Alltags-Rassismus
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Alltags-Rassismus: 11 Fragen und Antworten – gefragt und beantwortet von Eltern

Das Thema Rassismus bzw. Alltags-Rassismus ist gerade in aller Munde – und da gehört es auch hin. Allerdings wird es sicher schon bald wieder für die meisten von der Bildfläche verschwinden, nämlich dann, wenn die Medien aufhören darüber zu berichten, George Floyd langsam vergessen wird und sich alle, die (gefühlt) nicht persönlich betroffen sind, wieder anderen Dingen zuwenden. Es fängt gerade jetzt schon an! So ist es ja leider immer mit Themen, die wehtun. Und Rassismus tut weh. Sehr sogar. Eigentlich sogar nicht nur den Betroffenen, die jeden Tag damit konfrontiert sind. Sondern auch jenen, die die Wahl haben, die Rassismus nicht am eigenen Leib spüren müssen, sich abwenden und es ignorieren können. Auch ihnen tut Rassismus weh, wenn sie sich – wie jetzt – darauf einlassen, hinsehen, hinhören und … das ist das Schwierigste … sich eingestehen, dass auch sie sich nicht davon freimachen können, involviert zu sein. Leider sogar auf der Seite derer, die Schmerz zufügen. Selbst wenn sie es nicht wollen, gar nicht böse meinen, eben nur ihrer Sozialisation folgen, aber nicht alles, was sie sagen, hinterfragen. Sich einzugestehen, dass man im Alltag rassistische Sachen denkt oder sogar laut ausspricht, tut weh. Diese Selbsterkenntnis, dass wir „Privilegierten*“ den Alltags-Rassismus am Leben erhalten, weil wir zu unbedacht sind … DAS tut weh und beschämt. Ein wirklich beschissenes Gefühl, wenn man doch eigentlich ein ganz anderes Bild von sich hat. Aber das ist ok. Denn dieses Gefühl von Scham ist ein prima Anfang, etwas zu ändern.

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Alltags-Rassismus versteckt sich in jedem.

Zu genau dieser Gruppe Menschen gehöre ich. Schon immer war mein Freundeskreis total Multikulti, ich habe mich bereits als Jugendliche in Flüchtlings-Initiativen engagiert, stehe auf und gehe, wenn mir unbelehrbare Rassisten im Freundes- und Bekanntenkreis begegnen und scheue mich nicht, mich einzumischen, wenn jemandem Unrecht getan wird. Ich bin dankbar dafür, meine Kinder in einem aus jeder Perspektive betrachtet bunten Umfeld großziehen zu dürfen. Und ich freue mich darüber, dass die beiden ihre Freunde ausschließlich nach Charakterzügen auswählen – oder nach Snackbox-Inhalt, so ehrlich muss man halt sein. ;) Definitiv würde ich sagen, dass ich absolut ANTI-rassistisch eingestellt bin und doch versteckt sich Alltags-Rassismus auch in mir und erwischt mich manchmal mit einem sehr kalten, unangenehmen Schlag in den Nacken. Natürlich weiß ich, dass man zu einem Schokokuss eben Schokokuss sagt und das in der Kindheit gelernte Wort aus dem Hirn verbannt. Aber da gibt es so vieles mehr, was einem zum Teil nur Sekundenbruchteile durch die Gedanken geistert, wenn man ein Gegenüber aufgrund seines Äußeren beurteilt oder eine Situation bewertet, „instinktiv“ die Straßenseite wechselt oder sich kurz wundert, dass jemand besser deutsch spricht als „erwartet“. Ein bisschen beruhigend finde ich es dann, wenn ich von Freunden höre, dass Alltags-Rassismus sogar in ihnen, in „People of Color“ (PoC) wohnt. Aber nur kurz, denn es zeigt eben noch einmal mehr, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, das schlichtweg uns alle angeht. Wirklich alle. Und das wir dringend gemeinsam etwas tun müssen, um diesen Zustand zu ändern. Um das HIER und JETZT zu verbessern, aber vor allem die ZUKUNFT. Eine große Aufgabe, die gerade uns Eltern sehr am Herzen liegen muss, denn unsere Kinder SIND diese Zukunft. <3

Was können wir tun?

