Herzenswünsche
Neu Rabenmutter 2.0

Kinder-Herzenswünsche

Wie viele Herzenswünsche „darf“ man Kindern eigentlich erfüllen?

„Und was machst du, wenn sie sich nächste Woche keinen Hund mehr, sondern ein Pferd wünscht?“ oder „Findest du nicht, dass du deinen Kindern zu viele Wünsche erfüllst?“ oder „Müssen sie nicht auch lernen, zu verzichten?“ oder „Verdirbst du sie nicht, wenn du ihnen einfach ALLES gibst, was sie wollen?“ Wenn mir solche Fragen gestellt werden, die ja eigentlich gar keine Fragen sind, sondern eher Vorwürfe zu meinem offensichtlichen pädagogischen Fehlverhalten als Mutter, könnte ich sofort aus der Hose springen. Sie gehören für mich in dieselbe Kategorie wie jene, die mir früher vermitteln sollten, dass ich mein Baby ZUVIEL tragen, ZU LANGE stillen oder ZU SEHR lieben würde. All dieses vorgeworfene ZUVIEL, mit dem ich meine Kinder angeblich auf lange Sicht versaue, führt bei mir immer nur dazu, dass mein Puls auf 180 schießt und ich schwer an mich halten muss, um nicht unflätig zu reagieren. Ganz ehrlich: Da könnte ich ausflippen! Schon allein deshalb, weil mir mit solchen Kommentaren von zumeist so gut wie fremden Menschen das Know How abgesprochen wird, bei meinen eigenen Kindern unterscheiden zu können, wann es sich um „Launen“ oder Momentaufnahmen handelt und wann um Herzenswünsche oder tief verankertes Bedürfnisse.

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Ja, möglicherweise werde ich auch regelrecht getriggert von diesen Sätzen, weil ICH als Kind – trotz aller Bemühungen meiner Eltern – doch mehr verzichten musste als andere Kinder und MEINEN Kindern deshalb lieber etwas zu viel, als zu wenig gönne. In allen Bereichen. Allerdings bin ich mir dennoch die ganze Zeit darüber im Klaren, dass sie genauso lernen müssen, Grenzen zu akzeptieren, nicht ALLES haben zu können oder manchmal schlicht auf etwas warten zu müssen. Natürlich gehört all das für mich genauso zu meinem Erziehungsauftrag dazu, aber kategorisch ablehnen nur um des Ablehnens willen … mache ich nicht!

Herzenswünsche erkennen …

Ich kann (und will ;)) kein Pferd auf dem Balkon erlauben. Das ist klar. Und nein: Meine beiden bekommen nicht jedes Spielzeug, das sie sich gerade wünschen. Dass wäre mir zu teuer, zu doof und zu viel Kram in der Bude. ABER ich höre meinen Kindern sehr genau zu. Ich versuche immer zu bemerken, wenn etwas ihr Herz berührt, wenn ein Wunsch aus ihrem tiefsten Inneren kommt und sie lange Zeit begleitet. Und wenn dem so ist, wenn ein Wunsch bleibt, versuche ich ihn zu ermöglichen. Zumindest irgendwie, denn auch mir sind Grenzen gesetzt, schließlich bin ich nicht der Weihnachtsmann, ich bin auch nicht reich und meine Nerven sind oft etwas drüber. ;)

Zudem ist es mir wichtig, die Gesamtsituation im Blick zu behalten, denn wir leben ja hier nicht auf einer einsamen Insel, sondern zu viert in einer Großstadt-Wohnung.

