Plastikfrei
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Plastikfrei für Anfänger wie mich – weil auch Kleinvieh in einer Familie Mist macht

Leider, leider war ich in Punkto Plastikfrei bzw. nachhaltigem Lebensstil sehr lange eher ein Paradebeispiel für „so macht man es besser nicht“, als ein positives Vorbild. Ich schmiss als Raucher meine Zigaretten-Kippen überall auf den Boden, kaufte in Plastik eingeschweißtes Gemüse, trennte den Müll nicht und fuhr gefühlt sogar zum Klo mit dem Auto. Und das nicht mal, weil ich grundsätzlich keine Ahnung hatte oder mir das Thema Umweltschutz am Arsch vorbei ging. Im Gegenteil sogar: Schon als Grundschul-Kind beschäftigte mich das Waldsterben so arg, dass ich meine Mutter einmal fragte, ob sie davon denn nichts gewusst hätte als sie sich entschied, in diese Welt noch ein Kind zu setzen? Der „Samen“ für ein bewussteres Verhalten war also im Grunde früh gesät worden. Doch irgendwie überwogen JAHRZEHNTE meine persönliche Bequemlichkeit und der Gedanke, dass es ja noch lange dauern würde, bis sich auf unserem Planeten Szenarien wie in einem Endzeit-Film abspielen könnten.
Dann bekam ich Kinder. Und mein Blick in die Zukunft veränderte sich von jetzt auf gleich. Mit der Geburt der Mausemaus wuchs plötzlich in mir die Angst, dass IHR möglicherweise Probleme bevorstünden, die ich mir eigentlich lieber nicht mal vorstellen mochte, weil sie nur auf einer Kinoleinwand zu ertragen, in der Realität jedoch einfach nur das absolute Grauen darstellten.

Plötzlich hat Zukunft einen anderen Wert.

Dennoch verkaufte ich mein Auto vor ein paar Jahren ehrlich gesagt nicht wirklich der Umwelt zuliebe, sondern weil wir schlicht keine zwei mehr brauchten, mich die Parksituation in der Kölner Innenstadt echt hart nervte und es außerdem zu klein für Kindersitze im Doppelpack war. Dass mir dann noch ein Reisebus in die gerade abgestellte Karre gefahren ist, brachte das Fass zum Überlaufen und ich trennte mich endgültig von meinem kleinen Flitzer, obwohl es sich anfühlte, als würde ich ein Stück Freiheit aufgeben. Statt selbst zu fahren, nahm ich von da an die Bahn oder – noch lieber – lief alle Strecken unter 3 Kilometern zu Fuß, soweit die Kids das mitmachten. Bis wir vor ein paar Monaten entschieden, ein Lastenfahrrad anzuschaffen, was zwar echt eine teure Angelegenheit und nur dank der NRW-Förderung realisierbar war, aber mein Mutti-Leben wirklich extrem verbessert hat. Endlich bin ich wieder richtig mobil … und umwelttechnisch ist es natürlich VIEL besser als autozufahren.

Auch, dass wir seit über 7 Jahren nicht geflogen sind, sieht natürlich in meiner ökologischer Fußabdruck-Bilanz super aus, ist aber eher meiner Abneigung gegenüber großer Urlaube mit kleinen Kindern geschuldet, als meiner neu entdeckten Liebe zu unserem Planeten. Trotzdem ist es toll, aufs Fliegen zu verzichten, ganz egal aus welchem Grund. Es ist ein Anfang. Genauso wie die unterschiedlichen Mülleimer in unserer Küche, die Umstellung von flüssigen auf feste Seifen und unsere stetige Suche nach Möglichkeiten, in unserem Alltag auf Sachen zu verzichten, die mehr Müll als Nutzen produzieren.