Beim Kampf gegen den Rassismus handelt es sich – so ätzend es ist – nicht um einen Sprint, sondern um einen Marathon. Es wird Zeit beanspruchen, etwas zu verändern, auch wenn das frustrierend ist. Beschleunigen können wir den Abbau dessen, das Umdenken nur, wenn so viele von uns wie nur irgendwie möglich DAUERHAFT hinsehen und an sich selbst arbeiten, nicht nur dann, wenn es gerade überall Thema ist. Und wir DAUERHAFT miteinander darüber sprechen. Sogar, wenn es uns Angst macht, weil wir verunsichert sind. Wie ich bei diesem Artikel …

Ich habe gefühlt 1.000 Mal hin und her überlegt, ob ich wirklich was zum Thema Rassismus bzw. Anti-Rassismus schreiben möchte. Und sollte. Eigentlich sagten mein Herz und mein Verstand immer ja. Allerdings eiere ich schon seit zwei Jahren um diesen Artikel herum, weil ich es zwar sehr wichtig finde, dem Thema Raum auf meinem FamilienBlog zu geben, eben WEIL wir Eltern gerade jetzt die Zukunft in Form der nächsten Generation erziehen und das enorme Verantwortung, nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen beinhaltet! ABER … im Grunde habe ich doch gar keine oder zumindest zu wenig Ahnung von Rassismus! Schließlich gehöre ich zu den Privilegierten*, bin nicht persönlich betroffen UND bin definitiv kein Vorzeige-Anti-Rassist, falls das überhaupt jemand von sich behaupten kann. Ich wäre es gern und arbeite daran; trotzdem bin ich aktuell weit weg von perfekt und nur „stets bemüht“, was schnell dazu führt, dass ich Angst habe, etwas falsch zu machen oder mich grässlich dumm auszudrücken. Und dann womöglich eins „aufs Maul“ zu bekommen. Nicht von Nazis oder grotten-dummen Menschen (damit rechne und lebe ich gut), sondern von jenen, NEBEN denen ich in diesem Kampf stehen möchte. Oder jenen, die schon weiter sind als ich; die perfekter in Sachen ANTI-Alltags-Rassismus und keinen Bock mehr darauf haben, zu warten, bis alle anderen endlich aufrücken. Ich habe so viele Warnungen bekommen, doch besser die Finger von diesem Thema zu lassen, wo ich doch so gut wie keine Chance habe, es „richtig“ zu machen. Und gleichzeitig habe ich so viel Druck gespürt, immer mehr und noch mehr und noch mehr dazu zu machen, dass ich mehrfach abends im Bett lag und dachte, dass es wohl echt besser wäre, es NICHT zu tun. Weil ich hierbei nur versagen kann.

Raus aus der Komfortzone!

Doch … was ist die Alternative zu dem Risiko, hier und jetzt bei dem Versuch, Rassismus bzw. Anti-Rassismus auf dem Blog anzusprechen, Position zu beziehen, meine Stimme zu nutzen, völlig zu verkacken, weil ich zu wenig weiß, WEIL ich privilegiert* bin? Genau. Es gibt keine. Ich muss und will es versuchen, obwohl ich manchmal nicht mal in einem persönlichen Gespräch genau weiß, was ich eigentlich sagen kann, wenn ich es gut und richtig meine, damit es dann auch gut und richtig IST! Aber dieses Problem haben halt viele! Und deshalb bleiben sie leise. Dabei ist es doch so wichtig, endlich laut zu sein in Sachen Anti-Rassismus. Sogar dann, wenn man (noch) nicht perfekt ist, weil man noch lernt! Hauptsache ist doch, dass man lernen, sich an die eigene Nase packen und etwas verändern will.

„Frag bitte, wenn du etwas nicht verstehst oder etwas wissen möchtest. Nur so kannst du dich weiterentwickeln!“ sagen wir unseren Kindern. Und das stimmt! Fragen hilft. Im besten Fall, nachdem man sich – wir sind ja schon groß und können das ;) – selbstständig etwas informiert hat. Zum Beispiel über die Geschichte des Rassismus und den aktuellen Stand der Dinge. Dann aber ist Fragen stellen eine gute Idee. Allerdings muss man bereit sein, die Antwort zu hören. Und zwar nicht nur die Worte, sondern auch die damit verbundenen Emotionen. Schnell flutscht einem der Satz heraus: „Kannst du mir das mal in Ruhe erklären, ICH habe dir ja nichts getan!“ Dass nennt man dann „Tone Policing“ – man erwartet vom emotional aufgewühlten Gegenüber, die Emotionen doch bitte außen vor zu lassen, weil das angenehmer für einen selbst wäre. Zurecht fällt es vom Rassismus betroffenen Menschen jedoch schwer, nüchtern und objektiv über Erfahrungen oder auch harte Fakten zu sprechen. Gleichzeitig kennt es aber auch jeder von sich, dass man eingeschnappt oder abweisend reagiert, wenn man Wut abbekommt, die man doch gar nicht verursacht oder verdient hat. Definitiv eine Hürde, aber kein unlösbares Problem. Denn natürlich kann man auch DARÜBER sprechen. UND man kann vorab höflich fragen, ob ein Gespräch über Rassismus, die Auswirkungen oder persönlichen Erfahrungen überhaupt gewünscht ist bzw. gerade in dem Moment passt. Zusätzlich gibt es Fachleute, die man anschreiben oder -sprechen kann. Und solche, die auf Social Media Kanälen unheimlich gerne gefühlt rund um die Uhr Ansprechpartner sind.

