Rabenmutter 2.0

Rabenmutter 2.0: Mach’ dich nicht bekloppt!

„Beim zweiten Kind mache ich alles anders!“ DAS sagen die meisten Mamis irgendwann … nach ungefähr einem Jahr, wenn Zwergnase aus dem allergröbsten rausgewatschelt ist und Muttis Hirn so langsam wieder zu seiner alten Form aufläuft bzw. auf Stillhormon-Entzug überhaupt erstmals wieder richtig angeschmissen wird. Bei mir war’s bzw. ist es (leider) nicht anders – was echt ätzend ist, denn vor der Geburt der kleinen Madam war ich absolut davon überzeugt, dass mich als gestandene Frau von … äh … etwas mehr als 30 (*hüstel*), nichts so leicht aus der Bahn werfen könnte. Tja, hab mich geirrt. So ein kleines, ständig brüllendes und niemals schlafendes Bündelchen Liebe lehrt selbst die taffeste frischgebackene Mum das Fürchten. Also manchmal. Nicht immer natürlich. Sind ja auch ganz oft einfach nur zauberhaft, die Kleinen. Wenn sie schlafen 😉

Die Frage ist: WAS würde ich denn tatsächlich anders machen wollen, wenn ich die Chance bekäme, das erste Jahr als Mutter noch einmal zu erleben? Nur einzelne Situationen? Irgendwie alles? Etwas ganz bestimmtes? Ich hab mal ein bisschen darüber nachgedacht, weil ich auf Twitter (jaaaaa, da gibt’s LÄCHELN UND WINKEN auch 😀 ) über Jana’s Aufruf zu Mein Brief an mich – die Sommer-Blogparade von Hebammenblog.de gestolpert bin. Schöne Idee, finde ich, seinem eigenen, früheren Ich einen Brief mit Tipps oder höflichen Hinweisen oder auch ein bisschen Schimpfe zu schreiben. Deshalb nehme ich hiermit zum ersten Mal an einer Blogparade teil (YEAHHHH 😀 ).

Na dann, los geht’s:

Liebe frisch gebackene Mama-Anke,
erst einmal: Herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner kleinen Ella! Sie ist bezaubernd! Und sie wird immer bezaubernder werden. Vertrau mir – ich weiß das! Ich schreibe dir nämlich aus der Zukunft!!! 😉
„Unsere“ Mausemaus ist in meiner Zeit schon beinahe zwei Jahre alt und macht gerade – du wirst es wahrscheinlich kaum glauben können – ihren Mittagsschlaf ALLEINE IN IHREM BETT! Jaaaaa, kannst du dir nicht vorstellen, wa? Ist aber so! Freu dich drauf! 😀 Nur deshalb habe ich überhaupt die Zeit, dir diesen Brief zu schreiben. Und das tue ich, um dir etwas wirklich Wichtiges zu sagen und ich hoffe, du be
herzigst diesen totaaaaal liebevoll gemeinten Ratschlag meinerseits:

MACH’. DICH. NICHT. SO. VERDAMMT. BEKLOPPT!!!

Nein, nein, nein, werd’ jetzt nicht direkt sauer und rechtfertige dich um Gotteswillen nicht wieder sofort! Ich WEIß, dass du dein Bestes geben wirst und dir fest vorgenommen hast, die selbstbewusste, starke Frau zu bleiben, die du vor Ellas Geburt warst. Du wirst dich ja auch nicht absichtlich in ein weinerliches, verunsichertes Mami-Weichei verwandeln (sorry, aber ich will hier ehrlich sBlogparadeein!). Ganz viel Schuld können WIR da auf die Hormone schieben. Die sind echt der Hammer! Und natürlich hast du völlig recht: Ella ist dein/unser erstes Kind und wir sind völlig ahnungslos. Woher sollen wir denn auch wissen, was mit einem Baby alles auf uns zukommt, wie es sich anfühlt, Mutter zu sein, was es aus uns macht und wie sehr wir uns dadurch verändern, BEVOR es da ist. Können wir nicht wissen. Müssen wir auch nicht. Aber was wir wissen – was DU weißt – ist, dass wir eine super Intuition haben! Dieses Bauchgefühl hast du auch jetzt noch. NUTZE ES! LASS dich nicht bekloppt machen von all den Besserwissern, den Ärzten, den „Freunden“ und VOR ALLEM den anderen Mamis und MACH dich nicht selbst so gnadenlos bekloppt! Ganz besonders in folgenden Punkten:

Schwangerschaftskilos:
28 Kilo extra sind echt viel, stimmt (Ja, ja, ich weiß, die sind irgendwie aus dem Nichts gekommen und haben wirklich GAR NICHTS mit deinem Essverhalten in der Schwangerschaft zu tun :-* ). Und leider sind die bei der Geburt nicht alle „verpufft“. Aber: Hör auf deswegen rumzuheulen und Geschäfte mit den Worten „Dann geh ich eben nicht mehr vor die Tür!“ zu verlassen! Versuch einfach nicht mehr ständig, dich in deine alten Hosen zu zwängen … warte erstmal ab! MACH. DICH. NICHT. BEKLOPPT! Du wirst jedes dieser Kilos für die Stillzeit brauchen – mehr sogar – genauso wie es bei deiner Schwester war. Dein Kind wird dir kaum Schlaf gönnen und dich zwingen, jeden Tag ca. 10 Kilometer zu laufen (Klingt anstrengend? Jepp – das ist echt was anderes, als den ganzen Tag am Rechner zu sitzen 😉 )

Baby-Schlaf:
Ich sag’s echt ungern, aber das Thema Schlafen ist Ellas „Baustelle“. Und eigentlich hast du es ja schon im Krankenhaus selbst gemerkt: Während die anderen Babys brav in ihren Bettchen gelegen haben, wollte/konnte dein Baby nur in deiner unmittelbaren Nähe schlafen. Das wird sich leider nicht ändern – 7 Monate lang! Du kannst das Babybay eigentlich gleich wieder abbauen 😉 Dafür empfehle ich dir, SOFORT ein Tragetuch zu bestellen. Warte damit nicht (wieder) so lang. Es schenkt dir Freiheit. Denn im Tuch wird die kleine Maus seelig schlummern. (Im sich BEWEGENDEN Kinderwagen auch, aber dass führt leider zu den besagten 10 Kilometern.) Wirf keine neidvollen Blicke zu den anderen Mamis, die irgendwo sitzen und ein Buch lesen, während ihre Kinder in Bettchen, Wiegen oder STEHENDEN Kinderwagen schlafen – Ella ist eben anders. Da hilft es auch nicht, es immer wieder zu probieren, sie immer wieder abzulegen und damit euch beide zu stressen. Ich habe wirklich alles versucht und nichts hat geholfen. Deshalb vertrau mir, nimm es einfach wie es ist, halte dein Baby, trage sie und lass sie in deinem Arm schlafen. MACH. DICH. NICHT. BEKLOPPT! Das ist nämlich völlig in Ordnung so! Egal was andere sagen! Sie wird deine direkte Nähe sehr, sehr lange zum Schlafen brauchen. Aber du gewöhnst dich dran 😉

Abstillen/Beikost-Einführung:
Puhhh, wenn ich da nur dran denke, werde ich sauer! Hierbei ist es wirklich ganz, ganz, GANZ wichtig, dass du dich nicht so von anderen verunsichern lässt, sondern stattdessen auf dein Bauchgefühl hörst. Wen juckt es denn, dass „die anderen“ ihre Kinder mit SPÄTESTENS 6 Monaten abstillen, um wieder FREI zu sein oder Bier trinken zu können oder das Kind nicht länger mit Milch zu langweilen (echt jetzt?!)! DEIN Bauch wird dir sagen, dass dein Kind noch nicht bereit für Beikost ist. Das merkst du daran, dass du in Tränen ausbrichst, wenn du daran denkst, sie abzustillen. Und DEIN KIND wird sogar deiner Meinung sein, denn sie wird den Löffel verweigern, brüllen, spucken und ebenfalls weinen. Deshalb: MACH. DICH. NICHT. BEKLOPPT! Sie wird essen. Ganz normal. Irgendwann. Später als du denkst. Und nicht zwingend das, was du gern hättest. Aber sie wird essen. Und du kannst ja darüber schreiben 😉 (In der Zukunft wird dieser Link zu Teufelszeug in Gläsern führen 😀 )

