Rabenmutter 2.0

Was passiert, wenn die Mama krank ist?*

Verrückt, was man so aus seiner Vergangenheit vermisst, wenn man Kinder hat. Bei mir sind es zum Beispiel gar nicht die COOLEN, LUSTIGEN Dinge wie das Ausgehen bis in die frühen Morgenstunden, lange Shoppingbummel oder gemütliche Mädchen-Wochenenden mit Freundinnen. Es sind eher die ganz einfachen Freuden des Lebens, wie:
– Alleine auf dem Klo sitzen und dabei in einem schlechten Roman lesen.
– Länger als zwingend notwendig unter der Dusche stehen bleiben.
– Schlafen bis Kopfschmerzen einsetzen.
– Krank flachliegen.

Neu: Du hast keine Lust oder Zeit, zu lesen? Dann scrolle einfach bis zum Ende des Textes runter und hör dir den PODCAST an!  

Ja, es hört sich völlig bescheuert an, aber ich vermisse es tatsächlich manchmal, krank zu sein. Also dieses klassische krank sein, das es nur für Kinderlose gibt: Morgens wach werden, sich mies fühlen, zum Arzt gehen, sich krankschreiben lassen, deshalb nicht zur Arbeit gehen, sondern stattdessen auf der Couch im eigenen Fiebersaft schmoren, sich mindestens 12 Stunden am Tag von grotesk miesem TV-Programm langweilen lassen und im besten Fall jemand haben, der einen mit Tee, Hühnersuppe und Kräckern versorgt, während man rumjammert wie ein Baby. Mal ehrlich … das klingt doch traumhaft, oder?

Kaum ist Nachwuchs auf der Welt, rutscht diese Form des Krankseins ratzfatz in den Teil der Erinnerungen ab, in denen man sich irgendwann leicht melancholisch suhlt – zumindest als Mutter kleiner Kinder. Denn für Väter ändert sich eigentlich gar nicht so viel ;) .

Wenn der Papa krank ist:

Klassisches Gespräch zwischen (natürlich beinahe tödlich! ) erkranktem Papa und einer fitten Mama (die einen sehr guten Tag und daher die Nerven hat, den Quatsch mitzuspielen :D ):

Er: „Schaaaaaatz, ich habe ein Nasengeräusch … und der Hals tut weh … und ich habe Husten! Hör doch, wie ich huste… HUST, HUST, RÖCHEL, HUST!“
Sie: „Ja, ja, ich höre es. Was machen wir jetzt mit dir? Willst du ins Bett?“
Er: „Jaaaaaaa! Machst du mir einen Tee?“
Sie: „Klar. Und ich bringe dir ein paar Medis gegen diese SCHRECKLICHE Männergrippe! Brauchst du auch was zu essen?“
Er: „Ich glaube, dass lohnt sich gar nicht mehr. Sicher rafft diese Grippe mich dahin … ich fühle mich so schrecklich! Ich habe 38 FIEBER!!!! Oh Gott, ich bin so schwach. Und mir ist schlecht.“
Sie: „Ok, dann also nichts zu essen!“
Er: „Ach, warte, vielleicht könntest du mir diese Waffeln besorgen. Die, mit dem Schokoüberzug.“
Sie: „Ich dachte, dir ist schlecht und es lohnt sich eh nicht mehr, dir etwas zu essen zu bringen, weil du dem Tode so nah bist ;) !“
Er: „Ja, schon. Aber Waffeln gingen trotzdem! Ich versuuuuuche es jedenfalls!“
Sie: „Gut, dann bringe ich dir deinen Tee, packe die Kinder ein, kaufe dir Waffeln und gehe danach mit den Krawall-Monstern auf den Spielplatz, damit du etwas Ruhe hast.“

Reaktion eines Kindes auf den kranken Papa:
„MAAAAAAMA, der Papa ist ganz doll krank! Ich mal ihm mal ein Bild. Und dann spiele ich den gaaaaanzen Tag mit DIR!“

Wieder genesen:
Er: „Hui, dass war knapp – da bin ich dem Tode gerade nochmal so von der Schippe gesprungen!“
Sie: „Verblüffend … ich habe kaum mehr zu hoffen gewagt! Du warst sehr tapfer ;) .“

Wenn die Mama krank ist:

Klassische Gespräche zwischen erkrankter Mama (also mindestens zwei Zahnwurzelentzündungen gleichzeitig oder über 39 Fieber bei einer ECHTEN Grippe oder lähmenden Brech-Durchfall über mehr als 12 Stunden oder offene Wunden mit einem Blutverlust von mehr als 1 Liter – alles darunter erwähnt man als Mutter ja gar nicht ;) ), und einem fitten Papa (der nur sechs Stunden durchgeschlafen hat und daher sehr, sehr müde ist ;) ):

