Rabenmutter 2.0

Mit Kleinkind und Baby im Supermarkt

Es gibt zwei stets absolut DRINGENDE Notwendigkeiten, die in einem Haushalt mit Kindern einfach niemals ein Ende nehmen: Wäsche waschen und Futter rankarren. Beide Tätigkeiten gehören leider nicht zu meinen persönlichen Steckenpferden, müssen aber trotzdem beinahe täglich von mir ausgeführt werden, da sich gerade die Mausemaus gefühlt dauerhaft wie ein Ferkel im Dreck wälzt und wir uns hier gegenseitig die Haare vom Kopf fressen. Um den Spaß ausgewogen genießen zu können, kümmere ich mich vormittags (solange ich nur das Baby „an der Backe“ ;) habe) um den täglichen Wäsche-Everest und schiebe den Einkaufs-Wahnsinn lieber in den Nachmittag … so zwischen Kind-aus-der-Kita-abholen und irgendwo-zum-Spiel-Date-hinmüssen. Ja, so wie es aussieht, habe ich mächtig einen an der Waffel. Denn man muss schon ziemlich irre sein, wenn man „freiwillig“ mit einem bereits müden Kleinkind in einem Supermarkt „einkehrt“, um langweilige Lebensmittel zu shoppen!

Warum? Weil ein Einkauf mit laufendem Meter ungefähr so aussieht:

  1. Den Supermarkt voller Hoffnung betreten, dass es diesmal ohne Zwischenfälle klappt, weil das Kind doch eigentlich noch recht gut gelaunt wirkt und die Einkaufsliste unter einem Meter lang ist.
  2. Sich mit dem gesammelten Sparvermögen in Pfandflaschen in die Schlange vor dem Automaten einreihen und sich wünschen, dass die Studenten vor einem nur so aus Spaß mit drei Mülltüten voller Leergut da rumstehen …
  3. Feststellen, dass es sich hier um kein Wunschkonzert handelt.
  4. Alle 30 Sekunden das sich langweilende und deshalb immer wieder weglaufende Kleinkind zurückrufen.
  5. Nach einer gefühlten Wartezeit von einer halben Stunde endlich den vermaledeiten Pfandflaschen-Bon im Wert von 5,75 € (ICH BIN REICH!!! ;) ) in die Jackentasche stecken und sich ganz fest vornehmen, daran zu denken, ihn an der Kasse abzugeben.
  6. Einen Euro suchen, um einen Einkaufwagen loseisen zu können.
  7. Das gar nicht mehr ganz so leichte Kleinkind wie von ihm „befohlen“ in den schon beinahe etwas zu kleinen Kindersitz des Einkaufswagens hochwuchten.
  8. Mit der wenig eleganten „Hebefigur“ das bis zu diesem Zeitpunkt seelig schlummernde Baby in der Trage aufwecken.
  9. Das Kleinkind 15 Sekunden später wieder aus dem Sitz befreien, weil es jetzt doch lieber laufen will.
  10. Im Wiege-Wackel-Hüpf-Schritt weitergehen, damit das Baby nochmal eindöst.
  11. Die Obst- und Gemüseabteilung betreten und als erstes zwei Gurken (Standart-Beilage bei so ziemlich jedem Essen der Mausemaus) einpacken.
  12. Dem Kleinkind zurufen, dass es bitte nicht alles anfasst.
  13. Dem Kleinkind zurufen, dass es die Mango bitte wieder zurücklegen möchte.
  14. Dem Kleinkind zurufen, dass es die Finger aus den Schälchen mit den horrend teuren Himbeeren nehmen soll.
  15. Dem Kleinkind zurufen, dass es bitte sofort ALLE Nüsse wieder aus seinen Taschen entfernt und zurück in den Verkaufs-Korb legt.
  16. Das Kleinkind anbrüllen, dass es jetzt gefälligst zur Mama kommt und verdammt nochmal aufhört, alles anzutatschen.
  17. Bis zehn zählen, um den Puls wieder runter zu bekommen.
  18. Dem natürlich nun hellwachen und direkt ziemlich bewegungsmotivierten Baby versichern, dass Mutti sich ganz arg beeilt und es bald raus kann aus dem Tragesystem.
  19. Das Kleinkind anlächeln und zu den Paprika schicken, damit es sich eine aussucht.
  20. In Windeseile heimlich alle benötigten Obst- und Gemüse-Sorten in diese doofen, dünnen Tütchen packen und in den Einkaufswagen werfen.
  21. Das Kleinkind bei den Paprika suchen, dass leider bereits einen Fenchel zerrupft hat und begeistert ruft: „Riech mal, Mama, das riecht wie mein Tee!“
  22. Sich kurz über die richtige Verknüpfung im Kindergehirn freuen.
  23. Leicht beschämt den zerfledderten Fenchel in ein Tütchen und dann in den Einkaufswagen packen.
  24. Mit dem Kleinkind an der Hand schnellen Schrittes weiterziehen.
  25. Am Marmeladen-Regal aufgrund neuer Sorten kurz die Zeit vergessen.
  26. Das Kleinkind suchen müssen, weil auf Mama warten zu müssen offenbar zu öde war.
  27. Dem kleinen Babyfinger, der sich unter glucksen immer wieder in Muttis Nase verirrt, vorsichtig Einhalt gebieten.
  28. Das Kleinkind vor einem Küchen-Utensilien-Aufsteller herumhüpfend vorfinden.
  29. „Mama, darf ich das da haben? BITTEEEEEEEE!“
  30. Versuchen, nicht genervt zu klingen: „Süße, wie jedes mal, wenn wir hier sind, muss ich dir auch heute sagen, dass du KEIN Küchenmesser von mir bekommst. Das ist gefährlich und gehört nicht in Kinderhände.“
  31. „Ich bin aber schon groß!“
  32. „Aber nicht groß genug!“
  33. „Ich WILL aber!“
  34. Sich mental auf den aufkommenden Trotzanfall vorbereiten.
  35. Trotzanfall aushalten.
  36. Wieder bis zehn zählen und ruhig atmen.
  37. Der missbilligend den Kopf schüttelnden, vorbeischleichenden Oma ein fast herzliches Lächeln schenken.
  38. Logische Konsequenz der Mini-Krawall-Nudel hinnehmen: „Mama, du bist nicht mehr mein Freund und ich lad dich auch nicht zu mein Geburtstag ein!!!“
  39. Das Kleinkind an die Hand nehmen und samt Einkaufswagen die Wurst-Theke ansteuern.
  40. „Mama!!! Ich muss Kacka! Jetzt SOFORT!“
  41. Das Gefühl von aufsteigender Panik aufgrund von fehlender Windel UND fehlendem Zugang zu einer öffentlichen Toilette herunterschlucken.
  42. Den Einkaufwagen einfach stehen lassen und mit Kleinkind an der Hand sehr hastig einen Mitarbeiter suchen.
  43. Darum betteln, die Mitarbeiter-Toilette aufsuchen zu dürfen.
  44. Zur Unterstreichung der Dringlichkeit verbal ein Bild von Kinder-Kacka im Süßigkeiten-Gang skizzieren.
  45. Die Mitarbeiter-Toilette aufsuchen dürfen.
  46. Das Kind dabei bejubeln, wie es UNFASSBARE MENGEN Kacka im Supermarkt-Klo versenkt und sich dabei fragen, was in Gottes Namen es in der Kita wohl zu Mittag gab???
  47. Dem Kleinkind in der maximal 1 qm großen Kabine mit umgebundenem Baby den Arsch abwischen.
  48. Hände desinfizieren.
  49. Hände desinfizieren. (Manchmal reicht einmal nicht)
  50. Den Einkaufswagen suchen, weil man vor Pupu-Panik vergessen hat, wo man ihn abgestellt hat.
  51. Im Vorbeigehen Nudeln, Joghurt und was sonst noch alles auf der Liste steht, aus den Regalen angeln und im Wagen versenken.
  52. Endlich die Wursttheke erreichen.
  53. Die Frage der Verkäuferin, ob das Kind eine Scheibe Wurst möchte, bejahen.
  54. Nach dem obligatorischen „Und was sagt man dann?“ erwartungsvoll den Nachwuchs beobachten.
  55. Nicht zu laut über die wie aus der Pistole geschossene Antwort „Noch eine Scheibe, bitte!“ lachen.
  56. Sich leicht prustend verabschieden.
  57. Auf halbem Weg zur Kasse bemerken, dass man ja auch noch Klopapier braucht.
  58. Kurz in Erwägung ziehen, sich ein Wochenende lang den Po mit Werbeflyern abzuwischen, nur um nicht nochmal zurück zu müssen.
  59. Idee verwerfen.
  60. Mittlerweile HEFTIG wippen, wackeln, schückeln und hüpfen, damit dem Baby nicht die Geduld ausgeht.
  61. Im entsprechenden Gang feststellen, dass das Klopapier-Regal gerade komplett leer ist.
  62. Bemerken, dass das Kleinkind glücklicherweise Klopapier auf einem Sonderposten geortet hat.
  63. Das „glücklicherweise“ im Geiste streichen, da das Kleinkind beherzt an einer Packung ganz unten im Stapel zieht.
  64. Das Schlimmste gerade noch verhindern können, durch einen klassischen Mutti-Hechtsprung, der dem Baby lautes, vergnügliches Lachen entlockt.
  65. Das Kleinkind besänftigen, da es überzeugt ist, dass es das auf jeden Fall hätte alleine schaffen können und die Mama gerade voll doof ist!
  66. Das offenbar bereits in der Pubertät steckende Motz-Kleinkind samt Klopapier und Einkaufswagen zur Kasse bugsieren.
  67. Die Kasse mit der am wenigsten für Kleinkinder attraktiven Quengelware ansteuern.
  68. Sich selbst einen Idioten schimpfen, während das Kleinkind auf den Jägermeister deutet und ruft: „Mama, ich will so eine kleine Flasche für mein Baby haben!“
  69. Die Blicke der plötzlich sehr interessierten „Beobachter“ stoisch ignorieren und alle Einkäufe aufs Band legen.
  70. Das Kleinkind um seine Mithilfe bitten.
  71. Sich bei der Kassiererin für die in ihre Richtung fliegende Caprisonne entschuldigen.
  72. Gleichzeitig wippen, um das nun weinende Baby zu beruhigen, Einkäufe einpacken, das Kleinkind im Blick behalten, verkackte Payback-Karte suchen und bezahlen.
  73. Erst anschließend feststellen, dass man den Scheiß-Pfandflaschen-Bon wieder einmal vergessen und NICHT an der Kasse abgegeben hat.
  74. „Scheiß drauf“, denken und bepackt wie ein Esel ENDLICH den Ausgang anstreben.