Um einen Anfang zu machen, habe ich via Facebook- und Instagram-Post gefragt. Ich habe nach Lesern gesucht, die FRAGEN STELLEN und genauso nach Lesern, die ANTWORTEN GEBEN möchten. Und ich wurde fündig, habe elf Fragen für euch ausformuliert und von vier Frauen beantworten lassen, die ich alle über LÄCHELN UND WINKEN kenne: Vanessa, Jennifer, Samaya und Daya (von @muttimachmal auf Instagram).

Die Fragen habe ich unter ihnen aufgeteilt. Nur die erste haben sie alle beantwortet, damit auch für jene, die glauben, nein, HOFFEN, dass wir als Gesellschaft schon weiter sind, verstehen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

*Privilegiert bezieht sich in diesem Zusammenhang übrigens immer nur auf die mit Rassismus verbunden Privilegien, nicht auf den sozialen Status einzelner oder individueller Lebens- und Leidensgeschichten. Man muss da also nicht in eine Verteidigungsposition ausweichen und kontern, dass man es selbst aber doch auch schwer hat oder hatte. Ich betone das durchaus auch für mich, denn auch mein Instinkt löst diesen Impuls des Leid-Vergleichens aus, sobald ich das höre. Ist an dieser Stelle aber halt echt unangebracht. 😘

11 Fragen und Antworten zum Thema Alltags-Rassismus – gefragt und beantwortet von Eltern

1. Alltags-Rassismus ist allgegenwärtig, auch wenn das viele nicht glauben wollen, weil sie es vielleicht nicht am eigenen Leib erleben oder es ihnen auch nicht auffällt – selbst wenn es vor ihrer Nase passiert. Magst du daher vielleicht mal eines deiner persönlichen Erlebnisse erzählen … was dir so in deinem ganz „normalen“ Alltag passiert?

Samaya
Samaya

Samaya: Da gibt es so einiges, was passiert ist und auch immer wieder vorkommt. Es fängt an mit der Standardfrage: «Woher kommst du?» Wenn ich antworte: «Aus der Schweiz», gibt sich damit so gut wie keiner zufrieden. Folgt dann meine Antwort: «Ich habe noch (afro)brasilianische Wurzeln», kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Ah, Mutter aus Brasilien, Vater aus der Schweiz.» Dies ist eine meiner absolut verhassten Rückmeldungen. Denn ich weiss, dass die Meisten dann an das negativ behaftete Klischee denken … wieder so ein weisser Mann, der sich eine Schwarze geholt hat. Einerseits ist dies aus meiner Sicht sehr, sehr verletzend, anderseits stimmt diese These bei mir nicht und selbst wenn?! Die Geschichte meiner Eltern und Grosseltern will ich bestimmt nicht allen erzählen.

Weiter geht es mit dem ins Haare fassen – egal, ob gefragt oder ungefragt. Mit zunehmendem Alter nahm dies zum Glück ab. Jedoch kämpfe ich nun damit, dass der fremde Opa aus dem Supermarkt nicht einfach meinen Kindern über den Kopf tätschelt.

Ich könnte noch etliche weitere Beispiele aufzählen…

Vanessa: Ich weiß auf Anhieb gar nicht so genau, wo man da anfangen soll, da es tatsächlich so häufig passiert. Ich bin mit einem Kameruner verheiratet, welcher sehr gutes Deutsch spricht, doch das scheinen viele nicht zu glauben. Wenn wir essen gehen, dann werde grundsätzlich ich angesprochen für die Bestellung. Auch bei Terminen, die um seine Personen gehen – wie beim Brillen einkaufen – wird mit mir kommuniziert und kaum mit ihm. Besonders hart war die Jobsuche. In einem Geschäft hang ein Such-Schild aus und er ging rein, um bezüglich der Qualifikation nachzufragen. Ich konnte das Gespräch mithören; man sagte ihm, man würde keine Dunkelhäutigen einstellen. Mir sind bald die Pulsadern geplatzt, so wütend war ich, aber er meinte nur: „Ach, Vanessa, dass passiert sooo häufig … aufregen lohnt da nicht.“
Im Bezug auf meine Tochter passiert es häufiger, dass man ihr einfach durch die Haare geht. Sie hat einen Afro und hat als Kind scheinbar nicht das Recht, gefragt zu werden. Außerdem darf ich als Frau eines Kameruners bei fast jeder neuen Bekanntschaft erklären, dass wir nicht nur verheiratet sind, damit er hier in Deutschland leben kann und dass er nicht auf Staatskosten lebt. Auch bei Telefonaten mit unbekannten Personen wird nach Nennung meines Namens einfach ins Englische gewechselt, ohne zu fragen. Ich weiß, dass sich viel Menschen mit Migration bemühen, die Sprache zu lernen, aber wie, wenn man ihnen keine Chance gibt.
Ich könnte noch viel mehr erzählen, aber das sind Tatsachen, die mindestens 1 Mal die Woche passieren.