Sie: „Schatz, ich befürchte, ich bin krank!“
Er (mit vor Panik blitzenden Augen): „Oh Gott, wirklich????“
Sie: „Ja, wirklich. Könntest du die Kinder heute Morgen anziehen und startklar machen, damit ich wenigstens noch eine halbe Stunde liegenbleiben kann?“
Er: „Puhhh, ja, also, ok, ich versuche es!“

3 Minuten später:
Er: „Schatz, wo sind denn die Socken von der Mausemaus?“
Sie: „Im Schrank.“
Er: „Hat die Mausemaus keine sauberen Hosen mehr?“
Sie: „Doch, im Schrank!“
Er: „Was soll das Baby denn anziehen?“
Sie: „Ist mir völlig wurscht. Nimm was AUS DEM VERDAMMTEN SCHRANK!!!“

Beim Frühstück:
Er: „Was machst du denn jetzt?“
Sie: „Was meinst du?“
Er: „Naja, du siehst echt übel aus. Kannst du dich denn etwas ausruhen heute?“
Sie (schaut dem großen Kind dabei zu, wie es die Milch aus dem Müsli aus Versehen über den Tisch gießt, betrachtet das zahnende und daher übellaunige Baby und geht parallel mit fiebriger Birne die to-do-Liste des Tages durch): „Vielleicht eine halbe Stunde, während das Baby einen Mittagsschlaf macht und die Große noch in der Kita ist.“
Er: „Hm, das ist ja nicht viel. Du Arme!“

3 Minuten später:
Er: „Gehst du zufällig einkaufen und kannst mir neues Shampoo mitbringen?“
Sie: „Sehr gerne, Schatzi. Mache ich gleich nachdem ich aus meiner Fieber-Ohnmacht erwacht bin und bei SCHEIDUNG.DE DIE PASSENDEN FORMULARE AUSGEDRUCKT HABE!!!“

Reaktion eines Kindes auf die kranke Mama:
„MAAAAAAMA, bist du doll krank? Dann bleibe ich besser den gaaaanzen Tag bei dir und spiele mit DIR! Hoppla, mir ist der Farbkasten runtergefallen…auf die Couch…ist das schlimm, Mama? Guck mal, Mama, jetzt ist die Couch ganz bunt! Hihihihi, sieht das schöööön aus! Naja, egal. Dann spielen wir jetzt Wettrennen, Mama, ja? Komm, Mama, lauf vor! JEEEEETZT! Sonst ist mir laaaaaaaangeweilig! Kochst du mir was?“

Wieder genesen:
Sie: „Gottseidank bin ich wieder fit! Jetzt muss ich reinklotzen … es ist soviel liegengeblieben! Ich hasse es, wenn ich nicht richtig funktioniere und nicht so kann, wie ich will!“
Er (umarmt seine Frau und seufzt vor Dankbarkeit, dass es überstanden ist): „Ohhhhh, ich auch, mein Schatz, ich auch!“

Was er jetzt gerne von ihr HÖREN würde:
„Du warst so tapfer, während meiner Krankheit!“
Was sie jetzt gerne zu ihm SAGEN würde:
„Du bist so ein Weichei!“
Was eine gute Beziehung in Krankheitszeiten ausmacht:
Einfach mal die Fresse halten :D .

Im Endeffekt ist es doch so: Mamas sollten besser gar nicht erst krank werden. Vorzugsweise NIEMALS. Mag die Elternbeziehung noch so großartig und partnerschaftlich sein, die Unterstützung von Freunden und Familie genial (manche haben das ja) und die täglichen Aufgaben gut zu schieben … wenn WIR ausfallen, ist das der Super-Gau. Denn (so wurde mir vor kurzem von einem fremden, älteren Herrn auf der Straße gesagt): Mamis tragen die Welt – für ihre Kinder, für ihre Partner und für all jene, die sich noch auf sie verlassen. Das ist die wohl schönste Beschreibung für den wohl schönsten Job der Welt … mit der leider niedrigsten erlaubten Krankheitstage-Zahl. Naja, nichts ist perfekt :D .
In diesem Sinne: Gute Besserung an alle kranken Mamis und ein herzliches „Ihr seid sehr tapfer!“ an alle Papis ;) .

*Nichts! Alles läuft wie immer ;) .

