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Geburtsbericht: Leserin Sonja A. erzählt von ihrer 4. Geburt

Geburtsbericht meiner Tochter, geboren am 16.09.25 – 4020g, 53 cm.

Es ist mein viertes und letztes Kind. Über die ersten drei Geburten habe ich bereits bei Anke berichtet (2015, 2018 und 2020).

Es ist meine letzte Schwangerschaft.  Eine Schwangerschaft, die in meinem Alltag kaum Platz findet. Vollzeitjob, nebenbei Selbstständigkeit aufbauen und drei Jungs, die sehr, sehr, sehr fordernd sind.

Und trotzdem versuche ich zu genießen. Ein letztes Mal diese zarten Bewegungen. Ein letztes Mal die Tritte. Ein letztes Mal Leben erschaffen und in mir wachsen lassen. Ich bin zutiefst dankbar, demütig und glücklich.

So zwiespältig ich mit der Schwangerschaft bin, so zwiespältig bin ich auch mit der Geburt. Gedanken kreisen. Geht alles gut? Wie schnell wird eine vierte Geburt sein? Wann beginnt es? Wie gut bekomme ich die Betreuung für meine drei Jungs organisiert? Wie kommen sie zuverlässig zur Schule, zu ihren Hobbys?

Ich habe mich vorbereitet, so wie in den Schwangerschaften davor. Die friedliche Geburt hat mir Kraft und Sicherheit gegeben. Dazu positive Affirmationen, die mir Mut gemacht haben, alles gut durchzustehen.

Bei den finalen Untersuchungen kam dann ein Moment, der mich ziemlich aus der Fassung brachte. Beim Geburtsgespräch wurde die Ärztin nervös. Eine Ü40 Frau mit einem Baby, das vermutlich über 4 kg wiegen würde. Sie drängte auf eine Einleitung bei 39+0, obwohl keinerlei medizinische Notwendigkeit bestand. Dazu kam: Mein Wunsch nach einer Sterilisation, falls es zu einem Kaiserschnitt käme, wurde abgelehnt. Begründung: katholisches Krankenhaus. Sterilisationen grundsätzlich nicht möglich! Also bin ich in ein anderes Krankenhaus gewechselt. Dort hat man mir zugehört, mir vertraut und nicht sofort interveniert. Damit wurde die Klinik kurz vor Schluss noch gewechselt.

Dann, zwei Tage vor ET. Ich saß mit meinem zweiten Sohn über seiner Deutschhausaufgabe, als ich einen großen Schwall Wasser spürte. Ich ging auf die Toilette und es wiederholte sich. Da war klar, die Fruchtblase war geplatzt. Eigentlich wollte ich noch zum Elternabend im Kindergarten aber daraus wurde wohl nichts.

Ich ging zu meinem Mann. Er arbeitete im Homeoffice und steckte mitten in einem Online Seminar. Als ich sagte, ich glaube ich muss ins Krankenhaus, meine Fruchtblase sei geplatzt, wurde er kreideweiß und stammelte ins Mikrofon, dass er leider gehen müsse.

Die Kinder bekamen es mit. Plötzlich war Trubel und Hektik um mich herum. Ich brüllte nur noch: „Halt stopp. ICH bekomme hier das Kind, und wir beruhigen uns jetzt erstmal alle!“ Ich wies meinen Mann an seine Eltern anzurufen, damit sie zu uns kommen. Ich schickte die Kinder den Abendbrottisch decken und essen, und warf selbst noch schnell die Wäsche in den Trockner.

Wehen hatte ich zu dem Zeitpunkt noch keine. Aber ich entschied, ins Krankenhaus zu fahren, ans CTG zu gehen und die Anmeldung zu erledigen. Ich fühlte mich wohler, dort zu sein. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass eine vierte Geburt sehr schnell gehen könnte.

Ich ließ meinen Mann bei den Kindern, bat ihn, nachzukommen, sobald meine Schwiegereltern da wären und alles geregelt sei. Mit einer dicken Schicht Handtücher setzte ich mich ins Auto und fuhr los. Zum Glück nur zehn Minuten Fahrtweg.

Im Krankenhaus angekommen hatte ich weiterhin keine Wehen, aber das Fruchtwasser lief und lief und lief. Das übliche Prozedere begann. CTG, Gespräch mit der Hebamme, Untersuchung durch die Ärztin. Nach etwa einer Stunde kam mein Mann dazu. Wir saßen im CTG Zimmer und waren bereit für diese gemeinsame, allerletzte Reise in den Kreißsaal.

Ich war ruhig. Gefasst. Keine Angst, keine Aufregung. Einfach nur ruhig.

Doch dann kam eine Situation, mit der ich nicht gerechnet hatte. Weil ich noch keine spürbaren Wehen hatte, wurde ich auf Station geschickt. Freies Einzelzimmer oder Familienzimmer gab es nicht. Das Krankenhaus war absolut überfüllt. Ich hatte zu Hause so viele Optionen und Notfälle durchgespielt, aber einen Blasensprung ohne Wehen hatte ich nicht auf dem Zettel.

In meinem Zimmer lag eine Frau mit ihrem Mann. Erstgebärende, sehr unsicher. Das Baby schrie ununterbrochen. Sie hatte Nebenwirkungen vom Kaiserschnitt und erbrach sich immer wieder, der Mann versuchte irgendwie zu helfen. Ein Chaos und für mich leider die absolut unperfekte Umgebung, um mich zu entspannen und Wehen zu entwickeln.

