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Eltern-Interviews aus aller Welt: Saskia erzählt von ihrem Leben in Island

Ich glaube, den meisten geht es ähnlich wie mir: Wenn man an Island denkt, dann denkt man an die Nordlichter, die den Himmel magisch erscheinen lassen, an viel Schnee und an Weite. Darüber hinaus … weiß ich schon wieder nichts über dieses Land zu sagen. Glücklicherweise haben wir aber ja Saskia in der LÄCHELN UND WINKEN-Community und die kann eine ganze Menge über Island erzählen, denn sie lebt dort schon seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann Matti, ihrer 6-jährigen Tochter Freyja und den beiden Katzen Loki und Hel.

Und ich freue mich sehr, dass sie Bock hatte UND sich etwas Zeit nehmen konnte, um an der Reihe „Eltern-Interviews aus aller Welt“ teilzunehmen, OBWOHL sie eigentlich wahrscheinlich schon mächtig mit erneutem Nestbau beschäftigt ist, denn sie erwartet im September ihr zweites Kind. Mega, dass sie uns jetzt also ein bisschen mitnimmt in ihre Wahl-Heimat:

Saskia erzählt von ihrem Leben in Island

1. In welchem Land lebst du mit deiner Familie und seit wann?

Ich lebe seit Juni 2014 in Sauðárkrókur im Norden Islands. Mit meinem Mann bin ich seit 2016 zusammen, 2017 kam Freyja auf die Welt und 2021 kamen unsere Katzen Loki und Hel zur Familie.

2. Wie ist das mit der Kinderbetreuung bei euch? Gibt es ein ähnliches oder gar dasselbe Konzept wie hier?

In Island gehen die Kinder üblicherweise ab dem ersten Geburtstag in den Kindergarten oder zur Tagesmutter. Es kommt aber ganz auf den Ort bzw. die Gemeinde an wie die Eingewöhnungszeiten geregelt sind. Als Freyja 1 Jahr alt wurde, war es noch so, dass Kinder immer nur zum Schuljahresbeginn im August im Kindergarten aufgenommen wurden. Da Freyja im Januar geboren wurde, mussten wir somit 7 Monate überbrücken. Nun war der 2017 Jahrgang für unseren kleinen Ort recht geburtenstark und wir haben leider keinen Platz bei einer Tagesmutter gefunden. Überbrückt haben wir letztens Endes mit einem Au-pair, was sehr gut für uns funktioniert hat. Mittlerweile wurde der Kindergarten vergrößert und es können 3x im Jahr Kinder aufgenommen werden. Im Kindergarten gibt es Vollverpflegung, also Frühstück, Obstzeit, Mittagessen und Nachmittagssnack.

3. Wie alt sind die Kinder bei euch, wenn sie eingeschult werden und was ist an eurem Schulsystem vielleicht anders als an unserem in Deutschland?

Bei uns werden die Kinder nach Jahrgängen eingeschult, d.h. Freyja die 2017 geboren ist, kommt diesen August in die Schule und ist dann schon 6 Jahre alt. Alle Kinder die ab September 2017 geboren sind, kommen also mit 5 Jahren in die Schule.

Die Grundschule geht hier in Island von der 1. bis zur 10. Klasse. Danach ist die Schulpflicht vorbei und man kann entweder für 4 Jahre auf die weiterführende Schule gehen, um Abitur zu machen und anschließend an der Uni zu studieren oder eine Lehre machen. Leider ist alles, was nach der Grundschule kommt, kostenpflichtig, also sowohl Abitur, wie auch Berufsschule und Uni. Deswegen gehen auch viele nach der Grundschule erstmal arbeiten, um sich die weitere Ausbildung zu finanzieren.

Anders als in Deutschland ist auch, dass wir über das Schuljahr verteilt relativ wenige freie Tage haben, aber dafür 3 Monate Sommerferien. Diese werden ab einem gewissen Alter auch zum Arbeiten genutzt. Insgesamt sind die Isländer – was ihr Schulsystem und das Lernen an sich angeht – sehr viel flexibler als die Deutschen. So gehen nicht selten auch Erwachsene nochmal in die Schule oder auf die Uni, weil sie etwas neues/anderes lernen möchten.

4. Fühlt ihr euch in Sachen medizinische Betreuung mit eurem Nachwuchs gut, schlechter oder vielleicht sogar besser als bei uns aufgehoben?