▼ Jetzt den PODCAST anhören!  ▼

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

26 Kommentare für “Was passiert, wenn die Mama krank ist?*

  1. Och ich sag meinem Mann dann ruhig das er ein Weichei ist :D nach der Geburt meinte er doch wirklich, scherzhaft natürlich, das ich jetzt ansatzweise nachfühlen könne wie sich eine Männergrippe anfühlen würde. Ich glaub die Hebamme hab ich noch nie so lachen hören..
    muss aber auch sagen das mein Mann auch mit allem wirklich alleine klar kommt, da gibt’s halt mal zwei Tage Pizza für den Großen (der mich dann nach den Tagen fragt wann ich wieder krank bin 🙈) und die kleine zieht halt nicht das Kleidchen an, sondern praktische Sachen.. Das klappt schon und mehr als zwei Tage sind wie Mamas doch nie wirklich krank, wenn es körperlich ist 👆🏻👆🏻👆🏻.

  2. Hach du sprichst mir so herrlich aus der Seele. ?
    Ich liege grad mit 39 Fieber flach.
    Ich bin dann zwar leidend auch eher der Typ Männergrippe, aber funktionieren muss man halt trotzdem irgendwie.
    Der arme Mann musste heute sogar um 6 Uhr (?) aufstehen um den Kleinen mal zu wickeln.
    “Schaaatz haben wir noch Feuchttücher?”
    Ich habe mich so sehr nach meiner Kindheit gesehent. Schön im Elternbett, den ganzen Tag betüddelt werden und SCHLAFEN

  3. Also, da muss ich doch echt mal ne Lanze für meinen Mann brechen. Er leidet wirklich nicht an Mannerschnupfen und selbst mit 39 Fieber kümmert er sich noch mit um unsere drei Kinder.
    Und wenn mal wieder die Nacht mit dem Baby besonders bescheiden war, macht er die Jungs morgens fertig,wenn er Spätdienst hat ( die Sockenfrage stellt er nicht mehr, aber würde er sicher noch wenn nicht die zwei Jungs wüssten wo ihre Klamotten verstaut sind),bringt sie in die Kita und richtet mir ein Frühstück.
    Und als ich das letzte Mal fies Grippe hatte, musste ich mich um nix kümmern.

  4. Ihr hättet euch echt überlegen sollen, mit wem ihr eure Kinder macht.
    Wenn ich krank bin, leg ich mich ins Bett mit Oropax, weil ich weiß, mein Mann versorgt die Kinder genauso gut wie ich.
    Ich hab mich aber von Anfang an zurückgehalten, wenn er irgendwas mit den Kindern macht und ihm nicht ständig das Gefühl gegeben, er mache alles falsch wenn er mit den Kindern rumhängt.
    Dann zieht er sich auch nicht zurück, weil er Schiss hat, alles falsch zu machen.

    1. Das hast du richtig gemacht – für dich bzw euch. Bei uns ist leider sein Job so ein “Zeitfresser”, dass die Kids von Anfang an hauptsächlich in meinen “Tanzbereich” fallen. Familien funktionieren eben ganz unterschiedlich ;)

  5. Oh ja! Gut ist auch sein Vorschlag: “Ja Schatz, wenn du krankgeschrieben bist, kannst du ja heute die Maus aus dem Kindergarten holen…Dann muss meine Mutter mal nicht…”

    Den Rest deines Berichts kann ich ebenfalls unterschreiben und im Moment herzlich lachen…Bis zum nächsten Infekt ???

  6. Ich verstehe aber auch überhaupt gar nicht, warum diese Natur, die ja sonst alle möglichen Zauberkunststückchen aus dem Nichts vollführt, es nicht auf die Reihe gekriegt hat, in diesen Schwangerschaftscocktail etwas einzubauen, so dass Mütter bis zur Einschulung des Kindes nicht und niemals krank werden müssen. Das kann doch nicht so schwer sein! Ich stelle mir das zumindest weniger kompliziert vor als die Entstehung und Produktion von Leben.

    Aber ich jammer auf hohem Niveau. Wenn ich krank bin, kommen die Großeltern angerauscht, entführen das Kind und bringen es mir erst zurück wenn ich wiederhergestellt bin. Großeltern tragen nämlich sehr oft die Mütter, die die Welt tragen. Zudem bin ich mit einem Mann gesegnet, der fast nie krank ist, und wenn doch, dann jammert der nicht. Dann liest der den ganzen Tag und verhält sich unauffällig. Echt.

  7. Wo ist meine Feder, damit ich das unterschreiben kann? Ich war jetzt 5 Tage mit 2 kranken Kindern und selber krank zuhause. Das einzige, was dem liebsten Gatten dazu einfällt : “”Maus du gehst mir auf die Nerven!” (Er hat sich erboten, das Kind 20 Minuten zu hüten, damit ich ausruhen kann…… 20 MINUTEN!!!)