Aber: Wir haben halt immer noch EIN gemeinsames Auto, mit dem der Mann täglich in eine andere Stadt pendelt; nur privat nutzen wir es kaum noch. Wir kaufen NICHT in Bio-Supermärkten ein. Und ich bin einfach nicht die Frau, die aus Kastanien ihr eigenes Waschmittel zaubert und in DIY-manier Deo selbst macht. Auch schmerzt es mich, für etwas die dreifache Summe zu bezahlen, „nur“ weil es nachhaltiger produziert wurde oder weniger Plastik hinterlässt. Manchmal leiste ich mir bzw. uns zwar diesen Luxus, aber immer können wir es uns schlicht nicht leisten.

Aus Gewohnheiten auszubrechen, ist schwer.

Das Ding ist halt: Ich bin ein Gewohnheitstierchen – ganz dolle sogar – und es fällt mir irre schwer, mich von für mich GEWOHNTEN Dingen und Verhaltensweisen zu trennen. Ich will schon … aber oft stehe ich mir selbst im Weg. Oder ich denke: Ich kann es definitiv nicht PERFEKT machen, vielleicht sollte ich es dann gleich ganz lassen … DAS bekommt man ja auch oft genug von jenen an den Kopf geschmissen, die schon ganz nah dran sind am perfekt nachhaltigen Lebenswandel. Und das demotiviert und nervt einfach nur.
Ein bisschen beruhigend finde ich, dass ich an diesem Punkt nicht allein stehe. Ich weiß, viele stehen „neben mir“. Sie blicke jeden Tag in die Augen ihrer Kinder, die so voller Träume und Hoffnungen blitzen, und fragen sich, was sie tun können, um ihnen all das tatsächlich zu ermöglichen; ihnen die Basis zu sicher, die sie brauchen – nämlich diese Welt. Die aber einen ähnlich dominanten Schweinehund wie ich in sich tragen, nicht so genau wissen, wo sie anfangen sollen, etwas zu verändern und eventuelle on top nicht über die finanziellen Mittel verfügen, die eigentlich nötig wären, um komplett umzustellen.

Deshalb hab ich mich mal mit jemandem zusammengesetzt, der deutlich mehr Ahnung vom Thema nachhaltig und plastikfrei leben hat als ich, der da durchaus als Vorbild fungieren kann und es online mit Blog und Instagram-Kanal auch tut, aber trotzdem NICHT über (uns) andere urteilt oder schimpft. Im Gegenteil: Er freut sich richtig ehrlich über jeden, der den ERSTEN kleinen Schritt macht … nur EINEN … denn damit beginnt jede Veränderung. Schließlich hat er, Oliver vom Blog Papa wickelt, auch irgendwann klein angefangen – in seinem Fall mit Stoffwindeln für seine damals 5 Monate alte Tochter. Das hat er nicht vergessen. Und deshalb war er die perfekte Wahl für mich, um gemeinsam mit ihm eine besondere Liste zu erstellen. Eine Liste über 10 mögliche perfekte Schritte PLUS Einsteiger-Alternativen, mit denen man noch etwas leichter beginnen kann, im eigenen Familien-Alltag etwas zum Besseren zu verändern. Schließlich gibt es nicht nur schwarz oder weiß. Es gibt auch grau … also kleine Schritte! Und auch die sind super, denn was zählt ist die Richtung, in die sie führen: Zukünftig bewusster zu leben, einzukaufen und wegzuwerfen. <3

10 erste Schritte in ein Plastikfrei – Leben … plus Alternativen für blutige Anfänger (wie mich):

1. Shampoo / Duschgel / Handseife

Gewohnheit: So ziemlich alles, womit wir uns waschen, kommt in flüssigem Zustand aus einer Plastik-Verpackung und beinhaltet zudem noch Micro-Plastik-Partikel. Jetzt habe ich mal grob überschlagen, wie viele Shampoos, Duschgels und Handseifen-Ladungen wir als Familie pro Jahr verwenden und komme bei vier Leuten auf ca. 40 Pullen. Das ist echt kein Pappen-Stil für die Umwelt … vor allem, wenn man es dann nochmal auf ALLE Familien hochrechnet. Davon was einzusparen zu können, wäre super. Oliver erklärt uns wie:

Plastikfrei: Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Wir kaufen einfach keine Flaschen mehr ;-) Aber mal im Ernst. Es gibt einige – wie auch eine sehr gute Freundin von uns – die sich die Haare mit einer Mischung aus ca. 4EL Roggenmehl & 250ml Wasser wäscht. Aber das ist für einen turbulenten Familienalltag nicht so praktikabel. Einfacher sind da Haarseifen. Diese kann man zum Beispiel oft auf Jahrmärkten von kleinen Manufakturen kaufen, die es überall in Deutschland gibt. Sie bestehen nur aus den nötigsten Inhaltsstoffen und verzichten in der Regel auf den Einsatz von Palmöl. Da die Seifen meist mit viel Liebe und in Handarbeit hergestellt werden, haben diese aber auch ihren Preis.

Anfänger-Alternative: Einfacher ist es da, sich einmal mit den Angeboten der gängigen Drogeriemärkte auseinanderzusetzen. Bei einer großen deutschen Kette kann man wieder auf ein stetig wachsendes Sortiment von Handseifen zurückgreifen. Die übrigens, wie mir und meiner Frau im letzten Jahr aufgefallen ist, die Hände “weniger” austrocknen als die flüssigen Alternativen, da man deutlich weniger Seife verwendet. Seit einiger Zeit kann man dort auch feste Shampoos bekommen, die genauso funktionieren wie ein normales Shampoo, dafür beinhalten sie aber kein Mikroplastik und kommen ohne Plastikverpackung.

Disclaimer: Schwer fällt es uns hier aber bei Produkten für Kinder, da wir bisher noch keine Badezusätze / Dusch-/Shampooseifen gefunden haben, die für Kinder – wegen brennen in den Augen – geeignet sind. Das stellt bei normalen Handseifen kein Problem dar, aber wer mal ein Kind mit brennenden Augen hatte, das eh nicht gerne gebadet wird, weiß wovon ich rede…

2. Zahnbürste

Gewohnheit: Mindestens zweimal täglich Zähneputzen ist natürlich für alle Familienmitglieder mega wichtig, genauso wie der regelmäßige Austausch der Bürsten … besonders, wenn die Nutzer dazu neigen, auf ihnen rumzukauen und die Borsten damit „plattzumachen“. ;) Der Nachteil: Da kommt eine ganze Menge Plastikmüll zusammen, denn nicht nur die Zahnbürsten selbst sind aus Kunststoff, meist sind sie auch noch in Plastik eingepackt! Da muss es doch Alternativen geben, Oliver!

Plastikfrei: Natürlich. In der letzten Zeit kommen viele neue Hersteller von Zahnbürsten auf den Markt, wo in jedem Fall der Griff aus Holz gemacht wird. Von Hersteller zu Hersteller gibt es aber leider Borsten, die aus Plastik gefertigt werden. Selbst für Zahnpasta gibt es Alternativen. In Unverpacktläden, gut sortierten Bio- und Drogeriemärkten kann man Zahnputzpulver kaufen, in das man die angefeuchtete Zahnbürste eintaucht, und sich dann die Zähne putzt. Dieses könnte man zu Hause sogar selber machen. Selbst Zahnseide habe ich in einem unserer Biomärkte bereits in einem Behälter kaufen können, den man mit einer Nachfüllpackung wieder auffüllen kann.

Anfänger-Alternative: Wem eine Zahnbürste aus Holz nicht gefällt – oder das Mundgefühl nicht mag – der kann auf Zahnbürsten mit auswechselbaren Köpfen – besonders gut für Bürstenbeißer geeignet ;-) – zurückgreifen, Mittlerweile bekommt man in einem Drogeriemarkt sogar Zahnputztabletten, die nicht mehr in dieser Unmenge an Plastik eingepackt sind. Die Tabletten zerbeißt man und putzt sich im Anschluss mit der angefeuchteten Zahnbürste die Zähne.