Jennifer
Jennifer

Jennifer: Ich habe zum Beispiel mal der Familie meines Freundes von einem Bewerbungsgespräch berichtet. Ich habe die Stelle zugesagt bekommen und meine Schwiegermutter meinte dann in die Runde, dass wäre ja klar gewesen, dass die mich nehmen mussten, da ich ja so aussehe, wie ich aussehe. Auf Nachfrage sagte sie: „Du stehst mit deinem Aussehen für Multikulturalität (ich bin halb Afro-Amerikanerin). In dem Moment hab ich mich richtig schlecht gefühlt, da sie meinen Wert für den Arbeitgeber nur in meinem Aussehen und nicht in meinen Fähigkeiten gesehen hat.

Dann gab es eine Situation, in der ich auf einem Geburtstag war und mich eine mir noch unbekannte Person ansprach. Da es so laut war, verstand ich nicht sofort, was die Person sagte. Sie wiederholte es dann so langsam und deutlich, dass ich mich richtig schlecht gefühlt habe. Er sagte, er wüsste ja nicht, ob ich überhaupt Deutsch könne.

Ich habe mal in einem Supermarkt gearbeitet und habe dort Brot verkauft. Eine Kundin sprach mich an und fragte, wann ich denn das letzte Mal in Afrika gewesen wäre. Ich fragte sie ganz verdutzt, wie sie denn auf die Idee käme, dass ich aus Afrika kommen würde. Sie sagte, dass wäre bei meinem Aussehen doch klar und sie hätte Angst vor Krankheiten, die ich aus Afrika mitgebracht haben könnte. (Ich weiß nicht, ob das noch als Alltagsrassismus gilt oder diesen schon übersteigt. Sie war sich jedenfalls nicht bewusst, dass sie mich irgendwie angegriffen haben könnte).

Daya
Daya

Daya: Am bezeichnendsten ist wohl, dass ich vor ein paar Wochen für einen Instagram-Post mehrere women of color die gleiche Frage gestellt habe. Jede antwortete mit: “Puh, da gibt es so viele. Ich weiss gar nicht, welche ich nehmen soll!”
Und so ist es auch. Alltagsrassismus heißt eben so, weil er alltäglich ist und Teil unseres Lebens, unserer Normalität.
Und welche Situation nehme ich jetzt? Vielleicht das: “Für mich sehen die alle gleich aus!” oder das: “Nein, ich meine wo kommst du WIRKLICH her?” oder doch: “So lustig, wenn du Dialekt sprichst!” oder: “Du hast sicher Feuer im Blut!” oder vielleicht etwa: “Du bist so exotisch!” oder lieber: “Du klingst überhaupt nicht schwarz!” oder eher: “Ich hab mich schon immer gefragt, wie sich schwarze Haut anfühlt!” oder vielleicht: “Du bist wirklich hübsch für eine Schwarze!” oder: “Aber richtig schwarz bist du auch nicht!”
Ich könnte dir auch über das Dilemma berichten, dass Hautfarbe immer ein heller Ton ist und ich mich in der Schulzeit niemals ordentlich selbst portraitieren konnte, was einen als Kind sehr belastet. Schliesslich sieht beige mit braun und schwarz gemischt einfach aus wie Matsch – und ich sehe nicht aus wie Matsch.
Auch kriege ich in den Drogeriemärkten so gut wie nie Pflegeprodukte oder Make-Up, die auf die Bedürfnisse meiner Haut und meines Haars ausgelegt sind. Wie du siehst: Die Liste ist endlos.

2. Die Frage, die mir wohl am häufigsten geschickt wurde, ist jene: Wie darf man die Hautfarbe thematisieren, um sie nicht zu ignorieren. „People of color“? Gibt es vielleicht auch ein deutsches Äquivalent?

Jennifer: Also in meinem Fall – so ganz subjektiv gesprochen – finde ich „Afroamerikanerin“ oder „braun“ als Eigenschaft gut. „Farbig“ ist auch ok. „Schwarz“ finde ich persönlich grenzwertig. Ich denke, dass ist auch immer eine Sache der Wahrnehmung. Am besten fragt man sein Gegenüber einfach :)

3. Reicht es, Kinder einfach in einem multikulturellen Umfeld aufwachsen zu lassen oder sollte Rassismus immer bewusst von den Eltern angesprochen werden?

