Verena Stark
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SELBSTSTÄNDIGE MÜTTER – INTERVIEW MIT Verena Stark (Grafik Designerin & Bildhauerin)

Verena Stark ist beruflich eine Vollblut-Selbstständige – sie hat schon immer so gearbeitet und für sie ist es der perfekte Weg. Nicht nur (aber auch), weil sie sich gar nicht auf nur einen Bereich festlegen kann und will. Die 43-jährige ist verheiratet, Mama von zwei Kindern und versucht wie wir alle jeden Tag ihr Bestes, allen Ansprüchen (von Außen und die eigenen) gerecht zu werden – ich würde sagen, sie rockt das ziemlich toll. Aber lest selbst:

SELBSTSTÄNDIGE MÜTTER – INTERVIEW MIT Verena Stark (Grafik Designerin, Bildhauerin und Kunstvermittlerin)

1. Beschreibt doch erst einmal kurz, was du beruflich genau machst, welche Aufgaben dein Job beinhaltet und ob du von Zuhause arbeitest oder ein Büro bzw. einen externen Arbeitsplatz hast?

Ich habe drei „Berufungen“: Grafik Designerin, Künstlerin und Kunstvermittlerin. Als Grafik Designerin erstelle ich für eigene Kund:innen ein funktionierendes auf sie abgestimmtes Design. Auf meiner Homepage nenne ich das „Übersetzung der Kundensprache in funktionierendes Grafik Design.“ Das kann ein Katalog für eine Künstlerin, ein Corporate Design mit Logoentwicklung für ein Startup-Unternehmen oder ein Plakat für eine Hochschule sein. Ich arbeite dafür viel am Computer, schreibe Mails und kommuniziere mit den Kund:innen bis das Ergebnis beiden Seiten gefällt und im besten Fall noch im Budget ist. Dazu kommt der ganze administrative Kram.

Als Künstlerin arbeite ich momentan an dem Projekt „do you like my nipples?“. Ich produziere und verkaufe kleine Keramik Nippel zum an die Wand hängen. Die Nippel sind aus meinem Bildhauerstudium als Abschlussprojekt hervorgegangen und ein absolutes Herzendprojekt. Meine eigenen Nippel haben sich nach dem Stillen zweier Kinder verändert und ich denke daher kam der Impuls. Um die erste Edition von 250 Stück zu produzieren, saß ich viel an unserem Küchentisch und habe Nippel aus Ton geformt und mich um den Brand, die Verpackung, den Online-Shop und die Ausstellungsform gekümmert.

Die Arbeit mit den Nippeln hat mich zu Themen wie z.B. Bodyshaming, Feminismus, Mutterschaft und die Auseinandersetzung mit dem Kunstmarkt geführt. Viele dieser Räume sind Neuland für mich und ich finde mich dort so langsam zurecht. Es gehen immer mehr Türen auf und ich folge den Nippeln, um in Zukunft so viele davon in die Welt zu bringen, dass ich das damit eingenommene Geld wieder an Frauen zurückgeben kann.

Einer dieser Räume ist das Frauenmuseum Bonn. Seit Oktober mache ich jeden ersten Sonntag im Monat für die Besucher kostenlose Führungen und werde im Schnitt 2-4 Mal im Monat gebucht. Das heißt, ich führe Gruppen von 3 bis 40 Leuten durch das Museum und erzähle ihnen etwas über die verschiedenen Ausstellungen und die Geschichte des Frauenmuseums. Da die Ausstellungen relativ oft wechseln und immer einen wissenschaftlichen oder historischen Teil über die Kunst hinaus liefern, lese ich mich viel in die Themen ein und überlege mir, wie ich das gut vermitteln kann. Das kostet viel Zeit und bringt wenig Geld aber es ist der Ort, an dem ich gerade sein will.

2. Seit wann bist du 100% selbstständig mit deinem Business und wie viel Stunden pro Wochen fließen in dein Business? Und: Bist du zufrieden mit deinem Einkommen, gemessen an der Zeit, die du investierst?

100% selbständig als Grafik Designerin bin ich von Anfang an, seit ich 2006 mein Studium beendet habe. Mein Ziel ist eine bezahlte Auslastung von 55 Stunden im Monat. Das sind knapp 14 Stunden die Woche – so der Plan. Die Realität ist manchmal aber eine Mischung aus bezahlter Arbeit, Administration, Hausaufgaben, Aquise, Haushalt, Netzwerken, Kind zu Hause, Einkaufen …

Ich wäre mit meinem Einkommen zufrieden, wenn ich die Auslastung von 55 bezahlten Stunden im Monat hätte. Das würde meine Kosten decken und ich hätte noch was übrig. Davon bin ich aber oft noch ein ganzes Stück entfernt. Ich skaliere mir mein Business nach dem Studium erst wieder Stück für nach oben und positioniere mich stärker im Kunst und Kulturbereich.