Haushalt:
Du kannst dir sicher vorstellen, wie ungern ich folgendes jetzt sagen werde: Dein Mann hat recht! Du machst gerade zuviel. Wochenbett heißt Wochenbett, weil Mutti da viel Zeit im BETT verbringen soll! Oder auf der Couch. Ich weiß, entspannen fällt dir schwer. Und du kannst es absolut nicht ausstehen, wenn die Bude verdreckt. Aber dann tritt deinem Mann eben heftiger in den Arsch! Der kann auch das Bad putzen und jeden verdammten Tag staubsaugen, damit die Wohnung nicht in Katzenstreu untergeht. Klar wird der rummaulen (Recht haben gefällt ihm zwar, selber putzen müssen aber ja leider nicht so 😉 ). Ignorier das! Halte das Baby hoch und sag: „DAS HAB ICH DIR GERADE GESCHENKT! JETZT SCHENK DU MIR EINE AUSGERÄUMTE SPÜLMASCHINE! SOFORT!“ Dann geht’s dir besser. Schon bald kannst du alles wieder selber machen. Mit dem Baby im Tragetuch und etwas langsamer als früher (vorerst), aber zumindest wieder selber. Also: MACH. DICH. NICHT. BEKLOPPT! Lass dir helfen!

Tja, dass war’s eigentlich schon. Ich hoffe, du nimmst mir meine Worte nicht krumm. Wie gesagt: Ich mein’s nur gut – weißte ja selber, ne 😉

Fühl dich gedrückt,
dein Zukunfts-Ich

So, fertig. Hat irgendwie gut getan 😉 Und auch wenn’s mir rückwirkend natürlich nicht wirklich helfen wird, das erste Jahr mit Kind entspannter zu erleben, lese ich meinen Brief an mein früheres Ich vielleicht ja auch einfach nochmal, wenn/falls sich ein zweites Kind ankündigt. Ich hege nämlich irgendwie die Befürchtung, dass mich die Schwangerschafts- und Stillhormone durchaus noch ein zweites Mal völlig aus den Schuhen hebeln könnten – womöglich nicht mehr so dolle wie beim ersten Mal und vielleicht auch irgendwie anders – aber im mich selbst bekloppt machen bin ich einfach großartig. Immer! Daran wird sich vermutlich niemals etwas ändern. 😀

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Comments

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10 thoughts on “Rabenmutter 2.0: Mach’ dich nicht bekloppt!

    1. Oh, vielen Dank, liebe Regine!!! Vielleicht hilft er ja tatsächlich der ein oder anderen Mami, etwas früher wieder zu ihrer „alten“ Stärke bzw. ihrem Bauchgefühl zurückzufinden und sich nicht ganz so irre zu machen, wie ich es gemacht habe 😉
      Liebe Grüße
      Anke

      1. Bin über Janas Twitter-Account hier gelandet. Und zwar genau zur richtigen Zeit. Vorhin beim Zubettbringen meiner Tochter überkam mich nämlich wieder ein heftiger Anfall von Ich-muss-jetzt-und-sofort-unser-einschlafritual-ändern-wenn-ich-jemals-wieder-einen-Abend-für-mich-haben-will-Panik. Jetzt ist aber alles wieder gut. Danke dafür.

        1. Das freut mich total, Katharina!!! Mach dir echt keinen Stress! Es wird wirklich automatisch besser. Und irgendwann werden wir sie wecken – wenn sie von ihrer ersten Party noch total platt sind ?

  1. toll geschrieben! die dinge einfach sein-lassen, was sie sind und in uns hineinspüren. wenn es sich richtig anfühlt, machen und nicht so viel über Sachen nach-denken, die schlussendlich mit „regeln“ und dem sogenannten „das-macht-man(n)-so“ (wo wohnt der und wie heißt der überhaupt?!!!). dem bauchgefühl folgen, denn das ist es schlussendlich wo die kleinen Würmer herkommen und es damit wieder präsent machen und uns bewusst halten wollen (vermute ich jedenfalls). mehr davon! es gilt m.E. uns Frauen wieder gern unserem Naturell entsprechen zu wollen – Mutter sein. Das ist doch unsere eigentliche Bestimmung oder?! Reicht doch und macht doch schon 100% aus – sprich, perfekt! Einfach-Sein-Lassen und genießen – bringt mehr Freude für uns am Dasein mit unseren Kids und den Kids automatisch auch. Freude am Leben ist doch mal eine schöne Ausrichtung 😉

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