Disclaimer: Bevor man hier aber experimentiert, oder sich unsicher ist, sollte man mit seinem Zahnarzt sprechen. Fluoridhaltige Zahnpasta ist kein Teufelszeug und auch gute (e-) Zahnbürsten haben ihre Berechtigung, da die Ergebnisse für sich sprechen. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Gesundheit in diesem Fall vorgehen darf.

3. Windeln / Schwimmwindeln

Gewohnheit: Boah, in Punkto Windeln kommt mit Baby und/oder Kleinkind echt eine riesige Menge Müll zusammen. Wir sind eigentlich schon fast durch damit bzw. brauchen nicht mehr ganz so viele wie am Anfang, aber dennoch sind gefühlt ständig die Mülltüten voll damit! Oliver hat sich da für einen anderen Weg entschieden … hat aber auch noch einen Tipp für jene, die von Stoffwindeln nicht so überzeugt sind UND einen zum Thema Schwimmwindeln!

Plastikfrei: Ganz genau. Wir haben uns für Stoffwindeln entschieden. Aber ich bin ehrlich: Es ging uns nicht primär um die Umwelt, sondern die Gesundheit unseres Kindes. Wir hatten einen wunden Po nach dem anderen und es hörte nicht auf …. bis wir auf Stoffwindeln gewechselt haben.

Wenn man das Wort “Stoffwindel” hört, denkt man meist an Gummihosen und (Groß-)Mütter, die am Herd stehen und Windeln auswaschen. Ganz zu schweigen davon, dass Stoffwindeln zu dicht sind.

Aber auch die Stoffwindel ist im 21. Jahrhundert angekommen. Es gibt viele deutsche und europäische Hersteller, die Windeln mit modernsten Materialien produzieren. Denn die Gummihose wurde von atmungsaktiven aber wasserdichten Materialien abgelöst, wie wir sie von modernen Outdoorjacken kennen. Das beste ist, für Großeltern, den zweifelnden Vater – gibt es die überhaupt noch? – oder die Fremdbetreuung gibt es sogenannte “All-In-One” Windeln. Sie lassen sich auch genauso benutzen wie Wegwerfwindeln.

Wer sich grundsätzlich für Stoffwindeln interessiert, kann mich gerne auf Instagram anschreiben und mich mit Fragen löchern, oder eine persönliche Stoffwindelberatung bei eine(r/m) meiner Kolleg*innen in seiner Nähe vereinbaren.

Anfänger-Alternative: Wem das zu kompliziert ist, kann auf moderne Ökowindeln zurückgreifen, die zu großen Teilen aus biologisch abbaubaren Bio-Kunststoffen hergestellt werden. Oder, wenn man etwas mutiger ist, was man aber nicht zu sein braucht ;-), kann man auf gebrauchte Stoffwindeln zurückgreifen und diese zu Hause ausprobieren.

Alternativlos ist in meinen Augen die Schwimmwindel. Wer hat nicht schon diesen nassen Sack am Po seines Kindes gesehen und sich nach dem Sinn gefragt. Ich verrate euch ein Geheimnis: Pipi halten Schwimmwindeln nicht auf. Sie dienen lediglich dem Zweck, das große Geschäft aufzufangen und ein umhertreiben im Wasser zu vermeiden. Hier gibt es im Sommer auch bei deutschen Drogerien, oder ganzjährig im Internet, tolle Angebote. Wir mögen die Schwimmwindeln von Bambino Mio und Totsbots sehr gerne. Erstere sehen sogar aus wie einfache Schwimmhosen (Werbung).

