Interviews zum Thema Jugendamt und Kindswohlgefährdung
(WhatsApp-)Interviews Neu Rabenmutter 2.0

„Oh man, gleich kommt bestimmt das Jugendamt!“

„Oh man, gleich kommt bestimmt das Jugendamt!“ So oder so ähnlich huscht wahrscheinlich jeder Mama und jedem Papa mal diese diffuse Angst durch den Kopf, wenn mal wieder alles drunter und drüber geht und man sicher weiß: Das hören jetzt auch die Nachbarn … und möglicherweise fragen sie sich, ob wir unserem Kind gerade Arme und Beine ausreißen, weil es schreit wie am Spieß. Dabei handelt es sich EIGENTLICH bloß um das allseits beliebte Abendritual mit Zähneputzen und kämmen … oder dem Floh müssen die Haare gewaschen und die Nägel geschnitten werden … ODER Mutti reagiert einfach mal deftiger, als pädagogisch betrachtet wünschenswert, weil sie es schlicht leid ist, ihre Hausschlüssel dank aktueller Kleinkind-Macke mehrfach am Tag aus dem Klo fischen zu müssen. Es gibt unzählige Gründe, warum es in Familien lauter zugehen kann, als es schön ist. Und nicht allen „Zuhörern“ kann man sofort erklären, was gerade WIRKLICH das Problem ist und dass Zwergnase NICHT über offener Flamme geröstet wird, obwohl es so klingt.

Tatsächlich habe ich mal eine SMS von einer Nachbarin aus dem Haus auf der anderen STRASSENSEITE bekommen, ob bei uns alles ok sei, weil der Krümel doch jetzt schon echt lange schreien würde und sie deshalb nun doch kurz nachfragen wolle. Ich konnte die Nachricht und ihre lieb gemeinte Sorge glücklicherweise mit Humor sehen, weil ich mit der Schreiberin locker befreundet bin und weiß, dass SIE auch keine unfehlbare Mutter ist. Allerdings gab mir diese Situation dennoch zu denken, denn: Wenn sie uns so deutlich hören konnte, dann auch alle anderen Nachbarn – vor allem die, die im selben Haus wie wir wohnen. Zugegebenermaßen nicht die aller-coolste Erkenntnis … und der Grund, warum ich an besonders nervenaufreibenden Tagen, mit sehr vielen Streitereien, ernsthaft in Erwägung ziehe, pro forma schon mal Kaffee aufzusetzen und Kekse rauszustellen, um die Stimmung zwischen den plötzlich vor der Tür stehenden Jugendamt-Mitarbeitern und mir etwas aufzulockern. ;)

Es ist doch so: Die meisten von uns empfinden das Wissen, dass es das Jugendamt gibt, eigentlich als sehr beruhigend, schließlich sind sie zum Schutz der Kinder im Allgemeinen da. Dennoch ist es ein bisschen so wie mit der Polizei. Es ist voll gut, dass es sie gibt, ABER man „genießt“ diesen Umstand doch lieber aus der Ferne … ohne direkten Kontakt ;) . Ich persönlich werde z.B. echt immer noch ein bisschen nervös, wenn ich einem Polizisten begegne, schließlich hab ich als Teenie mal geknifft und bin schon über so einige rote Ampeln gegangen! (Krasser Scheiß! :D) Möglicherweise können Polizisten das ja erahnen – so wie Jugendamt-Mitarbeiter, dass ich keine perfekte Mutter bin, meine Kinder manchmal anschreie und/oder sonstige Fehler mache, die GUTEN Eltern garantiert nie unterlaufen würden?!

Das ist natürlich Quatsch. Trotzdem habe ich mir in letzter Zeit oft Gedanken über das Thema Jugendamt und seine Aufgaben gemacht, und dabei festgestellt, dass ich eigentlich kaum eine Ahnung habe. Ich weiß nicht genau, was für Leute da arbeiten, welche „Angebote“ es dort gibt (und für wen) und wann man diese „städtische Abteilung“ überhaupt einschaltet. Klar, wenn ein Kind in Not ist. Aber was, wenn die Situation nicht eindeutig ist?!

Also habe ich via Instagram-Story gefragt, ob mir zufällig Jugendamt-Mitarbeiter/rinnen folgen, die mir dann vielleicht sogar ein paar Fragen beantworten wollen würden und war sehr überrascht, WIE VIELE sich meldeten. Das reflexartige „Oh oh!“ habe ich schnell wieder runtergeschluckt, schrieb mit einigen locker hin und her … und nagelte zwei für mehr fest: die eine aus dem Jugendamt einer Großstadt, die andere aus einem in einer Kleinstadt. Zum Schluss holte ich mir noch Kevin vom Blog Papapi mit ins Boot, da er als Pflege-Papa eine weitere Perspektive zu bieten hat – nämlich die, von der anderen Seite, von jenen, die mit den Entscheidungen des Jugendamtes leben.