Vanessa: Meine Tochter wächst multikulturell auf und lernt dadurch schon sehr viel, aber ja, man sollte es thematisieren. Vielleicht nicht unter dem Wort Rassismus, sondern unter Kulturen/ Kinder/ Menschenrechte. Sie ist noch keine zwei Jahre alt, daher bearbeite ich es noch nicht sehr intensiv, sondern gestalte unser Leben danach. Es heißt für mich auch, dass ich ihr erkläre und zeige, dass sie andere Haare hat, aber deshalb nicht akzeptieren muss, dass fremde Personen diese anfassen. Sie erlebt schon viele verschiedene Kulturen, auch durch unsere Nachbarschaft. Daher erkläre ich tatsächlich auch viel im Alltag, angefangen von den Haaren, über Kopftuch, weiter über andere Familienmodelle (ihr Opa hat z.B. zwei Frauen, also hat sie drei Oma‘s), zu anderem Essen oder Festen. Ich persönlich denke, dass man sich über andere Kulturen nie genug informieren kann und lebe dies im Austausch mit Freunden und mit meiner Tochter. Man darf in Gesprächen auch (fast) jede Frage stellen; echtes Interesse wird „immer“ mit Freude beantwortet!

Lese-Tipp: Artikel: Kinder über Rassismus aufklären – Warum Eltern nicht „Alle Menschen sind gleich“ sagen sollten

4. Wie fragt man RICHTIG nach der Herkunft, wenn man zum Beispiel an einem Akzent merkt, dass das Gegenüber vielleicht kein Muttersprachler ist? Ist das überhaupt möglich, ohne zu verletzten?

Samaya: Aus meiner Sicht kommt es total auf den Kontext an. Kennt man das Gegenüber schon etwas länger, und man kommt im Gespräch allgemein auf die Herkunft und/oder die Familiengeschichte, kann diese Frage ohne weiteres gestellt werden. Steht jemand z. B. in einem Supermarkt an der Kasse und fragt aus reiner Neugierde, finde ich das absolut nicht ok. Diese Frage ist sehr intim, da sie meistens mit der Herkunftsgeschichte eines Menschen zu tun hat. Nicht alle haben Lust, deren Historie jeder/jedem zu erzählen.

5. Eine Mama fragte mich, ob sie dem Wunsch ihrer kleinen Tochter nach einer Puppe mit dunkleren Hautfarbe als der eigenen entsprechen dürfe oder ob das in irgendeiner Form rassistisch gedeutet werden könne, weil ihr Kind doch weiß wäre.

Vanessa: Wenn ich das jetzt richtig verstehe, geht es darum, dass sich ein „weißes“ Mädchen eine dunkelhäutige Puppe wünscht. Ich persönlich sehe da überhaupt kein Rassismus! Es scheint eine Identifizierung zu geben und warum dies dann nicht zulassen. Rassistisch wäre zu sagen: „Nein, diese bekommst du nicht, weil du bist nicht so dunkel und bist ein weißes Kind“. Viele dunkelhäutige Menschen sind grade in Bezug auf Kinder sehr tiefen entspannt und fragen genauer nach, bevor sie urteilen. So erlebe ich es zumindest.
Ich bin tatsächlich auch kein Fan, zu sagen, es gibt den Stift und der heißt Hautfarbe. Es gibt Menschen, die sind gebräunt, es gibt ganz helle, es gibt eher rötliche und manche sind eher rosa.

6. Wie reagiert man am besten, wenn man rassistischen Menschen begegnet, die vielleicht mit dem sehr häufig genutzten Satz: „Also, ich bin ja kein Rassist und die Hautfarbe ist mir total egal…“ beginnen, aber dann mit (und ich traue mich kaum, es zu schreiben, aber es kommt leider immer noch so schrecklich oft vor und lässt viele absolut ratlos dastehen) Rassenlehre oder etwas ähnlichem argumentieren?

Daya: Uaaaaaah, das Wort löst nicht nur bei dir zu Recht große Bauchschmerzen aus, weil er im Laufe der Vergangenheit nicht mehr nur dafür genutzt wurde, verschiedene Menschengruppen zu gruppieren, sondern vor allem, um sie zu bewerten und somit Grundpfeiler für Rassismus, Nationalismus und die bekannten Genozide in der Vergangenheit waren. Und ja, ich kenne es, dass man verschiedenen Menschen nur aufgrund ihres Äußeren bestimmte Eigenschaften zuschreibt. Gott sei Dank weiß nun aber auch die Wissenschaft, dass es absoluter Stumpfsinn ist, auf Grundlage meiner Nasenbreite, Schlüsse auf meine Persönlichkeit zu ziehen. Das, was mich ausmacht, ist meine Sozialisierung und viele andere klitzekleiner, individueller Faktoren in meiner Umwelt und meinem Selbst. So individuell, dass ich mich sogar von meinem eigenen Bruder unterscheide! Da liegt es nahe, anzunehmen, dass ich vermutlich mit der Frau, mit der ebenfalls olive-braunen Haut von neben an, noch weniger gemein habe. Auch hier ist es die Sozialisierung, durch bestimmte stereotype Bilder, die dafür sorgen, dass wir bestimmte Vorstellungen von Menschen haben. Den Bildungs- und Berufsstand, die Neigung zur Gewalttätigkeit, Straffälligkeit, Impulsivität oder Sexualität oder, oder, oder. Wenn man von klein auf mit diesen Bildern konfrontiert wird, wird das zum eigenen “normal” und zum eigenen “alle”. Es ist unsere Aufgabe, im Erwachsenenalter dem nachzuspüren und zu erkennen, dass das Einzige, dass wir tatsächlich alle gemein haben ist, dass wir atmen und bluten. Und genauso begegne ich diesen Menschen. Wer die Pistole auf die Brust oder die Nazikeule auf den Kopf geschlagen bekommt, wird meinen Worten nicht mit offenen Armen begegnen, sondern sich schützen wollen. Wer dicht macht, ist zum Austausch nicht mehr bereit oder gar fähig. Aber genau den brauchen wir! Ich habe Verständnis, für das, was Prägung in uns, aber nicht AUS UNS macht. Sie ist ein blinder Fleck und entzieht sich uns immer wieder. Die allerwenigsten Leute versperren sich einem Austausch, wenn ihnen positiv begegnet wird und man ihnen aufzeigt, dass Verallgemeinerungen niemals – und schon gar nicht bei Menschen – sinnvoll sind