4. Obst/Gemüse/ Wurst/Käse/Brötchen

Gewohnheit: Frische Lebensmittel bilden in jedem Familien-Haushalt die Basis des Speiseplans. Glücklicherweise gibt es schon viele Bio-Angebote in den normalen Supermärkten, die es leicht machen SOLLEN, bewusster einzukaufen. Nur … Bio ist oftmals viel teurer oder trotzdem in Plastik verpackt. Und jedes Brötchen kommt in einer Tüte über die Ladentheke, Wurst und Käse sogar immer in Folien. Irgendwie doof. Deshalb gibt’s auch dazu tolle Tipps von „Papa wickelt“:

Plastikfrei: Am nachhaltigsten wäre es, bio und regionales Obst und Gemüse zu beziehen. Hier gibt es auf Wochenmärkten oder beim lokalen Biomarkt vielfältige Angebote, die aber auch ihren – berechtigten – Preis haben. Man muss dabei immer beachten, dass z.B. Bioland oder Demeter (Werbung) zertifizierte Produkte deutlich stärkeren Auflagen unterworfen sind, als es bei BIO nach EU-Verordnung der Fall ist. Wenn man den Bio- oder Wochenmarkt für seine Einkäufe nutzt, sind die meisten Produkte entweder unverpackt oder in biologisch abbaubaren Verpackungen eingepackt.

Für Wurst und Käse gibt es vielfältige Angebote wo man beides sowohl regional- als auch möglichst unverpackt bekommen kann. Häufig sogar direkt vom Erzeuger. Der Bio-Markt bei uns packt uns den Käse immer direkt in die Frischedose – denn es ist nachhaltiger, vorhandenes weiter zu verwenden, als neue Blechdosen zu kaufen. Genauso ist es an der Wursttheke. Hier bekommen wir die Wurst, sogar bei unserem Supermarkt um die Ecke, in die “Tupperdose”.

Beim Brötchenholen haben wir fast immer unseren Baumwollbeutel oder eine große Brotdose dabei, in die wir uns die Backwaren verpacken lassen.

Anfänger-Alternative: Biomärkte sind, wenn man es mit den Dumpingpreisen bei den gängigen Discountern vergleicht, exorbitant teuer – auch wenn der Preis dem Produkt und dem dahinter stehenden Aufwand in der Regel angemessen ist. Deshalb gehen wir gerne zum Türken um die Ecke. Hier hat man immer eine große Auswahl an leckeren und immer frischem Obst und Gemüse, welches so gut wie nie in einer Umverpackung daher kommt. Das ganze zu Preisen, die in meinen Augen bezahlbar sind – Essen darf auch mal etwas kosten.

Wurst und Käse an der Frischetheke oder beim Metzger kaufen, selbst ohne eigene Dose, spart ganz schön viel Müll ein.

5. Feuchttücher

Gewohnheit: Die „Allzweck-Waffe“ (fast) jeder Mutter: Feuchttücher. Damit wird nicht nur der Baby-Popo blitzblank, sondern auch die Kinderhände unterwegs und so ziemlich alles andere, das Mutti irgendwie schon ein bisschen dreckig erscheint, aber noch nicht so doll, dass sich der Einsatz von richtigen Putzmittel lohnt. Aber: So entsteht natürlich echt viel Abfall, der im Grunde easy vermieden oder wenigstens reduziert werden könnte. Richtig, Oliver?

Plastikfrei: Richtig meine Liebe. Wir haben, selbst als wir noch keinen Fokus auf einen nachhaltigeren Lebensstil gelegt haben, keine Feuchttücher verwendet. Mit Einführung der Beikost haben wir immer einen feuchten Waschlappen am Tisch gehabt. Für Unterwegs haben wir eine Box mit dünnen Waschlappen und Wasser zum befeuchten dabei. Da man manchmal etwas mehr Power braucht, kann man sich die Waschlappen mit abgekochten Wasser und ein wenig Öl vorbereiten und verpackt sie in einer wasserdichten Dose.