Was sind das eigentlich für Leute, die im Jugendamt arbeiten?

Klar, Jugendämter unterliegen denselben, oftmals etwas „sperrig“ anmutenden bürokratischen Regeln wie jedes andere deutsche Amt auch. Aber vor allem arbeiten dort viele Menschen, denen nichts mehr am Herzen liegt als das Wohl von Kindern und Familien; Menschen, die stets ihr Bestes für dieses Ziel geben und all die persönlichen Geschichten, die sie tagtäglich erleben, immer auch ein stückweit mit nach Hause nehmen. Christin zum Beispiel ist so jemand.

Christin

Die 34-jährige arbeitet bereits seit 2009 im Kinder- und Jugendhilfe Sozialdienst, dem Jugendamt in Frankfurt am Main, und liebt ihren Job, seit sie vor 3 Jahren selbst Mama wurde, glatt noch ein bisschen mehr, weil sie nun noch viel besser versteht, wie sich Eltern fühlen. Als ich sie fragte, was genau sie an ihrer Arbeit am meisten liebt, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen: „ICH HELFE!!!“ und ging dann noch ein bisschen ins Detail: „Ich mag es, Hilfen zu beenden, weil alle Ziele positiv erreicht sind. Ich mag es, wenn eine Mama mich anruft, um mir etwas zu erzählen, ohne Angst zu haben. Ich mag es, wenn die Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, Vertrauen zu mir haben! Kinder, die wieder Spaß an der Schule haben, zu Hause keine Angst mehr haben müssen etc. Unzählige Situationen sind wirklich schön! Eine Akte wegzulegen, bedeutet, der Familie geht es gut und ich habe weniger Arbeit. ;-) Es gibt ja immer zwei Seiten der Medaille! :D“
Aber sie sieht auch Schattenseiten: „Wir bekommen wenig neue Mitarbeiter. Mein Job hat nach außen hin nicht den besten Ruf. Dies gilt nicht nur für die normale Bevölkerung, sondern auch für Menschen mit derselben Ausbildung.
Erstens werde ich unterirdisch bezahlt, zweitens habe ich viel zu viele Fälle, um allen gleichermaßen gerecht zu werden und drittens wird überall nur nach der Finanzstruktur geschaut.
Ein Tag in meinem Büro ist ein riesen Chaos in meinem Kopf. Termine vereinbaren, Termine verlegen, Vermerke schreiben, Anrufe machen, weil etwas nachgefragt werden muss, warten auf Rückmeldungen und dennoch im Kopf behalten, Hilfepläne schreiben, Dienstreisen planen … das alles zusätzlich zu offenen Sprechzeiten, Anrufen von außen, Fragen von Teamleitung und Kollegen und eingehenden Gefährdungsmitteilungen, für die wir sofort alles andere liegen lassen müssen.
Zusammengefasst: Ich habe mehr Arbeit als ich eigentlich bewältigen kann. Das bedeutet leider, dass ich nicht jeder Familie mit VOLLEM Einsatz helfen kann, sondern manchmal Abstriche machen muss. “

Dass ihr Job nicht den besten Ruf hat, wirkt sich auch auf ihr Privatleben aus. Wenn sie auf dem Spielplatz neue Mamis kennenlernt und nach ihrem Beruf gefragt wird, beschränkt sie sich meist auf Sozialarbeiterin bei der Stadt, um niemanden mit dem Wort Jugendamt zu verschrecken. Und das aus schlechter Erfahrung.

Bei Feiern (o.ä. Veranstaltungen), muss ich manchmal gar nichts sagen. Die Leute, die es wissen, bringen dann immer „so lustige“ Sprüche, wenn es im Gespräch um Kinder geht oder sogar Kinder anwesend sind. Dann kommt so was wie Ach herrje, und jetzt ist auch noch das Jugendamt anwesend! oder Mensch, Christin, da sollteste aber wirklich mal was machen! Dass ist zwar alles nur lustig gemeint, aber zack: Schon wissen alle was ich tue. Dass würde man bei einer Einzelhandelskauffrau nicht machen.“

