Rabenmutter 2.0

Das Elend mit der Putzerei

Solange man jung und ungebunden ist, interessiert sich im Prinzip keine Sau dafür wie man es in den eigenen vier Wänden so mit der Ordnung und der Sauberkeit hält … von der eigenen Mutter vielleicht mal abgesehen, die wahrscheinlich immer der Meinung sein wird, dass wenigstens das Badezimmer regelmäßigen Kontakt mit Scheuermilch haben sollte ;) . Ein bisschen relevanter wird das Thema dann, wenn man in einer Beziehung lebt – dann kann es durchaus passieren, dass sogar Außenstehende Dinge fragen wie: „Und … teilt ihr euch den Haushalt?“, weil die Putzerei plötzlich mehr als nur ein notwendiges Übel ist, schließlich müssen sich nun zwei oftmals unterschiedlich tickende Menschen gleichermaßen wohlfühlen und im besten Fall GEMEINSAM anpacken. Da dem aber nicht immer so ist, birgt der Haushalt schön viel Streitpotenzial … und das bzw. der Umgang damit, finden dann eben auch Freunde und Verwandte interessant :D .

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Eine noch prominentere Position im Leben nimmt die Haushaltsführung ab dem Zeitpunkt ein, ab dem man Kinder hat. Ganz besonders im Leben von uns Frauen … denn irgendwie ist es auch 2018 noch normal, dass Mutti sich der Sache annimmt, auch wenn es längst legitim geworden ist, spätestens im aktiven Familienalltag einige (so viele wie möglich ;) ) der anfallenden Heim-Aufgaben an den Mann zu delegieren. Klar, es gibt auch die Version, in der ein HausMANN das Putz-Ruder bzw. den Mopp führt, allerdings ist das doch immernoch eher die Ausnahme – was ich persönlich ja extrem schade finde, weil ich sooooo ungern putze (der Mann allerdings auch :D ).

Komischerweise ist es ja so, dass man als Mutter schon von ganz alleine mehr über Ordnung und Sauberkeit nachdenkt, als man das früher – als einziger Bewohner der ersten eigenen Bude, aber auch im Zusammenleben mit einem Partner – gemacht hat. Gerade zu Anfang, wenn das erste Baby auf der Welt ist und einem live und in Farbe präsentiert, wie verdammt viel Dreck und Wäsche bereits ein Würmchen von knapp 52 cm machen kann. Es ist WAHNSINN! Und auch der Umstand, dass man die vielleicht früher als feste Putz-Zeit reservierten Vormittagsstunden an jedem Samstag plötzlich nicht mehr dafür freigeschaufelt bekommt, weil Babys und Kleinkinder keinen Sinn für „Wochenende“ haben und sich auch allgemein nur sehr wenig dafür interessieren, was Mutti so für PLÄNE gemacht hat. „Ich komme einfach zu nichts!!!“ ist wahrscheinlich der am häufigsten gesagte Satz von frischgebackenen Müttern … und damit ist dann fast immer gemeint: Unsere Wohnung versinkt im Chaos, ich habe seit 3 Tagen keine frische Unterwäsche mehr und ich glaube, ich hab mir auf meinem eigenen Klo einen Pilz geholt! (Worst-Case-Szenario ;) )

Das Gute ist:

  1. Es geht den meisten von uns in den ersten Monaten mit Baby so.
  2. Es wird schnell wieder besser!

Man muss aber eben tatsächlich erst einmal damit leben, dass man Abstriche machen muss, weil der Tag eben nur 24 Std hat; ein Baby gefühlt allerdings über einen Akku für 25 Std verfügt und uns damit so dermaßen auf Trab hält, dass wir eigentlich nicht mehr wissen, wo oben und unten ist. Macht nichts, denn es wird ja wirklich schneller wieder besser, als wir in der Situation selbst für möglich halten. Von ganz alleine finden wir bzw. alle Familienmitglieder nach und nach in die neuen Rollen und lernen, das, was uns wichtig ist, irgendwie zwischendurch zu erledigen. Und zwar schnell! SEHR schnell!!! Es ist schier unglaublich, wie SCHNELL man als Elternteil bei der Erledigung von Dingen wird, die früher einmal Stunden an Zeit gefressen haben. Mit einem brüllenden Baby im „Background“ und verfügbaren „Arbeitszeiten“ von maximal 10 Minuten am Stück überholen wir Eltern uns quasi selbst beim Badezimmer putzen oder Wäsche erledigen. Das ist schon echt toll!