Funktioniert übrigens auch super für den Popo :-)

6. Frischhalte- oder Alufolie

Gewohnheit: Reste. In einer Familie gibt es echt STÄNDIG Reste. Und da Essen wegzuwerfen immer ein bisschen schmerzt, kommt es in den Kühlschrank, damit es später noch gegessen werden kann. Bei uns super oft in so einem kleinen Kinder-Schüsselchen, weil da waren die Nudeln oder der Reis ja eh schon drin. Also Folie drüber und fertig. Oder?

Plastikfrei: Neee, Bienenwachstücher sind hier das Mittel der Wahl. Sie bestehen in der Regel aus Baumwoll- oder Leinentüchern die mit Bienenwachs getränkt sind. Man kann sie entweder im Einzelhandel kaufen oder zu Hause ganz einfach selbst herstellen. Sie sind Pflegeleicht, lange haltbar und wirken leicht antibakteriell.

Anfänger-Alternative: Wir haben dem Zwerg Essen immer in einer Frischhaltedose mit Deckel serviert. Das hatte den Vorteil, dass wir sie direkt verschließen und in den Kühlschrank verfrachten konnten. Beim normalen Abendessen füllen wir es entweder in eine Dose um, die für die Mikrowelle geeignet ist, oder stellen – wenn Platz ist – direkt den Topf mit Deckel in den Kühlschrank.

7. Waschen / Spülmaschine

Gewohnheit: Es ist UNGLAUBLICH wie oft hier Wasch- und Spülmaschine laufen. Die Kinder sehen halt jeden Tag nach der Kita oder dem Spielplatz aus, als hätten sie Urlaub in einem Bootcamp gemacht. Und auch die Spülmaschine kann sich nicht über zu geringen Einsatz beschweren. Letztere füttere ich aktuell noch mit Tabs, doch das diese alle einzeln verpackt sind, stößt mir langsam bitter auf. Da gibt es doch bestimmt Bio-Pulver-Alternativen – vielleicht auch für die Waschmaschine? Hast du Tipps, Oliver?

Plastikfrei: Hier kann man auf selbstgemachtes Waschmittel aus Kastanien -, ja Kastanien wie sie im Wald liegen ;-) zurückgreifen. Alternativ kann man auch ein Geschirrspül- bzw. Waschmittel aus den einzelnen Zutaten selbst herstellen. Hierzu gibt es viele Anregungen im Internet, unter anderem auf SMARTICULAR Werbung). Unverpackt-Läden bieten ebenfalls die Möglichkeit, entsprechende Mittel unverpackt zu kaufen..

Anfänger-Alternative: Aber so aufwendig muss man es nicht gestalten. Ich persönlich würde immer – sowohl bei der Geschirrspül- und Waschmaschine ein Pulver vorziehen. Gerade wenn man die größeren Verpackungsgrößen wählt, sind die Pulver nur in Papier bzw. Pappe verpackt. Bei flüssigen Waschmitteln braucht man im direkten Vergleich immer etwas mehr, um das gleiche Ergebnis zu erhalten. Generell sollte man darauf achten, dass sie keine Duftstoffe oder Mikroplastik beinhalten. Hier kann man sich ein wenig schlau lesen. 

8. Weibliche Monatshygiene

Gewohnheit: Seit der ersten Schwangerschaft vertrage ich keine Tampons mehr, nutze also Binden und brauche zwischen „den Tagen“ oft Slipeinlagen. Puhhh, da kommt auch eine große Menge Müll zusammen, der viel Plastik und wer weiß was noch alles enthält. Ich habe schon mal eine Menstruationstasse ausprobiert, kam aber gar nicht klar damit. Die Frage ist: Wo kann man sich da mal ordentlich beraten lassen? Und welche anderen Möglichkeiten hat man, die Monatshygiene etwas umweltfreundlicher zu gestalten, wenn man die Tasse aber nicht mag. Da Oliver in diesem Punkt nicht der beste Ansprechpartner ist (sorry, Olli) freue ich mich hier über Infos von seiner Frau!