Uta

So geht es Uta eigentlich fast immer, denn sie arbeitet im Jugendamt einer richtigen Kleinstadt, in der im Grunde jeder jeden kennt. Deshalb versucht die zweifache Jungs-Mama es meist gar nicht erst, sondern sagt sofort, was sie seit 2014 beruflich macht … falls es jemand doch noch nicht wissen sollte. ;) Und wenn man dann weiter fragt, was ihr so sehr an ihrem Job gefällt, antwortet sie: „Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit. Ich lerne so viele verschiedene Menschen mit den unterschiedlichsten Baustellen, familiären Konstellationen und Backgrounds kennen, sodass kein „Fall“ wie der andere ist. Man muss sich immer wieder neu auf Familien, Kinder und Jugendliche und Elternteile einstellen. Ich finde es immer einfach toll, wenn man gemeinsam mit den Hilfesuchenden neue Perspektiven suchen und finden kann und am Ende einer jeden Beratung oder Hilfe ein Erfolgserlebnis für die Kunden schaffen kann. Dann weiß man, dass der neue Start für die Familie gut anlaufen kann und man hat die richtigen Hilfestellungen gegeben. Letzten Endes kann es nämlich dann jede Familie selber schaffen, einen neuen oder anderen Weg zu gehen, mit dem es allen Beteiligten gut geht.“ Wenn es so funktioniert, ist Uta natürlich – wie die wohl alle ihre Kollegen und Kolleginnen auch – am zufriedensten: „Ein besonders schöner Moment war für mich zum Beispiel, als eine alleinerziehende Mutter mir am Ende unserer Beratung/Betreuung sagte, dass sie sehr froh gewesen sei, dass sie zum Jugendamt gegangen wäre. Sie sagte, dass ich ihr sehr gut habe helfen können und sie sich immer wieder guten Gewissens an das Jugendamt wenden würde.“
Doch genauso wie in Christin’s GROSSEM Jugendamt, läuft auch in Uta’s kleinerer Version nicht alles rund: „Oft fehlt es der Stadt an finanziellen Mitteln, um geeignete Hilfen anzubieten. Unsere „Straßensozialarbeit“ ist leider nicht so präsent und ausgebaut, wie es für einige Jugendliche aber mit Sicherheit hilfreich wäre. Zudem glaube ich, dass der Fokus unseres Jugendamtes oft nicht genug auf den Jugendlichen/Kindern liegt, die wirklich keinen Fuß mehr an den Boden bekommen. Es fehlen hier einfach die Angebote im Nachmittagsbereich und an den Wochenenden.“

Was bieten Jugendämter denn so … außer „Papierkram“?

Die Jugendämter sind gesetzlich dazu verpflichtet, Eltern und auch Kinder in allen Bereichen der Erziehung zu beraten. ABER, so Christin, sie sind oftmals so überlastet, dass dafür dennoch kaum Zeit ist. Deshalb werden in den meisten Städte Alternativen angeboten in Form von Eltern-Cafe´s und anderen Vereinen, die auch Erziehungsberatung anbieten. Manchmal gibt es auch in Kindergärten Vorträge zum Sauberwerden, Trotzphase oder anderen Themen. „Man muss sich immer mal wieder vor Augen halten, dass uns eines verbindet: Wir alle wünschen uns nur das Beste für unser Kind und unsere Familie. Nur deshalb WISSEN wir noch lange nicht alles. Müssen wir auch nicht, denn wir können ja um Hilfe bitten und andere fragen!“ betont Christin. Wenn man dann nach Möglichkeiten der Unterstützung fragt, erfährt man, was das ortsansässige Jugendamt noch so alles bietet – denn das kann durchaus etwas variieren.„Wir bieten tatsächlich in erster Linie diese ganz klassischen Hilfen und Beratungsmöglichkeiten an, wie Hilfen zur Erziehung, Erziehungsberatungsstellen und durch das Jugendamt geführte Beratungen zu allgemeinen Erziehungsfragen sowie Fragen bei Trennung und Scheidung“, erklärt Uta und fügt noch an: „Es fehlt uns aber leider an „außerordentlichen“ Angeboten. Es wird ein bisschen was für die Kinder und Jugendlichen gemacht durch einen Streetworker, aber da fehlt es, meines Erachtens, noch an einigen weiteren Angeboten.“

Christin kann sich da – in Vertretung für ihr Amt – etwas glücklicher schätzen. Frankfurt hat mehr Geld im städtischen Topf und gibt davon gern was für Kinder und Jugendliche aus. „Frankfurt hat meines Wissens nach als einzige Stadt in der nahen (oder auch weiten – weil ich es ja nicht genau weiß J ) Umgebung eine Sozialpädagogische Lernhilfe. Quasi Nachhilfe und soziales Kompetenztraining in einem,“ erzählt sie mit stolz in der Stimme, was wieder zeigt, wie wahnsinnig gern sie ihren Job macht.