3. Wann und wie hast du die Entscheidung getroffen, dass die Selbstständigkeit der beruflich richtige Weg für dich ist?

Das war keine aktive Entscheidung. Ich hatte schon während des Studiums nebenher einige Jobs als Illustratorin und dann das Glück, direkt danach ein paar Kunden zu haben, von denen ich gut leben konnte. Ich kenne es nicht anders.

4. Gibt es etwas, dass dir vor diesem Schritt Sorgen gemacht hat? Bzw: Wovor hattest oder hast du den meisten Respekt in Sachen Selbstständigkeit?

Bei der Selbständigkeit als Grafik Designerin war ich komplett blauäugig und habe mir null Gedanken gemacht. Es lief einfach und ich habe mir von Anfang an einen Steuerberater gesucht, der mich vor steuerlichen Fehlern bewahrt. Seit dem Ende meines Bildhauerstudiums letzten Sommer mache ich mir zum ersten Mal Gedanken um mein Business, positioniere mich neu und setze mir klare Ziele und probiere Wege dorthin aus.

Bei den Nippeln war das ganz anders. Da wollte ich alles richtig machen. Jetzt ist alles geregelt und die größte Sorge, die ich aktuell mit den Nippeln habe, ist das ich nicht genug Zeit habe, mich so um sie zu kümmern, wie sie es verdient haben.

5. Was liebst du am meisten an deinem Job in dieser Form?

Ich liebe es, Schöne Sachen zu gestalten und anderen dabei zu helfen, in die Aussenwirkung zu kommen. Und ich liebe es, alle drei „Berufungen“, zusammenzuführen: das Grafikdesign wird durch die Kunst inspiriert, die Kunst profitiert von meiner Struktur als Selbständige und die Arbeit als Kunstvermittlerin bringt mich in den Kontakt mit Menschen – hier kann ich meine Offenheit, meine Neugier und meinen Wissensdurst füttern. Und nicht zuletzt liebe ich die Freiheit! Für meine Familie, für mich, für meine Freunde. Sobald eine Festanstellung in Aussicht ist, merke ich, wie sehr ich an dieser Freiheit hänge.

6. Was magst du am Wenigsten?

Meine Selbstzweifel, wenn es gerade nicht so gut läuft, dass der Tag nur 24 Stunden hat, die letzten 3 Prozent in einem Projekt, manchmal weniger Geld zu haben, Aquise machen – das ist neu für mich und ich muss mich erst daran gewöhnen, mich anzubieten.

7. Wie klappt es mit der Vereinbarkeit mit der Familie? Bekommst du alles unter einen Hut? Wo sind bei dir die „Stolperfallen“?

Natürlich bekomme ich nicht immer alles unter einen Hut. Aber seitdem ich die verschiedenen Bereiche (Kunst, Design, Familie) nicht mehr als drei Leben sondern als eins – und zwar meins! – sehe, gelingt es mir immer besser und öfter alles gelassener zu sehen. Das Leben kommt in Wellen: mal klappt‘s reibungslos, mal gar nicht, mal ist es aufgeräumt, mal dreckig, mal habe ich zu viel Geld, mal zu wenig.

Eine Stolperfalle ist der steigende Aufwand in der Schule, der bei uns gerade mit weniger Betreuungszeit verbunden ist.

8. Gibt es etwas, dass du anderen Müttern, die sich beruflich gerne selbstständig machen wollen, als Tipp mitgeben magst?

Folge mutig den Gelegenheiten, die sich bieten. Stelle dich nicht ständig in Frage sondern komme ins Tun und probiere Sachen aus. Sprich mit vielen Menschen über deine Leidenschaft, deine Ziele und dein Angebot. Verkaufe dich nicht unter Wert und scheitere mit analytischer Neugier. Fehler gehören nicht nur dazu sondern sind Motor und die nächste Hürde zum Wachsen. Viel Spaß und Erfolg!

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Liebe Verena, vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten und so viel aus deinem Business zu erzählen!!! <3

Auf Instagram findet ihr sie hier:

Und ihre Homepages hier: www.verenastark.de & www.doyoulikemynipples.de

Instagram-Account: @doyoulikemynipples

Foto-Credit: Christian Hedel

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