Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Leserin-Geburtsbericht: Sonja A. (3. Geburt)

Geburt unseres dritten Sohnes am 04.Oktober 2020 – 4.085 g, 58 cm, 36 KU
Ich habe bereits über meine ersten beiden Geburten bei Anke geschrieben. Alle drei waren sehr unterschiedlich, aber alle drei haben mir einen wundervollen Sohn geschenkt, deren Liebe mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen ist.

Einleitung – die Latenzphase
Ich hatte schon die ganze Woche unregelmäßige Wehen. Fast schon habe ich gedacht, doch noch im September unser Kind zu bekommen, aber die Intensität der Wehen ließ immer mal wieder nach. So bin ich noch mit Freundinnen am Freitag Abend essen gegangen und habe am Samstag alles für den Geburtstag meines Mannes am Sonntag vorbereitet…
Doch schon am Samstag Abend merkte ich, dass der Geburtstag am Sonntag wohl anders ausfallen würde, als geplant. Stück für Stück wurde die Wehen über den Nachmittag und Abend produktiv und… regelmäßig. Mir war klar, dass es diese Nacht losgehen würde.
Ich badete ein letztes Mal sehr ausgiebig, verabschiedete mich von der Schwangerschaft, rasierte mich, nahm mir viel Zeit für Körperpflege und zog mich so an, wie ich ins Krankenhaus fahren wollte. Ich ging zu meinen Söhnen, die tief und fest schliefen und verabschiedete mich innerlich auch von ihnen. Verabschiedete mich von der aktuellen Familienkonstellation und schaute nochmal nach ob alles gepackt und bereit gelegt war. Dann ging ich und legte mich hin. Es war 23:00 Uhr am 03.10.20.

Der Anfang – Weg ins Krankenhaus – die Eröffnungsphase I
Um 03:00 Uhr lag ich wach im Bett und begann den Abstand der Wehen aufzuschreiben. Da wir eine längere Anfahrt zum Krankenhaus vor uns hatten und es auch mein drittes Kind war, wollte ich nicht zu spät losfahren. Als der Abstand der Wehen bei 6 Minuten lag, weckte ich meinen Mann und sagte, dass es nun an der Zeit wäre ins Krankenhaus zu fahren. Wir haben also meiner Schwiegermutter Bescheid gegeben, die seit Freitag Abend bei uns wohnte und fuhren mit dem Auto los. Im Auto hörte ich über Kopfhörer eine Geburtsvorbereitende Meditation, um während der Fahrt bei mir zu bleiben und mich langsam auf die Geburt einzustimmen. Alles war gut. Wir kamen am Krankenhaus an, parkten, gingen zum Kreißsaal und erledigten alle Formalitäten bzgl. Corona und Anmeldung. Dann kam ich ans CTG, bekam meinen Zugang und mir wurde ein Corona Abstrich gemacht. Mein Partner und ich redeten über viele schöne Dinge während des CTGs und freuten uns sehr über die bevorstehende Geburt. Als die diensthabende Hebamme kam, um mich vom CTG zu befreien, schickte sie mich nochmal spazieren (zumal auch die Frühschicht nun die Nachtschicht ablöste). Wirklich wohl habe ich mich nicht damit gefühlt, doch folgte ich der Anweisung, auch weil ich das Gefühl hatte, dass alles noch etwas dauern würde.
Beim Spaziergang im Krankenhaus fühlte ich mich allerdings so unwohl, dass die Wehen, die bis dahin kaum schmerzhaft waren, anfingen immer stärker zu werden. Ich begann mich zu verkrampfen, hatte immer mehr Schmerzen, bis ich nach einer halben Stunde meinem Partner gesagt habe, dass ich umgehend zurück in den Kreißsaal wollte.

Dort angekommen freute ich mich darauf „mein Zimmer“ für die nächsten Stunden zu beziehen. Da wir zu der frühen Morgenstunde nur zwei Frauen vor Geburt waren, war der große Saal mit Wanne frei. Es war mein Traum – auch schon bei der zweiten Geburt – mein Kind im Wasser zu bekommen. Doch leider kam die Ernüchterung sehr schnell: die kabellosen CTGs waren kaputt, eine Wassergeburt sei damit nicht möglich. Nun ja, ich hatte mir fest vorgenommen nicht enttäuscht zu sein, sollte es mit der Wassergeburt nicht klappen und so wollte ich wenigstens mir die Möglichkeit offen lassen während den Wehen im Bad mal entspannen zu können. Doch die Chemie zwischen mir und der Hebamme, die den Frühdienst angetreten hatte wollte einfach nicht passen. Wiederwillig gab sie mir den Kreißsaal, aber nicht ohne mich zu fragen, ob ich schon meinen Einlauf gemacht hätte, anders würde eine Geburt schließlich nicht in Gang kommen! Leicht genervt entgegnete ich ihr, dass ich nun erstmal ankommen wollen würde und eine Geburt schließlich auch ohne Intervention passieren könne und überhaupt hätte ich keinerlei Probleme der Darmentleerung vor der Geburt bei meinen anderen Kindern gehabt. Kabumm… was ein fulminanter Start. Mist dachte ich mir, das gibt was…
Ich installierte mich im Zimmer, nahm meine Kopfhörer raus und musste mich nun erstmal wirklich wieder beruhigen. Ich hörte wie mein Partner versuchte mit ihr zu sprechen bzgl. Kommunikation unter der Geburt, dass ich mich mit Meditation und Selbsthypnose vorbereitet habe und überreichte auch das mitgebrachte Obstkörbchen und eine von mir selbstgemachte Karte. Das Präsent nahm die Hebamme an. Ein Verständnis für diesen „komischen Kram“ bzgl. Meditation und Selbsthypnose wollte bei ihr aber nicht so wirklich aufkommen. Ich war verzweifelt. Plötzlich triggerten mich meine letzten (vor allem meine letzte) Geburten wieder und ich begann zunehmend nervös zu werden. Sich drehende Gedanken und Ängste bohrten sich langsam aus meinem Unterbewusstsein in mein Gehirn und ließen mich zunehmend verkrampfen. Die Schmerzen der Wehen wurden intensiver, die Abstände der Wehen aber auch größer. Mein Körper und mein Geist verabschiedeten sich zunehmend davon, diesen Kreißsaal als geborgenen Ort anzuerkennen und empfahlen mir unterbewusst immer mehr die Flucht nach vorn…