Nehmen wir als Beispiel doch einmal den Herzenswunsch der Tochter, einen Hund zu haben. Grundsätzlich liebt sie einfach alle Tiere und ich glaube wirklich, dass sie ein Mensch ist, der Tiere im Leben braucht, um glücklich zu sein. Ein Jahr lang hatten wir gar kein eigenes Haustier und sie war in dieser Zeit unausgeglichener als sonst und hat wirklich ununterbrochen davon gesprochen, dass wir doch bitte wieder fellige Mitbewohner einziehen lassen sollten. Wenn wir Freunde mit Haustieren besucht haben, hat sie nur mit ihnen und kaum mit den Kindern gespielt. Sogar wildfremde Herrchen und Frauchen wurden auf der Straße angesprochen und bekniet, den Hund mal streicheln zu dürfen. Die Sehnsucht war groß … andere Herzenswünsche gab es nicht mehr. Allerdings wechselt ihr Wunsch von Hund zu Katze und wieder zurück. Da wir aber ja wie gesagt in der Innenstadt Kölns wohnen UND die Katze von Freunden Babys bekam, fiel die Wahl im Endeffekt und meiner Meinung nach zu Gunsten aller, auf zwei Katzen. In unserer Wohnung einen Hund zu halten, mit den beiden Kindern und zwei berufstätigen Eltern, den ständigen Spielplatzgängen und anderen regelmäßiger, eher Hunde-unfreundlichen Unternehmungen, wäre es dem Tier gegenüber nicht fair gewesen. Katzen hingegen passten und passen da deutlich besser in unser Leben. Und: Ich bin mit Katzen groß geworden, hatte immer welche und konnte daher sehr gut abschätzen, welche Verantwortung und welche Arbeit auf mich zukommt. Gleichzeitig wusste ich, dass die Mausemaus sehr davon profitieren würde. Der Krümel natürlich auch, aber seine Schwester eben noch ein bisschen mehr, denn ihre Seele braucht Tiere am meisten.

… und erfüllen, was geht.

Obwohl die Liebe zu unseren beiden Kätzchen Milli & Momo wirklich sehr groß ist, verging der Hundewunsch der Tochter nie ganz. Immer wieder ploppt er auf und sorgt für Tränen am Frühstückstisch oder unterwegs, wenn sie mal wieder ein Tier zum Streicheln gefunden hat. Ich kann es sehr gut verstehen. Auch ich könnte mir einen Hund an meiner Seite sehr gut vorstellen … aber eben nicht in unserer aktuellen Lebenssituation. Wie gesagt fände ich es auch dem Tier gegenüber nicht fair. Ich versuche immer, der Mausemaus zu erklären, warum wir keinen Hund anschaffen werden. Aber wie das so ist mit Herzenswünschen: Die Herzensstimme eines Kindes ist einfach viel lauter als die Stimme ihres Verstandes. So muss das auch sein, so ist das ganz normal. Dennoch bleibe ich dabei, DIESEN Wunsch nicht zu erfüllen. Ich versuche jedoch Kompromisslösungen zu finden.

Wir haben in unserer Wohn-Ecke Zettel aufgehängt, auf dem die Mausemaus anbietet, Gassi zu gehen. Auch habe ich eine entsprechende App heruntergeladen, in der man sich mit Hundebesitzern in der Nähe ein bisschen vernetzen kann. Und manchmal sprechen wir – bzw. die Mausemaus – auch einfach mal Leute an und fragen, ob eventuell eine kindliche Hundesitterin gewünscht ist. Wir werden schon jemanden finden, der sich freut, in der Mausemaus (und mir als Begleitung des Kindes) einen Hundefreund zu finden, der ab und an das Tier Gassi führt. Das Kind wird dabei lernen, dass ein Hund mehr Arbeit bedeutet als nur kuscheln, gleichzeitig werden wir mit etwas Glück einen Hundehalter etwas entlasten können und dem Hund einen neuen Freund schenken, nämlich meine Tochter. Es wäre eine WIN-WIN-Situation für alle Beteiligten. Ein gutes Ziel, wie ich finde.

Zuviel des Guten?