Tja, wenn ich das jetzt so aufgeschrieben betrachte … ändere ich eventuell meinen Tagesablauf und gehe in Zukunft doch lieber morgens (fast) alleine einkaufen :D .

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10 Kommentare für “Mit Kleinkind und Baby im Supermarkt

  1. Oh verdammt, ja. Der Grund warum ich mein Kind rotztriefend dennoch in den kiga ablade, (solange sie noch Herr ihrer Sinne ist, ist es keine Krankheit ? )um morgens nur mit Baby halbwegs entspannt einkaufen zu gehen, ohne ein “ich klebe auf dem Boden, bis ich meinen Willen bekomme” Kind, an den beinen quer durch den Laden zu ziehen und dabei den liebreizenden blicken der anderen auszuweichen ?

  2. Meine Maus ist mittlerweile 7. Ein gemeinsamer Einkauf läuft in etwa so ab “Boa Mama ich habe keine Lust auf Einkaufen!” Ich:”Doch müssen wir aber sondt gibt’s am Wochenende nur Nudeln mit Ketchup” Kind: “Aber das ist doch lecker”
    Wenn ich sie dann doch überredet habe ihre Schuhe anzuziehen “Aber wenn ich mitkomme, dann darf ich mir was aussuchen” Ich (wissend, dass ich mich gerade von einer 7-jährigen erpressen lasse “Ja, OK. Aber nur eine Sache”… Im Supermarkt, Kind sucht sich natürlich in der Süßigkeiten-Abteilung den letzten künstlichen Sch*** aus. Dann kommt die Gemüse Abteilung “Mama du hast ja gesagt eine Sache, aber Weintrauben sind ja was gesundes die muss ich mir nicht wünschen” Ich:” Ja ok du hast ja Recht” Kind:”Und Bananen und Kirschen und Erdbeeren und Äpfel” *meine Gedanken sind schon beim Obstsalat den es diese Woche geben wird*
    An der Kasse nehme ich mir dann meine Zigaretten (jaaaaaa ich weiß böse Mama) und die Tochter nutzt auch diese Gelegenheit schamlos aus “Mamaaaaaaa Zigaretten sind nicht gut für Dich. Wenn Du dir hier an der Kasse was aussuchen darfst, dann darf ich hier auch noch ein Ü-Ei mitnehmen” Was soll ich sagen? Das Ü-Ei wandert in den Einkaufswagen damit es dann auf der Heimfahrt in der Hand der Tochter schmilzen kann und sie es dann zu Hause “ekelich” findet…

    Du siehst also ich kann die keinen Mut machen, dass es besser wird sondern nur anders…
    Die Hoffnung die ich Dir machen kann ist die, dass ich nur noch sehr sehr selten öffentliche Toiletten aufsuchen muss.

  3. Hahaha I break together! Ich weiß es ist mies, aber ich musste gerade so lachen, denn auch ich habe solche Einkäufe durch. Übrigens, wo es hier in den Kommentaren um Zwillingsmuttis ging: I am! ;-) Unser Großer ist schon 10, die Zwillinge 6 und der Kleinste Stinker ist 8 Wochen… Mittlerweile klappt es beim Einkaufen auch wieder ohne große Zwischenfälle.

    Viele Grüße
    Rebecca

  4. Und ich dachte immer, ich bin beim Einkaufen mit Kindern unentspannt :D – das beste ist ja immer noch, wenn man das Kind zu Hause vorher dreimal dazu auffordert vor dem Einkaufen aufs Klo zu gehen, man dreimal versichert bekommt, dass es nicht muss und im Supermarkt nach drei Minuten die Not wieder groß ist. Und was auch ganz toll ist, sind die Läden, die dann mit dem Spruch kommen, sie hätten keine Kundentoilette und auf das nächste Geschäft gegenüber verweisen. Die echten Herausforderungen des Alltags mit Kindern :)

  5. Ja, ja und nochmals ja!!! Wir fühlen uns jedesmal wie Lotto-Gewinner, wenn wir mit nur einem Kind einkaufen dürfen, weil der Papa mal nen Tag frei hat!!!! Das ist wie Urlaub. Ich bewundere an dieser Stelle Eltern mit Zwillis oder mehr als 2 Kinder. Ihr seid Helden!
    Punkt 45: auf- oder aussuchen?