Plastikfrei: Wie du bereits geschrieben hast, bieten Menstruationstassen eine gute Alternative zu Binden und Tampons. Die Tassen gibt es in unterschiedlichen Größen zu kaufen. Um die richtige Größe zu finden, sollte man die Länge seines Gebärmutterhalses kennen. Außerdem spielt die Muskulatur des Beckenbodens mit rein oder auch die Anzahl der Geburten. Häufig bekommt man bei den Stoffwindelshops auch eine Beratung zur Monatshygiene. Dort kann man übrigens auch Binden oder Slipeinlagen aus Stoff kaufen, die man in der Waschmaschine waschen kann.

Anfänger-Alternative: Insbesondere die Menstruationstasse bedarf etwas Übung und vielleicht auch etwas Rumprobiererei. Einfacher ist es da, auf nachhaltige Tampons zu setzen, die man inzwischen auch in den Drogeriemärkten bekommt. Oder eben Stoffbinden zu nehmen. Man könnte auch unterwegs die Tampons nehmen und für zuhause die Menstruationstasse nutzen. Insbesondere, wenn man sich in der Anfangszeit noch nicht so sicher fühlt, ist das eine gute Möglichkeit.

9. Kaffee

Gewohnheit: Es gibt ja Menschen, die schaffen den Alltag mit Kindern ohne Kaffee … ich leider nicht :D Ich brauche mindestens eine Tasse am Morgen, sonst komm ich nicht in die Hufe. Was schon mal gut ist: Wir haben bereits vor Jahren wieder auf eine Filtermaschine umgestellt und kaufen aus Geschmacksgründen oft Kaffee aus kleineren Manufakturen, die Fair und Bio produzieren. Das ist aber natürlich nicht ganz billig. Und natürlich nichts für jene, die sich nicht von ihren geliebten Kapselmaschienen trennen möchten. Doch auch für diesen Fall gibt es nachhaltige Ideen:

Plastikfrei: Wenn man sich nicht von der geliebten Kapselmaschine trennen kann, gibt es vielfältige Optionen. Zum Beispiel biologisch abbaubare Varianten der Plastik – bzw. Alukapsel. Aber ich bin ehrlich: Die schmecken oft gar nicht mal so gut. Aber man kann sich wiederverwendbare Kapseln oder Pads besorgen. Die kann man benutzen, reinigen und erneut verwenden.

Ansonsten den Kaffee von Hand aufschütten und einen entsprechenden wiederverwendbaren Filter benutzen. Den Kaffee kauft man am besten – wie ihr das auch macht – bei kleinen lokalen Manufakturen oder im Unverpackt-Laden. Der ist dann in der Regel in Bioqualität und Fair gehandelt.

Anfänger-Alternative: Da die meisten Menschen aber schon ihren “Way to go” haben, empfehle ich gerne – wenn man es lagern kann – größere Mengen zu kaufen. Denn so kann man ordentlich an Verpackungsmaterial einsparen. Leider gibt es viele Menschen, häufig Kapselnutzer, die Bio/Fair-Trade Kaffee als übertrieben teuer empfinden. Wenn man sich aber die Kosten für Kapseln der beiden Marktführer ansieht, kann man für ein Kilogramm Kapsel-Kaffee ganz entspannt zwei Kilogramm fair gehandelte Bohnen kaufen.

Im Übrigen entsteht der meiste Müll beim Kaffeetrinken nicht zuhause, sondern unterwegs. Schnell beim Bäcker reinspringen und sich noch nen Kaffee to go besorgen. Dieser wird in Plastikbecher oder Pappbecher mit Plastikdeckel ausgehändigt. Dabei ist es so einfach sich zuhause seinen Kaffee zuzubereiten und ihn in einem Thermobecher mitzunehmen. Nebenbei schont das nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Wer unterwegs dennoch nicht auf seinen Kaffee to go verzichten möchte, sollte sich einen Mehrwegbecher besorgen und den dabei haben.