Wenn nun jemand kommt und meint, dass selbst eine solche Kompromisslösung ein ZU VIEL Entgegenkommen meinerseits in Richtung der Herzenswünsche der Mausmaus wäre, geht mir ziemlich sofort der Hut hoch. „Organisierst du ihr dann nächste Woche eine Patenschaft für ein Pferd?“ oder „Musst du ihr denn wirklich ALLES ermöglichen? Wie soll sie so lernen, dass man im Leben eben nicht alles bekommt?“ Nein! Einfach nein. Solche Kommentare brauch ich da echt nicht. Und auch Nein, WEIL ich sehr wohl unterscheiden kann, wann mein Kind einen Herzenswunsch kommuniziert und wann eine Laune. ICH kann das unterscheiden, denn ich bin die Mutter, ich kenne mein Kind und ich bin wirklich sehr darum bemüht, ihr von allem etwas beizubringen, damit sie als Erwachsene auch selbst feststellen kann, wann etwas wirklich wichtig für sie ist … und es sicher eher um eine Laune handelt.

Natürlich wäre es mir auch möglich, Herzenswünsche, die ich einfach nicht erfüllen will, weil sie mir nicht in den Kram passen, abzuschmettern und dafür das Totschlag-Argument „Man kann nicht alles haben; so ist nun mal das Leben!“ anzuführen. Aber ich persönlich nutze sowas einfach ungern. Nicht nur, weil es meiner Meinung nach eher in das pädagogische Repertoire meiner Großeltern gehört, sondern auch, weil ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie es sich anfühlt, wenn Herzenswünsche nicht ernst genommen werden. Deshalb versuche ich eben solche immer zu erfüllen oder ihnen zumindest im Ansatz gerecht zu werden.

Ja, manchmal ist es zu viel.

Vielleicht übertreibe ich es manchmal, vielleicht bekommt die Tochter zu viel, vielleicht bekommen beide zu viel von allem oder zumindest von irgendetwas. Vielleicht kompensiere ich manchmal Verzichtmomente aus meiner Kindheit mit einem zu viel in ihrer Kindheit. Aber ganz sicher bekommen sie mir von mir nicht ZU VIEL Liebe, nicht ZU VIEL Achtung für ihre Wünsche, nicht ZU VIEL Aufmerksamkeit, damit mir nicht entgehen kann, wann es dringend ist. Aber: Grenzen setze ich dennoch. Wertschätzung lernen sie dennoch. Teilen und abgeben lernen sie dennoch. Verzichten lernen sie dennoch. Ganz bestimmt werden sie ALL DAS von mir und dem Mann lernen. Aber eben auch, dass man Herzenswünsche erfüllen sollte, wenn es möglich ist und dass es tolle Kompromisse gibt, wenn ein Herzenswunsch einmal nicht zu 100 % erfüllt werden kann. Falls ich sie damit versaue … hab ich es gern gemacht! ;)

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr den Beitrag teilt. <3

 

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2 Kommentare für “Kinder-Herzenswünsche

  1. Huhu, super Artikel 😊
    Ich finde, Du machst das genau richtig.
    Die Zeiten haben sich einfach geändert und man muss nicht pauschal jeden Wunsch hinterfragen. So wie Du es aus Deiner Kindheit berichtest, kenne ich viele Erwachsene, die heute durch Konsum einen gefühlten Mangel aus ihrer Kindheit ausgleichen, auch wenn die Eltern betonen, sie hätten alles Wichtige gehabt…das liegt im Auge des Betrachters, v.a. wenn es nicht um Grundbedürfnisse geht 😋
    Wir gehen z.B.heute auch im Restaurant essen ab und an. Früher war 1 mal im Monat McDonalds ein Highlight als Kind 😊
    Ich finde wichtig, dass die Kinder den Standard von zuhause später mit einem eigenen Job auch verwirklichen können.
    Viele liebe Grüße Lotte🙋‍♀️🌈

  2. Hat deine Schwester nicht n Hund? Wie wärs wenn du dein Töchterchen mal n Wochenende zu deiner Schwester bringst und sie so mal sehen kann, wie viel Aufwand da hinter steckt? :)

    War die „Nein, es gibt keinen Hund“ Methode meiner Eltern, die hatten den Hund meines Onkels mal ne Woche aufgenommen, danach waren wir uns einig, es gibt ne Katze :)

    Das sich meine Mama n paar Jahre später verliebt und wir jetzt über 12 Jahre 2 Hunde (kleiner als deine Katzen) hatten, mittlerweile noch einen, hatte sie auch nie gedacht ;)