Rabenmutter 2.0

… und sie ziehen doch von alleine (aus dem Familienbett) aus!

Bevor ich Kinder hatte, fand ich Familienbetten irgendwie fragwürdig. Ich glaube, so geht es vielen Noch-Nicht-Eltern, weil sie sich einfach nicht vorstellen können, wie innig die Verbindung zum Nachwuchs … und WIE MIES die Nächte werden können! Mein Plan war jedenfalls vor der Geburt der Mausemaus, mein Baby die ersten 12 Monate neben mir in IHREM Bettchen schlafen zu lassen, um es mit dem nächtlichen Stillen so unkompliziert wie möglich zu haben, und sie dann ins Kinderzimmer auszuquartieren. In meinem Kopf klang das ganz ausgezeichnet und natürlich absolut machbar. IST es auch für viele Familien. Nur für unsere eben nicht. Denn das Töchterchen kam mit einer ganz eigenen Vorstellung vom Thema Schlafen auf die Welt: die ersten sieben Monate schlief sie ausschließlich in Mamas Arm (ihr kleines Beistellbettchen beherbergte nie mehr als Stillkissen und Spucktücher) und die folgenden 2 JAHRE nur mit vielen, teils bis zu drei Stunden andauernden Unterbrechungen. Sie auszuquartieren, damit ich jede Nacht nicht nur gefühlte 25 x geweckt werden würde, sondern zudem auch noch aufstehen und in ein anderes Zimmer wanken müsste, erschien mir daher sehr lange nicht als empfehlenswerte Idee. Obwohl mir natürlich häufig dazu geraten wurde. Vorzugsweise von Eltern, deren Kinder seit der 8. Lebenswoche selig durchschliefen und die daher keinen blassen Schimmer hatten, wie verdammt müde und wie wenig motiviert ich war, meine eh schon beschissene Situation noch ein bisschen beschissener zu gestalten.

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Der erste Versuch: ein Fehlschlag

Das Projekt „Schlafen im eigenen Zimmer“ gingen wir erst an, als ich bereits mit dem Krümelchen schwanger war und wusste, dass ich das Gitterbett, in dem die nun bald große Schwester immer noch schlief, in absehbarer Zukunft für meinen zweiten Spross benötigen würde (Hahahahaha, ich dachte tatsächlich, dass ich unmöglich NOCHMAL ein schlecht-Schläfer-Baby bekommen könnte … so naiv!!! :D ) . Sie war begeistert!!! Also kauften wir ihr ein neues, große Bett, bauten es in ihrem Kinderzimmer auf … und sahen in den folgenden Wochen dabei zu, wie es von den Katzen annektiert wurde, da die Tochter es eh nicht nutzte. Denn ihre anfängliche Begeisterung verflog so schnell, wie sie gekommen war, als sie begriff, dass sie nicht nur den Mittags-, sondern auch den Nachtschlaf dort „absolvieren“ sollte.
„Wieso soll ich da alleine schlafen? Ihr schlaft doch auch zusammen!“ jammerte sie … und brachte damit ein Argument vor, dass sich wahrlich schlecht ignorieren ließ. Also bauten wir ihr großes Bett am Fußende von unserem auf und hofften, dass sie zumindest von nun an dort schlafen würde. Diesen „Traum“ erfüllte die Tochter uns allerdings erst knapp ein Jahr später. So lange benötigte sie meine direkte Nähe; meine Hand zum Einschlafen und mein sanftes Geflüster zum Weiterschlafen.

Dann eben Familien-Schlafzimmer

Der Mann und ich arrangierten uns mit der von den Kindern entschiedenen Situation. Mehr noch … wir genossen es. Ganz besonders, nachdem tatsächlich jedes Kind sich an SEIN Bett gewöhnt hatte und zumindest den Großteil der Nacht dort verbrachte (die Mausemaus mehr als der Krümel, aber der ist ja auch noch arg klein ;) ) . Zwischendurch beschwerte sich die Tochter zwar immer mal wieder, dass sich ihr Bett dennoch zu weit weg von der Mama befände, aber diese „Bemängelung“ konnten wir meist damit auflösen, dass sie in Papas Bett einschlafen durfte und später von ihm „umgepackt“ wurde. Das letzte Mal, dass sie über diesen doch sehr ungerechten Umstand klagte, dass ihr Bett nicht an meiner Seite, sondern am Fußende stehe, ist gerade einmal knapp 6 Wochen her … und es flossen so viele Tränen dabei, dass ich den Mann schon heimlich mit dem Zollstock und einem Plan von einem „echten“ Familienbett im Kopf im Schlafzimmer verschwinden sah. Ich habe ihn jedoch gebremst, weil ich erstens mein Bett liebe, wie es ist und zweitens durchaus hoffte, dass irgendwann BEIDE KINDER soweit wären, GEMEINSAM in ein Hochbett im Kinderzimmer umzuziehen. Dann wäre dort schließlich auch niemand allein. Darauf würden wir einfach warten. Denn im Grunde war es doch so, wie wir gerade unsere Nächte verbrachten, schön und durchaus praktisch … ganz besonders natürlich in den ewig währenden Winter-Krankheitszeiten, in denen wir NICHT zwischen verschiedenen Zimmern herumturnen mussten.

