Leser-Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Anika erzählt

Ich war den 10. Tag über Termin und sollte eigentlich zu meinem Frauenarzt, um ein CTG schreiben zu lassen (das erste überhaupt in dieser Schwangerschaft) und kontrollieren zu lassen, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist. Aber als ich am Morgen aufwachte, fühlte ich schon, dass etwas anders war. Ich hatte leichte Wehen und diese zogen nicht mehr den Bauch hoch, wie die Übungswehen, sondern ich merkte sie tief unten in mir drin. Um halb neun Uhr morgens rief ich dann meine Hebamme L an und sagte ihr schon mal Bescheid. Bald kamen die Wehen im zweiminütigen Abstand. Aber das heißt bei mir nichts, da bisher auch bei den drei vorherigen Geburten die Wehen nie regelmäßig kamen.

Um halb zehn traf L bei uns ein und hat mich erst einmal untersucht. Der Muttermund war bei ungefähr vier Zentimetern und die Fruchtblase intakt. Gegen zwölf waren die Wehen immer noch unregelmäßig, aber langsam stärker. Hinsetzen war mittlerweile etwas unangenehm, da sofort eine Wehe begann und so habe ich meine Runden in der Wohnung gedreht. Wenn eine Wehe kam, habe ich mich meistens im Flur auf einen Schuhschrank gestützt und mein Becken bewegt, so ließen sich die Wehen sehr gut aushalten. Kurz vor zwei habe ich versucht, die Wehen im Vierfüßler zu veratmen. Aber auch im Vierfüßler, genau wie im Sitzen, konnte ich die Wehen nicht gut aushalten. Im Stehen abgestützt und mit kreisenden Beckenbewegungen waren sie allerdings sehr gut zu ertragen. Ich konnte sogar noch sprechen und lachen

Um halb drei hat L mich noch einmal untersucht. Die Fruchtblase stand immer noch und der Muttermund war bei ungefähr sechs bis sieben Zentimetern. Ich bin dann ein paar Wehen lang liegengeblieben, um etwas Kraft zu tanken, auch wenn die Schmerzen im Liegen unangenehmer waren als beim Umhergehen. Aber nach drei Wehen bin ich dann doch wieder hoch. Viertel vor drei traf dann die zweite Hebamme I bei uns ein. Quasi mit I´s Eintreffen wurden meine Wehen stärker. Mathias meinte später, dass er da schon gehört hat, dass mein Stöhnen während der Wehen sehr viel intensiver geworden ist. Im Stehen ließen sie sich aber immer noch recht gut veratmen. Außerdem kam mir der unvermeidliche Gedanke, warum ich denn unbedingt noch ein Kind wollte! Zu dem Zeitpunkt hätte ich das Ganze gern abgeblasen, war aber wohl doch etwas zu spät dafür… Bei der bisher kräftigsten Wehe stand ich wieder mal vor dem Schuhschrank und lehnte mich auf meine Unterarme. Auf einmal hörte ich meine Fruchtblase springen. Es war genau 15:05 Uhr.

Ich bin also dann ins Wohnzimmer gegangen, fast zu derselben Stelle an der auch schon mein großer Sohn geboren worden ist. Dort habe ich mich dann vor einen Schemel gekniet. Ziemlich schnell danach merkte ich, dass ich schon mitpressen konnte. Der Kopf trat immer tiefer und es begann ziemlich zu brennen. Irgendwann habe ich mich dann aufgerichtet und ein Bein aufgestellt. I hat mich noch gefragt, ob ich nicht auf den Gebärhocker möchte, aber ich bin lieber so geblieben. Dieses Mal wollte ich ja gern mein Baby selbst in Empfang nehmen. So hatte ich das mit I abgesprochen. Es war auch die erste Geburt, bei der ich mein Baby berührt habe, bevor es ganz geboren worden ist. Das Brennen des durch tretenden Kopfes wurde so langsam unerträglich. Aber ich merkte, dass er immer weiter nach unten rutschte. Ich streichelte den Kopf und konnte ihn zwischen meinen Beinen schon sehen! Das war ein unglaubliches Gefühl, das mir die Kraft gab für den Endspurt! Ich presste noch einmal mit aller Kraft und dann war der Kopf da! Meine Hände lagen immer noch darum, die Haare waren ganz mit Käseschmiere voll und es fühlte sich unglaublich weich an. Ich spürte die nächste, die allerletzte Wehe und presste den Körper mit einem Schwall Fruchtwasser heraus. Es war genau 15:25 Uhr, nur zwanzig Minuten waren seit dem Blasensprung vergangen. Und nun war Leo da!

Eigentlich wollte ich ihn sofort hochnehmen, aber I meinte, dass er die Nabelschnur um den Hals hat. Deswegen hab ich Leo ein wenig herunter gehalten und I hat sie schnell abgewickelt. Und dann habe ich meinen kleinen Sohn an mich gedrückt. Die ersten anderthalb Stunden von Leos Leben haben wir im Sessel sitzend gekuschelt. Meine Tochter kam dann auch sofort gucken, nachdem sie die Geburt selbst lieber mit L in ihrem Kinderzimmer verbracht hat und fragte als erstes, ob sie das Baby auch auf den Arm nehmen darf. Zwanzig Minuten nach der Geburt wurde die Plazenta völlig unproblematisch geboren. Erst danach wurde Leo von meinem Mann abgenabelt. Die Nabelschnur hat I gleich aufgewickelt und nun liegt sie in Salz eingelegt und ich bin ganz gespannt, wie das fertige Nabelschnuramulett wohl aussehen wird. Etwa eine halbe Stunde nach der Geburt hat Leo das erste Mal gestillt. Es stellte sich heraus, dass ich bis auf eine winzige Schürfung, die nicht weiter versorgt werden musste, unverletzt geblieben bin! Und das bei einem doch relativ großen Kind (4.360 g, 53 cm, 36,5 cm KU).

Diesen schönen Bericht über die Geburt ihres 4. Kindes hat Anika geschrieben 🙂

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