Aber ganz unabhängig vom Insgesamt-Angebot des jeweiligen Jugendamtes, ist es definitiv immer eine tolle Option, wenn man als Elternteil das Gefühl hat, in Sachen Erziehung alleine nicht mehr weiterzukommen. „Oftmals reicht schon ein anderer Blickwinkel, eine dritte Person, die ein Problem mal aus einer anderen Perspektive übernimmt (vielleicht die des Kindes/des Jugendlichen) und dann ergeben sich wieder ganz neue Handlungsmöglichkeiten für die Familie. Das kann manchmal viel mehr bewirken als jede, durch das Jugendamt installierte Hilfe. Wir sprechen da gerne von der „Hilfe zur Selbsthilfe“, die so effektiv ist, weil sich die Familie aus sich heraus selber heraus hilft“, erzählt Uta und betont nochmal explizit: „Die Sorge, dass wir als Jugendamt in irgendeiner Form EINGREIFEN, kann ich zwar sehr gut verstehen, ist aber erst einmal unbegründet. Natürlich MÜSSEN wir eingreifen, wenn wir eine akute oder latente Kindswohlgefährdung erkennen, aber das ist ja ganz oft bei so manchen „Baustellen“ einfach gar nicht der Fall.“

Kindswohlgefährdung: Was genau sollte man wissen und wie reagieren?

Es ist leider noch gar nicht so lange her, dass es völlig normal und pädagogisch absolut akzeptiert war, Kinder zu misshandeln, sie zu schlagen oder als Strafe einzusperren, ihnen die Nahrung zu versagen oder sie sonst wie „in die Knie zu zwingen“. Glücklicherweise ist es heute anders. Wir WISSEN, dass Gewalt gegen Kinder und Jugendliche niemals eine Lösung sein kann und darf – und gehen alle mit dem festen Vorsatz in die Elternschaft, unsere Kinder immer gut zu behandeln, mit Liebe und Respekt. Und dennoch gibt es auch heute noch unzählige Kinder, die anders aufwachsen, deren Mamas und Papas es nicht schaffen – aus welchen Gründen auch immer – auf psychische wie physische Gewalt als Erziehungsmittel zu verzichten. Hier kommt das Jugendamt mit seinem Hauptthema ins Spiel: im Falle von Kindswohlgefährdungen einzuschreiten und die Kinder zu schützen.

Doch wo genau fängt diese Kindswohlgefährdung eigentlich an? Ist es pädagogisch schon SO verwerflich, wenn ich meine Kids abends mal anschreie, weil ich völlig im Eimer bin und der Nachwuchs auf dem letzten Rest meiner Nervenenden rumtrampelt wie eine wildgewordene Elefantenherde, dass möglicherweise echt irgendwann das Jugendamt klingelt? Kann ich wegen SOETWAS „verpfiffen“ werden? Und wie ist das überhaupt mit dem „Einschalten der Profis“? Wohin wendet man sich genau, wenn man ein Kind in Gefahr wähnt … etwas Schlimmes mitbekommt oder auch nur ahnt? Ist das echt „verpfeifen“ oder sollte man einfach Nägel mit Köpfen machen? Klar, der Instinkt sagt JA, MACHEN! Aber ist man plötzlich in solch einer Situation, als Beteiligter oder Beobachter, weiß man dennoch manchmal nicht direkt weiter. Deshalb habe ich Christin und Uta mal ein paar der meines Erachtens wichtigsten Fragen dazu gestellt: 

Was fällt laut Jugendamt eigentlich alles unter Kindswohlgefährdung? 

Uta: „Eine Kindeswohlgefährdung (KWG) besteht dann, wenn Leib und Leben eines Kindes in Gefahr sind(§8a SGB VIII). Also immer dann, wenn Kinder und Jugendliche Gefahren ausgesetzt sind, wie Gewalt (psychischer sowie physischer) und Missbrauch. Hierbei wird jedoch zwischen latenter und akuter KWG differenziert. Diese Differenzierung ist sehr wichtig, da bei einer akuten KWG ein Schutzauftrag seitens des Jugendamtes vorliegt. Das bedeutet ein direktes tätig werden des Mitarbeiters. Das kann verschiedene Handlungen bedeuten und reicht von der Installation einer Hilfe (Familienhilfe, Einzelfallhilfe etc.) bis hin zur Inobhutnahme eines Kindes/Jugendlichen. Im letzten Fall muss immer das Familiengericht angerufen werden, da eine Inobhutnahme bedeutet, dass kurzzeitig das Sorgerecht auf das Jugendamt übertragen wird, für die Zeit der Inobhutnahme. Das Familiengericht prüft dann, inwieweit mit dem Sorgerecht weiter vorgegangen wird und welche Schritte eingeleitet werden müssen, um das Wohl des Kindes zu schützen (ambulante Hilfen oder stationäre Hilfen).