Parallel werden Mütter und Väter lockerer, was ihr Ordnungsempfinden angeht … selbst jene, die ihr Zuhause eigentlich am liebsten in einer Art Katalog-Foto-Status sehen (ich ;) ). Zumindest, bis Zwergnase anfängt sich selbst fortzubewegen, dazu bäuchlings über den Boden robbt und währenddessen wie ein zu groß geratener Staubwedel „arbeitet“ – inklusive Feuchtwisch-Funktion *würg*. Dann flippen Monk-Menschen wie ich möglicherweise etwas aus und verfallen trotz Zeitmangel in einen mittelschweren Putz-Wahn. Naja, auch DAS geht wieder vorbei ;) . Wie heißt es so schön: Alles ist nur eine Phase. Und das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern!

Lustig ist halt (also wenn man über sowas lachen kann), wie interessant der Wohnungs-Status nach der Geburt eines Kindes plötzlich für andere ist – und wie oft er zum Thema wird. Auf einmal unterhält man sich mit anderen Müttern darüber, wann man zuletzt die Vorhänge gewaschen hat (meine Reaktion: ÖHM?!), wie man am liebsten Fenster putzt (meine Reaktion: Äh, gar nicht?!) oder wie oft man den Hochstuhl des Kleinkindes desinfiziert (meine Reaktion: WHAT???) Selbst wenn man sich nie zuvor über soetwas ausgetauscht hat und vor allem austauschen wollte … man schlittert als Mutter einfach rein. Und weil dem so ist, wir die Nummer mit der Putzerei auch für diejenigen wichtiger, die sich vor dem Kind so gut wie gar keine Gedanken dazu gemacht haben, sondern maximal das Gröbste beseitigten, wenn es sich nicht mehr vermeiden ließ. Plötzlich jedoch schauen wir uns ganz anders in den Räumlichkeiten anderer Familien um, vergleichen sie mit den unseren, entwickeln ein schlechtes Gewissen, wenn das eigene Badezimmer weniger funkelt als das der befreundeten Mutter vom Spielplatz und empfinden es als Genugtuung, wenn die wenig geliebte Übermutter aus dem Pekip-Kurs ganz unerwartet zugibt, dass sie in Messi-ähnlichen Verhältnissen lebt, weil ihr eigentlich doch total perfektes Baby unter Zahnungsschmerzen zur hochmotivierten Spaßbremse mutiert. :D

Und natürlich gibt es nicht nur persönliche Gespräche zu diesem eigentlich doch extrem anti-spannenden Thema, sondern auch viel CLEVERES dazu zu lesen. Studien untermauern, wie viel Sauberkeit ein Kind braucht, um gesund groß zu werden, aber wie wenig Desinfektionsmittel, um keine Allergien zu entwickeln. Hübsch dekorierte Text-Bild-Kombinationen verkünden auf Social-Media-Kanälen, dass GLÜCKLICHE Kinder in unordentlichen Wohnungen leben, weil PUTZENDE Mütter ja keine Zeit zum Basteln haben und daher die Prioritäten falsch setzen. Gleichzeitig erfahren wir in SPANNENDEN Berichten, wie sehr unsere Haushaltstrategien das zukünftige Ordnungsempfinden unserer Kinder beeinflussen. Kurz: Die ganze Kiste wird irre aufgeblasen – wie so vieles in der Mutti-Dimension – und lässt uns mit dem Gefühl zurück, es auf jeden Fall falsch zu machen … ganz besonders, sollten wir uns nach UNSEREM Empfinden richten, anstatt nach den Bedürfnissen der Kinder. Wahrscheinlich wenig überraschend … halte ich das für ausgemachten Schwachsinn ;) .