Auch hier gibt es eine gesetzliche Krankenversicherung, die gewisse Sachen übernimmt. Grundsätzlich würde ich also sagen ähnlich. Vor allem wenn man hört, was in Deutschland alles gekürzt wird. Aber auch da kommt es wahrscheinlich auf den Ort an. Bei mir im Ort fühle ich mich mit meinen Sorgen und Problemen rund um Freyjas Gesundheit ernstgenommen und gut aufgehoben. Habe aber von anderen Orten bzw. Ärzten auch schon schlechteres gehört. Es gibt hier bei uns im Ort eine heilsugæsla, was man wohl am ehesten als Ärztehaus beschreiben kann. Dort gibt es Ärzte und Krankenkassen und alles was so zur Grundversorgung nötig ist, wie Röntgen oder Ultraschall. Normalerweise bekommt man für die Kids relativ einfach Termine, für mich selbst wird es da schon komplizierter.
Ab Schwangerschaft ist alle ärztliche Grundbetreuung bei uns kostenlos. D.h. wenn ich mit Freyja zum Arzt muss, zahle ich effektiv nur die Medikamente, die wir benötigen sollten. Zahnarzt-Vorsorge ist für Kinder kostenlos und auch meine Schwangerschaftsvorsorge, außer ich möchte etwas bestimmtes, wie 3D Ultraschall. Ich fühle mich als Schwangere auch sehr gut versorgt. Nun war ich in Deutschland nie schwanger, aber habe mich mit meiner Freundin viel ausgetauscht. Grundsätzlich finde ich es sehr angenehm, dass hier nicht so viele (in meinen Augen unnötige) Untersuchungen gemacht werden und zum anderen ist es schön, dass hier alle Vorsorge von einer Hebamme übernommen wird und nicht vom Frauenarzt. Wir hatten bisher das Glück, dass Freyja nie schlimmer krank oder verletzt war, deswegen kann ich zu Krankenhausaufenthalten oder Operationen bei Kindern nichts aus eigener Erfahrung sagen und weiß nicht, ob, was und wieviel da gezahlt werden müsste.

5. Vermisst du etwas, das es in Deutschland gibt, aber bei euch zuhause nicht?

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Nein, wenn es um materielle Sachen geht. Das ein oder andere Essen vielleicht, aber das kann man sich entweder schicken lassen oder versuchen von scratch selbst zu machen oder man wartet halt, bis man mal wieder zu Besuch ist. Aber die Wärme im Sommer vermisse ich, denn hier wird es normalerweise nicht wärmer als 15 Grad, an guten Tagen. Dafür wird man mit anderen Sachen entschädigt, wie zb. Nordlichter im Winter.

6. Was ist bei euch – deiner Meinung nach – viel besser als bei uns in „Good old Germany“? ;)

Die Gelassenheit. Die Isländer leben nach dem Motto „þetta reddast“, was soviel heißt wie „das wird schon“ und ich liebe es. Deutschland ist eine Mecker-Gesellschaft und die Deutschen sind immer so gestresst und das vermisse ich gar nicht. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich aus dem ehemaligen Ostdeutschland komme und es wahrscheinlich in anderen Teilen Deutschlands auch nicht so „schlimm” ist, wie dort wo ich herkommen. Außerdem liebe ich, wie kinderfreundlich und flexibel Island im Gegensatz zu Deutschland ist.

7. Möchtest du gerne noch etwas anderes erzählen??? Dann ist dafür hier natürlich auch noch Platz! <3

Ich liebe Island mit all seinen Vor- und Nachteilen und ich könnte es mir im Leben nicht vorstellen, wieder nach Deutschland zurückzukommen. Ich fühle mich hier so angekommen und viel mehr ich selbst, als ich es in Deutschland jemals sein konnte. Man wird hier akzeptiert, wie man ist und das ist so toll und befreiend. Wir haben einen super Freundeskreis, in dem man sich gegenseitig hilft.

Insgesamt bin ich heute super glücklich, dass ich den Mut hatte, diesen Schritt zu gehen, denn man wird um so viele Erfahrungen reicher und man lernt über den Tellerrand zu schauen.

Liebe Saskia, vielen Dank für die tollen Einblicke in deine Wahl-Heimat! Und von Herzen alles Gute für das nächste Abenteuer, das an eure Tür klopft … die Geburt eures zweiten Kindes! Wir lesen uns bestimmt wieder! <3

Foto-Credit: Saskia privat

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