Wichtig ist hierbei zu beachten, dass eine KWG oft eine sehr komplexe Situation beschreibt, die immer durch mehrere Faktoren bedingt ist. Eindeutig sind zum Beispiel nur Situationen, in denen Kinder/Jugendliche direkte körperliche Merkmale aufweisen (blaue Flecken oder andere körperliche Beeinträchtigungen). Eine Kindeswohlgefährdung, die aufgrund psychischer Gewalt befürchtet wird, fällt eher in die Kategorie der latenten Gefährdung. Das heißt, dass, wenn der Zustand, hervorgerufen durch psychische Gewalt länger andauert, eine Gefährdung des Kindeswohls nicht auszuschließen ist. Eine solche Beurteilung benötigt viel Einfühlungsvermögen und vor allem viele Gespräche mit allen Beteiligten. Eine Inobhutnahme erfolgt aber IMMER, wenn eine akute Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Damit sichert sich der Mitarbeiter des Jugendamtes auch einfach ab; denn wenn was passieren sollte, und es ist keine Inobhutnahme durchgeführt worden, dann tritt der Mitarbeiter mit voller persönlicher Verantwortung dafür ein.

Das Jugendamt ist verpflichtet über jede Meldung gemäß §8a SGB VIII, Kontakt mit den Erziehungsberechtigten und den Kindern/Jugendlichen aufzunehmen. Allerdings differenzieren wir auch: Wenn ein Kindergarten meldet, dass das Kind zu kleine Schuhe hat, dann ist das keine Kindeswohlgefährdung. Dann obliegt es den Erziehern/-innen das Gespräch mit den Eltern zu suchen (das ist wirklich einmal bei mir gemeldet worden ;-)). Melden Erzieherinnen jedoch blaue Flecken, Verbrennungen oder desaströse hygienische Zustände, dann gehen wir gemeinsam mit den Erziehern/-innen in das Gespräch mit den Kindeseltern. Es kommt bei einer Einschätzung des Kindeswohls immer auf die gesamten Lebensumstände an: Wie ist die aktuelle Situation in der Familie, welche Konstellation liegt vor? Wie ist die wohnliche Situation?

Wenn wir davon hören, dass ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch vorliegt, handeln wir ebenfalls direkt. Jede kritische Meldung wird mit einem Hausbesuch bearbeitet. Gerade im o.g. Fall ist es wichtig, eine persönliche Einschätzung davon zu bekommen, ob ggfls. Drogen oder Alkohol in Reichweite der Kinder ist (alles schon erlebt; da lag Marihuana unter dem Couchtisch; das Kind war im Krabbelalter).“

Christin ergänzt noch: „Es gibt dazu eine sensationelle Darstellung: die Bedürfnispyramide von Maslow. Die Pyramide beginnt mit dem größten Bereich, den körperlichen Grundbedürfnissen (Schlaf, Wohnung, Nahrung, Gesundheit …), geht weiter in die Sicherheit (Schutz vor Gefahren …), weiter in die sozialen Beziehungen (Freunde, Familie, Partnerschaft …), die soziale Wertschätzung (Respekt, Anerkennung) und endet mit der Selbstverwirklichung (Individualität …) An dieser Pyramide orientieren wir uns.
Der §8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) greift, wenn eines dieser Bedürfnisse bei Kindern nicht gegeben sein könnte. Dann gehen wir in die Abklärung.“

Spätestens wenn man selbst Mama ist, spürt man eine enorme Sensibilisierung für das Wohlbefinden ANDERER Kinder. Plötzlich achtet man mehr darauf, wie ANDERE Eltern mit ihren Kindern umgehen und bewertet das Verhalten. Dabei kommt man durchaus mal an den Punkt, wo man sagt: „Ne, dass ist nicht richtig, da geht’s dem Kind nicht gut mit.“ Aber wie kann man entscheiden, ob es ein subjektives Empfinden ist oder ob es sich tatsächlich um ein Kind in Gefahr handelt? Könnt ihr Tipps geben, Situationen einigermaßen objektiv zu beurteilen oder geht das gar nicht?

Uta: „Eine wirklich objektive Beurteilung stelle ich mir unheimlich schwierig vor. Selbst dem Mitarbeiter des Jugendamtes kann dies in manchen Situationen sehr schwer fallen, da wir aber Tag täglich damit umgehen und damit konfrontiert werden, besteht hier eine andere Routine und ein fachlich geschulter Blick. Grundsätzlich ist es ja so, dass eine solche beobachtete Situation zunächst einen direkten emotionalen Auslöser mit sich bringt. Man müsste also zunächst die eigenen Emotionen in den Griff bekommen, um dann sachlich zu hinterfragen, was da gerade passiert ist: Habe ich genau mitbekommen, welche Worte gewechselt worden, weiß ich, was zwischen dem Elternteil und dem Kind vorgefallen ist, oder habe ich nur eine Momentaufnahme gesehen, nämlich das übergriffige Verhalten des Elternteils. Da dies aber in einer solchen Situation unheimlich schwierig ist, würde mir so aktuell kein Patentrezept einfallen, wie man sich die nötige Objektivität schaffen könnte, ohne in ein Gespräch zu gehen. Diese Objektivität ist in einem Rahmen, wie er Jugendamt vorliegt, wesentlich einfacher zu schaffen, als irgendwo auf der Straße, bei einem zufällig beobachteten Geschehen. Letztlich heißt es aber immer: Emotionen runterfahren, beobachten bzw. ins Gespräch gehen.“