Ich denke, jede Mama muss ihren eigenen Weg finden … auch in Sachen Haushaltführung. Wir ticken da eben alle unterschiedlich – natürlich schon bevor wir Eltern wurden und eben auch danach. Meines Erachtens gibt es ungefähr 5 verschiedene Putz-Typen:

Typ „Putzt gern“

Ich kenne zwar selbst keine Mutter dieses Typs, aber ich weiß dennoch, dass es sie gibt: Frauen, die so richtig gerne den Lappen schwingen, sogar mit Hingabe unter der Küchenzeile wienern, lächelnd den Schmock aus den Ritzen der Spülmaschine entfernen und nebenbei täglich 5 Ladungen Wäsche „über die Bühne“ bekommen, ohne zu jammern. Ich beneide diesen Typ aus tiefstem Herzen – bin aber meilenweit davon entfernt, selbst einer zu sein! ;)

Typ „Glückspilz“

Manche Mamas haben das MEGA Glück, eine Mutter oder Schwiegermutter des Typs „Putzt gern“ in der Nachbarschaft wohnen zu haben, die sich oftmals sogar unaufgefordert reinschleichen, um mal wieder so richtig für Ordnung zu sorgen. Traaaaaaaumhaft! Eigentlich! Gäbe es zu dieser fulminanten Unterstützung nicht so häufig diese medium-subtilen Vorwürfe in Richtung „Allein schaffst du es ja nicht, obwohl ICH es vor 30 Jahren mit (mindestens) 25 Kindern am Rockzipfel ja sehr gut bewerkstelligt habe!“ Das schmälert die Freude natürlich etwas. Deshalb ist der WAHRE Typ „Glückspilz“ jene Mama, die sich zumindest ab und zu eine Putzfee leisten kann :D <3 .

Typ „Optische Täuschung“

Es gibt Menschen, die eine sehr unpraktische Kombination von Eigenschaften in sich vereinen: Sie empfinden Chaos und Dreck als sehr störend, sind aber gleichzeitig schrecklich putz-faul. Ich gehöre zum Beispiel zu dieser speziellen Gattung. Leider. Meine Lösung: Optische Täuschung! Ich erledige jene Arbeiten, die eine enorm positive Wirkung auf das Gesamtbild unserer Wohnung erzielen, häufig … ignoriere dafür allerdings alles, was mich nur bei sehr genauem Hinsehen als miese Hausfrau enttarnt. Funktioniert ausgezeichnet für mich ;) .

Typ „Mach ich morgen“

Es gibt immer, also wirklich IMMER etwas, dass Wichtiger ist als Putzen. Für Mütter sind das vor allem die Kinder, deshalb gibt es sehr viele Mamas, die den Haushalt einfach Haushalt sein lassen, um sich stattdessen mit ihrem Nachwuchs zum Basteln oder Spielen hinzusetzen. „Ach, dass mach ich morgen … die Wäsche läuft mir ja nicht weg“, sagen sie lächelnd und blenden den Mount Everest aus Unterhosen und Socken einfach aus. Ganz, ganz toll, finde ich diese Fähigkeit!!!

Typ „Ach, das guckt sich weg“

Dieser Typ ist sozusagen die Steigerung der „Mach ich morgen“-Mutter, denn sie … macht es auch morgen nicht :D . Sie hat es perfektioniert, angefallene Hausarbeiten zu ignorieren und kann selbst dann noch ganz entspannt durchatmen, wenn die am, auf und unter dem Tisch klebenden Essensreste schon so hart wie Beton geworden sind, das Geschirr selbstständig Jenga neben der Spüle spielt und das Badezimmer als erstes eine Rasur bräuchte, um all den Haaren auf den Fliesen Herr zu werden :D .