10. Geschenkpapier

Gewohnheit: Bei uns ist gerade Geburtstags-Session und dann steht ja auch schon Weihnachten halb in den Startlöchern. Wie in jedem Jahr bräuchten wir in dieser Zeit eigentlich eine Extra-Altpapier-Tonne, denn die Mengen an Geschenkpapier sprengen unseren normalen Rahmen; mal ganz von den Verpackungen, um die vom Weihnachtsmann gebrachten Spielsachen abgesehen! Hier Müll UND Geld zu sparen, ist glücklicherweise voll einfach, richtig, Oliver?!

Plastikfrei: Es gibt die Möglichkeit, Geschenke in Tücher oder Geschenkbeutel zu verpacken. Hier gibt es viele wundervolle Stoffe, die immer wieder verwendet werden können. Bei größeren Geschenken bietet sich ggf. eine schöne Decke an. Auch in Keks- oder andere Blechdosen kann man Geschenke schön verpacken.

Anfänger-Alternative: Man könnte bereits Vorhandenes verwenden. Klopapierrollen oder Schuhkartons. Die können von den Kindern mit Bastel- oder Naturmaterialien dekoriert werden. Auch in Backpapier oder alte Zeitungen kann man Geschenke einschlagen.

Neben Recycling-Geschenkpapier bleibt noch, was schon unsere Großmütter gemacht haben: Das Geschenkpapier von einem anderen Anlass noch einmal verwenden.

 

Klar, jetzt könnte man sagen: „Was sollen diese Kleinigkeiten denn bringen?! Wir müssten viel mehr und das auch sofort und alle machen, um richtig etwas zu verändern.“ Und vielleicht stimmt das. Allerdings ist gar nichts tun, einfach die schlechteste Option … und anderen die Motivation zu rauben, wenigstens irgendwo anzufangen, ist keinen Deut besser. Schließlich ist es mit dem nachhaltigeren Leben doch ein bisschen wie mit dem Laufen lernen. Kein Baby steht auf und rennt los. Es macht erst kleine Schritte an Mama’s Hand, ist dann angefixt, wird mutiger und lernt mehr! ICH habe auf Ökostrom umgestellt, mir verschiedene Mülltonnen zum trennen in der Küche platziert, fahre Rad, benutze nur noch SeifenSTÜCKE und verpacke Reste in wiederverwendbare Tupperdosen. Alles Kleinigkeiten, die aber wirklich Müll einsparen! Natürlich bin ich immer noch weit weg von perfekt nachhaltigem Leben, möglicherweise werde ich sogar nie perfekt darin sein. Aber ich bin motiviert, mich zu bessern. <3

PS: Nochmal ein dickes Dankeschön an Oliver von „Papa wickelt“. Ich hab viel gelernt!

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Text teilt! Danke! <3

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3 Kommentare für “Plastikfrei für Anfänger wie mich – weil auch Kleinvieh in einer Familie Mist macht

  1. Auf Facebook gibt es eine wunderbare Gruppe (Menstrautionstassen – Beratungsgruppe) in der die Admins nach den persönlichen Angaben die passende Tasse empfehlen.
    Und von dem Mitgliedern bekommt man Tipps bei Schwierigkeiten.
    Ich bin vor kurzem umgestiegen und liebe meine Tasse 🙂

  2. Hallo, ich habe mal noch eine Anregung zum Thema Alternative zum Tampon, da ich diese seit dem Abstillen auch nicht mehr vetrage: Periodpants. Ich bin wirklich ganz begeistert davon und da man sie 2 Jahre auswaschen und nutzen kann, sind sie auch ne nachhaltige Altenrative. LG