7. Gibt es eine Lösung für Situationen wie solche, in denen das Wort „Unterschiede“ fällt? Also: Sage ich, ich sehe, deine Haut ist anders als meine, ich sehe einen Unterschied zwischen uns beiden, ist es rassistisch. Sage ich, für mich macht die Hautfarbe keinen Unterschied, nehme ich (wurde mir erklärt) meinem Gegenüber sozusagen das Recht auf seine Realität, seinen Leidensdruck, und ignoriere, dass nicht-weiß-sein Ungerechtigkeiten und Schmerz am laufenden Band bedeuten.

Daya: Das kann sich am Anfang ganz schön verwirrend anfühlen. Vor allem, wenn man alles richtig machen will, weil es einem ein ehrliches Anliegen ist, niemanden zu verletzen und sich selbst weiterzuentwickeln. Da kann man schnell denken: WTF? Was denn jetzt?
Aber das eine schließt das Andere nicht aus. Meine Hautfarbe kann dir vielleicht schnuppe sein, dennoch ist es wichtig anzuerkennen, dass ich durch sie viele Probleme habe, die du niemals erleben wirst, aber an denen das System, in dem auch du dich befindest, schuld ist. Und für mich kann ich sagen: Nein, wir sind nicht alle gleich. Gott sei Dank! Wir sehen auch nicht alle gleich aus. Das sehen wir. Schließlich haben wir Augen. Die Wertung, die aufgrund der Beobachtung oftmals automatisch und innerhalb von Sekunden entsteht, ist das Problem … nicht das Betrachten der äußerlichen Unterschiede. Wer sich in dieser Debatte als “farbenblind” bezeichnet, bemüht sich, seine Wertungen auszuradieren. Das ehrt einen, ist aber schlichtweg unmöglich und sorgt meiner Meinung nach auch dafür, dass man seine Augen vor dem eigentlichen Problem verschließt, es verharmlost und auch den eigenen Anteil relativiert. Der Mensch sortiert und ordnet ein. Gleicht neue Erfahrungen mit alten ab. Innerhalb von Sekunden. Das bietet Sicherheit und ist eigentlich auch ein wertvoller Mechanismus. Wir müssen unsere Schubladen, die noch älter sind als wir selbst, aber immer und immer und immer wieder betrachten und überdenken. Also ja: Du siehst einen Unterschied, weil er da ist und etwas bedeutet. Vielleicht nicht so viel für dich, was wunderbar ist … aber leider eine ganze Menge für mich. Nur wenn du es siehst, kannst du es würdigen und unterstützen, es für mich zu verändern.

8. Wenn Bekannte oder sogar Freunde unbelehrbare Rassisten sind, steht man am besten auf und geht. Aber was ist, wenn es sich um Familienangehörige handelt? Wenn zum Beispiel bei den Großeltern altes, rassistisches Gedankengut so tief sitzt, dass es nicht mehr korrigiert werden kann, egal wie viel man redet und erklärt und versucht? Sie sollen natürlich die nächste Generation, die Enkelkinder, nicht beeinflussen, aber sich komplett von Oma und Opa trennen ist auch oft nicht möglich. Wie geht man damit bloß um?

Samaya: Als ich alt genug war, um bewusst mitzubekommen, was mein Grossvater und dessen Frau zu meiner Herkunft für eine Meinung hatten, habe ich mich ganz klar distanziert. Trotz Intervention anderer Familienangehöriger, war für mich klar, dass dieses Paar mein Kind nicht ohne Einsicht und «Entschuldigung» kennenlernen dürfte. In der Zwischenzeit sind die beiden verstorben. Ich bereue meine Entscheidung keinen Tag. Sogar ohne Groll oder Aggressionen ihnen gegenüber, was jedoch ein sehr langer Prozess war. Was noch da ist, sind der Schmerz und die Enttäuschung, dass der Rassismus auch aus meiner eigenen Familie kam.