Die Traumgeburt – Glück in letzter Minute – die Eröffnungsphase II
Plötzlich kam mein Mann zurück, freudestrahlend und sagte mir, dass mich eine andere Hebamme versorgen würde. Die zweite diensthabende Hebamme hat sich krank gemeldet und die Stationsleitung war auf dem Weg. Wir haben sie beide bei einer Voruntersuchung im Krankenhaus kennen gelernt und damals viel mit ihr gelacht. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Als sie da war schaute sie direkt nach mir und merkte mir meinen Stress und meine Nervosität an. Sie ging auf mich ein, beruhigte mich und empfahl mir einen kleinen Cocktail aus Buscopan und Meptid, um die Verkrampfung und die Nervosität abzubauen. Ich willigte ein und merkte sehr schnell, wie ich aus der drohenden Angst-Schmerz Spirale Stück für Stück raus kam.
Was dann folgte war wundervoll. Ich zählte mich in meine Hypnose runter, hatte nun permanent die Kopfhörer auf den Ohren. Mein Mann kümmerte sich darum immer wieder mir Wasser zu reichen und zu schauen, dass mich niemand stört bzw. anspricht. Die Hebamme massierte mir während der gesamten restlichen Eröffnungsphase den unteren Rücken und half mir verschiedene produktive Geburtspositionen einzunehmen, um unseren Sohn optimal ins Becken zu bringen. Ich war völlig entspannt. Ich war in Trance. Fast wie aus einer anderen Welt hörte ich ab und an die aufmunternden Worte „es sieht alles wunderbar aus, wir sind bei 2cm… 4cm… 6cm… 8cm.  Wenn du nun einen starken Druck zum pressen hast, darfst du ihm gerne nachgeben…“ eigentlich wollte ich den Stand des MuMu nicht wissen aber bei dieser Geburt war es aufbauend und gab mir Kraft. Die Wehen waren gut aushaltbar, ich konnte wunderbar mit der Bauchatmung einen Gegendruck zum Schmerz herbeirufen. Es gab nur ein paar wenige Wehen, die so intensiv waren, dass ich beim Höhepunkt der Wehe lauter wurde. Ansonsten habe ich jede einzelne ruhig und für mich veratmen können.

Die Austreibungsphase und das dritte Wunder in meinen Armen
Die Pressphase gegen Ende war nochmal unglaublich intensiv. Hier konnte ich nicht anders als laut werden. Doch das Team bestehend aus der Hebamme, die die letzten 3 Stunden nicht von meiner Seite gewichen ist, dem Arzt der nun dazu gekommen ist und meinem Mann machten mir lautstark Mut und gaben mir Kraft. Fast wäre mein dritter Sohn auch ein Sternengucker geworden aber durch die Erfahrung der Hebamme konnte er nochmal richtig gedreht werden. Wir schafften es gemeinsam, dass ich bei dieser Geburt keinerlei Verletzungen davon trug. Im Vergleich zu meiner zweiten, nicht sehr schönen Geburt war dies ein Traum. Dabei hatten beide Söhne recht ähnliche Maße – gleichen Kopfumfang- und waren in der gleichen Geburtsposition geboren worden.
Überglücklich hielt ich meinen Sohn um 10:21 Uhr in meinen Armen. Ich war völlig perplex und konnte es fast nicht glauben, dass es so schnell, schmerzarm, schön, unkompliziert und ruhig vonstatten gehen kann. Selbst die Plazentageburt verlief schnell (10 min. später) und komplett. Bei der Geburt davor war ich nach 50 Minuten fast im OP gelandet (sie hatte sich irgendwie verkeilt und keiner schaffte es sie zu lösen).

Fazit:
Es war eine traumhaft schöne Geburt, auch wenn es nicht exakt die Geburt war, die ich mir erträumt hatte.

Diesen schönen Geburtsbericht hat Sonja geschrieben.

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