 

Möglicherweise gibt es sogar noch mehr verschiedene Putz-Typen, die ich gerade nicht auf dem Schirm habe; ganz sicher sogar gibt es unzählige „Mix-Versionen“. Ich zum Beispiel bin – wie gesagt – Typ „Optische Täuschung“ mit Aszendent „Ach, das guckt sich weg“. Klingt irgendwie etwas inkonsequent, passt aber gefühlt ganz ausgezeichnet zusammen :D . Und das Wichtigste ist: ICH kann gut damit leben und meine Familie auch. Klar, nervt es sie manchmal, dass ich erst Krümel entfernen muss, bevor ich mich entspannt zum Spielen hinsetzen kann, aber so bin ich eben. ICH brauche eine gewisse, oberflächliche Ordnung zum Glücklich sein. Andere Mamis sind da anders. Wen juckts?! Wir haben doch sicher alle besseres zu tun, als unsere Putz- und Aufräum-Qualitäten zu vergleichen als wären wir unsere eigenen Großmütter in großgeblümten Kittelschürzen! Also … macht’s doch wie ihr wollt – denn SO ist es für EUCH am besten!!!

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9 Kommentare für “Das Elend mit der Putzerei

  1. Was für eine geniale Formulierung – Typ “optische Täuschung” mit Aszendent ” das guckt sich weg”! Da hab ich mich auch zu hundert Prozent wieder erkannt :-)
    Aber du hast wirklich recht, unglaublich wie viel man plötzlich über das Thema spricht sobald man Kinder hat… Und wie sehr man sich mit anderen Mamas vergleicht. Ein sehr toller Artikel bzw Blog, der nicht erzieht, sondern nur feststellt. Weiter so! Liebe Grüße von Steffi

  2. Das druck ich mir aus! ;-) ich muss das jetzt mal loswerden.. ich liebe, wie du schreibst! So erfrischend, normal und vor allem nicht in eine Richtung lenken wollend (oder machst du das so ganz heimlich durch die Blume?🤔 😱 o.O ).
    Du versuchst halt nicht, dein Insta-Perfect-Life zu verkaufen.. und darum fühlt man sich beim Lesen höchstens mal ertappt, nie aber schlecht.. Danke dafür.
    So. Und jetzt geh ich putzen😂👋🏻

  3. Liebe Anke,
    vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel, ich habe mich sehr amüsiert und an vielen Stellen wiedererkannt. Stell dir vor, mich beschäftigt das Thema sogar so sehr, dass ich einen eigenen Blog darüber schreibe (Rosanisiert.de). Hier beschäftige ich mich mit allen Themen rund um Ordnung, Putzen und Haushalt. Allerdings aus der Perspektive einer anonymen Chaotin (ich bin unordentlich, kann es aber gut verbergen. Damit fälle ich wohl in die Kategorie „optische Täuschung“?). Zum Glück bin ich aber auch der Typ Glückspilz, denn meine Mama putzt immer mal bei uns durch, wenn sie zu Besuch kommt. Sie ist wirklich Typ 1!
    An dieser Stelle muss ich aber trotzdem noch einmal betonen, dass Haushalt eigentlich Familiensache ist. Auf meinem Blog setze ich mich auch dafür ein, dass sich vor allem die Männer mehr an der Hausarbeit beteiligen. Denn leider erbringen immer noch die Frauen einen großen Teil der unbezahlten Arbeit. Und auch Kinder können altersgerechte Aufgaben übernehmen. Das macht ihnen meistens sogar Spaß.
    Ich freue mich schon auf viele weiter Artikel von dir :)
    Viele Grüße
    Anita

  4. Ich liiieeebe Putzen, ich würde am liebsten immer eine tippi-toppi-saubere Bude haben…wenn ich bei Freunden bin, die “gerade nicht aufgeräumt haben”, man kennt das ja…, ich würde am liebsten sofort, unbezahlt und mit der Zahnbürste loslegen. ABER …
    ich hab keine Zeit..ich hab halt Kinder…und so lebe ich inzwischen viel lockerer mit den Mottos “Der Teppich hat schon ALLES gesehen, wird getauscht, wenn Kinder ausm Haus sind und Mann gelernt hat ordentlich zu essen”, “tritt sich fest” und “Na, Schatz, haste dein Stück Stulle von gestern wiedergefunden??!”
    Stimme Dir zu, jeder nach seiner fa­çon!