Ich kann jedoch durchaus verstehen, dass es schwierig ist, sich ganz von der Familie abzuwenden. Aus meiner Sicht gibt es zwei «Kompromiss-Lösungen». Obwohl es zu genanntem Thema nie einen Kompromiss geben sollte. Entweder bittet man diese Personen, rassistische Äusserungen für sich zu behalten, wenn z. B. Enkel anwesend sind. Und/oder man klärt die Kinder nach den Gesprächen auf und erläutert ihnen, weshalb die gefallenen Worte nicht OK und sehr verletzend sind. Für die eigenen Kinder ist man, aus meiner Sicht, selbst immer das beste Vorbild.

9. Wann sollte man laut werden, wann sollte man sich einmischen und wie? Persönlich Position beziehen oder macht sofort die Polizei rufen vielleicht mehr Sinn? Was würdest du dir von „Beobachtern rassistischer Situationen“ wünschen?

Jennifer: Ich würde mir wünschen, dass sie mich ansprechen und mich fragen, ob ich Hilfe möchte. Ich hatte eine konkrete rassistische Situation bei meinem letzten Arbeitgeber (Bäcker). Dort kamen zwei Kunden herein und sagten direkt zueinander: „Ach, hier spricht ja wieder keiner Deutsch“. Ich stand mit meinem italienischen Kollegen hinter dem Verkaufstresen. Wir wunderten uns und sprachen den Kunden direkt darauf an, wie er auf die Idee kommen würde. Er argumentierte mit unserem Aussehen. Ich versuchte zu argumentieren, dass ich in Deutschland geboren wurde, hier lebe, es meine Muttersprache ist und ich genauso deutsch bin, wie jeder andere auch. Er sagte, demnächst würde es noch soweit kommen, dass man auf Türkisch angesprochen werden würde und ich ihm viel erzählen könne. Dann mischte sich ein Kunde ein und sagte dem Herrn die Meinung, was ich sehr gut fand. Ich zog mich zurück und teilte ihm aber noch mit, dass ich nicht bereit wäre, ihn zu bedienen. Ich meldete es meinem Vorgesetzen, der den rassistischen Kunden direkt aus dem Laden verwies und ihm Hausverbot erteilte. Ich fand diese Situation sehr verstörend und die Reaktion meines Chefs sehr gut. Ich war auch überrascht, dass sich der außenstehende Kunde auf unsere Seite schlug und uns verteidigte. Polizei hätte ich in diesem Moment überzogen gefunden. Wäre jedoch noch eine Beleidigung oder eine körperliche Komponente dazu gekommen, hätte ich mir gewünscht, dass sich jemand einmischt und entweder fragt, ob er helfen kann oder direkt die Polizei ruft.

10. Eine Leserin schrieb, sie würde von Freunden und Bekannten schon als etwas nerviger Gutmensch und Moralapostel bezeichnet, weil sie ständig auf Alltags-Rassismus hinweisen würde. Ich persönlich denke, dass wird nur besser, wenn MEHR Menschen darauf achten und das Problem verinnerlichen. Was denkst du?  

Jennifer: Ich denke auch, dass darauf hingewiesen werden sollte. Es ist den Leuten meist nicht bewusst. Viele Fremde heben sich im Gespräch hervor, indem sie mir z.B. mitteilen, ihr Kind habe auch einen farbigen Freund, nur um mir zu zeigen, sie wären damit ok. Dies finde ich überzogen und weise direkt darauf hin. Ich denke, wenn man es totschweigt, wird es nicht weniger und es ist klar, dass es verletzen kann. Daher sollte man unbedingt darauf hinweisen. Jeder Mensch ist gleich zu behandeln. Es ist ein unangenehmes Gefühl, als Kind gleich aufzuwachsen und irgendwann durch solche Äußerungen vorgehalten zu bekommen, dass man anders ist, anders behandelt werden sollte und anders bewertet wird. Dann beginnt man sich irgendwann zu fragen, wenn man z.B. in einer Schlange steht: „Dreht sich die Person vor einem nun dauernd um, weil man farbig ist oder weil sie sich auch bei einem „weißen“ umdrehen würde, weil sie misstrauisch ist,“ und das sollte man sich wirklich nicht fragen müssen.

11. Wenn man erkannt hat, dass man nicht frei von Alltags-Rassismus ist, es aber ändern möchte … was kann man tun? Wie geht man am besten an diese Mammut -Aufgabe heran, ohne ständig frustriert zu sein, dass man nicht einfach einen Schalter umlegen kann? Hast du Tipps, Daya?

