Geburtsberichte
(Leser-)Geburtsberichte

Steffi H. erzählt

Die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe, kam am 23.08.2018 nach etwas mehr als 17 Stunden vollkommen gesund und putzmunter zur Welt. Sie hat sich nach der natürlichen Geburt nicht nur sofort lautstark zu Wort gemeldet sondern uns auch gleich gezeigt, wie „beschissen“ sie es findet, so plötzlich aus der warmen, dunklen Höhle auf die kalte, helle Welt kommen zu müssen – und dabei war es der wärmste Tag dieser Augustwoche mit über 30 Grad Celsius. Ihr erster Toilettengang fand nämlich nur wenige Minuten später auf meinem Bauch liegend statt.
Wenn man denn eine Geburt als schön bezeichnen möchte, dann kann ich mich wohl glücklich schätzen eine gehabt zu haben. Nachts um viertel vor eins ging es los mit den ersten Wehen, die noch völlig harmlos im halbstündigen Abstand kamen. Ich hatte eigentlich noch gar nicht damit gerechnet, denn ich war vollkommen davon überzeugt, dass die kleine Madam sich Zeit nehmen würde. Tja….aber sie ist eben meine Tochter – eher ein bißchen zu früh als zu spät dran. An Schlafen war dann jedenfalls nicht mehr zu denken, nur noch Dösen, obwohl die Wehen noch nicht sehr stark waren. Etwa zwei Stunden später war der Abstand auch nur noch zehn Minuten und kurz darauf nur noch fünf Minuten lang. Dabei sollte es aber zunächst nicht bleiben, die Abstände schwankten eine Weile zwischen fünf und zehn Minuten. An der Stärke der Wehen hatte sich bis dahin auch nichts getan, so dass ich noch keine Veranlassung sah auch nur ans Krankenhaus zu denken.
Gegen 5.30 Uhr hielt ich es im Bett nicht mehr aus, habe kurz meinen Mann geweckt mit dem Hinweis es gehe dann mal los und bin duschen gegangen. Keine gute Idee – als hätte jemand einen Schalter umgelegt, wurden die Wehen sehr plötzlich sehr viel stärker. Ab da ging dann auch nichts mehr ohne Tönen, genauso wie in der Schwangerschaftsvorbereitung gelernt. Den Rest des Gelernten hatte ich allerdings relativ schnell nicht mehr auf dem Schirm, die Schmerzen beschäftigten mich doch schon sehr.
Ich fühlte mich zu Hause, trotz doch eher unregelmäßiger Abstände irgendwo zwischen fünf und zehn Minuten, nicht mehr wohl, weshalb ich ins Krankenhaus wollte, wo wir gegen 7.00 Uhr eintrafen. Dort angekommen ging es erstmal zum CTG und anschließend zur Untersuchung. Das alles hat gefühlt ewig gedauert, denn so ein Baby braucht ja ein Weilchen, da hat es kein Arzt eilig. Mit starken Wehen ist Warten allerdings sehr unangenehm, vor allem im Krankenhausflur, auf dem man lediglich die Wahl hat zwischen Stehen und an der Wand abstützen oder auf harten Stühlen in einer Ecke zu hocken.
Bei der Untersuchung wurden „nur“ 2,5 cm festgestellt, was für uns hieß erstmal auf Station das Zimmer zu beziehen. Das muss so gegen halb neun gewesen sein. Mein Mann wollte das Auto umparken und ich richtete mich häuslich ein. Kaum war er weg, legte schon wieder jemand die nächste Stufe der Wehen ein. Ab da waren die Wehen so extrem stark, dass ich mein Zeitgefühl verloren habe und völlig mit mir selbst beschäftigt war. Stehen, laufen, sitzen waren nicht mehr möglich, ich hatte nur noch das starke Bedürfnis auf der Seite zu liegen, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte genau das nicht so tun. Nun ja… . Es müsste etwa eine Stunde gewesen sein, die ich so auf Station verbracht habe, bis ich es nicht mehr ausgehalten habe und nach einem Schmerzmittel fragte. Das bekommt man aber offensichtlich nur im Kreißsaal, also wurde ich mit einem Rollstuhl abgeholt, denn laufen konnte ich ja nicht mehr. Gerade als wir los wollten, kam mein Mann zum Glück wieder. An meine tolle Kreißsaaltasche habe ich in dem Moment natürlich auch nicht mehr gedacht, im Nachhinein aber auch nicht so schlimm, da ich nichts mehr davon wirklich brauchte. Die Schmerzen waren mittlerweile so heftig und die Abstände zumindest gefühlt so kurz, dass mir alles andere doch ziemlich egal war. Kaum im Kreißsaal angekommen, wurde aus dem Tönen dann auch umgehend Schreien, denn nur das Schreien hat noch geholfen. Leider hatte das Schmerzmittel, dass ich bekam, überhaupt keine Wirkung gezeigt.
Gegen 12.00 Uhr war der Muttermund leider immer noch bei 2,5 cm, die Schmerzen aber so stark und die Abstände recht kurz, dass man mir – vor allem zur Entspannung oder aber auch nur, damit ich endlich die Klappe halte ;-) – eine PDA angeboten hat, die ich auch ohne zu zögern genommen habe. Wusste ja keiner, wie lange sich die Geburt noch hinziehen würde. 12 Stunden ohne (was ich bis dahin noch nicht wusste) hatte ich schon hinter mich gebracht ohne PDA. Dieselbige half dann so gut, dass ich mich auch wirklich entspannen und sogar ein bißchen schlafen konnte. Ein schöner Nebeneffekt der PDA: trotz der 30 Grad drinnen und draußen war mir kalt.
Innerhalb der nächsten vier Stunden war der Muttermund vollständig geöffnet. Einzig meine Fruchtblase wollte nicht aufgehen, diese wurde dann in der Endphase von der Hebamme geöffnet, „damit sich der Druck erhöht“. Und das tat er dann auch! Gefühlt ging es ab da rasend schnell, obwohl es nochmal ca. eine bis eineinhalb Stunden gewesen sein müssen, bis die Maus das Licht der Welt erblickte. Ich hatte doch sehr bedenken, ob ihr sehr groß geschätzter Kopf auch wirklich da durch passt, wo er durch soll, ohne einen riesigen Schaden anzurichten. Was soll ich sagen – es hat gepasst. Und der „Schaden“ hielt sich wirklich sehr in Grenzen, machte auch weder beim Nähen noch später große Probleme.
Unter wirklich guter Anleitung meiner Hebamme war sie dann plötzlich da – mein kleiner Schatz Lia kam mit 3950g, 56 cm und sehr vielen Haaren auf die Welt. Papa hatte Tränen in den Augen und ich war einfach nur erleichtert das kleine brüllende Paketchen in den Armen halten zu können.

Diesen schönen Geburtsbericht hat Steffi geschrieben :)

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