Christin: „Grundsätzlich möchte ich sagen, dass ich es in der heutigen Zeit sehr anstrengend finde, eine Mama zu sein. Jeder schaut, jeder beurteilt, jeder hat eine Meinung die er leider auch oftmals kund tut.
Nur wenige Mütter / Väter hören noch auf ihr eigenes Bauchgefühl. Es wird zu viel geschaut was woanders los ist. Gerade auch durch die sozialen Netzwerke wird viel „perfektes Leben“ gezeigt, was es aber gar nicht gibt. Jede Mama / Papa kommt an ihre / seine Grenzen. Man traut sich aber kaum noch, dies auch zu sagen aus Angst, man wird als schlechte Mutter / Vater dargestellt.  

Eigentlich erkennt man, wenn ein Erwachsener mit einem Kind nicht gut umgeht. Dann sollte man auch handeln. Aber über Alltagssituationen sollten fremde Menschen (meiner Meinung nach) nicht urteilen. Ein bestes Beispiel ist der virale Spruch à mein Kind ist in der Trotzphase, ruft nicht das Jugendamt, bringt lieber einen Schnaps. Eigentlich soll dieser Spruch lustig sein, aber dahinter versteckt sich auch eine ungemeine Unsicherheit und vielleicht auch Angst was andere denken könnten.

Helft untereinander, hört zu, gebt vielleicht auch Tipps. Aber nicht bei wildfremden Leuten. Urteilt nicht sofort über Situationen! Geht mit euren Mitmenschen so um, wie ihre es von diesen auch erwartet.“

Was sollte man tun, wenn man überzeugt ist, ein Kind in Gefahr zu wissen …

a) … wenn es sich um eine Familie handelt, die man persönlich kennt?

Christin: „Man weiß als Außenstehender nie wirklich warum eine Mama oder ein Papa so handelt wie er handelt. Wenn ich aber etwas in den 9 Jahren Jugendamt gelernt habe, dann dass Eltern immer das Beste für ihre Kinder wollen. Ich selbst habe (zum Glück) noch kein Elternteil erlebt, was seinem Kind mit Absicht schaden wollte. Meist handeln Eltern aus Unsicherheit, Überforderung und auch Unwissen. Damit möchte ich sagen, dass man sehr nahen Freunden auch mal eine andere Handlungsmöglichkeit mit auf den Weg geben kann. Aber wenn es nur ein entfernter Bekannter ist, dann sollte man sich da nicht direkt „reinhängen“. Dies könnte eher dazu führen, dass sich die Betroffenen in die Enge gedrängt fühlen. Der Eigenschutz geht immer vor! In Frankfurt gibt es zum Beispiel das Kinder und Jugendschutztelefon. Unter einer kostenlosen Hotline kann man mit meinen Kollegen Situationen besprechen. Dann wird man sehen ob das Jugendamt tätig werden muss oder ob es andere Möglichkeiten gibt.“

Uta: „Ich würde abschätzen, wie die Familie auf eine Ansprache meinerseits reagieren könnte, wenn ich die Familie selber kenne. Manchmal ist es besser, wenn wirklich der Verdacht einer Gefährdung im Raum steht, diese direkt an das Jugendamt weiterzuleiten. Nicht, weil man sich so Ärger erspart, sondern viel mehr, weil so ein fachlich geschultes Auge, aber eben auch als unbeteiligte dritte Person die Situation einschätzen kann.

Wenn es eine Familie ist, zu der der Draht wirklich richtig gut ist, dann denke ich, kann man mit den richtigen Fragen, an der richtigen Stelle herauszufinden, warum das Kind vielleicht einen blauen Fleck hat, oder dass man gesehen hat, dass das Kind geschlagen wurde. Dann kann man fragen: Sag mal, bist du vielleicht etwas gestresst? Brauchst du Hilfe? Ich nehme dir dein Kind auch gerne mal ab, wenn du Zeit für dich brauchst. So oder so ähnlich kann man das wirklich gut mit befreundeten Familien machen.

