszubildenden bei der Geburt anwesend zu sein. Ich kann eh die Augen nicht öffnen, weil mir durch den Tropf so schummrig ist, da ist mir egal wer da sitzt. Es ist jetzt 11 Uhr und mein Muttermund bei 5 cm.  Meine Hebamme rät mir dazu mich aufs Bett zu knien. Das Kopfteil wird hochgestellt und nun wird es richtig unangenehm. Die Wehen überrollen mich im Minutentakt. Der Kopf des Kleinen drückt mir gegen das Steißbein und ich habe das Gefühl keine Luft zu kriegen. Ich jammere und weine. Auch die Sauerstoffmaske hilft nicht wirklich. Die Hebamme untersucht mich während einer Wehe und ich flehe sie an das zu lassen. Muttermund komplett auf und ich darf pressen. Am 26. 11. 2019 um 11:58 wird Jakob Henning geboren. Ich bin so froh. Ich nehme ihn hoch und lege mich auf den Rücken. Aber die Schmerzen hören seltsamerweise nicht auf. Vom Großen kannte ich das so, aber nun spüre ich, dass irgendwas nicht stimmt. Ich blute stark und die Hebamme, die Auszubildende und die Ärztin versuchen meine Plazenta raus zu bekommen. Als sie kommt ist sie leider komplett zerrissen. Die Oberärztin kommt und macht einen Ultraschall. Es sind noch Stücke in meiner Gebärmutter und die müssen entfernt werden. Also gebe ich mein Baby meinem Mann und werde ich den OP gefahren. Die OP selber ist nicht schlimm. Nach dem Aufwachen geht es mir auch super. Ich habe Hunger und freue mich auf mein Kind. 15 Uhr darf ich endlich zu meinen Jungs. Jakob liegt in meinem Arm, aber seine Gesichtsfarbe gefällt mir nicht so richtig. Außerdem japst er die ganze Zeit. Ich denke mir nichts dabei, da er ja untersucht wurde. 16 Uhr dürfen wir ins Familienzimmer einziehen. Ich bin selig. Liege mit meinem Baby in dem großen Doppelbett und kuschle. Ganze 7 Minuten. Dann kommt ein Kinderarzt rein und untersucht Jakob noch einmal, da er nicht richtig zu atmen beginnt. Er ist der Meinung Jakob könnte einen Infekt haben oder Anpassungsstörungen. Er möchte ihn mitnehmen auf die Neugeborenenstation und in den Kasten legen. Eine Stunde später darf ich ihn besuchen. Ich bin fix und fertig. Darf ihn nicht raus nehmen, nur streicheln und gehe allein in unser Familienzimmer zurück. Jakob ist dank einer Gelbsucht dann insgesamt eine Woche auf der Station bis wir endlich Heim dürfen und alle wieder gesund sind.

Diesen schönen Geburtsbericht hat Claudia geschrieben :)

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