Und plötzlich war sie soweit

Ich hatte mich also absolut an den Gedanken gewöhnt, die Kinder würden beide noch mindestens ein weiteres Jahr bei uns schlafen und dann ZUSAMMEN ins Kinderzimmer wechseln. Doch eines Abends eröffnete mir die Tochter während des Umziehens plötzlich: „Mama, ich möchte hier schlafen.“ Ich war ein bisschen baff und fragte daher nach: „Du meinst hier im Kinderzimmer?“
„Ja! Ich möchte, dass mein Bett hier steht! Und das ich hier schlafe. Alleine!“
Ich schluckte ein wenig, denn damit hatte ich überhaupt nicht mehr gerechnet. Mein BABY wollte ausziehen!!! Einfach so!!!
„In Ordnung, Schatz,“ sagte ich tapfer ;) ,“dann bauen wir am Wochenende dein Bett im Kinderzimmer auf!“ Und schob hinterher: „Du müsstest allerdings ab jetzt schon üben, alleine in deinem Bett einzuschlafen. Also nicht mehr in Papas! Damit ich sehen kann, dass es dir ernst ist … denn so wird es sein, wenn du hier schläfst.“ Sie nickte heftig und strahlend, kletterte in ihr Bett und schlief ohne langes herumlamentieren ein. WOW!

„Passiert das gerade wirklich“, fragte der Mann. Und ich sah, dass er genau wie ich gerade eine Mischung aus Stolz auf die Tochter und ein bisschen Traurigkeit empfand. So fühlt es sich wohl jedes Mal für Eltern an, wenn ein Kind einen Schritt in die Eigenständigkeit macht … egal, wie groß er ist und ebenso egal, wie lange es bis dahin gedauert hat.

Am folgenden Wochenende schoben wir das Bett unsere großen Tochter also ins Kinderzimmer. Sie war stolz wie Bolle und wollte eigentlich bereits um 16 Uhr ins Bett gehen :D . Als es dann tatsächlich Zeit zum schlafen war, krabbelte sie unter ihre Decke, bekam Küsschen von Mama, Papa und Bruder, schmiss sich noch selbst ein Hörspiel an und schlief in ihrem Zimmer ein und durch, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Es kann so einfach sein

Ich habe immer gehofft, dass es genau so laufen würde. Dass mein Kind irgendwann von sich aus die Entscheidung träfe und dann glücklich damit wäre. Sicher funktioniert es auch (und ist in anderen Familien der richtige Weg), Kinder deutlich früher auszuquartieren … für uns war’s aber eben nicht die passende Lösung. Wir alle fuhren jetzt über vier Jahre gut damit, zusammen in einem Raum zu schlafen und Kommentare von „Besserwissern“ zu ignorieren, die uns Szenarien androhten, in denen unsere Kinder auch mit 18 noch an meine Brust gekuschelt schlafen würden. Und wenn ich mir mein starkes, selbstbewusstes Mädchen anschaue, sehe ich auch kein verweichlichtes Kind, das Angst hat, irgendwas ohne die Mama zu machen. Im Gegenteil sogar, wenn ich sie tagsüber so beobachte ;) . Also bewahrheitet sich auch diese, immer wieder gern angebrachte „Weisheit“ zu keinem Stück. Stattdessen habe ich das Gefühl, meinen JOB als Mama endlich mal wirklich richtig gemacht zu haben (MEGA – wann hat man das schon als Mutter :D ): Ich habe den Wunsch der Mausemaus respektiert, so lange in meiner direkten Nähe zu schlafen, wie sie es eben brauchte – weil sie es echt immer gut verargumentiert hat UND weil ich es zugegebenermaßen auch sehr schön fand, sie nah bei mir zu wissen <3 . Jetzt ist sie groß … also zumindest größer ;) und möchte mehr Freiraum. Auch nachts. Das akzeptiere ich nun genauso und bin sehr, sehr stolz auf sie, dass SIE das so selbstständig entschieden hat.

Hach, Kinder zu haben ist toll … und zu erleben, dass sich manches Problemchen (womöglich mehr, als ich bisher dachte) EINFACH SO IN LUFT AUFLÖST, wenn man nur geduldig genug abwartet, macht mich gerade mega glücklich und lässt mich auch andere „Hürden“ etwas entspannter betrachten! <3

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6 Kommentare für “… und sie ziehen doch von alleine (aus dem Familienbett) aus!

  1. Den Text hätte ich genau so schreiben können. Bei uns ist es exakt gleich im Moment. Lustig… Allerdings war unsere Großmaus vergleichsweise immer eine gute Schläferin, auch wenn das Durchschlafen “erst” mit 9 Monaten kam.
    Die Kleinmaus schläft da echt schlechter im Vergleich, aber auch das wächst sich raus oder kann mir irgendwann egal sein.
    Wenn ich eins von der Großmaus weiß, dann dass sich irgendwann alles irgendwie von selbst ergibt. Egal ob Schlafen, Windel oder so. Bloß nicht verrückt machen (lassen)!
    LG 🤗

  2. Diesen Text habe ich gebraucht. Ich hoffe nur, dass es bei meiner Kleinen nicht ganz so lange dauert ;) Wir bauen jetzt und ich habe die Hoffnung, dass es im neuen Zimmer besser wird. Bei den Oma´s kann sie schließlich auch in Ihrem Bett durchschlafen. Vielleicht liegt es nicht nur am Nähebedürfnis sondern auch am Zimmer ?!