Ich bat meinen Mann mit mir spazieren zu gehen und Treppen zu steigen, um die Wehen anzuregen. Doch wirklich produktiv wurde das Ziehen im Bauch nicht. Um halb elf baten die Schwestern höflich, dass die Männer nun gehen müssten, damit die Frauen auf Station Ruhe bekämen. Schweren Herzens ließ ich meinen Mann gehen und legte mich ins Bett. Ich sprach zu mir und meinem Körper. Dass ich vertraue. Dass er weiß, wie und wann der richtige Zeitpunkt für produktive Wehen ist.

Ich schlummerte ein. Um Mitternacht wachte ich auf, ausgelöst durch eine sehr starke, kräftige Wehe. Euphorisch wartete ich, ob sie wiederkam. Und sie kam. Im Abstand von acht Minuten, kraftvoll und eindeutig.

Barfuß tapste ich in den Kreißsaal und fragte die diensthabende Hebamme, ob ich umziehen dürfte, damit ich mich vollends entspannen und den Wehen hingeben kann. Sie bejahte. Und weil der Kreißsaal im Gegensatz zur Station leer war, durfte ich mir den Raum aussuchen in dem schon mein zweiter Sohn zur Welt gekommen war. Der einzige Saal mit der großen roten Badewanne.

Ich richtete mich ein. Friedliche Geburt auf die Ohren, bequeme Kleidung, etwas zu trinken. Dann rief ich meinen Mann an und bat ihn in den Kreißsaal zu kommen.

Und dann tauchte ich ab. Ich wusste, das wird meine letzte Geburt sein. Das letzte Mal, dass ich diese intensive weibliche Urkraft erleben darf.

Als mein Mann irgendwann ankam, machte er es sich auf der Couch gemütlich. Die Hebamme brachte Decke und Kissen, und er schlief schnell ein. Und das war für mich genau richtig. In all den anderen Geburten war er jede Sekunde an meiner Seite. Er hat mich massiert, meine Hand gehalten, mich umsorgt und angefeuert. Dieses Mal wollte ich es mit mir allein ausmachen. Die Kraft der Wehen erleben, mich ihnen ganz hingeben.

Die Hebamme kam ab und zu vorbei, merkte aber schnell, dass sie nicht gebraucht wurde, und ließ mich los.

Als die Wehen alle vier Minuten kamen, bat ich kurz um Buscopan, um die Spitzen etwas abzuflachen. Und anders als bei den anderen Geburten konnte ich es überhaupt nicht ertragen auf dem Rücken zu liegen. Der Pezziball war mein größter Helfer. Ich kniete, kreiste, saß, und mit einem Tuch, das von der Decke hing und an dem ich mich festhielt, wurde jede Wehe zu einem Geschenk. Ich genoss dieses Wunder und meinen Körper, der genau wusste, was er zu tun hatte.

Gegen Ende waren meine Kräfte erschöpft. Ich war die ganze Nacht und den ganzen Tag wach gewesen. Ich besprach mit der Hebamme, dass es Zeit wäre für einen intravenösen Schmerz Cocktail, damit ich für das Finale genug Kraft habe. Sie gab ihn mir, und ich fiel in einen kurzen, etwa vierzigminütigen Dämmerschlaf. Ich spürte die Wehen noch, aber ich konnte mich endlich vollkommen entspannen und Kraft tanken.

Dann war ich mit einem Mal wieder völlig wach und klar. Ich stand auf und ging auf die Toilette, um dem Baby jeden Platz zu geben, den es brauchte. Dort merkte ich dann, dass mein Körper umschaltet auf Presswehen.

Ich bat meinen Mann die Hebamme und Ärztin zu holen. Das Baby kommt jetzt.

Für ihn, der bis dahin selig geschlafen hatte, ging alles plötzlich sehr schnell und er konnte kaum glauben, dass es so unkompliziert sein sollte. Die Hebamme ließ Wasser in die Wanne, und ich stieg für meinen letzten Weg in dieses wohltuende warme Wasser.

Dort gab ich meinem Körper endgültig die Kontrolle. Kräftige Presswehen. Wie in einem Traum hörte ich irgendwann: „Der Kopf ist da“ und dann „Schauen Sie gerne jetzt mal nach unten“.

Da lag sie. Meine Tochter. Mein letztes Kind. Nach drei Jungs. Zur Welt gebracht in einer wunderschönen, friedlichen Geburt, in der Badewanne.

Ich nahm sie, hob sie hoch und legte sie auf meine Brust. Es war 06:19 Uhr. Wir kuschelten sehr lange. Und mein Mann wiederholte immer wieder „Ich kann es gar nicht glauben!“

Als die Nabelschnur ausgepulst war, durchtrennte mein Mann sie. Ich stieg aus der Wanne, um die Plazenta auf dem Geburtsbett zu gebären. Aber meine Tochter ließ ich keine Sekunde aus den Armen. Ich legte sie an, und wir kuschelten noch viele Stunden ehe wir uns anzogen und dann ambulant zurück zur Familie fuhren, wo das neue Familienmitglied von den Geschwistern freudestrahlend begrüßt wurde.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Sonja geschrieben! Hier könnt ihr von ihrer 3. Geburt lesen.

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