Daya: Erst mal herzlichen Glückwunsch und Chapeau! Das Schwierigste ist geschafft und das sollte man lobend anerkennen! Es ist scheiß-schwer, sich Fehler einzugestehen. Das macht niemand gern. Vor allem nicht, wenn es um derart hässliche geht. Das sollte man sich selbst immer wieder vorhalten. Und sich Fehler zugestehen. Und ja: ich muss enttäuschen. Es wird frustrierend bleiben. Und das ist ok. Dieses Thema ist zu wichtig, um ein gemütlicher Spaziergang im Park zu sein. Es ist eine verdammt steile Bergwanderung, voller Geröll und Abgründen. Das Gipfelkreuz auf direktem Wege zu erreichen, ist absolut utopisch. Der Absturz sicher. Um den Weg zu meistern, braucht man Willen, Ausrüstung, Unterstützung und muss denn langen Weg um den Berg herum nehmen, um anzukommen. Und ja, vielleicht tritt man mal daneben oder stellt fest, dass man doch nochmal einen Teil der Strecke zurück gehen muss. Neues Verhalten zu erlernen braucht Monate. Neue Haltungen Jahre. Man wird immer wieder in Fettnäpfchen treten und auf die Schnauze fallen. Das muss man sich zugestehen. Lernen ist ein langwieriger Prozess voller Schwierigkeiten und Rückschritte. Habt Geduld und seid gut zu euch. Bleibt im Austausch, seid offen sowie ehrlich bzgl. des Prozesses, in dem ihr steckt, und achtsam. Ich und wir erkennen den Weg an, den ihr gerade geht. Das ihr ihn überhaupt gehen wollt, sollte uns alle stolz genug machen.

 

PS: Dieser Artikel ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, dass weiß ich. Aber auch ein reißender Fluss besteht im Grunde nur aus Tropfen … aus sehr vielen eben. Also hilft vielleicht auch er, um etwas zu verändern; Öffnet noch ein paar Augen und Herzen mehr, die gemeinsam dann ganz viel erreichen können.
Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle danke sagen – all jenen, die mitgemacht haben, die mit mir gesprochen, lange telefoniert, mir Fragen geschickt und Antworten gegeben haben. Und auch jenen, die das alles hier lesen und nun vielleicht sogar TEILEN. Ich DANKE euch! :-*

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4 Kommentare für “Alltags-Rassismus: 11 Fragen und Antworten – gefragt und beantwortet von Eltern

  1. Hallo,
    aus meiner privilegierten Sicht würde ich sagen, dass ist ein toller Artikel, weil es doch das Beste ist, immer die Betreffenden selbst zu fragen,wie sie etwas sehen, statt anzunehmen und vorauszusetzen, wie etwas zu sein hat bzw. zu erleben und zu spüren ist.
    Und in diesem Zusammenhang brauche ich jetzt für Deinen Artikel auch Sensibilitätsnachhilfe: dieser Satz fiel mir auf und hat ein großes Fragezeichen bei mir geschaffen:
    “Also: Sage ich, ich sehe, deine Haut ist anders als meine, ich sehe einen Unterschied zwischen uns beiden, ist es rassistisch.”
    Vielleicht ist es ein Missverständnis meinerseits, aber alle Hauttöne sind doch unterschiedlich, also auch z. B. zwischen Kaukasier. Es ist doch normal, verschieden zu sein (Um mal eine viel zitierte Inklusionsweisheit zu bemühen). Wieso ist es rassistisch zu sagen, meine Hautfarbe ist unterschiedlich zu Deiner? Oder meintest Du: aus unterschiedlich Hautfarben wird eine Ableitung hergestellt, wie man mit Menschen umgeht? Ich bin verwirrt…
    Gruß RM

  2. Wir leben sehr ländlich. Mein erster Gedanke war daher unser Freundeskreis ist null multikulti und deshalb haben wir nur wenige Berührungspunkte mit diesem wichtigen Thema. Wenn ich jedoch genauer darüber nachdenke fällt mir auf, dass ich Italiener, Kroaten und Türken nicht bewusst als multikulti wahrnehme – sie gehören einfach in meine Normalität. Das ist doch schon ein Anfang, denn in der Generation unserer Großeltern und Eltern war das sicher noch nicht so. Ich hoffe es geht unseren Kindern später mit unterschiedlichen Hautfarben genauso.
    Bisher hatten wir (bewusst) nur eine Situation: unser Kinderarzt hat eine Mitarbeiterin mit einem sehr schönen Milchkaffee-Hautton und Afro. Mein Sohn hat sie ganz groß angeschaut und gefragt warum sie anders aussieht. Mir fiel nichts besseres ein als zu sagen, es gibt doch auch ganz viele verschiedenfarbige Blumen und es wäre doch furchtbar langweilig wenn alle gleich aussehen würden. Das breite Grinsen der Frau hat mir gezeigt, dass ich damit wohl nicht so sehr daneben lag. Ich versuche einfach einen ungezwungenen Umgang und Akzeptanz vorzuleben und hoffe er nimmt das für sich auch später als ganz natürlich wahr.