Man kann auch immer den Weg über Institutionen gehen. Kindergarten, Schulen. Und die Mitarbeiter vor Ort bitten, ein Auge auf das Kind zu werfen oder das Gespräch zu den Eltern zu suchen. Beides ist möglich. Auch bei Familien, die man gut kennt.“

b) … wenn es sich um eine Familie handelt, die man nicht namentlich kennt … die man akut auf der Straße oder dem Spielplatz beobachtet hat?

Uta: „Das ist immer ziemlich schwierig. Letztlich würde ich sagen, dass bei einem wirklich gravierenden Eingriff in das Wohl des Kindes, eine direkte Ansprache an die Eltern gemacht werden kann. Das heißt, wenn ich sehe, dass ein Elternteil sein Kind auf der Straße, oder auf dem Spielplatz schlägt, dann kann ich durchaus hingehen und Hilfe anbieten; die Situation entschärfen. Hierbei muss natürlich darauf geachtet werden, dass dies ein Eingriff in die persönlichsten Rechte der Kindeseltern und auch des Kindes ist. Ein Erfolg steht und fällt hierbei immer mit der Art des Tonfalles und dem Inhalt einer Aussage. Das gilt auch genauso für die Mitarbeiter des Jugendamtes. Ich denke jedoch, dass ein Hinweis an die Eltern, ob man vielleicht helfen kann, die Betroffenen schon einfach positiv aus der eskalierenden Situation herausholen können. Ein Erfolgsrezept gibt es da leider nicht, aber einen Versuch ist es immer wert. Allein schon, um dem Kind zu helfen.“

Christin: „Sucht im Internet nach Beratungsstellen, Kinderschutztelefonen oder ähnlichem. Meiner Meinung nach hat jede größere Stadt so etwas, wo man sich beraten lassen kann. Ist es eine akute Gefahr (massive Schläge oder ähnliches) immer die Polizei rufen. ABER der Eigenschutz geht vor. Leider ist es so, dass schlagende Elternteile (gerade in der Öffentlichkeit) vor anderen Menschen nicht immer halt machen.

Ist man sich unsicher, kann man aber wirklich immer die Polizei oder das Jugendamt anrufen. Dafür sind wir da! Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig hingeschaut!“

Jugendamt und Kindswohlgefährdung aus der Sicht eines Pflege-Papas

Wenn man noch keinen direkten Kontakt zum Jugendamt oder dem Thema Kindswohlgefährdung hatte, ist es verdammt schwer, sich ein richtiges Bild zu machen, weil einfach die persönliche Komponente, die eigene Erfahrung fehlt. Kevin vom Blog Papapi hat jedoch beides, denn er ist – zusammen mit seinem Mann – seit fast vier Jahren ein wirklich liebevoller Pflege-Papa für seinen heute 7-jährigen Sohn (er zog mit 3 ½ Jahren bei den beiden Vätern ein) und die mittlerweile 1 ½ -jährige Tochter (sie kam mit 6 Monaten in die Familie).

Als Pflege-Papa hat Kevin natürlich immer wieder Kontakt mit dem Jugendamt, aber eben auch nicht ständig. Die Häufigkeit hängt von verschiedenen Faktoren hab, erklärt er: „Es hängt z. B. davon ab, ob es verstärkt Besuchskontakte gibt. Oder wie viel Unterstützung eine Pflegefamilie vom Jugendamt braucht. Da wir momentan nicht so viel Unterstützung brauchen und auch keine regelmäßigen Kontakte mit den Herkunftsfamilien pflegen, haben wir gerade weniger Kontakt zum Jugendamt.“
Grundsätzlich ist er mit dem Verhältnis zwischen seiner Familie und dem Jugendamt bzw. den unterschiedlichen Ämtern und Sachbearbeitern zufrieden. Dennoch findet er: „Nichts desto trotz gibt es Punkte, an denen ich mir, zumindest bei dem einen Amt, mehr emotionale Unterstützung wünsche. Also einfach mal ein anerkennendes Wort, wenn es gerade schwierig ist. Ich brauche kein Getätschel. Es geht um die Anerkennung und das Gefühl verstanden und respektiert zu werden.“

Wie alle anderen Eltern auch, hat sich Kevins Leben durch die Kinder komplett verändert. So ist das nun mal. ;) BESONDERS sensibilisiert ist er jedoch durch seine Erfahrungen als Pflege-Papa für das Thema Kindswohlgefährdung. Seine Alarmglocken schrillen möglicherweise schon früher als bei anderen, wenn er Situationen beobachtet, in denen Kinder nicht gut oder sogar offensichtlich schlecht behandelt werden. Vor kurzem erst postete er dazu auf Instagram über eine spezielle Situation auf einem Spielplatz … in der er sofort aktiv reagierte.

„Ich fuhr mit meinem Fahrrad an einem Spielplatz vorbei auf dem eine Gruppe von Erwachsenen saß und sehr laut Musik hörte. Es wurde sehr viel geraucht. Dadurch, dass kein Wind ging, stand da eine Rauchwolke. Dosen standen herum. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber es sah eher nach Alkohol als Softdrinks oder ähnlichem aus. Und selbst wenn es kein Alkohol war … mitten zwischen all dem Lärm und Rauch, war eine Mutter mit Baby im Kinderwagen. Die Frau gehörte zu der Gruppe.

Eine ältere Dame versuchte den Menschen zu erklären, dass die Lautstärke und der Rauch nicht so gut für das Baby seien. Keine Reaktion.
Ich fuhr einkaufen. Nur eine Kleinigkeit. Ich war schnell wieder mit dem Fahrrad am Spielplatz. Keine Veränderung der Situation. Ich fuhr weiter. Hielt an. Rief die Polizei an. Mehrfach musste ich verdeutlichen, wie ich die Situation einschätze, bis mir die Beamtin am Telefon versprach, es würde eine Streife rausgeschickt werden.“

Sicher werden nun einige sagen, dass Kevin etwas übers Ziel hinausgeschossen ist. Dass man vielleicht nicht IMMER reagieren muss. Und eventuell manchmal auch dem Gefühl nachgeben kann, dass es einen doch nichts angeht … oder man doch gar nicht weiß, was zu tun ist, wenn man etwas beobachtet, dass einem nicht richtig vorkommt. Jenen Eltern möchte Kevin gerne etwas mit auf den Weg geben: „Traut euch. Nicht trauen, kann Leben kosten. Leider steigen die Zahlen von Pflegekindern. Und wenn ich an die Situation auf dem Spielplatz zurückdenke, verstehe ich auch wieso.

Und dasselbe gilt für euch selbst. Es ist keine Schande, Hilfe zu brauchen. Ich brauche sie wöchentlich. In Form meiner Mutter und Schwiegermutter. Hilfe annehmen ist mutig. Vielleicht sogar der größte Beweis für Mut. Denn es bedeutet, sich selbst zuzugestehen, es nicht allein zu schaffen, und öffentlich dazu zu stehen, dass ich nicht wie viele andere behaupten, es total entspannt wuppe. Es freut mich immer, wenn es Menschen tatsächlich schaffen, doch in der heutigen Zeit, in der immer mehr gefühlte Anforderungen auf mich einsprudeln und Stress als hip gilt, es eben keine Schande ist, nicht alles zu schaffen. Und damit zeugt Hilfe holen von größter Verantwortung.“

Fazit: Das Jugendamt bietet auf verschiedenen Ebenen Unterstützung für Eltern und Kinder – und sie bei Bedarf anzunehmen, ist immer eine gute Idee! <3

PS: Dieser Artikel gehört zu den längsten, die bisher auf LÄCHELN UND WINKEN erschienen sind. Und alle daran Beteiligten haben sich viel Zeit dafür genommen, wofür ich sehr dankbar bin. Dennoch gibt es natürlich immer noch unzählige andere Perspektiven, persönliche Geschichten und Erfahrungen. Von Jugendamt-Mitarbeitern, die ausgebrannt sind und eben nicht mehr mit so viel Herzblut wie Christin und Uta ihrem Job nachgehen, von Pflege-Eltern, die über unüberbrückbare, bürokratische Hürden stolpern und von den Familien, die auf der anderen Seite stehen … auf der, aus deren Zuhause die Kinder in Obhut genommen werden, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, die sich aber vielleicht dadurch schrecklich ungerecht behandelt und unverstanden fühlen. Ich weiß, dass es diese Geschichten gibt und möchte sie nicht unter den Teppich kehren. Schreibt mir also gern eine E-Mail, wenn ihr zum Thema Jugendamt etwas erzählen möchtet oder Fragen habt, die nach einem weiteren Artikel verlangen! Ich würde mich freuen! :-*

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3 Kommentare für “„Oh man, gleich kommt bestimmt das Jugendamt!“

  1. Ich habe gerade richtig Tränen in den Augen. Ein wirklich sehr schöner Artikel. Leider hat das Jugendamt in der Gesellschaft wirklich oft eine negative Bewertung. Mir hat es aber einmal sehr geholfen. Als ich vor drei Jahren aufgrund psychischer Belastung von meiner Mama zu meinem Papa gezogen bin , hatte ich Hilfe von Jugendamt und darüber bin/war Ich sehr dankbar. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass sie nach Ende meines Falls nicht sofort aufgehört hätte, sondern sich auch noch später noch einmal ein Bild der verschiedenen Wohnsituationen gemacht hätte, da zwei weitere Kinder bei meiner Mutter Leben.